Christen als fröhliche Steuerzahler?

Kommentar zur Ablehung der Erbschaftssteuer

Die Erbschaftssteuer ist deutlich abgelehnt worden. Darüber sind wir bei ChristNet natürlich enttäuscht. Wir denken, dass es die Schweizer verpasst haben, sich dem Ideal des Jubeljahrs und dem alttestamentlichen Gebot «Bei euch sollte es keine Armen geben» etwas anzunähern.

Gleichzeitig sind wir erfreut darüber, dass sich auch vermögende Schweizer – etwa der Multimilliardär Hansjörg Wyss und die Meili-Erben – für eine gerechtere Vermögensverteilung und die nationale Erbschaftssteuer eingesetzt haben. Das sind neue Töne, die wir als Gebetserhörung begrüssen. Wenn sich die Reichen nicht nur mit Almosen sondern auch mit gesetzlichen Verpflichtungen für die Armen einsetzen, kommen wir dem doppelten (persönlichen und kollektiven) Gerechtigkeits-Ansatz der Bibel einen Schritt näher.

Die Debatte um die Frage, ob die Erbschaftssteuer eine biblische Steuer sei, hat gezeigt, dass sowohl «biblisch» als auch «Steuer» Reizwörter sind. Bei «biblisch» sehen viele den Moralfinger: «Wenn du es anders siehst, bist du ein schlechter Christ.» Wir bei ChristNet wollen nicht so argumentieren, weil wir Meinungsvielfalt positiv finden. Mit «biblisch» meinen wir, dass auch eine Steuer der Stossrichtung und den Grundsätzen der biblischen Botschaft entsprechen kann.

Auch «Steuer» ist für viele Mitchristen genauso Reizwort wie für gewisse Nichtchristen. In der Debatte kam uns die Angst vor dem Staat entgegen, der angeblich zuviel Geld verschwende und falsch einsetze. Das macht uns nachdenklich. Der Staat sind doch wir selber, gerade in unserem demokratischen System! Auch sehen wir bei Jesus eine andere Haltung: Er kritisiert die Steuern nicht, obwohl der römische Kaiser nicht gerade für seine gerechte Politik bekannt war. Aber Jesus legt in finanziellen Fragen Grosszügigkeit und fröhliche Unbeschwertheit an den Tag.

Und wir Christen? Sind wir bekannt dafür, fröhliche Steuerzahler zu sein? Wenn die Debatte um die Erbschaftssteuer hierzu beigetragen hat, ist trotz Abstimmungsniederlage schon viel gewonnen.

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