Soziale Gerechtigkeit ? ein biblisches Prinzip?

Nachrichten überhäufen uns von Berichten über Ungerechtigkeit in dieser Welt. Ich denke dabei an das immer grösser werdende Nord-Süd-Gefälle und an die verschiedensten Formen moderner Sklaverei (Kinderarbeit, Menschenhandel und die katastrophal tiefen Löhne in "Billigländern") sowie Berichte über die übelsten Menschenrechtsverletzungen vielerorts. Dabei ist ja das, was wir vernehmen, ja nur die Spitze des Eisberges.

Seit Menschengedenken hat die Ungerechtigkeit unsere Mitwelt versklavt und ausgebeutet. Auch die biblischen Erzählungen berichten von ungerechten Zuständen. Nicht Gott, sondern der Mensch bringt durch Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit Ungerechtigkeit in diese Welt. Daraus Es entwickelt sich ein hierarchisches Wertsystem: die Starken unterdrücken die Schwachen von oben herab. Ein Paradebeispiel sind hierfür die ägyptischen Pyramiden. Wohl nicht zufällig ähneln die von Sklaven gebauten Pyramiden der hierarchischen Machtstruktur jener Zeit. Doch in diesem Teil der Erde greift Gott markant ein. Das Buch Exodus (2. Mose) beschreibt die Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei. "Ich bin der Herr, Dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus herausgeführt habe!" (Exodus 20ff.). Damit verbunden wurde das mosaische Gesetz aufgestellt (ca. 1200 - 570 v. Chr.): Das Gesetz sollte die schlimmsten Auswirkungen der Ungerechtigkeit eindämmen. Nebst etlichen moralischen und kultischen Bestimmungen sowie Regelungen zugunsten der ärmsten Schicht der Bevölkerung wurde die Institution desein "Erlassjahres" vorgeseheneingeführt (vergl. Levitikus/3. Mose Kap. 25ff.). Die Absicht bestand darin, das soziale Gefälle alle 50 Jahre radikal auszugleichen. Dazu sollten Zu diesem Zweck wurden die die Grundstücke neu verteilt und versklavte Menschen freigegeben werden. Leider wurden dieses Erlassjahr kaum einmal diese Gesetze zu wenig eingehalten in die Tat umgesetzt, worauf zahlreiche Propheten hinwiesen und das Volk warnten (z.B. Jesaja Kap. 58, Amos Kap. 2,3,5,6,8). Doch nicht nur die prophetischen Bücher, auch die Psalmen und Sprüche widmen sich immer wieder der Thematik von Arm und Reich.

Soziale Gerechtigkeit wird auch im Neuen Testament zum zentralen Punkt. Jesus widmete einen grossen Teil seines öffentlichen Wirkens den Armen (sozial schlechter gestellte Menschen sowie körperlich und psychisch Kranke). Dabei ist zu beachten, dass aufgrund schlechter sozialenr Strukturen viele Krankheiten automatisch auch zum finanziellen Bankrott führten.

Die Seligpreisungen (Matthäus 5,3-12 und Lukas 6,20-23) verheissen ein vollkommen neues Wertesystem: Die Schwachen erhalten Würde, Hoffnung und Freiheit. Den Starken und Mächtigen hingegen begegnet Jesus insbesondere im Lukasevangelium mit scharfen Worten: "Wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin". Noch schroffere Aussagen begegnen uns im Jakobusbrief, Kap. 5,1-6: "Wohlan nun, ihr Reichen, weint und heult über eure Drangsale, die über euch kommen. Euer Reichtum ist verfault ... Siehe, der von euch vorenthaltene Lohn der Arbeiter, die eure Felder geschnitten haben, schreit, und das Geschrei der Schnitter ist vor die Ohren des Herrn der Heerscharen gekommen ..."

Gerechtigkeit ist ein wesentliches Merkmal des kommenden Gottesreiches. Wenn wir also beten: "Dein Reich komme!" ist dies gleichzeitig auch ein Schrei nach Gerechtigkeit. Und das Reich Gottes ist nicht nur etwas Zukünftiges, es ist bereits spürbar hier.

Das zerstörerische System, in dem der Stärkere den Schwächeren ausbeutet und versklavt, wird nicht ewig bestehen. Gerechtigkeit wird siegen!

Doch Vorsicht: Fast könnte man/frau annehmen, die Welt könne gerettet werden, indem wir die Reichen enteignen und die Mächtigen entmachten.

Doch so einfach geht dies nicht. Jesus warnt uns davor, voreilige Schlüsse zu ziehen

·        Er fordert uns zum selbstkritischen Denken auf (z.B. Matthäus 7,2-5) Denn es ist nicht etwa so, dass Arme und Unterdrückte von Natur aus bessere Menschen seien. Das Böse beschränkt sich nicht auf eine einzelne soziale Schicht (vergl. z.B. Römer 3,23)

·        Jesus will, dass wir unsere Feinde lieben und für sie beten (z.B. Matthäus 6,43ff). Wir müssen unterscheiden zwischen der sozialen Ungerechtigkeit als solche (Sachebene), die wir bekämpfen müssen, und den Menschen, die zwar soziale Ungerechtigkeit verursachen, die wir aber nicht verdammen dürfen (Beziehungsebene). Denn ohne Sonst entwickeln wir uns zu selbstgerechten "Auge-um-Auge-Kämpfern".Feindesliebe werden wir zu rachesüchtigen Tätern.

·        Umkehr ist kein einmaliger Akt. Ehemals Unterdrückte können, wenn sie einmal an die Macht gelangen, selber zu Unterdrückern werden. Es ist daher entscheidend, uns demütig immer wieder von Gott prüfen und verändern zu lassen.

Was können wir als ChristNet konkret unternehmen, damit in der Welt soziale Gerechtigkeit wiederhergestellt werden kann?

·        Gebet - Dein Reich komme! Gott kann das Unmögliche tun!

·        Fürbitte: Für die Unterdrückten und die Unterdrücker (Feindesliebe)

·        Selbstkritische Haltung fördern

·        Unseren westlichen Lebensstil (Konsumhaltung) hinterfragen und nach alternativen Lebensformen suchen (einfacher Lebensstil, Gemeinschaften, Übernahme von Patenschaften etc.).

·        Projekte und Organisationen, die sich für soziale Gerechtigkeit engagieren, finanziell und moralisch unterstützen

·        Partnerschaften und Netzwerke zu bereits bestehenden Organisationen und Gruppierungen

·        PR und Sensibilisierung der Christen und der Öffentlichkeit

·        Direktes politisches Engagement in all seinen Facetten

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