Chouf-nüt-Tag 2011: Aktion und Besinnung in Bern

Bern, 27.11.11 – Am Samstag fand der internationale Chouf-nüt-Tag in über 60 Ländern statt. Auch in der Schweiz. Zusammen mit vier Partnerorganisationen führte ChristNet in Bern ein Strassentheater mit Infostand und heissem Punsch durch. Im strahlenden Sonnenschein liessen sich verschiedene Shopper auf einen konsumkritischen Schwatz ein. An der liturgischen Besinnung «Einfach leben…» nahmen über dreissig Gläubige teil.

Trotz ungebrochener Kaufdynamik in der Stadt zeigten sich die Organisatoren begeistert: Es seien nicht nur Gespräche über Sinn und Unsinn des Konsumismus‘ zustande gekommen, Menschen hätten auch ein grösseres Verständnis dafür entwickelt, dass Glaube und Kaufverhalten durchaus etwas miteinander zu tun haben.

«Weniger kaufen, mehr leben.» Das lasen die emsigen Shopperinnen und Shopper, die am 26. November 2011 über den Bahnhofplatz Bern strebten. Wie jedes Jahr am letzten Novembersamstag fand nämlich der Chouf-nüt-Tag statt (Kauf-nix-Tag; Buy Nothing Day): Gerade rechtzeitig vor dem Weihnachts-Konsumrummel riefen die Aktivisten von ChristNet einen 24-Stunden-Kaufboykott aus.

Strassentheater, -kreide und Infostand

Bei herrlichem Herbstwetter bot ein gutes Dutzend Aktivisten von ChristNet und anderen Organisationen ein Strassenspektakel, um daran zu erinnern, dass das Leben mehr ist, als einkaufen. So begann eine als Pennerin verkleidete Aktivistin zu lüpfiger Musik einen Tanz, dem sich nach und nach weitere Penner und Menschen in «respektablerer» Kleidung anschlossen. Die Aufführung endete mit dem Aufruf: «Mehr tanzen, weniger kaufen! Boykottiert die Konsummentalität für einen Tag!»

Ein andermal bettelte eine Pennerin auf ihrer Guitarre schrummend und einem Hut vor sich. Eine schicke Dame ging achtlos vorbei, kehrte dann aber um und legt eine Münze in den Hut. Weggehend kehrte sie wieder um, legte ihr Portemonnaie ein. Bald gab es kein Halten mehr: Halskette, Hut, Armbänder, Halstuch, Mantel, Schuhe… Alles landete im Hut der Pennerin.

Mit diesen Sketches sollte gezeigt werden, dass Lebensglück nicht von Besitz abhängig ist und Teilen oftmals mehr Freude schafft, als Behalten. Solche Themen konnten im Gespräch mit zahlreichen Passanten auch am Infostand vertieft werden. «Meh als zufil ist zufil», fasste es ein Kind mit Strassenkreide treffend zusammen.

Die wahre Alternative zum Konsumismus

Um 17 Uhr riefen die Glocken in die Heiliggeistkirche in Bern. Gut dreissig Personen nahmen an der liturgischen Besinnung «Einfach leben…» teil, die zusammen mit der Offenen Kirche organisiert wurde. Benedikt Hitz, Leiter der VBG-Studentenarbeit in Bern, wies auf die grundsätzliche Schwierigkeit hin, gerecht zu konsumieren: «Wo bleibt ein Fairtrade-Label für Natel und Computer?» Zugleich lebten wir Menschen allzu oft aus einer Liebes- und Sicherheitsreserve aus materiellen Gütern. Das stehe im Widerspruch zu Jesus, der sich als Lebensquelle anbiete, die «nie versiegt». Das sei die wahre Alternative zum grassiereden Konsumismus.

In einer symbolischen Handlung hefteten die Teilnehmenden auf ein Riesenweihnachtspaket Zettel mit nicht-käuflichen Geschenken, die Gott uns gibt: ein offenes Ohr, Geborgenheit, versöhnte Beziehungen, Respekt, Vertrauen, Freude… Nach diesem Aktionstag auf dem weihnachtsrummelnden Bahnhofplatz bekannte ein Teilnehmer betroffen: «Schon verrückt, wie schnell wir im weihnachtsrummelnden Flitterfirlefanz das Wesentliche vergessen. Hier wurde ich wieder daran erinnert.» Ein anderer meinte: «An dieser Besinnung habe ich erlebt, dass mein Glaube und mein soziales und ökologisches Engagement ganz im Einklang stehen.»

Buy Nothing Day & Partner

ChristNet beging den Chouf-nüt-Tag heuer zum neunten Mal. Diesem christlichen Forum liegt das Thema Konsum besonders am Herz, ruft die Bibel doch an zahlreichen Stellen zu Genügsamkeit und zum Teilen mit den Ärmeren auf. Mitgetragen haben dieses Jahr: Décroissance Bern, Erklärung von Bern (Regionalgruppe), Grüner Fisch, Offene Kirche.

Der Buy Nothing Day entstand in den 1990-er Jahren in Kanada und hat sich seither in über 60 Länder ausgebreitet. Er wird von Organisationen und Menschen gefeiert, die sich vom Konsumexzess unserer Zeit betroffen fühlen. In der Schweiz wird der Chouf-nüt-Tag auch in weiteren Städten gefeiert (www.decroissance.ch).

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