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Der zentrale Vektor einer christlichen Politik muss es sein, das Wohlergehen der Schwächsten an die erste Stelle zu setzen. Die Steuersenkungen der letzten 25 Jahre, die hauptsächlich den Wohlhabenden zu Gute kamen, haben aber die Mittel für die Schwächsten verringert. So wurden unter anderem für Krankenkassenbeihilfen, IV-Eingliederungsstätten, Suchthilfe etc. abgebaut. Umgekehrt besitzen die reichsten 1% der Schweizer Bevölkerung immer mehr vom Gesamtvermögen, heute nämlich 43 %. Der Vermögenszuwachs kommt oft durch Kapitalgewinne zu Stande. So ist es legitim, dass Kapitalgewinne besteuert werden sollen. Oder haben wir wirklich das Gefühl, diese Opfer wären noch grösser als für die Schwächsten? Es braucht mehr Mittel für die Nächstenliebe. Denn auf Grund der Corona-Pandemie sind die öffentlichen Kassen leer, und die nächsten Sparprogramme stehen vor der Tür.

Zusammen mit der Gottesliebe ist die Nächstenliebe das höchste Gesetz in der Bibel. Nächstenliebe heisst, das Wohl des Nächsten genauso hoch zu achten wie das Unsere. Dabei haben die schwächsten Glieder der Gesellschaft unser grösstes Augenmerk nötig, wie die Bibel an hunderten von Stellen eindrücklich darlegt (siehe https://christnet.ch/de/unser-umgang-mit-den-schwachen/ ). Denn alle Geschöpfe Gottes sind seine Kinder, und wir sollten sie als solche behandeln. Das bedeutet auch, genügend zu Teilen, damit ihrem Mangel abgeholfen wird (z.B. 5. Mose 15.7-8).

Die tiefen Löhne haben in den letzten 20 Jahren stagniert. Und der der Medianlohn, also der mittlere Lohn der Angestellten, ist in den letzten 25 Jahren insgesamt nur um 1 % gestiegen, trotz eines realen Wirtschaftswachstums von 30 % im selben Zeitraum.

Gleichzeitig sind in den letzten 25 Jahren die Steuern für Reiche in allen Kantonen gesenkt worden, und auf Bundesebene z.B. durch die Senkung der Dividendenbesteuerung ebenfalls. In allen Kantonen und auch beim Bund sind dadurch Löcher in der Kasse entstanden. Als Sparmassnahme wurden dann die Krankenkassenbeiträge, die Wohnbeihilfen und die Ergänzungsleistungen gesenkt, sowie die Eingliederung von Arbeitslosen und IV-Bezügern geschwächt. Zudem wurden bei Schulen, Berufsberatung, Suchtberatung und ÖV Milliardenbeträge gespart und Spitäler geschlossen https://christnet.ch/de/die-steuerkrise/#fn-2462-8) . So sind die ärmsten Haushalte, darunter überdurchschnittlich viele betroffene Kinder, noch mehr unter Druck gekommen.

Zur Rechtfertigung der Steuersenkungen wurde argumentiert, dadurch würde die Wirtschaft angekurbelt und Arbeitsplätze sowie höhere Löhne für die Armen generiert («trickle down»). Doch dies ist gescheitert: Die Armen haben auch nicht bessere Arbeitsplatzchancen: Die Arbeitslosigkeit ist nicht zurückgegangen, einzig in den offiziellen Zahlen. Denn die ausgesteuerten Arbeitslosen finden sich heute einfach in der Sozialhilfe wieder. Und die tieferen Löhne, ja gar der Medianlohn haben auch nicht zugenommen, sowohl in den USA wie in der Schweiz, trotz riesigem Wirtschaftswachstum. Das System ist so nicht zielführend. Die steigende Kluft zwischen arm und reich in der Welt hat Oxfam in einem Bericht gut dargestellt, und gar das WEF in Davos nahm das Thema auf.

Aber warum reagiert die Bevölkerung nicht? Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz beschreibt dieses Phänomen in seinem Werk «Der Preis der Ungleichheit» dargestellt: Die meisten Menschen sind gar nicht über das Ausmass der Ungleichheiten informiert, und diejenigen, die die aktuelle Entwicklung nicht ändern wollen haben die grössere Marketingkraft auf ihrer Seite. Dies lässt sich auch gut in der aktuellen Abstimmung sehen.

Es braucht also dringend mehr Steuereinnahmen, um die Schwächsten zu stützen und ihnen die Chancen zur Eingliederung zu geben. Zudem lässt sich absehen, dass die öffentliche Hand auf Grund der Coronapandemie weitere Sparübungen machen muss. Doch wir können nicht sagen, wir hätten kein Geld, um die Leistungen und die Gerechtigkeit für die Ärmsten zu finanzieren. Beispielsweise ist jeder zweite Neuwagen in der Schweiz ein SUV. Wir können also nicht im Ernst sagen, es ist kein Geld da, oder es sei unzumutbar, etwas mehr zu teilen. Die Initiative fordert nur, einen Teil des vergangenen Steuerabbaus rückgängig zu machen, und zwar nur bei denjenigen, bei denen es kaum schmerzt. Hier müssen wir die Verhältnismässigkeit im Auge behalten: Schmerzt es mehr, nur noch 25’000 statt 30’000 Franken pro Monat zur freien Verfügung zu haben oder aber, nicht genügend Geld für die Kleider und das Schulmaterial der Kinder zu haben?

Jetzt haben wir die Chance, viel für die Schwächsten zu tun. Was spricht denn dagegen?

  • «Die Reichen zahlen heute schon die Mehrheit der Steuern».
    Ja, das stimmt, aber das spiegelt vor allem die enormen Ungleichheiten bei Einkommen und Vermögen. Und schliesslich geht es um die Einzelnen: Ist es vom Überfluss oder vom Lebensnotwendigen? Dies erinnert an das Scherflein der alten Witwe (Lukas 21): In den Augen Jesu gab sie mehr als die Reichen.
  • «Die Schweiz hat schon eine starke Umverteilung im Vergleich zum Ausland».
    Nein, die Steuerquote beispielsweise ist im internationalen Vergleich eine der tiefsten. Nach den Zahlen der OECD sind die SchweizerInnen diejenigen unter den Industrieländern, den grössten Anteil an Gesundheitskosten selber bezahlen müssen. Und schliesslich hat eine Studie im Auftrag der Eidgenössischen Steuerverwaltung bereits im 2004 festgestellt, dass wegen den Steuersenkungen für die Reichen und den Gebührenerhöhungen für alle in der Schweiz praktisch schon ein Flat Tax-Steuersytem herrscht: Alle bezahlen prozentual ähnlich viel Steuern vom Einkommen: https://www.ecoplan.ch/download/wel_hb_de.pdf
  • «Die geforderte Steuererhöhung macht die KMU und damit Arbeitsplätze kaputt»
    Nein, es geht hier um die grössten Vermögen und Einkommen und damit kaum um Arbeitsplätze. Im Gegenteil, Steuereinnahmen sichern auch Arbeitsplätze: Umverteilung an die Ärmsten geht direkt in den Konsum des Notwendigsten und schafft damit Jobs! Gerade Joseph Stiglitz hat nachgewiesen, dass ein hohes Gefälle zwischen arm und reich Arbeitsplätze zerstört.
  • «Faustdicker Juso-Schwindel»
    Eigentlich ist es schade, dass die Initiative von der Juso kommt. Denn es ist ein einfacher (wenn auch unehrlich), eine kleine Gruppierung am Rande des politischen Spektrums zu verleumden, statt sich den Inhalten zu stellen. Hier müssen wir die sachliche Diskussion einfordern! Dass Steuererhöhungen für die Wohlhabendsten ansonsten möglich sind, hat gerade der Kanton Schwyz vorgemacht, als die Regierung selber eine zusätzliche Steuerstufe für die Reichsten an der Urne durchgebracht hat.
  • «Wir dürfen nicht das Geld der anderen ausgeben, das durch ihre Leistung verdient worden ist».
    Die eigene Leistung hat oft zum Reichtum beigetragen. Doch die meisten Menschen leisten alles, was sie können und viele haben trotzdem wenig zum Leben. Gott hat offensichtlich die in Lohn umsetzbaren Gaben ungleich verteilt. Deshalb sind alle zum Teilen aufgefordert worden. Denn das Wirtschaftssystem, wie es demokratisch angelegt worden ist, belohnt vor allem den Marktwert der Gaben und die Leistungsfähigkeit. Dies bedingt aber auch eine Solidarität mit den Anderen. Sonst verliert das System die Gerechtigkeit.

Titelbild: Ausriss des Plakats der Kampagne

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Die Rückmeldungen nach unserem Aufruf vom Mai sind durchaus positiv, die finanzielle und ideelle Unterstützung ist weiterhin vorhanden.

Darauf hin haben an der Generalversammlung vom 19. Juni haben die anwesenden Mitglieder dem neuen Konzept zugestimmt. Nun suchen wir intensiv nach einer neuen Geschäftsführung. Bitte leitet die Stellenanzeige an potentiell interessierte Personen weiter. Weiter suchen wir mittelfristig auch nach einem neuen Kassier, da Walter ad interim weitermacht, aber bald abgelöst werden möchte. Gleichzeitig nehmen wir bereits erste Arbeiten in Angriff, so die Wieder-Einrichtung eines Twitter-Kontos und die Verbesserung der Adresskartei. Und schliesslich sollen auch wieder mehr Texte auf der Website erscheinen. Die CO2-Abstimmung hat Gelegenheit dazu gegeben. Melde Dich, wenn Du etwas schreiben möchtest!

ChristNet sucht neue Geschäftsführung: Hier die Stellenanzeige

-> Kassier gesucht: Eine interessante und wichtige Aufgabe, ohne die ChristNet und sein Dienst für die Nächstenliebe gar nicht möglich ist. Wär das was für Dich? Oder kennst Du jemanden, der/die interessiert sein könnte?

Neu wieder ChristNetTweets: jetzt hier folgen und auf dem Laufenden bleiben.


Und schliesslich läuft auch politisch was:

-> Und schliesslich läuft auch politisch was.:

1) KOVI: Wir bleiben dran!
In der Ausarbeitung der Verordnungen hat Karin Keller-Sutter den bereits sehr mageren „Gegenvorschlag“ des Bundesrates gegen die Konzernverantwortungsinitiative nun noch massiv verwässert. Unternehmen wir Holcim fallen nicht mehr unter das Gesetz, zudem wurden zahlreiche Schlupflöcher geschaffen, die das Gesetz schon fast obsolet machen. Hier kannst Du Dich an der Vernehmlassung beteiligen und Deine Meinung einbringen:

2) Trotz oder gerade wegen der knapp verlorenen Abstimmung zum CO2-Gesetz muss das Engagement gegen die Klimaerwärmung weitergehen. Denn das Thema ist weiter drängend, es fehlt offenbar noch an der Sensibilisierung. Dafür sind wir da, und die langsame, aber sichere Veränderung der Haltungen wird auch in der Schweiz zu mehr Klimaschutz führen: Hier ein hoffnungsvoller Kommentar.

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Auf den ersten Blick sieht es so aus, wie wenn der Egoismus der Bevölkerung über die Verantwortlichkeit gegenüber den nächsten Generationen gewonnen hat. Wir stellen auch fest, dass die Ölindustrie mit einer Riesenkampagne genügend Ängste und Rechtfertigungen für den eigentlichen Unwillen gegen die Veränderung des Lebensstiles produziert hat, sodass es einfach wurde, das Gesetz mit «gutem Gewissen» abzulehnen.

Doch hat auch die massive Mobilisierung gegen die Pestizidinitiativen auf dem Land dem CO2-Gesetz geschadet. Und realistisch gesehen ist es üblicherweise sehr schwierig, Menschen zum Zahlen oder zur Veränderung zu bewegen, wenn sie die eigene Betroffenheit noch kaum spüren und 20 Jahre vorausdenken sollten. Ich gehe davon aus, dass bei Abstimmungen in anderen Ländern ein ähnliches Resultat herausgekommen wäre. Die Kehrseite der direkten Demokratie ist eben, dass mit genügend grossem Budget Populismus und Ängste stark befeuert werden können.

Gewisse Abstimmungkommentare in den Medien meinen, die grüne Welle sei damit gestoppt worden. Und gewisse Politiker meinen, das Abstimmungsresultat sei ein Zeichen, dass man «den Grünen» nicht mehr so entgegenkommen solle. Alles falsch: Der Klimawandel ist nicht gestoppt, das Klima erwärmt sich jedes Jahr mehr, der Problemdruck wird noch grösser und die Proteste werden weitergehen. Das Thema wird auf dem Tisch bleiben, dafür werden die Jungen sorgen. Die 18- bis 40-Jährigen haben mehrheitlich für das CO2-Gesetz gestimmt, und bei den in den nächsten Jahren neu Stimmberechtigten in den Agglomerationen brodelt’s. Massnahmen für das Klima werden also von Jahr zu Jahr in der Stimmbevölkerung populärer. Hätte vor 10 Jahren irgendjemand gedacht, dass die Massnahmen des CO2-Gesetzes an der Urne eine Chance hätten ? Deshalb dürfen wir gerade jetzt nicht resignieren, sondern müssen im Gegenteil noch mehr Menschen überzeugen. Es kann sein, dass die Gräben nun noch tiefer werden und ein Abwehrkampf des rechten Randes des politischen Spektrums gegen Veränderung entsteht, wie in den USA. Aber der gesellschaftliche Trend ist klar hin zu mehr Umweltschutz, auch bei uns.

Also, auf geht’s!

Photo by Marcin Jozwiak on Unsplash

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Sich Zeit zu nehmen, um die ökologische und soziale Krise zu betrachten, in die wir hineingeraten sind, um auf unsere Gefühle und Emotionen angesichts dieser harten Realitäten zu hören und sie vor Gott zu bringen. Auf Ihn zu hören, Seinen Blick und Sein Wort auf das zu suchen, was wir erleben, und die Verwandlung zu begrüssen, die Er in uns und in dieser Welt bewirken möchte. Das ist der Prozess, den 200 Teilnehmer in etwa zwanzig Kleingruppen erlebten. Es war „Detox‘ la Terre“, ein ökumenisches Fasten, das vom 5. bis 20. März in der Westschweiz stattfand.

„In der Tat wartet die Schöpfung mit sehnsüchtigem Verlangen auf die Offenbarung der Söhne Gottes.“ (Römer 8:19)

Die ökologische Krise ist nicht mehr nur eine Zukunftsprognose, sondern wir beginnen sie jetzt zu spüren und immer mehr Menschen erleben sie. Überschwemmungen, Wirbelstürme, Mega-Waldbrände, Dürreperioden und Hitzewellen werden immer häufiger. Diese Ereignisse führen zu einer Verknappung des Süsswassers, untergraben die ohnehin schon anfällige Agrarwirtschaft und zerstören viele Häuser. Infolgedessen sind Millionen von Menschen gefährdet, aus ihren Häusern vertrieben zu werden. Die Artenvielfalt und die Ökosysteme bleiben nicht verschont, so dass wir jetzt von einem neuen Massensterben von Arten sprechen, wie es die Schöpfung seit Millionen von Jahren nicht mehr gesehen hat. All dies ist auf unser Handeln als Menschen und die Art und Weise, wie unsere Gesellschaften funktionieren, zurückzuführen.

Das Bedürfnis nach einer Auszeit
Diese Tatsachen sind so schwer und wirken sich so tief auf unsere Lebensweise aus, dass es wirklich schwierig ist, sich ihnen zu stellen, ohne sich erdrückt und machtlos zu fühlen. Trotz der zunehmenden Zahl von Warnmeldungen ziehen wir es die meiste Zeit vor, den Blick auf diese gewalttätige und komplexe Realität zu vermeiden. Deshalb ist unser tägliches Leben voll von anderen wichtigen Anliegen.
Welcher Raum bleibt uns für die Betrachtung dessen, was heute geschieht? Nehmen wir uns ein paar Sekunden Zeit, um unsere Augen zu öffnen. Stellen Sie sich vor: Sie müssen Ihr Zuhause mit Ihrer Familie verlassen, um anderswo Zuflucht zu suchen, wo Sie nicht sicher sind, ob Sie willkommen sind: Ist das nicht eine dramatische Situation? Wenn wir uns nicht ändern, werden bis 2050 zig Millionen Menschen neu in diese Situation geraten. Eine einzige Tier- oder Pflanzenart, die von Gott geschaffen wurde, verschwindet aufgrund menschlichen Handelns: ist das nicht eine Wunde, ein Vergehen gegen den Schöpfer des Lebens? Schon heute werden jedes Jahr Tausende von Arten durch menschliches Handeln ausgelöscht; mehr als das Hundertfache der normalen Zahl, und diese Zahl nimmt noch zu. Wir können an den reichen und vielfältigen Wald denken, der der Amazonas ist, der ebenfalls vom Aussterben in den kommenden Jahrzehnten bedroht ist. Und an die Generation unserer Kinder, die zweifellos versuchen werden, zu verstehen, wie wir wussten, ohne zu handeln…
Ein Prozess der tiefgreifenden Transformation
Welcher Raum bleibt uns, um diese harten Realitäten zu erleben, auf die Emotionen zu hören, die zu uns kommen, und all dies im Gebet zu Gott zu bringen? Welchen Raum haben wir, um auf Ihn zu hören und zu suchen, was Er angesichts seiner leidenden Schöpfung fühlt? Welchen Raum haben wir, um mit anderen ehrlich danach zu suchen, wie Gott uns führen möchte, damit unser Leben zu einem nachhaltigen und gerechten Leben beiträgt und nicht zu den gegenwärtigen Ungerechtigkeiten und Erniedrigungen?
Wir brauchen diesen Raum, und unser oft überlasteter Alltag gibt ihn uns nicht. Deshalb haben sich 200 Christen in der Westschweiz, die dieses Bedürfnis verspüren, eine Auszeit genommen, um durch ein Nahrungs- oder Konsumfasten gemeinsam einen Prozess der Verwandlung vor Gott zu leben.
Dies geschah im Rahmen von „Détox‘ la Terre – mobilisation œcuménique“, einer von jungen Christen in der Westschweiz initiierten Veranstaltung, die vom 5. bis 20. März 2021 stattfand. Die Teilnehmer folgten täglichen Meditationen in einem gemeinsamen Gebetsheft, erlebten 3 bis 5 Treffen in Kleingruppen und nahmen an 2 gemeinsamen Feiern teil. Der Prozess wurde von der EERV, der ECVD und der FREE sowie von verschiedenen christlichen Organisationen einschliesslich ChristNet unterstützt.
Das Fastengebetsheft, das eine tägliche Meditation über 2 Wochen enthält und diese Zeit der Abgeschiedenheit (wieder) erlebbar macht, ist hier erhältlich.
Die Website der Veranstaltung: detoxlaterre.ch
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1) Das Ständemehr ist undemokratisch – aber eine bessere Strategie hätte geholfen

Das Volk will Konzernverantwortung, ein paar kleine Kantone bringen sie zu Fall. Im aktuellen Kontext mit dem Stadt-Land-Gegensatz und dem Ständemehr braucht eine progressive Initiative rund 55 % der Stimmen, um durchzukommen. Da die kleinen Kantone meist ländlich und abgelegen sind haben sie die Initiative zu Fall gebracht. Tatsächlich waren die abgelegensten, konservativen Ortschaften am stärksten dagegen, danach die Reichenvororte der Städte. Es hätte also geholfen, sich stärker auf die Schweizer „Swing States“ zu konzentrieren (was die Gegner gemacht haben): Auf Kantone wie Schaffhausen, Glarus, Graubünden etc, die durchaus überzeugt werden können, wenn man sich genügend darauf konzentriert. Zur Erinnerung: Trump und Biden haben 90 % aller Wahlkampfgelder in den Swing States ausgegeben!

2) Die Schweiz ist noch eine „Corporatocracy“ – aber die Zivilgesellschaft wird stärker

Bisherige progressive Initiativen (Nahrungsmittelspekulation, Mindestlohn, etc.) hatten jeweils in den Umfragen einige Monate vor der Abstimmung eine Zweidrittel-Mehrheit von Befürwortern. Doch die Economiesuisse hat in den letzten 30 Jahren nur ein einziges Mal eine Abstimmung verloren (Minder-Initiative), wenn sie eine starke Nein-Kampagne führte. Ein Nein zu erreichen ist in Abstimmungen viel einfacher als ein Ja. Es braucht nur eine klassische Angstkampagne mit dem Megaphon (also viel, viel, viel Geld), dann kippt die Bevölkerung und aus der Zweidrittelmehrheit wird eine Zweidrittelminderheit. Denn die Stimmenden lesen den Initiativtext in der Regel nicht …
Doch diesmal haben die Konzerne ihren Augen nicht getraut: Plötzlich hatten die Befürworter auch viel Geld! Das geht doch nicht, das dürft ihr nicht! Und plötzlich verlangen die Konzerne Transparenz … Jedenfalls hat der massive Einsatz von Zehntausenden von Helfern und Spendern den üblichen Abwärtstrend gebremst und zumindest das Volksmehr sichergestellt. Die Corporatocracy, die Herrschaft der Konzerne, ist in der Schweiz noch nicht vorbei, aber die Zivilgesellschaft hat die Muskeln spielen lassen. Viele Fahnen bleiben an den Balkonen, um zu sagen: Wir kommen wieder!

3) Härtere Bandagen sind zu erwarten

Als klar wurde, dass die Initiative eine Chance hatte wurde der Gegenwind stärker: Der Bundesrat legte sich ins Zeug, die Medienkonzerne haben nachweislich einseitig gegen die Initiative geschrieben, die SVP musste ihre Basis mit dem üblichen „Linksextreme wollen Gewerbe kaputtmachen“ aufschrecken, und zu guter Letzt haben vom Konzerne-Dachverband mitfinanzierte Rechtsaussengrüppchen in einem vielgesehenen Video die Initianten als Gewalttäter verleumdet.
Wenn Besitzende merken, dass sie nicht mehr sicher sind werden sie aggressiv. Wir müssen also damit rechnen, dass auch in der Schweiz Trump-Methoden (Verleumdungen und pure Machtdurchsetzung) gegen uns angewendet werden. NGOs sind nun stärker in der Schusslinie der Ultrarechten und schon werden sie mit Kürzungen der staatlichen Mittel bedroht (obwohl die überwiegende Mehrheit der Gelder der Initiative von Einzelspendern stammte): Nun will Bundesrat Cassis den Hilfswerken auf Anregung von Economiesuisse-Vertretern gar Bildungsarbeit in der Schweiz verbieten. Von diesen Angriffen dürfen wir uns nicht beirren oder einschüchtern lassen!

4) Weiter überparteilich arbeiten!

Auch in der Schweiz leben immer mehr Menschen in ihren realen und virtuellen „Bubbles“ und sehen „die Anderen“ als Feinde. Eine Neuauflage der Initiative muss zwingend wieder eine überparteiliche Trägerschaft aus der ganzen Zivilgesellschaft und der Wirtschaft haben. Linke und NGOs alleine werden keine Chance haben, denn zu einfach ist der Reflex, etwas abzulehnen, das von der falschen Seite kommt. Das heisst also, wir müssen mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeiten Allianzen für Werte schmieden, die uns gemeinsam sind.

5) Auch Evangelikale stehen für Nächstenliebe auf!

Es war äusserst erfreulich zu sehen, wie die christliche Gemeinschaft sich mobilisiert hat. Selbst die SEA und Leiter der VFG haben sich von StopArmut und StopPauvreté überzeugen lassen, die Stimme zu erhaben. Inwiefern diese Positionsbezüge auch an der Basis geteilt wurden ist allerdings unklar. Die JA-Parole der EDU lässt aber darauf schliessen, dass gar konservative Kreise die Werte der Initiative mittragen. Diese Zusammenarbeit gilt es weiterzuführen!

6) Wahlen sind von entscheidender Bedeutung!

Initiativen, die sich gegen Positionen der Konzerne richten haben es sehr schwer. Dazu kam, dass der Ständerat einem guten Gegenvorschlag des Nationalrates im Laufe der parlamentarischen Diskussion die Zähne zog und dass der Bevölkerung schlussendlich ein Augenwischer-Gegenvorschlag untergejubelt wurde. Und schliesslich hatte der Bundesrat, dessen parteiliche Zusammensetzung eigentlich nicht mehr die Bevölkerungsmehrheit entspricht, die Hoheit über die Infos im Abstimmungsbüchlein und dessen Mitglieder konnten sich dank der Nein-Position des Bundesrates auch ausführlich in den Medien zu Wort meldeten. Das heisst konkret: Wahlen sind eminent wichtig! Nur wenn wir auch bei Wahlen so stark mobilisieren wie bei der KOVI können in Zukunft Durchbrüche gefeiert werden.

7) Jetzt nicht nachlassen, die Zeit läuft für uns!

Auf der einen Seite hat die Coronakrise weitere Mobilisierung erschwert (und die Ängste vor wirtschaftlichen Folgen der Initiative verstärkt), aber sie hat andererseits auch eine Sinnsuche ausgelöst: Viele Menschen möchten bewusster leben und kritischer konsumieren. Die Gesellschaft fordert heute mehr Sinn und Gerechtigkeit von der Wirtschaft. Auch die Klimakrise treibt viele junge Menschen in die Politik. Und in den nächsten Jahren wird trotz zunehmender PR-Aktivitäten durch die Konzerne offenbar werden, dass der Gegenvorschlag keine Veränderung bringt. Weitere Skandale werden auffliegen, denn Glencore hat ja bereits am Abstimmungstag geschrieben, dass sie sich gleich für die Umwelt und die Bevölkerung einsetzen werden wie bisher … Die Diskrepanz zwischen den im Shareholder-Value gefangenen Konzernen und der gesellschaftlichen Entwicklung wird noch grösser werden, womit das Thema Konzernverantwortung zwangsläufig wieder aktuell wird. Zudem sind entsprechende Gesetze auch in der EU in Vorbereitung. Die Zeit läuft für uns!

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Es gilt, nüchtern und wachsam zu sein 
 
Wie verhalten sich die «ChristNetten» in der Coronakrise? Wie anderswo auch gehen bei uns die Diskussionen darüber hoch her. Gern verweisen wir an dieser Stelle auf das Schutzkonzept der Freikirchen, an das wir uns in großen Teilen anlehnen und dessen Einhaltung wir empfehlen.

Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA),  unter deren Dach wir als Partner arbeiten,  hat ein Dossier zusammengestellt, in dem es sich zum Thema weiterschmökern lässt;

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«Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten» (2. Mose 20,16)

«Prüfet alles, das Gute aber behaltet» (1. Thess. 5.21)

Seit jeher sind Wort und Bild Mittel der Verführung gewesen, doch haben uns die elektronischen Medien und die internationale und nationale Politik in der jüngeren Vergangenheit in neue Dimensionen der Halbwahrheit und Lüge katapultiert, beispielsweise mit den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016 (in diversen Analysen bei Reden von Trump nur noch 7–11 % Wahrheitsgehalt) oder im Rahmen der Abstimmung zum Brexit. Auch die aktuellen Präsidentschaftswahlen in den USA machen da keine Ausnahme. Verschiedene Analysten stellten fest, dass wir uns seither in einer sogenannten „postfaktischen Ära“ befinden, ein Begriff, der im 2016 zum Wort des Jahres der Gesellschaft für deutsche Sprache wurde.

Schon im Wahlkampf 2016 hat Donald Trump unbegründet behauptet, die Wahlen würden gefälscht werden. Umfragen zufolge glaubte die Mehrheit der Menschen ihm dies. Donald Trump hat als einer der ersten gemerkt, dass Leute einfach glauben, was sie glauben wollen und dass er erzählen kann, was er will, ohne wirklich zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Und die Christen da drin? Es scheint erstaunlich, dass sich die Christen bis vor kurzer Zeit kaum zu dieser Frage zu Wort gemeldet haben, obwohl es hier um das 9. Gebot geht: «Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten» (2. Mose 20,16). Kümmert uns die Wahrheit noch? Glauben auch wir, was wir glauben wollen und was unserer vorgefassten Meinung entspricht? 81 % der evangelikalen Christen in den USA haben im 2016 trotz allem für Trump gestimmt.

Und in der Schweiz? Auch hierzulande wird in der Politik gelogen. Als ich im Rahmen der Steuergerechtigkeitsinitiative eine gläubige Parteisekretärin auf eine angstmachende, klar unwahre Aussage (alle Kantone müssten die Steuern erhöhen) ansprach, meinte sie, das stimme irgendwie in dieser Richtung schon… Dehnen wir den Begriff der Wahrheit zu stark? Und leisten Christen den Kirchen nicht einen Bärendienst, wenn ihre Lügen (und damit sie selbst) dann in der Öffentlichkeit in Frage gestellt werden?

Was steckt dahinter? Die Genese des Problems

a) Wem geglaubt wird

Die Welt ist komplexer geworden, viele Menschen verstehen sie nicht mehr. Die kleinen Leute haben das Gefühl, es werde immer schlimmer, fühlen sich aber machtlos. Das schürt das Misstrauen und Hass gegen „diejenigen, die bestimmen“, „den Eliten“, wer auch immer das ist. Kurios ist allerdings die Definition, wer nun die Eliten seien und wer nicht… Viele verstehen das Wirken von Strukturen nicht und meinen, es seien einzelne oder mehrere Übeltäter, die verantwortlich sind. Dies nährt den Glauben an Verschwörungstheorien.

Wenn die Medien diese Theorien nicht teilen, dann heisst es, die Medien lügen uns an und unterdrücken die Wahrheit, sind also Teil der Elite. Das generalisierte Misstrauen kann in Verfolgungswahn umschlagen.

Menschen suchen nach Halt. Das eigene Weltbild, und die eigene Welterklärung aufrecht zu erhalten ist überlebenswichtig. Unsere selektive Wahrnehmung sucht nach Bestätigung unseres Weltbildes. Eine bestätigende Information wird nicht hinterfragt, eine widersprechende schon. Und im Zeitalter des Internets finden wir so viele bestätigende Infos wie wir wollen, selbst die Google-Algorythmen bieten uns vor allem „mehr desselben“. Je mehr wir davon überzeugt sind, wer die Guten und wer die Bösen sind desto weniger interessiert es uns, ob eine Meldung wahr ist oder nicht. Wir haben die Tendenz, das zu glauben, was wir glauben wollen und das auszublenden, was wir nicht glauben wollen. Die Christen sind davon nicht ausgenommen: Es besteht in der evangelikalen Welt eine gewisse Angst vor der nichtchristlichen Welt, man fühlt sich bedrängt, verfolgt und zeigt bisweilen Minoritätsreflexe.

Das Aufkommen des Internets und der Social Media hat diesem Problem eine neue Dimension gegeben. Für alle Verschwörungstheorien findet sich jetzt eine «kritische Masse». Für die in Blogs angebotenen Informationen muss keine Rechenschaft mehr gegeben werden. Wer nicht einverstanden ist konsumiert in Zukunft andere Seiten. Über die Social Media verbreiten sich jegliche Informationen in Windeseile, unkontrolliert, nicht rechenschaftspflichtig, und sie werden oft gar von Bots generiert. Wenn eine falsche, aber erschreckende Information die gewünschten Emotionen bei den Adressaten generiert hat ist es zu spät: Eine Richtigstellung in der Öffentlichkeit erreicht meist nicht die gleichen Adressaten. Ist echte Aufklärung überhaupt noch möglich?

b) Warum wir selber lügen

Die schnellen gesellschaftlichen und technischen Veränderungen generieren Haltlosigkeit, Weltangst und Angst vor Nächsten. Wir suchen das Böse ausserhalb von uns, unsere politischen Gegner sind die Bösen. Um uns zu retten müssen wir also gegen diese kämpfen. Der Kampf «auf den Mann» hat in der Politik in den letzten 25 Jahren zugenommen, bis zur Verteufelung der Gegner, wie z.B. in einer in alle Haushalte verteilten Zeitung zur Unternehmenssteuerreform (siehe Bild).

Das Angst verleitet uns zum Lügen, denn die «gute Sache» muss um jeden Preis gewinnen, da sonst der Abgrund droht. Gewisse Menschen wähnen sich in einem gigantischen Kampf, wo alle Mittel erlaubt sind. Es geht also nicht um die Wahrheit, sondern um den Sieg und die Herrschaft der Guten.

Meist aber glauben wir unser Unwahrheiten «irgendwie» selber: Wir dehnen dann den Wahrheitsbegriff sehr stark und vermischen die Realität mit dem eigenen Weltbild. Wir sagen oder hören manchmal «Ich glaube halt/an …» So biegen wir die Wirklichkeit zurecht, damit sie ins eigene Weltbild passt.

In der Politik scheuen auch Christen nicht davor zurück, ungeprüfte Gerüchte und Vorurteile, Halbwahrheiten und Lügen zu verbreiten. Wähnen auch wir uns in einem gigantischen Kampf, in dem alle Mittel erlaubt sind, weil wir ja «das Gute» verteidigen, so quasi im Kampf der Endzeit?

Hat aber Gott gesagt, das neunte Gebot sei irrelevant, wenn wir meinen, dass wir die Guten sind oder die Sache o.k. ist? Ist es nicht Hybris, zu denken, das wir über den Geboten stehen können? Dürfen wir so sicher sein, dass wir die Guten und die Gegner die Bösen seien? Hat Gott gesagt, die Christen seien besser oder hätten automatisch die besseren Ziele in der Politik? Aber es ist so verlockend, zu glauben, unsere Ziele seien besser, weil wir Christen sind. Das ist eigentlich Stolz!

Genügt ein gutes Gewissen, um auch unwahres Zeugnis zu geben? Nein, denn kaum jemand hat schlechtes Gewissen, da immer Rechtfertigungsideologien zur Verfügung stehen oder manche sich gar uns in einem Sendungsbewusstsein wähnen.

Oder kann man sagen, dass alles sowieso nur Meinung ist und man die Wahrheit nicht kennen kann? Nein, sonst würde das neunte Gebot obsolet. Aber eine solche Meinung ist verlockend, da sie uns vor unbequemen Fragen befreit. Oder hat uns die Werbung derart abgestumpft, dass wir gar nicht mehr an die Wahrheit glauben?

Wir sehen, dass der Postmodernismus die Gesellschaft mit seiner ganzen Wucht erreicht hat. Im Jahr 1979 beschrieb Jean-François Lyotard als erster den Postmodernismus, also die Ablehnung der Möglichkeit, dass es eine Wahrheit gibt: Er warnte aber auch, dass in Zukunft nur noch die Macht des Stärkeren gilt, wenn die Gesellschaft nicht mehr auf richtig und falsch pochen kann. In der Demokratie heisst das nun: Wer am Besten mit Emotionen spielen kann und wer das beste Megaphon hat, der gewinnt! Dies wird „postfacts politics» genannt: Hauptsache man gewinnt, die Wahrheit ist nur Detail. Die Leute glauben sowieso das, was sie glauben wollen, also werden sie entsprechend bedient.

Warum ist das überhaupt ein Problem?

Klar ist die Wahrheitsfindung immer ein ganzer Prozess, und niemand kann abschliessend die Wahrheit besitzen. Denn es gibt immer verschiedene Perspektiven auf dieselbe Sache. Aber wichtig ist Verlässlichkeit. Wahrheit ist nicht ein Detail im Kampf: Die Unwahrheit wirkt zersetzend auf die Gesellschaft: Wo die Wahrheit fehlt wird Vertrauen zerstört und nimmt das gegenseitige Misstrauen zu. Misstrauen aber zerstört die Nächstenliebe. Nicht umsonst kommt das Wort Teufel von Diabolos, der Verdreher. Die Umkehrung der Wahrheit ist also eine der Haupteigenschaften des Teufels, der Mutter aller unserer Probleme. Unwahrheit über den Nächsten ist Hetze und schafft noch mehr Vorurteile, Entzweiung und damit die Grundlage von Bürgerkriegen.

Wahrheit heisst also Ehrlichkeit, Faktentreue, Verlässlichkeit. Bei der Suche nach Lösungen, bei Gesetzgebung und bei Abstimmungen brauchen wir verlässliche Informationen, um das Gute zu entscheiden. Wir müssen aber auch danach suchen und nicht bei der Ideologie stehen bleiben. Und vom Gesetzgeber erwarte ich anderes als z.B. Aussagen wie „Ich glaube halt an die Freiheit“, sondern die sachliche Auseinandersetzung mit einem Problem und konkrete Lösungsfindung. Alles Andere ist schlechte Landesführung!

Die Idee, auf Grund von einzelnen Erfahrungen alles zu wissen («ich sehe es ja selber») und wissenschaftliche Erkenntnisse deshalb zu ignorieren ist Überschätzung der eigenen Wahrnehmung und damit Stolz. Oder vielleicht auch massives Misstrauen gegen «die Eliten».

Verschwörungstheorien sind wiederum deshalb gefährlich, weil sie auf falsche Fährten führen und systeminhärente Ursachen von Problemen überdecken. So können wir bestehende Probleme gar nicht mehr lösen!

Politische Meinungsbildung für gute Entscheide ist gar nicht mehr möglich, wenn die Wahrheit gar nicht mehr gesucht wird oder wenn verlässliche Information nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Wie können wir Wahrheit finden?

Wir fragen uns, wem man noch trauen kann. Doch die Frage könnte auch anders lauten: Wie können wir prüfen, was wahr ist und was nicht? Dazu gibt es sicher viele Wege. Aber grundsätzlich gibt es zwei Achsen:

  • Uns selber prüfen und die eigene Wahrnehmung reflektieren
  • Fakten prüfen: Zum Beispiel Quellen verfolgen, die Transparenz von Websites prüfen, etc.

Wie können wir von der Politik und den Medien, vor allem von den sozialen Medien und Autoren auf dem Internet Rechenschaft verlangen? Erheben wir die Stimme, konfrontieren wir die Absender und Politiker persönlich!

Hat die Wahrheit noch eine Chance?

Sind wir auf verlorenem Posten, wenn Lügen attraktiver sind als Wahrheit? Nein, wir können (und müssen) die Wahrheit zum Thema machen! Und nicht nur bei den politischen Gegnern, sondern auch in unseren eigenen Kreisen! Die Diskussion muss geführt werden! Wir brauchen vielleicht auch ein Übereinkommen, was wir unter Wahrheit verstehen und was wir brauchen.

Ein paar Wege dazu:

  • Wahrheit zum Thema machen und die Menschen wieder dafür begeistern
  • Wahrheit aufzeigen: Faktencheck wie bei Organisation wie www.politifact.com.
  • Eine Kommission, die News, Gerüchten und Verschwörungstheorien auf den Grund geht
  • Einen Werkzeugkasten zum Reality Check zur Verfügung stellen
  • Unabhängige Medien stützen und nicht zum Spielball von Investoren werden lassen
  • Vertrauen in die Wissenschaft fördern
  • Die Weltangst nehmen!
  • Wahrheit vermitteln, ohne unter Druck setzen

Denn Wahrheit darf nicht zur Unterwerfung missbraucht werden. Denn die richtige Darstellung von Facts in einer politischen Diskussion ist ja nur ein Element für die Entscheidungsfindung. Dann muss ein Konsens gefunden werden, was das Beste für alle ist.

ChristNet ist überzeugt, dass die Christen das Zeug haben, Werte wie Aufrichtigkeit, Wahrheit und Verlässlichkeit wieder ins Zentrum zu rücken, ja zu verkörpern, und dies ohne Machtanspruch. Dazu müssen wir selber verlässlich sein: Wie, wenn uns die Zeit für den Faktencheck beim Textschreiben fehlt? Gar nicht so einfach!


Photo by Ehimetalor Akhere Unuabona on Unsplash

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Wenn’s wirklich um Familien geht, braucht’s was Anderes

Um denjenigen Familien zu helfen, die es wirklich brauchen, gäbe es verschiedene Massnahmen: Kinderzulagen erhöhen, Krippen besser subventionieren, günstigere Wohnungen bauen, Krankenkassenprämien subventionieren, oder den Eltern die nötige Zeit nach der Geburt und zur Betreuung der Kinder zu ermöglichen. Es gibt eigentlich keinen Grund, den Familien über Steuerabzüge zu helfen.

Denn wegen der Steuerprogression helfen Abzüge denjenigen am meisten, die am meisten verdienen. Also genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Auch die Mittelklasse, die bisher wenig von Subventionen profitiert kommt durch Abzüge nicht besser weg als durch Subventionen. Politiker pflegen gegen «Giesskannenpolitik» zu poltern. Die Abstimmungsvorlage ist gar noch viel schlimmer: Sie kommt mehrheitlich denjenigen zugute, die es überhaupt nicht brauchen und diejenigen, die wirklich Mühe haben, durchzukommen, haben gar nichts davon … ausser vielleicht schlussendlich noch weniger, wenn wegen den Steuerausfällen noch Leistungen gekürzt werden müssen. Denn die 380 Millionen Franken Steuerausfälle müssen letztendlich kompensiert werden.

Erstaunlicherweise finden die Befürworter diese mehrheitlich zum Fenster herausgeworfene Summe verkraftbar, dies im Gegensatz zum «nicht tragbaren» Vaterschaftsurlaub, der die Schweiz nur 230 Millionen Franken kostet. Im Gegensatz zur Steuervorlage gibt der Vaterschaftsurlaub aber genau nach der Geburt die Luft, die nötig ist, die strenge Zeit für die Eltern gut zu starten. Nicht umsonst meinte Katja Schönenberger von Pro Juventute in der «Arena», dass die Mütter nach der Geburt enorm belastet seien. Sie bräuchten in dieser Zeit eigentlich selber Fürsorge. «Und genau in diesem Moment sollen sie alleine verantwortlich sein für einen Säugling?».

Es ist höchste Zeit, zu diskutieren, wie Familienpolitik wirklich zielführend ist. Denn diejenigen, die von Familie reden sind nicht immer diejenigen, die auch wirklich den Familien helfen.

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Christentum, Rassismus und Umweltschutz: diese drei grossen Themen klingen auf den ersten Blick, als hätten sie kaum etwas gemeinsam. Doch schaue ich mir zum Beispiel den Regierungsstil von Jair Bolsonaro an, wird der Zusammenhang sehr offensichtlich – und er macht mich als Christin hellhörig.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist eine sehr kontroverse Figur der internationalen politischen Landschaft. Einerseits lockert er die Gesetze zur Abholzung des Regenwaldes und diskriminiert die indigene Bevölkerung, andererseits proklamiert er seinen Glauben an Jesus Christus. Für evangelikale Christen ist er ein Vorbild, für Umweltschützende und Menschenrechtler ein wandelnder Albtraum. Für mich als Christin ist es schwierig nachzuvollziehen, wie ein Mensch an Gott glauben und gleichzeitig öffentlich rassistisch und umweltfeindlich auftreten kann. Doch ein Blick in die Vergangenheit verrät, dass Bolsonaro keine Ausnahme ist.

Die Geschichte beginnt 1492. Christoph Kolumbus suchte im Auftrag der spanischen Krone einen direkten Seeweg nach Indien und entdeckte dabei Amerika. Die Entdeckung der „neuen Welt“ weckte auch das Interesse des Papstes. Mit dem Ziel das Christentum zur Weltreligion zu machen, verfasste Papst Alexander VI. im Jahr 1493 die Bulle Inter Caetera, worin er den Christen die Einnahme aller Gebiete erlaubte, die nicht von einem christlichen Herrscher regiert wurden. Spanien verfolgte fortan das Ziel Latein- und Südamerika zu erobern, zu missionieren und in den spanischen Herrschaftsbereich zu integrieren. Machtpolitische Ziele vermischten sich mit dem Gedanken, dass das spanisch-christliche Weltbild das fortschrittlichste und allen anderen überlegen war. Die Weltbilder der indigenen Bevölkerung Süd- und Lateinamerikas waren jedoch animistisch geprägt. Dies befremdete die spanischen Eroberer und Missionare. Ihre ersten Berichte über die Einheimischen waren daher aus heutiger Sicht äusserst rassistisch. Die Beziehung der Eroberer und Missionare zur einheimischen Bevölkerung war von Anfang an ambivalent. Einerseits brauchten die Eroberer die Einheimischen auf Erkundungsreisen im Landesinnern und um Rohstoffe für den Handel zu finden. Andererseits behandelten sie die Einheimischen selbst dann nicht als gleichwertig, wenn sie zum Christentum konvertiert waren. Dieses Verhalten widersprach jedoch der Bulle Inter Caetera und den Ansichten einiger Missionare, welche sich für die gleichwertige Behandlung der Konvertiten einsetzten. Einer der sich vehement für die gleichen Rechte Indigener in Mexiko einsetzte, war Bartolomé de las Casas. Er gilt noch heute als einer der ersten Menschenrechtler. Für mich ist er ein grosser Lichtblick in diesem traurigen Abschnitt europäischer und amerikanischer Geschichte.

Die Auswirkungen des Kolonialismus sind heute noch global spürbar, denn Kolonialismus fand nicht nur auf den Kontinenten dieser Welt statt, sondern auch in den Köpfen der Menschen. Zwar wurde das christliche Weltbild in Europa und den USA durch ein naturalistisches abgelöst, doch im Kern blieb der Gedanke der „weissen Überlegenheit“ (white supremacy) hängen. Gerade im Umweltschutz war dieser Überlegenheitsgedanke lange Zeit stark verbreitet. Indigene wurden von ihrem Land vertrieben, um Nationalparks zu gründen. Traditionelles Wissen über Tiere und Pflanzen wurde gegenüber der westlichen Naturwissenschaft abgewertet. Einheimische Umweltschützende erhielten einen geringeren Lohn als ihre weissen Kollegen oder durften erst gar nicht an den Artenschutzprojekten im eigenen Land mitarbeiten. Einige dieser Missstände existieren leider noch heute. Als Antwort auf die „Black Lives Matter“- Bewegung gibt es innerhalb des Umweltschutzes Bestrebungen, diese Missstände ein für alle Mal zu beheben und die Umweltschutzprojekte der einheimischen Bevölkerung besser zu unterstützen.

Bis der Gedanke der „weissen Überlegenheit“ aus den Köpfen der Menschen verschwunden sein wird, wird wohl noch etliche Zeit verstreichen. Was wir als Christen heute bereits tun können, ist genau hinzuschauen, sobald eine Regierung wie jene von Jair Bolsonaro mit derselben fremdenfeindlichen Gesinnung auf die indigene Bevölkerung des eigenen Landes zugeht wie einst die europäischen Kolonialmächte. Der Präsident von Brasilien mag sich als Christ identifizieren, doch gibt es ihm noch lange nicht das Recht den Einheimischen unter dem Deckmantel des wirtschaftlichen Fortschritts ihr Land wegzunehmen und ihre Umweltschutzprojekte zu untergraben. Genauso wie der westliche Umweltschutz muss sich auch das Christentum der Frage stellen, wo sich in seinen Überzeugungen die Idee der „weissen Überlegenheit“ eingeschlichen hat. Denn nur so wird es uns als Christenheit in Zukunft gelingen, weniger Bolsonaros und mehr de las Casas‘ hervorzubringen.