ChristNet – die neue Erklärung von Bern
1968 verfasste eine Gruppe reformierter Theologinnen und Theologen die «Erklärung von Bern». Das Manifest fordert den Bundesrat auf, die «notwendigen politischen Umstellungen» einzuleiten, um gerechtere Beziehungen zwischen der Schweiz und den armen Ländern zu schaffen.
Die Erklärung von Bern wurde von fast 10‘000 Menschen unterzeichnet. Die Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichner verpflichteten sich selbst, während dreier Jahren 3 % ihres Einkommens einem oder mehreren Hilfswerken zukommen zu lassen. Aus dieser Bewegung entstand die erste unabhängige entwicklungspolitische Organisation mit Fokus Schweiz: Public Eye. Sie wird dort aktiv, wo Wirtschaft und Politik Menschenrechte in Gefahr bringen.
«Mit mutigen Recherchen, scharfen Analysen und starken Kampagnen setzen wir uns gemeinsam mit 29‘000 Mitgliedern für eine Schweiz ein, die weltweit verantwortungsvoll handelt. Denn globale Gerechtigkeit beginnt bei uns.» Public Eye arbeitet heute mit Publikationen, Podcast, Blog, Newsletter, Social Media und Schulmaterial und tritt in Schulen auf.
Leider ist der ursprüngliche Bezug von Public Eye zum christlichen Glauben heute kaum noch erkennbar. Deshalb gibt es ChristNet. Der Verein wurde am 21. Oktober 2000 als Netzwerk von Christinnen und Christen gegründet, die bibelrelevante Themen wie Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung wieder neu auf den Tisch der Gemeinden bringen wollten. Das Netzwerk gewann im Laufe der Jahre über 100 Aktivistinnen und Autoren.
100 Aktive ChristNet-Aktive gegen 29’000 Mitglieder bei Public Eye? Dieser Verein hat keine Chance, würde man denken. Aber er ist bei seinen christlichen Wurzeln geblieben. ChristNet hat deshalb eine zusätzliche Ressource von oben und starke Begründungen in der biblischen Botschaft.
Das zeigen die Aktivitäten. An Konferenzen und Foren zu verschiedensten Themen wurden insgesamt weit über 1000 Teilnehmenden erreicht, man nahm an Demonstrationen teil, startete oder unterstützte Petitionen und Eingaben an Politiker, lancierte den Chouf-Nüt-Tag und unterstützte die Kampagne StopArmut, man war präsent an christlichen Tagungen, traf sich in lokalen Gebetsgruppen und gab Publikationen heraus. So kam es zu Hunderten von Artikeln und Sendungen über ChristNet in christlichen und nichtchristlichen Medien.
Keine Chance? Denkste! Die prophetische Stimme von ChristNet wird seit 25 Jahren gehört – und sie ist angesichts des drohenden Zerfalls der Demokratie, dem Vormarsch der Lügen in sozialen Medien und dem scheinbaren Siegeszug selbsternannter Könige dringender denn je. Public Eye kann inhaltlich dabei als Vorbild dienen. In Zukunft wird es für ChristNet wichtig sein, sich noch stärker weltweit mit ähnlich gesinnten christlichen Kreisen zu vernetzen und auch neue Kommunikationswege vermehrt zu nutzen.