Einleitung

Seit 2001 am Ball

Finanzkrise, Weissgeldstrategie, automatischer Informationsaustausch und Abschaffung von Pauschalsteuern: Seit einigen Jahren ist Bewegung in die Schweizer Geldlandschaft gekommen. «Gott sei Dank», meinen wir bei ChristNet. Seit über 10 Jahren interessieren wir uns für die Macht des Geldes in unserem Land, ein Thema, das wir an verschiedenen Foren und Konferenzen aufgegriffen haben.

Dabei war immer der Gedanke bestimmend, dass das Geld für die Schweiz und die Schweizer Christinnen und Christen eine besondere Herausforderung darstellt: Es kann uns zu Fall bringen, wenn wir uns seiner Eigendynamik, dem Streben nach immer mehr, der Angst vor Verlust und dem Verlassen auf falsche materielle Sicherheit hingeben. Das Geld kann aber auch zum Segen für uns und die Anderen werden, wenn wir bereit sind, uns von der Barmherzigkeit leiten zu lassen und uns nicht am Besitz festzuklammern, sondern sensibel für Gottes Gerechtigkeit, im Vertrauen auf Ihn verzichten lernen und den Überfluss mit denjenigen teilen, die weniger haben.

Geld oder Geist?

Es ist schon interessant: Als Jesus seine Jünger vor einem falschen Gott warnt, nennt er keinen der zahlreichen Götzen des damals herrschenden griechisch-römischen Pantheon. Als einzigen Gott nennt er den einheimischen Mammon: «Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon» (Matthäus 6,24). Damit unterstreicht er, dass der Geldgötze, das götzendienerische Vertrauen auf materielle Werte, eine ganz besondere Herausforderung für uns Menschen darstellt.

Wo viel Geld liegt, stellt sich diese Herausforderung in besonderem Mass. Und nirgends ist die Geldkonzentration grösser als in der Schweiz: Sowohl was das Vermögen[1], als auch das Pro-Kopf-Einkommen[2] angeht, hält die Schweiz ganz vorne mit. Und wenn bei vielen Schweizern das Gefühl bleibt, zu wenig zu haben, weil wir uns gerne mit jenen vergleichen, die mehr haben, dann reicht ein Blick auf die «Global Rich List»[3], um festzustellen, dass Herr und Frau Schweizer, die zur Hälfte über CHF 6000 pro Monat verdienen[4], besser dastehen als 99% der Weltbevölkerung. Im globalen, 100-köpfigen Dorf sitzen wir einsam in der Schatzkammer des Königs! In diesen Überfluss hinein ruft uns Jesus sinngemäss zu: «Ihr müsst euch entscheiden: Wollt ihr mir dienen und meinem Liebesgebot folgen oder wollt ihr dem Geld und seiner knallharten Logik Untertan sein?» Wir bei ChristNet vermuten, dass dies für uns Schweizer Christinnen und Christen die zentrale Glaubensfrage sein könnte.

In der Beschäftigung mit dem Thema Geld sind uns bei ChristNet drei Werte besonders wichtig geworden. Diese dämmen die Gewalt des Mammon ein: Das Gottvertrauen befreit uns vor der Angst vor Mangel; die Genügsamkeit befreit uns vom Zwang zum ungebremsten Wachstum; die Barmherzigkeit befreit uns von egoistischer Nabelschau.

Mammon-Dossier 2.0

Im Herbst 2005 organisierte ChristNet die Konferenz «Geld oder Leben! Die Schweiz – eine Geisel des Mammon?». In diesem Zusammenhang brachten wir das «Mammon-Dossier» heraus. Seither ist viel Geld über Schweizer Konten geflossen und neue Themen sind aufgetaucht. Dem wollen wir mit dieser ergänzten, vollständig überarbeiteten Neuauflage Rechnung tragen. Über ein Dutzend Autoren stellen die Macht des Geldes in der Schweiz aus politischer, wirtschaftlicher und geistlicher Sicht dar.

Dabei kommen in vier Hauptteilen die folgenden Themen zur Sprache: 1. Die Macht des Geldes in der Schweiz: Politikfinanzierung, Macht der Finanzmärkte und Rohstoffhandel. 2. Der Dauerbrenner Bankgeheimnis: ein geschichtlicher Abriss und die schädlichen Auswirkungen auf den Süden. 3. Die Steuerpolitik: die Pauschalbesteuerung reicher Ausländer und der Steuerwettbewerb. 4. Eine geistliche Sicht für die Schweiz: das biblische Gebot des Jubeljahrs, Gedanken zur Genügsamkeit, eine Vision, Thesen zum Geld und eine Anleitung zum Gebet.

Es erstaunt wohl nicht, wenn die Schweiz in den ersten drei Teilen nicht besonders gut wegkommt. Doch die Kritik sollte kein Selbstzweck sein. Wir glauben, dass Gott für die Schicksalsgemeinschaft Schweiz mehr parat hat, als Geld zu scheffeln – geschweige denn dies mit undurchsichtigen Machenschaften zu tun. Darum präsentieren wir im vierten Teil Ansätze einer biblischen Sicht auf das Thema. In der Arbeit von ChristNet haben wir nämlich erfahren, dass uns das Gebet einen Blick gibt, der weder naiv – Gott ermutigt uns, auch unsere Schattenseiten ungeschminkt wahrzunehmen, und bietet uns Vergebung an – noch zynisch ist –Gott hat Visionen und Hoffnung für uns Schweizerinnen und Schweizer.

Wir möchten die Leserinnen und Leser mit diesem Dossier sachbezogen sensibilisieren und aufklären, gleichzeitig aber auch geistlich inspirieren. So ist dieses Dossier zwar durchaus als Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte gemeint, soll den Leserinnen und Lesern aber auch die Möglichkeit bieten, sich durch Gebet und das Leben christlicher Werte im persönlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Umfeld für die Freiheit von der Macht des Mammon zu engagieren.



[1] Tagesanzeiger, «Schweiz mit Abstand reichstes Land der Welt», 14.9.2011 (online).

[2] OECD (2012), «Pro-Kopf-Nationaleinkommen», in: Die OECD in Zahlen und Fakten 2011-2012: Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft, OECD Publishing.

[4] Bundesamt für Statistik BfS (2012), Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2010, Neuchâtel, S. 24.

 

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