2. Eine wirtschaftliche Antwort: Mikrokredit

Referat am ChristNet/StopArmutForums "Fair Teilen: Auch wir Christen?" vom 21. April 2007 in Bern (s. PowerPoint-Präsentation am Ende des Dokuments).

Mikrokredit, was ist das?

Der Mikrokredit ist ein sehr gut ausgereiftes Finanzierungsinstrument. Er wird von zahlreichen Organisationen angeboten, ist Gegenstand vieler wissenschaftlicher Arbeiten. Im Normalfall gehört die Weiterbildung der Kreditnehmer dazu und die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen. Es handelt sich dabei um Gruppenkredite, die an 5 Personen gehen, die sich gegenseitig unterstützen. Dafür ist minimale politische Stabilität eine Grundvoraussetzung.

In der Folge einige Beispiele erfolgreicher Mikrofinanzprojekte (www.oikocredit.org).

Muhammed Yunus (Slide 2+3)

Der Friedensnobelpreis für Muhammed Yunus und die Grameen Bank hat die Mikrofinanz in die Medien gebracht. Es geht hier um die soziale und wirtschaftliche Entwicklung von unten. Das Nobelpreis-Komitee hat gesagt, dass Frieden nur erreicht werden kann, wenn grosse Bevölkerungsgruppen es schaffen, aus der Armut herauszukommen. Mikrokredit ist ein wichtiges Mittel dazu. Wichtig ist diese Entwicklung auch, damit Menschenrechte und Demokratie überhaupt stattfinden können.

Armutsbekämpfung (Slide 4)

Das oberste Ziel lautet heute, die extreme Armut und den Hunger zu beseitigen: Die Zahl der Menschen, die von weniger als 1 US-Dollar pro Tag leben (heute 1 Mia.), soll um die Hälfte gesenkt werden. Der Anteil der Menschen, die unter Hunger leiden, soll um die Hälfte gesenkt werden. Mikrokredite helfen da entscheidend mit. Heute haben 450 Mio. Menschen in Entwicklungsgebieten Zugang zu Mikrokrediten und können so ihr Einkommen verbessern.

Fallbeispiel Ghana (Slides 5-12)

Afrika, Felicia Atta, 22-jährig in Ghana ist äusserst zurückhaltend. Sie betreibt den ?Peace Beauty Saloon?. Sie hat über 10 Angestellte, Werbeplakate, ein kleines Geschäft, eine Terrasse. Die Bank unterstützt diese junge Frau. ?Ich kann es selber fast nicht glauben?, ruft sie aus. Sie ist für ihre zwei Geschwister verantwortlich und hat selber keine Ausbildung. Sie genoss einen Kurs in der Bank. Bevor sie den ersten grossen Kredit erhielt, mussten zwei Kollegen für sie bürgen. Sie selber musst über zwei Jahre zeigen mit kleinen Beträgen, die sie regelmässig zurückzahlen musste, zeigen, dass sie sparen kann. Schliesslich hat die Bank diese Frau unterstützt. Diese Bank wird von Oikokredit mit Darlehen unterstützt. Hilfswerke finanzieren Bildungsprogramme dieser Bank, an der Felicia teilnehmen konnte. So spielen verschiedene Unterstützungsmassnahmen zusammen.

 

Fallbeispiel Peru (Slide 13-26)

Von Lima fahren wir Richtung Osten ins Lurin-Tal. Eine graue Landschaft, und nur in den Tälern hat es etwas Wasser und Zuckerrohr. Die Hütten sind am Zerfallen; Dörfer ohne Perspektiven. Dann erreichen wir Antioquia, ein farbiges Dorf! Es wurde neu gestrichen, wozu die Dorfbevölkerung peruanische Künstler eingeladen hat. Heute kommen viele Menschen als Touristen ins Dorf.

Nachdem es nach aussen hin schön wurde, veränderten sich die Leute auch nach innen. Die Hygiene hat sich verbessert. Heute werden Lokalprodukte verkauft: Äpfel, Essig und Konfitüre. Hier geschieht Entwicklung, und somit kommt die wirtschaftliche Ebene ins Spiel: Die Leute brauchen kleine Kredite, um ihre Anschaffungen zu tätigen. Auch die Bildung erhält neuen Stellenwert, z.B. im Bereich der Alphabetisierung, weil neu Rechnungen geschrieben werden müssen. Weiterbildung hilft auch die Qualität der Produkte weiter zu entwickeln. Heute werden die lokalen Spezialitäten Essig und Konfitüre bis nach Lima verkauft.

Mikrofinanz, ein Menschenrecht: Kredit und Sparen (Slide 27)

Die Mikrofinanz ist viel mehr als Entwicklung und stellt keinen Selbstzweck dar. Mikrodkredite sind auch viel mehr als ein Finanzkredit. Dem Kredit steht das Sparen gegenüber. Im Zusammenhang mit dem Nobelpreis stand nicht die Kreditvergabe der Grameen-Bank im Vordergrund, sondern die Spareinlagen. So werden die Kredite durch Spareinlagen der lokalen Bevölkerung finanziert. Heute braucht die Grameen-Bank keine externe Hilfe durch Spenden. Die Mikrofinanz braucht nur eine Initialzündung, damit sich die Leute selber helfen können.

Die Mikrofinanz hilft dabei, Infrastrukturen aufzubauen, um ein Menschenrecht umzusetzen: das Recht auf Zugang zu Finanzdienstleistungen: Geld sicher lagern, Geld verschicken, Versicherung, Ausbildungskredite usw.

Redner: Karl Johannes Rechsteiner, www.oikocredit.org

Transkription: Werner Ninck, Samuel Ninck

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