Catherine Mourtada, ein Engagement für die Ärmsten

Am 9. Oktober 2010 wurde der StopArmut-Preis «Persönlichkeit» auf Empfehlung von ChristNet an Catherine Mourtada vergeben. Hier ihr Werdegang, den es zu kennen lohnt.

 

Ein einfacher Anfang

Catherine Mourtada ist ausgebildete Lehrerin. Ihre syrisch-libanesischen Wurzeln (vaterseits) und ein Glaubensruf brachten sie 1988 trotz Bürgerkrieg in den Libanon, wo sie auf ihrem Beruf arbeitete. 1996 entdeckte sie zusammen mit Agnès Sanders, einer französischen Freundin und Ärztin, das Elend des Slums Haj al-Gharbe in Beirut. Dort leben auf etwa 0,5 km2 rund 10 000 Menschen verschiedenster Herkunft: Libanesen, Palästinenser, Syrer, Zigeuner, Iraker usw. Auf ihren Hausbesuchen entdeckten die beiden Frauen eine extreme Armut, die sie mit zwei Herausforderungen konfrontierte: Zugang zu Gesundheitsdiensten und Zugang zur Bildung. So gründeten sie das Hilfswerk «Tahaddi» (Arabisch für «Herausforderung»).

Während Agnès Sanders eine Quartierklinik aufbaute, bot Catherine Mourtada ab 1998 Alphabetisierungskurse für Kinder ab 8 Jahren an, die aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen von der Volksschule ausgeschlossen sind. Dank Catherines Energie und Initiativgeist sind heute etwa 70 Kinder eingeschult, die sonst als Analphabeten der Strasse überlassen wären.

Ein radikales und langfristiges Engagement

Schon beim ersten Besuch des Slums Haj al-Gharbe war Catherine Mourtada erschüttert: Während die libanesische Gesellschaft ganz auf den Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg konzentriert ist, lernte sie eine arme, sich selbst überlassene Bevölkerung kennen. Catherine liess sich von ihrem Sinn für Gerechtigkeit leiten und suchte den Kontakt zu diesen Menschen, interessierte sich für sie, und suchte Mittel für die konkrete Hilfe. Dank fruchtbarer Zusammenarbeit und der entstehenden Freundschaft mit Agnès besuchten sie das Quartier ab 1998 regelmässig. Sie brachten Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, Hygieneartikel und knüpften wertvolle Beziehungen.

Bei diesen Besuchen stellte Catherine fest, dass viele Kinder nicht in die öffentliche Schule gehen, weil die Eltern kein Geld für Schulbücher und  uniformen haben. Catherine setzte ihre beruflichen Fähigkeiten ein und lancierte ab 1998 ein Schulprogramm, das den Kindern ab 8 Jahren einen 4-jährigen Lehrgang anbietet, der ihren spezifischen Bedürfnissen entspricht. Heute besuchen etwa 80 Kinder den Arabisch-, Mathematik-, Englisch-, Naturwissenschafts-, Zeichen-, und Informatikunterricht im Schulzentrum.

2009 musste die Schule Tahaddi aus den gemieteten Lokalen ausziehen. Catherine liess sich dadurch nicht entmutigen. Zusammen mit ihrem Team und dem libanesischen Verein fand sie die Mittel, um ein Schulzentrum mit grosszügigen Schulräumen zu bauen, die endlich pädagogischen Kriterien entsprechen. Die Einweihung fand am 28. Mai 2010 statt.

Cathrine arbeitete ursprünglich als Lehrerin in einer libanesischen Schule und setzte ihre Freizeit für die Arbeit bei Tahaddi ein. Ihr wachsendes Engagement erforderte, dass sie ihr Anstellungsverhältnis auflöste. In dieser Situation gelang es Catherine via ihre Ursprungsgemeinde, den Gemeindeverband FREE zur Zahlung ihres Lohns zu bewegen. Gleichzeitig gründete sie einen Trägerverein in der Schweiz, der zusammen mit anderen Geldgebern die Betriebskosten von Tahaddi trägt. Dank dieser finanziellen Struktur, der Gründung und Registrierung eines Vereins im Libanon sowie der Schaffung eines fachübergreifenden und mehrheitlich libanesischen Teams ist das langfristige Überleben des Projekts gewährleistet.

Hingabe, die aus Glauben kommt

Einer der Schlüsselverse, der Catherine in ihrem Engagement begleitet, lautet: «Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.» (Sprüche 31,8+9) Für Catherine gehört vollständiges Engagement für die Vernachlässigten zu einem gelebten Evangelium.

Catherine Mourtada kam 1988, noch vor dem Ende des Bürgerkriegs nach Libanon. Sie wurde Zeuge dieses gnadenlosen Kriegs, der niemand verschonte und tiefe seelische und körperliche Wunden hinterliess. Als Israel 2006 Libanon angriff, blieb Catherine vor Ort, um den Flüchtlingen, die in Massen in Schulen und öffentlichen Pärken gestrandet waren, mit anderen zusammen Hilfe und Trost zu bieten.

Mit ihrem Team führt Catherine das Schulzentrum Tahaddi in professioneller Weise. Sie umgibt sich mit kompetentem Personal und spezialisierten Referenten. So nehmen eine Logopädin, eine Psychologin und andere punktuelle Referenten diverse Themen wie Drogen-, Tabak- und Suchtprävention, Missbrauch, Rechte des Kindes, Umgang mit Wut, Friedens- und Umwelterziehung usw. auf

Brückenbauerin

Ich habe Catherine Mourtada 2005 während einem 3-monatigen Praktikum bei Tahaddi zusammen mit meiner Frau kennen gelernt. Catherine hat uns mit ihrer sprudelnden Energie und ihrem Initiativgeist beeindruckt. Sie sieht Probleme immer lösungsorientiert. Was sie anpackt, führt sie optimal zu Ende und umgibt sich mit entsprechend effizienten Mitarbeitern. Sie ist weit von einer halbbatzigen und herablassenden Hilfe entfernt und sucht im Gegenteil immer, höchsten Qualitätsansprüchen zu genügen, um den Vernachlässigten zu helfen.

1997 adoptierte Catherine ein kleines Mädchen aus Haj al-Gharbe. Nayla ist heute 14-jährig und hat so eine Zukunft und eine Hoffnung erhalten.

Catherine wirkt mobilisierend und motivierend auf die Leute. Sie weiss, ihre Vision zu vermitteln: eine gerechtere Gesellschaft, in der alle ohne Rücksicht auf Herkunft und Religion die gleichen Rechte haben. So hat sie den schweizerischen Trägerverein und den libanesischen Verein Tahaddi mitgegründet. Sie sorgt dafür, dass das Lehrerteam von Tahaddi ständig weitergebildet wird. Und schliesslich widerspiegelt das Schulzentrum die tiefe Überzeugung von Catherine, indem es eine Brücke zwischen den Glaubensgruppen im stark von religiösen Zerwürfnissen geprägten Libanon schlägt. Dies wirkt sich auf Lehrpersonal (mehrheitlich christlich) und Schüler (mehrheitlich moslemisch) aus, wie es im folgenden Lied zum Ausdruck kommt, das die Kinder des Schulzentrums im Sommerlager 2009 gedichtet haben: «Wir sind die Kinder von Tahaddi, Gott segne Tahaddi…»

www.tahaddilebanon.org

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