Der Chouf-Nüt-Tag wächst

Bern, 28.11.16 – Am Samstag fand der internationale Chouf-Nüt-Tag, respektive Kauf-Nix-Tag statt. Konsumkritische Organisationen luden auf den Berner Bahnhofplatz und in die Heiliggeistkirche ein, um über Konsumverhalten und Lebenssinn nachzudenken.

Zum ersten Mal hatten sich gleich fünf verschiedene Organisationen zusammengetan, um den Chouf-Nüt-Tag zu begehen und zu feiern: Public Eye Regionalgruppe Bern, Décroissance Bern, KonsumGLOBAL, offene kirche und ChristNet. An verschiedenen Ständen und in der Kirche fanden kreative Aktionen zum Mitmachen statt. Den Höhepunkt des Tages bildete eine Performance mit rund 40 gestressten «Konsumenten», die sich unter die Passanten auf dem Bahnhofsplatz mischten, bevor sie für mehrere Minuten erstarrten.

Anstrengend wie ein Shopping-Tag

«Der Chouf-Nüt-Tag war fast so anstrengend wie ein Shopping-Tag», bilanzierte Remo Wiegand vom christlichen Aktionslabor ChristNet, «nur viel nachhaltiger. Während nach dem Shopping oft ein böses Erwachen kommt, weil man merkt, dass man eigentlich auch ganz viel unnützes Zeugs gekauft hat, zerren wir noch lange von den Begegnungen mit Passanten an diesem Tag. Das war sehr bereichernd - und alles gratis!» Der Chouf-Nüt-Tag war dieses Jahr durch den erstmals auch in der Schweiz stark beachteten «Black Friday» mit Rabatten und Aktionen in sehr vielen Geschäften so richtig lanciert worden. Das Unbehagen an dieser Verführungsmaschinerie und der dahinter liegenden Wachstumsideologie war in vielen Gesprächen spürbar. Selbstredend gab es am Chouf-Nüt-Tag aber auch kritische Stimmen. So hörte man des Öfteren den Vorwurf, man wolle den Menschen die Freude am Weihnachtseinkauf vermiesen. Das sei nicht die Absicht, erklärte dazu beispielsweise Lea Künzli von Public Eye. «Aber wir fordern Konsumentinnen und Konsumenten dazu auf, bewusst einzukaufen. Das heisst: Regional und fair.»

Internationaler Aktionstag

Der symbolische, konsumkritische Chouf-Nüt-Tag existiert als Buy Nothing Day (respektive Blackout Friday) seit 1992. Von Nordamerika schwappte er nach Europa, wo er seit 2003 von ChristNet begangen und beworben wird. Heuer haben sich in Bern zum ersten Mal fünf Organisationen zusammengeschlossen und gemeinsam eine Aktion kreiert. Die Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden. Denn: «Die Wirtschaft mag weiter wachsen. Das Unbehagen darüber, welche Folgen dies für den Menschen hat, tut es auch. Wir sind getragen von einer zunehmenden konsumkritischen Stimmung», so Wiegand. «Die Wirtschaftsführer und Politikerinnen sind gut beraten, sich mit diesem Problem zu beschäftigen.»

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