Kyoto:Brief an George W. Bush

Sehr geehrter Herr Präsident,

ChristNet ist ein christliches Forum, das aktuelle Themen aus biblischer Sicht angeht und sich für ihre Umsetzung einsetzt. So will es die Liebe Gottes zu den Menschen weltweit sichtbar machen und betreibt deshalb eine Politik der Nächstenliebe.

Der Umweltschutz ist eines der Themen, die uns besonders beschäftigen. Gott hat dem Menschen eine natürliche Umwelt mit einem Reichtum an Tieren und Pflanzen geschenkt. Doch kein Recht ohne Pflichten: Gott hat uns beauftragt, zu seiner Schöpfung Sorge zu tragen: Gott, der Herr, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen (1. Mose 2,15).

Wir sind insbesondere dafür verantwortlich, unseren Kindern ein ökologisches Kapital zu hinterlassen, das ihnen ein lebenswertes Leben erlaubt. Dies ist ein Zeugnis unserer Nächstenliebe.

Die Erwärmung der Erdatmosphäre ist die grösste Gefahr, welche das Leben unserer Kinder und der kommenden Generationen bedroht. Man denke an den Anstieg des Meeresspiegels und die daraus folgenden Überschwemmungen, an die Ausdehnung der Wüsten und die Hungersnöte, an die steigende Anzahl von Sturmwinden sowie an andere Kataklysmen der Natur. Die Zahl derjenigen, welche die Folgen dieser Ereignisse am eigenen Leib erfahren werden, ist gross, und zwar insbesondere in Regionen, die bereits heute sehr verletzlich sind.

Die allermeisten Wissenschafterinnen und Wissenschafter ist heute der Ansicht, dass die Erderwärmung zum grossen Teil auf die Verbrennung von Brennstoffen zurückzuführen ist. Niemand streitet mehr ab, dass der Mensch die Verantwortung für den aussergewöhnlichen Temperaturanstieg trägt. Doch leider schenken die Industrieländer heute nach wie vor einer Minderheit von Forschern Gehör und unternehmen die Schritte nicht, die notwendig sind, um dieser Klimaänderung entgegenzuwirken. Wie so oft besteht auch hier die Tendenz, das Unangenehme verdrängen zu wollen. Wenn wir aber die Risiken, welche das Leben der kommenden Generationen, unserer Kinder und Enkel, bedrohen, eindämmen wollen, so müssen wir bereit sein, unsere Freiheit, unsere Mobilität, unseren Besitz ein wenig einzuschränken. Sind wir bereit, dieses Opfer für unsere Kinder zu bringen? Eines Tages werden wir Gott Rechenschaft über unsere Taten ablegen müssen. Doch noch zuvor müssen wir vor unseren Kindern gerade stehen.

Herr Präsident, gemäss Ihren eigenen Aussagen liegt Ihnen das Wirtschaftswachstum sehr am Herzen. Gewiss, die Massnahmen für eine Verringerung des CO2-Ausstosses könnte bewirken, dass sich das wirtschaftliche Wachstum verlangsamt und Arbeitsplätze verloren gehen. Aber hat das Leben der Menschen von heute und morgen nicht auch seinen Preis? Wirtschaftswachstum ist in der Tat nur ein Mittel; es ist kein Zweck. Deshalb müssen angesichts der drohenden katastrophalen Folgen der Klimaerwärmung gewisse Opfer gebracht werden und selbst staatliche Lenkungsmassnahmen nicht mehr Tabu sein.

Herr Präsident, angesichts dieser Sachlage bitten wir Sie, das Protokoll von Kyoto zu unterzeichnen. Wenn dieses zwischenstaatliche Übereinkommen auch keine endgültige Lösung aller Umweltprobleme ist, so macht es doch einen Anfang. Es ist wenigstens ein Zeichen dafür, dass die Staaten dieser Erde diese schwerwiegenden Fragen nicht verdrängen. Auf dem Spiel steht nichts anderes als die Zukunft unserer Erde ? nehmen wir unsere Verantwortung wahr! Unsere Kinder werden es uns danken.

Mit freundlichen Grüssen.

 

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