Neuen Kommentar schreiben

Fastenwoche für Nationalrat Hadorn «fremd und einladend»

Mediencommuniqué «Fasten in der politischen Krise».

Bern, 28. März 2017 – Mit vollem Körpereinsatz der Krise begegnen. In Bern fand letzte Woche eine Fastenwoche für Politiker und politisch engagierte ChristInnen statt, getragen von der Berner Mennonitengemeinde und dem christlichen Aktionslabor ChristNet. Rund 30 Personen, darunter zwei Mitglieder des Nationalrats, wagten das politisch-spirituelle Abenteuer.

Flüchtlingsthematik, Nord-Süd-Gefälle, Polarisierung der Parteienlandschaft, Infragestellung von Menschenrechten und Demokratie: Die politischen Krisensymptome veranlassten die Veranstalter, diese spezielle Fastenwoche zu organisieren. Statt die Krise zu ignorieren, statt sie zu bekämpfen, auferlegte man sich selbst eine Krise körperlicher Art. «Wir wollten die Krise am eigenen Leib erfahren», erklärt Remo Wiegand, Leiter Inhalte von ChristNet. Dahinter stecke die Überzeugung, dass die Angst nachlasse und die Gelassenheit zunehme, wenn der Bedrohung direkt oder symbolisch ins Auge geblickt wird. «Dieser spirituelle Weg entspricht der biblischen Tradition», so Wiegand. «Er bedeutet auch, die eigene Ohnmacht anzuerkennen und an Gottes Wirkmacht zu appellieren.»

Von persönlich-existentiell bis politisch-leidenschaftlich

14 Personen – mehr als man bei diesem neuen Projekt erwarten konnte – hatten sich auf den Weg gemacht (13 hielten durch) und verzichteten gänzlich auf feste Nahrungsmittel. Mindestens ebenso viele entschieden sich für ein Teilfasten, verzichteten wie etwa Nationalrätin Christine Häsler auf Alkohol und Unterhaltungskonsum. Eher ungewöhnlich für Fastengruppen war, dass Männer in der Mehrheit waren.

Die Erwartungshaltung der Vollfastenden war ziemlich verschieden: Während einige, insbesondere Fastenanfänger, stärker auf die persönlich-existentielle Erfahrung bedacht waren, loderte in anderen eine politische Leidenschaft, die sich bereits am ersten Gruppenabend Luft verschaffte: «Unser Geldsystem und unsere Wachstumsideologie sind zerstörerisch. Darunter leide ich», sagte ein Teilnehmer. «Aber ich glaube fest daran, dass es Alternativen gibt.»

Jesaja als Kraftquelle

Jeden Abend trafen sich sieben bis zehn Personen im Gemeindezentrum Burgfeld der Berner Mennonitengemeinde. Man stärkte sich gegenseitig und las zusammen Texte von Teilnehmenden, die ein Herzstück des eigenen politischen Engagements in Worte zu fassen versuchten. Am Freitag machte Nationalrat Philipp Hadorn der Fastengruppe seine Aufwartung.

Der Einsatz für Gerechtigkeit im Nationalrat könne angesichts des kurzsichtigen Sparregimes im Parlament oft frustrierend sein, schrieb Hadorn in seinem Text. Die Jesaia-Verheissung, wonach das eigene Engagement in der Schöpfung widerhallen werde – «Berge und Hügel brechen bei eurem Anblick in Jubel aus, alle Bäume auf dem Feld klatschen Beifall» (55,12) – sei ihm selber angesichts drohender Ermattung kürzlich zur Kraftquelle geworden.

Frühlingshaftes Fastenbrechen

Das Fastenbrechen fand am Samstag an einem strahlenden Frühlingstag statt. Die kleine Feier, das «erste Abendmahl», konnte ebenso unerwartet wie passenderweise nach draussen verlegt werden. Ein Apfel wurde gesegnet und anschliessend gemeinsam gegessen. Die selbst gewählte Krise war überstanden, ein Dauer-Lächeln bannte sich auf die Lippen der Teilnehmenden.

Verzicht verlängert

Ihre Rückmeldungen zur Woche waren mehrheitlich positiv, einige auch ehrlich kritisch: Ein Erstfaster war stolz, diesen Weg gemeistert zu haben, er lobte insbesondere die professionelle und individuell mitgehende Begleitung durch Dorothea Loosli, ärztlich anerkannte Fastenbegleitung und Älteste der Mennonitengemeinde. Ein anderer Teilnehmer monierte, dass der rote Faden bei den politischen Texten nicht genügend ersichtlich war. Philipp Hadorn, der ursprünglich nur am Freitag voll fasten wollte, äusserte sich differenziert: «Ich erlebte den Freitagabend ein wenig fremd, einladend und interessant – und fühlte mich deshalb dazu motiviert, den Safttag vom Freitag gerade noch um das Wochenende zu verlängern.»

Neuauflage 2018 möglich

Eine Fastenwoche dieser Art ist im nächsten Jahr möglich. Ungebrochen ist jedenfalls die Überzeugung, mit dem Fasten einen ebenso feinen wie radikalen Weg der Wandlung der Welt mitzugestalten. Oder, in den Worten von Dorothea Loosli: «Statt eine Haltung des ‹Gegen› einzunehmen, haben wir uns hingegeben für die Suche nach guten politischen Lösungen. Wir glauben, dass sich Gott davon berühren lässt.»

Kontakt

Authors: 

Plain text

  • No HTML tags allowed.
  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Lines and paragraphs break automatically.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.