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Aus dem Feuilleton

ChristNet: Vision und Theologie

ChristNet ist ein Bet-, Denk- und Aktionsforum, das gesellschaftspolitische Themen aus der christlichen Perspektive der Nächstenliebe (Mk. 12.29ff) kritisch-optimistisch behandelt und umsetzt. Dadurch sensibilisieren wir Menschen für die von Jesus Christus initiierte Welt voller Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit, Freiheit und Lebensbejahung.

Feststellung: Die Liebe erkaltet

Wir stellen vor allem in der westlichen Welt eine allgemeine Tendenz der Desolidarisierung, die wir mit der Aussage Jesu zusammenbringen, die Liebe werde bei vielen erkalten (Matthäus 24,12). Unseres Erachtens beruht dies auf folgenden drei Punkten, die in gegenseitiger Abhängigkeit stehen:

  • dem zunehmenden Individualismus
  • dem Eingriff des wirtschaftlichen Denkens auf alle gesellschaftlichen Bereiche
  • sowie der grösser werdenden Angst um das eigene Wohl.

Christusgläubige sind genauso von diesem Mentalitätswandel erfasst wie die Nicht-Christusgläubige. Die Frage der eigenen Errettung und Moral steht oft mehr im Vordergrund, die Liebe zum Nächsten und das Sorgen für sein Wohl sind mancherorts aus dem Blickfeld geraten.

Die Alternative: Eine Politik für die Schwächsten

Jesus hat uns neben der Errettung durch den Glauben radikale Nächstenliebe gepredigt, vorgelebt und uns angewiesen in unserem ganzen Handeln das Wohl des Nächsten (und damit das Allgemeinwohl) ins Zentrum zu stellen.

Wir wollen diese Nächstenliebe wieder neu erwecken, d.h. dazu aufrufen und beitragen, dass die Welt von der Liebe Jesu geprägt wird. Dadurch soll Gott in unserer Gesellschaft sichtbar werden. Dies beginnt mit der Christenheit, die neu für das Wohl des Nächsten sensibilisiert und dadurch ein kraftvoller Multiplikator von Gottes Liebe wird. Ziel ist es, dass wir Christusgläubigen durch die Erfahrung der Liebe Gottes unsere Ängste verlieren, wie Johannes in seinem ersten Brief in 4,18 schreibt: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ So werden wir befähigt, unsere Eigeninteressen zu hinterfragen und ihnen den richtigen Platz zuzuweisen. Erst dadurch erhält die Nächstenliebe in uns Raum und kann in der Welt ungehindert Frucht tragen.

Wir wollen herauskristallisieren, wie diese radikale Nächstenliebe und die daraus abgeleiteten Werte im persönlichen und gesellschaftlichen Handeln umgesetzt werden können. Bei dieser Analyse sollen die Taten, die Lehre und das Heilswirken Jesu im Zentrum stehen.

Besonderes Augenmerk soll auf das gesellschaftliche und politische Handeln gelegt werden, da die Nächstenliebe hier oft vergessen wird. Insbesondere die schwächsten Glieder der Gesellschaft scheinen uns heute gefährdet, da sie keine Macht und kaum eine Lobby haben. Doch schon Jesus predigt uns den Schutz der Schwächsten, indem er sich ganz mit ihnen identifiziert: «Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; […] ich war fremd, und ihr habt mich beherbergt; […] ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.» (Mat 25,35-36)

Wir glauben nicht an das neoliberale Menschenbild, das besagt, dass jeder und jede alleine alles erreichen und sich selber schützen könne, wenn er oder sie nur wolle, und dass gesellschaftlicher Schutz nur entmündigend wirke. In der Realität sind wir sind aufeinander angewiesen und wollen nicht die Verantwortung für den Nächsten, die uns Gott aufgetragen hat, an Gott zurückdelegieren, mit der Ausrede, wir wollen „sein Wirken nicht schmälern“.

Wir stellen fest, dass unsere besondere Ausrichtung auf das Wohl der ganzen Gesellschaft und vor allem auf das Wohl der Schwächsten uns in unseren Stellungnahmen oft in das linke politische Spektrum führt, da die rechte Politik stärker auf Individualismus und die Idee des „jeder für sich“ setzt. Wir folgen in unseren Überlegungen jedoch nicht einer bestimmten Partei und können bei verschiedenen Fragen durchaus ähnliche Positionen einnehmen wie die politische Rechte. Wir wollen jedoch klar aufzeigen, dass eine biblische Haltung immer vom ersten Gesetz (Mk 12.29 ff) abgeleitet ist, das bei den oben genannten Themen zuallererst das Wohl des Nächsten in der Realität bedeutet. Moralische Fragen stehen da nicht im Vordergrund.

Die Umsetzung: Aufklärung, Ermutigung, Gebet

Wir greifen mit Diskussionsbeiträgen, Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu den oben genannten Themen in die politische und gesellschaftliche Debatte ein. Dabei mobilisieren wir sozial denkende Christusgläubige und sensibilisieren zunächst Kirchen für diese Themen. In einem zweiten Schritt wenden wir uns an die breite Öffentlichkeit und Entscheidungstragende.

Dabei reichen unsere Absichten über politisches Handeln hinaus: Wir rufen Christusgläubige dazu auf, öffentliche Verantwortung in Ämtern und am Arbeitsplatz zu übernehmen und diese Nächstenliebe auch in allen anderen Bereichen des täglichen Lebens konsequent zum Ausdruck zu bringen. ChristNet ist darum auch ein Ort der gegenseitigen Ermutigung zur Transformation der Gesellschaft.

Das Gebet nimmt bei all unseren Aktivitäten einen zentralen Platz ein. Ohne Gebet und Gottes Unterstützung nützt all unser Schaffen nichts («Wenn der Herr nicht das Haus baut, so mühen sich umsonst, die daran bauen.» Psalm 127,1). Wir sind auf sein ständiges Leiten angewiesen, denn wir wollen Seinen Willen tun und nicht unseren. Dies bedarf, dass wir dauernd aktiv auf Ihn hören. Auch ChristNet selber braucht unaufhörliches Gebet. Zudem ist das Gebet für die Schwachen und für die Liebe in Politik und Wirtschaft ebenso wichtig wie unsere materiellen und ideellen Beiträge. Darum fördern wir die Gründung regionaler Gebetstreffen.

3. September 2001 (erneuert am 16. November 2019)

Glaubensbekenntnisse

Die Glaubensbasis von ChristNet beruht auf dem Glaubensbekenntnis der Vereinigten Bibelgruppen (vbg.net) und dem Apostolischen Glaubensbekenntnis.

Mission und Ziele

Politik der Nächstenliebe

ChristNet hat zum Ziel, eine Politik der Nächstenliebe sicht- und hörbar werden zu lassen.

Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit

ChristNet erhebt die Stimme für die Würde der Menschen in allen Lebenskontexten und setzt sich ein für Menschen, die vom System benachteiligt werden. ChristNet setzt sich ein für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt und für Gerechtigkeit in unserer globalen Gesellschaft.

Aufklärung und Öffentlichkeit

ChristNet fördert seine Vision durch Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit in Kirchen, in der Öffentlichkeit und durch politisches Engagement.

Bekennen und Entwickeln

ChristNet-Teilnehmende leben ein klares Christusbekenntnis und sind bereit, ihre Werte, ihre Spiritualität, und ihr Verhalten zu reflektieren.

Aktion

StopArmut

Wir engagieren uns seit 2005  bei StopArmut, weil die Menschen im Süden unsere Brüder und Schwestern sind. StopArmut ruft Menschen in der Schweiz auf sich für eine gerechtere und barmherzigere Welt einzusetzen. StopArmut ist Teil der Kampagne Micah Global und beruft sich auf die 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung der UNO sowie den Vers Micha 6,8 aus der Bibel.

Chouf-Nüt-Tag

Wir engagieren uns seit Jahren für den Chouf-Nüt-Tag, weil wir denken, dass der Kapitalismus an Grenzen gekommen ist und wir neue Formen des Warenaustausches brauchen. Verzicht und Bescheidenheit sind dabei wichtige Motive.

Der «Buy Nothing Day» ist ein konsumkritischer Aktionstag am letzten Freitag (Nordamerika) bzw. Samstag (Europa) im November und wurde bereits in über 60 Ländern organisiert.

Konzern­verantwortungs­initiative

Die Konzern­verantwortungs­initiative will erreichen, dass Schweizer Konzerne, welche in anderen Teilen der Welt Rohstoffe gewinnen oder Handel betreiben, von der UNO definierte Menschenrechts- und Umweltstandards einhalten. ChristNet unterstützt diese Initiative mit Engagement und Gebet.

ChristNet Forum

Unsere Gesellschaften verändern sich rasch und sind voller Spannungen, Gewalt und Leid. ChristNet wählt regelmäßig als wichtiges soziales Thema, um die Verpflichtung zu erkennen, die wir aus Liebe zu Christus und unseren Nächsten eingehen müssen. Sie besteht in der Regel aus einem Konferenztag pro Jahr, gefolgt von einer Veröffentlichung.

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