« Ihr seid ja auch Fremdlinge gewesen »

„Einen Fremdling sollst Du nicht bedrücken noch bedrängen.“ (2.Mose 22,21)

Das Alte Testament gebietet an über 100 Stellen, den Fremdling zu schützen. Die wiederkehrende Formel „Fremdling, Waise und Witwe“ zeigt, dass Gott die Ausländer zu den besonders Schutzbedürftigen zählte. Die Bibel begründet diesen Schutz an obiger Stelle wie folgt: „Ihr seid ja auch Fremdlinge gewesen in Ägypten." (2.Mose 22,22) Jakob war ja mit seinen Söhnen als Wirtschaftsflüchtling nach Ägypten ausgewandert, weil in Kanaan Hungersnot herrschte (vgl. 1.Mose 42ff.).

 

Das Gebot des Alten Testaments, den Fremdling aufzunehmen, beruft sich also auf die Identifikation mit dessen Elend.

 

Die Haltung Jesu und des NT

Gottes Haltung dem Fremdling gegenüber erscheint noch klarer: Der Mensch hat sich von Gott entfremdet, und Gott kommt in Jesus als Fremdling in seine eigene Schöpfung hinein: „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht auf." (Johannes 1,11)

 

Diese Fremdheit äussert sich im gesamten Leben von Jesus: Nicht nur dass er seine Heimat beim himmlischen Vater verlassen hat und sich in einen stinkenden Stall gebären liess, auch dass er als uneheliches Kind galt, kurz nach seiner Geburt nach Ägypten flüchten musste, in seinem Dienst immer wieder als Ketzer angefeindet, von seinen engsten Freunden aus Unverständnis verlassen und schliesslich umgebracht wurde – das alles ist Ausdruck seines Fremdseins.

 

Die Berufung der Christen

Jesus beruft seine Jünger, mit ihm zusammen fremd zu sein: Sie sind zwar in der Welt, aber nicht von der Welt (vgl. Johannes 17,11+14).  Im Hebräerbrief ist das prägnant ausgedrückt: „Sie [die Glaubenshelden] bekannten, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden seien." (Hebräer 11,13)  Das heisst, wir Schweizer Christen sind Ausländer in der Schweiz. Müsste da nicht ein Mitempfinden, eine Art Mitwissen um die Situation der Ausländer in uns aufkeimen?

 

Das heisst aber nicht, dass die Ausländer Heilige sind. Sie sind nur Menschen, eben von der selben Art wie wir, nicht besser und nicht schlechter. Doch allzu oft stehen wir in der Gefahr, die Ausländer als Feinde, statt als Schicksalsgenossen wahrzunehmen, und vergessen, dass diejenigen das Reich des Vaters ererben, die Jesus beherbergen, wenn er als Fremder daherkommt (vgl. Matthäus 25,35).

 

Mit unserer Angst umgehen

Unsere Abwehrreaktion beruht oft auf Angst. Angst vor „Überfremdung", Angst um Arbeitsplätze, Angst um die Bildung unserer Kinder, Angst um unsere christlichen Werte.

 

Doch Jesus hat es klar gemacht: Wir erfüllen Gottes Gebot, wenn wir Ihn lieben und unseren Nächsten (vgl. Matthäus 22,37-39).  Mit Seiner Liebe befähigt er uns, unsere Ängste vor dem Fremden zu überwinden, denn „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus". (1.Johannes 4,17-18) Ganz gewiss lässt uns Gott nicht im Stich, wenn wir Seinem Gebot folgen. Er hat Gutes im Sinn mit uns, unseren Kindern, unserem Land und unserer Welt.

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