Gründe für eine christliche Umweltpolitik

Anregungen für eine biblische Auseinandersetzung

Gottes Auftrag
Der Schöpfungsbericht beschreibt die Schöpfung der Welt und des Menschen. Oft wird die besondere Stellung des Menschen in der Schöpfung betont. Ich möchte dem keineswegs widersprechen, überträgt ihm Gott doch die Verantwortung über die gesamte Schöpfung und befähigt ihn, diese auch auszuüben; er soll über die Tiere herrschen[1]. D.h. Gott macht das Schicksal der Schöpfung abhängig vom Willen des Menschen. Es ist aber doch beachtenswert, dass die Erschaffung der ?Natur? im Schöpfungsbericht über 25 Verse[2] und ganze fünf Tage beansprucht, die Erschaffung des Menschen aber nur einen Tag und sechs Verse dauert. Gott setzt also fünfmal mehr Zeit (demnach auch Energie, Kreativität...) für die Erschaffung unserer Um-Welt ein als für die des Menschen.

?Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.?[3] Gott stellt den Menschen in die Mitte seiner Schöpfung mit einem Doppelauftrag, den man in der heutigen Zeit mit ?Nachhaltigkeit? umschreiben könnte: Der Mensch soll die Schöpfung nutzen, um die Frucht der Erde zu seiner Existenzsicherung zu gewinnen[4]; dies ist der progressive Aspekt des göttlichen Auftrags. Der konservative Aspekt liegt darin, dass der Mensch die Schöpfung schützen soll. Gott überträgt dem Menschen die Autorität, zu nutzen und zu schützen. Diese Autorität soll er nicht zur Ausbeutung, sondern zur eigenen Existenzsicherung und als Auftragnehmer und Verwalter Gottes nutzen. Der Mensch soll also Gott dienen, indem er die Schöpfung bewahrt.

Teil des Heilsgeschehens
Auch nach dem Sündenfall bleibt Gottes Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, bestehen. Gemäss Paulus ist die Schöpfung ein für alle zugänglicher Gottesbeweis[5]. Da sie aber der Autorität des Menschen unterworfen ist, trägt sie die Folgen dessen Handeln und ist somit der Zerstörung unterworfen, die durch die menschliche Sünde in die Welt gekommen ist. Genauso wie die Menschen hofft darum die ganze Schöpfung darauf, aus dieser Zerstörung befreit zu werden[6]. Als Kinder Gottes müssen wir uns der Frage stellen, wie wir die Befreiung der Schöpfung schon jetzt einleiten können; in der gleichen Weise wie wir uns ja auch bemühen, heilig zu leben, obschon wir wissen, dass die wahre Heiligkeit erst im Himmel möglich sein wird.

Teil von Christi Versöhnungswerk
Die ganze Schöpfung ist Gott aber so wichtig, dass er sie in sein Versöhnungswerk einbezieht: In der ursprünglichen Schöpfung waren Umwelt und Mensch in einem harmonischen System verein. Der Mensch als eingesetzter Vertreter Gottes nutzte und bewahrte die Schöpfung in demütiger Haltung als Diener, und das galt auch ihm selber. Durch den Sündenfall wurde diese Einheit zerbrochen. Der Mensch sieht sich nicht mehr als Teil der Schöpfung, die Natur wird zu einer Grösse ausserhalb seiner selbst, die ihm feindlich entgegentritt. Das lateinische Wort natura heisst: die gebären wird. Das verdeutlicht die selbsterhaltende, auf sich selbst konzentrierte Kraft, die der Mensch als feindlich, aber durch ihre Andersartigkeit auch als faszinierend erlebt (Fruchtbarkeitskulte).

Nun wird aber Christus ?der Erstgeborene der Schöpfung? genannt[7], mehr noch ? er ist der Ursprung aller Schöpfung: ?In ihm ist alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, erschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare ...: Alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Und er ist vor allem, und alles hat in ihm seinen Bestand.?[8] Durch den Tod am Kreuz soll der Bruch zwischen Gott und seiner Schöpfung rückgängig gemacht werden: ?Denn [Gott] beschloss, durch [Christus] alles mit sich selbst zu versöhnen, indem er durch sein Kreuzesblut Frieden stiftete ? durch ihn zu versöhnen, sei es, was auf Erden, sei es, was in den Himmeln ist.?[9] Gottes Versöhnungswerk geht also über seine Versöhnung mit dem Menschen hinaus und bezweckt auch die Versöhnung der gesamten Schöpfung mit Gott, die Versöhnung des Menschen mit dem Menschen und auch die Versöhnung des Menschen mit seiner Umwelt.

Der Mensch hat also Autorität über seine Umwelt; er missbraucht diese seit dem Sündenfall; Gott aber möchte den Menschen wieder mit seiner Umwelt versöhnen. Daraus ist zu folgern, dass der Mensch, der diese Versöhnung mit Gott und Mitmenschen erlebt hat und immer neu erlebt, auch die Versöhnung mit seiner Umwelt suchen muss. Er kann nicht Jünger des dienenden Gottessohnes sein und gleichzeitig seine Mitgeschöpfe ausbeuten. Wir brauchen eine Bekehrung unserer Beziehung zur Schöpfung, für eine nachhaltige, d.h. schonende Nutzung unserer Umwelt.

Wen beten wir an?
Oft werden Bedenken geäussert, im Umweltschutz würde der Schöpfung eine göttliche Stellung eingeräumt, man verehre die Schöpfung statt den Schöpfer.[10] Es muss gesagt sein, dass diese Haltung, die in grünen und alternativen Kreisen gewiss verbreitet ist, nur soviel Raum gewinnen konnte, weil die Christen die Umweltproblematik erst sehr spät erkannt haben und so esoterischem Gedankengut in diesem Bereich während langer Zeit freies Feld gelassen haben. Gerade deshalb ist es so wichtig, zu wissen warum wir Christen berufen sind, zur Umwelt Sorge zu tragen. Dazu einige Gedanken:

In der Bibel kommt sehr klar zum Ausdruck, dass Gott die Schöpfung in einem souveränen Akt erschaffen hat.[11] Gott ist Subjekt, die Schöpfung ist Objekt. In keinem Kontext wird diese Abgrenzung in Frage gestellt. Es ist also Gott, dem Anbetung gebührt. Die Bewahrung der Schöpfung kann deshalb nur im Rahmen der Anbetung Gottes erfolgen. Das ist ja auch logisch: Wenn wir die Schöpfung, die eine Leihgabe Gottes ist, kaputtmachen, drückt das keine grosse Wertschätzung für den Schöpfer aus. Es ist ein Akt der Liebe zu Gott, wenn wir versuchen, seine Schöpfung zu bewahren.

In Hiob und zahlreichen Psalmen wird die Schöpfung als Ausdruck von Gottes Allmacht und Kreativität beschrieben.[12] Die Ausbeutung der Schöpfung erscheint demnach als Ausdruck des menschlichen Allmachtswahns. Wie können wir Gott mit Psalmen oder Anbetungsliedern für die Schöpfung loben und gleichzeitig sorglos mit den natürlichen Ressourcen umgehen?

Gott ist unvergänglich, während die Schöpfung vergänglich ist. Das bewahrt uns auch vor dem Trugschluss, wir könnten die Schöpfung retten. Wenn einer retten kann, dann ist es Christus. Wir wissen, dass die Schöpfung gut gemacht ist, aber durch die Sünde des Menschen verdorben wurde und tatsächlich eine zerstörerische Seite hat. Aber vergessen wir nicht: Gott verurteilt uns Menschen nicht, weil wir sündhaft und sterblich sind. Er beruft uns vielmehr, ihm schon hier zu dienen und ihn mit unserem vergänglichen Leben zu ehren, obschon das Vergängliche eines Tages zu Ende gehen wird. Ebenso sind wir berufen, die vergängliche Schöpfung zu bewahren, weil sie Gott gehört. Hier heisst es, die Autorität, die uns Gott gegeben hat, auf gesunde Art auszuüben.

Jakobus bezeichnet den Menschen in seinem Brief als Erstling der Schöpfung[13] und stellt damit die Chronologie des Schöpfungsberichts auf den Kopf. Wenn das heisst, dass die Schöpfung für den Menschen erschaffen wurde, dann ist aber auch klar, dass Gott die Schöpfung aus Liebe geschaffen hat; er ist ja Liebe, d.h. der Mensch soll die Schöpfung in erster Linie dazu nutzen, seinem Schöpfer Liebe entgegenzubringen, das ist der ?logische? Gottesdienst.

Bewahrung der Schöpfung:
Die Schöpfung dient dem Menschen:

· Sie bietet ihm körperliche, seelische und geistige Erholung.

· Sie bietet ihm eine Lebensgrundlage.

· Sie erinnert ihn an die Allmacht Gottes.

So verfolgt der Mensch zwei Ziele, wenn er seine Umwelt bewahrt:

· Er ehrt Gott.

· Er erhält seine eigene Lebensgrundlage und die seiner Kinder. Sogar dieses Ziel führt im Endeffekt wieder zur Gottesanbetung zurück, weil nur lebendige Menschen Gott auch ehren können.[14]

Die Schöpfung bewahren ist Zeichen und Zeugnis für unsere Liebe zum Schöpfer.

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[1] ?Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan, und herrschet über die Fische im Meer und die Vögel des Himmels, über das Vieh und alle Tiere, die auf der Erde sich regen!? 1. Mose 1,27-28

[2] 1. Mose 1,1-25

[3] 1. Mose 2, 15

[4] 1. Mose 1,29: ?Siehe, ich gebe euch alles Kraut, das Samen trägt, auf der ganzen Erde, und alle Bäume, an denen samenhaltige Früchte sind; das soll eure Speise sein.?

[5] ?[Gottes] unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, ist ja seit Erschaffung der Welt, wenn man es in den Werken betrachtet, deutlich zu ersehen...? Römer 1,20

[6] ?Denn die Sehnsucht des Geschaffenen wartet auf das Offenbarwerden der Herrlichkeit der Söhne Gottes. Denn der Nichtigkeit wurde das Geschaffene unterworfen, nicht freiwillig, sondern um dessen willen, der es ihr unterwarf; auf die Hoffnung hin, dass auch das Geschaffene selbst befreit werden wird von der Knechtschaft des Verderbens zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.? Römer 8,19-22

[7] ?Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne der ganzen Schöpfung.? Kolosser 1,15

[8] Kolosser 1,16-17. S.a. Offenbarung 3,14: ?...der Anfang der Schöpfung...?

[9] Kolosser 1,19-20

[10] Damit wird der Umweltschutz mit der Gottlosigkeit des sündigen Menschen in Römer 1,25 in Verbindung gebracht: ?[Sie brachten] den Geschöpfen Anbetung und Verehrung dar ... statt dem Schöpfer...?

[11] 1. Mose 1+2

[12] Hiob 38-41; Psalm 8; 19; 29; 65; 104; 136 u.a.

[13] Jakobus 1,18

[14] Psalm 115,17

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