Schranken überwinden

Schranken überwinden (eine Predigt Galater 3,28) "Religion" ist je nach dem ein sehr anrüchiger Begriff. Zu oft erleben wir, dass Religion als Grundlage für "heilige" Kriege, Rassismus, und Diskriminierung der Frauen herhalten muss. Ich kann daher diejenigen verstehen, die mit Religion am liebsten nichts mehr zu tun haben wollen. Es ist auch für mich schwierig zu verstehen, weshalb das Christentum in dieser Welt so viel Schaden angerichtet hat.

 

Als evangelisch denkender Christ will ich aber nicht resignieren, sondern meine Hoffnung und meinen Glauben auf das Evangelium stützen. Dort begegnet mir ein anderes Modell von Christentum. Ein Glaube, der Verständigung fördert, Menschen miteinander versöhnt und religiöse und kulturelle Schranken überwindet.

 

Paulus schreibt einer Gemeinde in Galatien (genauer Ort umstritten). Die Galater litten an einer Form von religiösem Übereifer. Sie verstanden sich wahrscheinlich als rechtgläubige Superklasse, als diejenigen, die aufgrund ihres gesetzlichen Rituals zu den wirklich Auserwählten und Geretteten gehörten. Dies gab ihnen sicher auch ein Gefühl von Überlegenheit und Sicherheit, welches ihre Angst, Minderwertigkeit und Scham überwinden sollte. Doch Paulus erachtet ihren religiösen Eifer nicht als Glaube, sondern geisselt ihn als Gesetzlichkeit.

 

In Kapitel 3, Vers 28 sagt Paulus: "Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid eins ist Christus Jesus".

 

Dieser Vers enthält in wenigen Worten eine sehr bedeutungsvolle Lösung: In Christus überwinden wir kulturelle, religiöse, wirtschaftliche und soziale Schranken. Weshalb? Weil wir bei der höchsten Instanz, die es gibt, angenommen sind und demzufolge keine Angst, Scham und Minderwertigkeit mehr haben müssen:

 

Urproblem des Menschen

falsche Symptombekämpfung

Lösung nach Gal. 3,28

 

Gottesferne verursacht:

 

Angst

Scham

Minderwertigkeit

Schranken errichten durch:

 

(religiöses) Leistungsdenken

Überlegenheitsgefühl

Abgrenzung, Abschottung, Wettrüsten

Prestige, Machtstrukturen

Rassismus, Sexismus

"Schubladisieren", Richten, Verleumdung

Unterdrückung und Ausbeutung anderer Menschen und Länder

sich bewusst werden,

 

dass Gott uns alle liebt

dass wir bei Gott alle wertvoll sind

dass Gott zu uns steht

dass Gott für uns da ist

 

 

Es ist wohl auch kein Zufall, dass Israel zwischen drei Kontinenten liegt (Afrika, Europa, Asien).Tatsächlich lesen wir in der Apostelgeschichte 2, wie jüdische Frauen und Männer aus verschiedensten Ländern und Sprachen sich gegenseitig verstehen und lieben lernen. Einige Kapitel später überwindet das Evangelium weitere kulturelle und selbst nationale Schranken.

 

Diese revolutionäre Weltanschauung war auch schon damals nicht ungefährlich und unproblematisch. Die Behauptung, bei Gott sei ein Sklave genau gleich viel Wert wie der römische Kaiser, bedeutete eine ernsthafte Bedrohung für den römischen Staat.

 

Im 21. Jahrhundert können wir dankend zurückblicken auf Errungenschaften, wie etwa die offizielle Abschaffung der Sklaverei, die Menschenrechte, die Bemühungen um einen gerechten Handel sowie die Bereitschaft zu weltweiter Gesprächsführung.

 

Doch es liegt auch noch viel vor uns. Es herrschen in vielen Gebieten der Welt katastrophale Zustände: Frauen und Ausländer werden immer noch diskriminiert, Arbeiter ausgebeutet und es kommt zu gewalttätigen Übergriffen zwischen verschiedenartigen Kulturen und Religionen.

 

Obwohl ein vollkommen friedliches Zusammenleben erst im kommenden Friedensreich möglich sein wird, sind wir dazu aufgefordert, bereits heute Schranken zu überwinden. In Jesus Christus - der höchsten Instanz dieses Universums - sind wir alle geliebt und angenommen. Sollte uns das nicht etwa befähigen, uns von Angst, Scham und Minderwertigkeit zu befreien, damit wir auch unseren Mitmenschen liebevoll annehmen können?.

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