Forum: Eine frohe Bo(o)tschaft? Die Flüchtlinge, die Schweiz und die Christen

Migration: Überraschende Gemeinsamkeiten unter Christen

Bern, 14.9.15 – Am Samstag nahmen etwa 50 Personen in Bern am ChristNetForum «Eine frohe Bo(o)tschaft? Die Flüchtlinge, die Schweiz und die Christen» teil, an dem eine EVP-Nationalrätin, ein SVP-Nationalrat und ein syrischer Flüchtling über die Flüchtlingskrise diskutierten. Umstritten war, ob Christen in der Schweiz bevorzugt aufgenommen werden sollen. Einigkeit herrschte darüber, dass die humanitäre Hilfe im Nahen Osten verstärkt und bürokratische Hürden für arbeitswillige Flüchtlinge reduziert werden sollen.

Im theologischen Einstieg zeigte Daniel Frei vom Basler Pfarramt für «Weltweite Kirche» zunächst auf, dass Gastfreundschaft für Flüchtlinge ein wiederkehrender Appell des Alten Testaments ist. Auch für Jesus sei die Erfahrung der konstanten Heimatlosigkeit zentral gewesen. Weiterhin verwies Frei auf die Fluchtgeschichte im Buch Ruth. Dort werde ein «Integrationsprogramm» in Kurzform formuliert, das auf Bräuche und Gepflogenheiten im Gastland Rücksicht nehme.

Bedrohung an Leib und Leben

Freis Ausführungen schlugen den Bogen zur Podiumsdiskussion, an der mit Feras Shamas aus Syrien auch ein Flüchtling teilnahm. Der Sportlehrer war vor einem Jahr in die Schweiz geflohen, nachdem die Lage in seiner Heimatstadt Aleppo immer schwieriger geworden war. Shamas, ein reformierter Christ, zeigte sich ausgesprochen integrationswillig: «Ich will der Schweiz dienen», sagte er.

Erich von Siebenthal, Nationalrat der SVP, erkannte in Shamas einen jener christlichen Flüchtlinge, denen er, wie er in einem Postulat an den Bundesrat gefordert, prioritäre Behandlung zukommen lassen will (s. sein Kommentar). «Es ist ein Fakt, dass sich Christen besser integrieren lassen», so von Siebenthal. Ausserdem sei der Zugang zu den Flüchtlingslagern im Nahen Osten für Christen erschwert.

Auf die auch unter vielen evangelischen Christen populäre Forderung reagierte Maja Ingold, Nationalrätin der Evangelischen Volkspartei (EVP), mit Erfahrungen einer Reise, die sie in den Libanon geführt hatte (Reisebericht). Christen kämen darum nicht in die grossen Lager, weil sie materiell oft besser gestellt seien als Muslime. Eine Ungleichbehandlung bei der Aufnahme in der Schweiz unterstützt Ingold nicht: «Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich zu behandeln, ungeachtet von Geschlecht, Rasse und Religion. Menschen, die an Leib und Leben bedroht sind und nach Europa kommen, die müssen wir aufnehmen.»

Mehr humanitäre Hilfe vor Ort

Einig waren sich von Siebenthal und Ingold, dass die Entwicklungszusammenarbeit für Flüchtlinge in den Lagern des Nahen Ostens erhöht werden soll. Während dies von Siebenthal allerdings durch Umlagerungen der Gelder aus anderen Entwicklungsprogrammen erreichen will, postulierte Ingold, dass gerade jetzt nicht dort gespart werden dürfe, wo Kriegsursachen bekämpft würden, etwa bei Bildungsprojekten. Auf die Publikumsfrage, ob auch die SVP Lösungsvorschläge habe, um die Wurzel der Flüchtlingsströme anzugehen, reagierte der SVP-Vertreter ausweichend.

40 Tage «Beten+Wählen» und Booklet

Am Forum wurde auch das 40-Tage-Gebet «Beten+Wählen» vorgestellt. Seit dem 9. September und bis zum Wahlsonntag am 18. Oktober veröffentlicht ChristNet sechs Wochenblätter, das Gebete zu Themen wie Asyl, Wirtschaftsmigration, Flüchtlinge in der Schweiz, kulturelle Unterschiede usw. formuliert. So soll den Christen geholfen werden, für die politische Schweiz zu beten und sich auf die Parlamentswahlen vorzubereiten.

Ausserdem kündigte ChristNet ein Booklet an, das Berichte von persönlichem und kirchlichem Engagement aus der evangelischen Welt für ausländische Menschen zusammen stellen will.

Bilder

Podium mit (v.l.n.r.): Remo Wiegand (Moderation, ChristNet), Feras Shamas (Flüchtling, Syrien), Erich von Siebenthal (Nationalrat, SVP), Maja Ingold (Nationalrätin, EVP)

Erich von Siebenthal (SVP), Maja Ingold (EVP)

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