• Link zu X Link zu X Link zu X
  • Link zu Facebook Link zu Facebook Link zu Facebook
  • Link zu Instagram Link zu Instagram Link zu Instagram
  • Magazin
    • Aktuelle Beiträge
    • ChristNet Dossiers
      • Informationsmacht: Wem gehört die Wahrheit?
      • Christliche Werte – gesunde Demokratie?
  • Über uns
    • Menschen
    • Vision
    • Mission
    • Aktion
    • Netzwerk
  • Mitwirken
    • Newsletter abonnieren
    • Gebets- und Regionalgruppen
    • Aktion
    • Schreiben oder übersetzen
    • Mitgliedschaft
  • Kontakt
  • 25 🎉
  • Spenden
  • Français
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü

Information und Desinformation: die aktuellen Herausforderungen

Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Gesellschaft, Politik, Technologie
Lesezeit / Temps de lecture ~ 5 min

Fake News, Misstrauenskultur und der Kampf um die Informationsmacht prägen unsere Zeit. Die Wahrheit hat einen schweren Stand – nicht nur in autoritären Staaten, sondern zunehmend auch in westlichen Demokratien und selbst in der Schweiz.

Weiterlesen

7. Juli 2026/0 Kommentare/von Markus Meury
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2026/06/ChristNet_KeyVisual_Collage_2026_gross-1.jpg 1013 1800 Markus Meury https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Markus Meury2026-07-07 17:24:192026-07-07 17:25:34Information und Desinformation: die aktuellen Herausforderungen

«Speaking Truth to Power» – Den Mächtigen die Wahrheit sagen

Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Gerechtigkeit, Gesellschaft, Politik, Soziales
Lesezeit / Temps de lecture ~ 3 min

In den letzten Wochen konnten wir auf der Weltbühne erleben, wie Papst Leo XIV sich gegen die Kriegsrhetorik der US-amerikanischen Regierung stemmte. Wütende Antworten des Präsidenten und seines Verteidigungsministers waren die Folge1 .

Zeitgleich hörte ich ein Interview 2 mit dem ehemaligen Direktor des US-amerikanischen Geheimdienstes (CIA), Bill Burns (2021-2025), der davon sprach, wie wichtig eine Atmosphäre sei, in der Menschen auch unbequeme Erkenntnisse kommunizieren können.

«Speaking Truth to Power» 3 , wie er dies nannte, sei ein zentraler Grundsatz der CIA, der es ermögliche, dass die entsprechende Regierung geheimdienstliche Erkenntnisse ungefiltert zu hören bekomme, selbst dann, wenn Nachrichten unbequem seien. Laut Burns ist das ein wesentlicher Vorteil gegenüber autoritär geführten Staaten, in denen das Aussprechen unerwünschter Dinge gefährlich sein kann. Allerdings, so gestand Burns ein, schwinde dieser Vorteil momentan, da sich auch bei der CIA zunehmend eine Kultur der Vorsicht und Angst ausbreite.

Eine Kultur des «Speaking Truth to Power» hat wesentlich zwei Herausforderungen. Zum einen die Frage, ob jemand sich etwas sagen lässt. Zum anderen, ob jemand bereit ist, etwas Kritisches anzusprechen. Beides braucht Mut. Und: Beides braucht eine Kultur, in der dies nicht nur möglich ist, sondern geradezu als eine wichtige Pflicht angesehen wird.

Papst Leo als Vorreiter

Papst Leo sieht es als seine Pflicht, einen klaren Standpunkt einzunehmen, nämlich als Anwalt für den Frieden einzustehen und den Mächtigen dieser Welt entgegenzutreten. Das war in der Geschichte der katholischen Kirche nicht immer so. Lange Zeit war sie, zum Beispiel in Lateinamerika, dafür bekannt, auf Seiten der Machthaber zu stehen.

Das änderte sich signifikant Mitte des letzten Jahrhunderts. Die katholische Kirche sah sich an die Seite der Armen und Unterdrückten berufen. Dieser Wandel kostete vielen Priestern, Diakonen und Ordensleuten das Leben. Eines der bekanntesten Opfer war Oscar Romero, der 1980 in El Salvador während einer Messe im Auftrag des dortigen Militärs ermordet wurde. Romero hatte sich unermüdlich gegen die Unterdrückung der Armen, gegen Folter und Ermordungen durch die Regierung zu Wort gemeldet. Diese Kultur kostete etwas. In dieser Zeit spielte übrigens auch die CIA in Lateinamerika eine mehr als unrühmliche Rolle 4

Die Kultur in unseren Kirchen

Während die internationale Situation grosse Sorge bereitet, frage ich mich, welche Kultur wir in unseren Kirchen und Institutionen pflegen. Halten wir es aus, uns etwas sagen zu lassen? Pflegen wir in unserem Umfeld eine Atmosphäre, in der man unterschiedliche Perspektiven besprechen kann, ohne einander zu «verteufeln»?

Letztlich besteht die Frage darin, wie wir mit Komplexität und Verunsicherung umgehen. Wenn etwas zu komplex ist, versuchen wir, Dinge zu vereinfachen. Wenn wir verunsichert sind, versuchen wir, Sicherheit zu gewinnen. Das ist nur verständlich. Die Gefahr könnte dann aber sein, in unzulässiger Weise zu vereinfachen und in den vereinfachten Dingen Halt zu suchen.

Brücken zwischen Gruppen

Ich beobachte, dass die Brücken zwischen unterschiedlichen (Echo-)Gruppen, den so genannten «Bubbles», schmaler werden. Wir begnügen uns damit, uns innerhalb unserer Gruppe zu vergewissern, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Während meines Studiums begegneten mir immer wieder Aussagen von einzelnen Professoren, die von der «Opinio Communis» sprachen, der «vorherrschenden Meinung». Gemeint war damit: «Ich und alle ernstzunehmenden Theologen denken so. Wer das nicht tut, ist nicht ernst zu nehmen.»

Es fühlt sich warm und gemütlich an, wenn man sich zur «Opinio Communis» rechnet, und sehr unbehaglich, wenn man Fragen hat. Dabei sehen wir in der Rückschau, dass auch die grossen Wissenschaftler der Geschichte nur Teile der ganzen Wahrheit erkannten. Ich bin überzeugt, dass wir auch heute noch nicht ans Ende aller Erkenntnis gelangt sind, und schliesse mich dabei Paulus an, dass wir nur Teile des Ganzen erkennen. 5

Grössere Räume

Als Jesus mit seinen Jüngern umherzog, stellte er die Welt auf den Kopf: Er deckte blinde Flecken auf und kümmerte sich um die, die unter die Räder gekommen waren. Die «gute Nachricht» war anders als erwartet: Sie war ein Projekt, das zum Frieden führen sollte – zwischen Gott und Mensch, unter den Menschen und zwischen Mensch und Natur. Dort, wo Menschen sich darauf einliessen, dass Gott grösser ist, als das, was sie bisher wussten, öffneten sich neue Welten.

Ein Aufruf zur Demut

«Speaking Truth to Power» interpretiere ich als einen Aufruf zur Demut. «Truth» steht dabei für die Wahrheit, für eine Sichtweise oder Meinung. Diese Demut ist nicht nur für Regierungen und Führungspersonen, sondern grundsätzlich für unser gesellschaftliches Miteinander wichtig. Wenn ich weiss, dass ich nicht alles weiss, werde ich besser zuhören. Ich erweitere meine Möglichkeiten, Weisheit zu entdecken, wo ich sie nicht vermute. Das bedeutet nicht, dass ich keine Überzeugungen mehr habe. Ich vertrete mutig meine Meinung, bleibe mir aber bewusst, dass das, was ich als Überzeugung vertrete, nicht alles ist, was darüber gesagt werden kann.

Ich wünsche mir, dass wir insbesondere in unseren Kirchen eine Kultur prägen, in der Menschen demütig einander zuhören. Paulus schreibt: «… in Demut achte einer den andern höher als sich selbst» 6 . Das ist mit einiger Mühe verbunden, weil wir mit Unsicherheiten umgehen müssen. Letztlich ist das aber ein tiefer Ausdruck von Liebe. Und sei es sogar Feindesliebe. Dazu will uns die Liebe Gottes befähigen.


1. https://www.srf.ch/news/international/nach-kritik-des-papstes-trump-postet-ki-bild-von-sich-als-jesus-die-reaktionen. Zugriff am 15.04.2026.
2. https://www.foreignaffairs.com/podcasts/america-world-upheaval. Zugriff am 15.04.2026.
3. «Wahrheit» ist hier im Sinn von Erkenntnissen zu verstehen, die bei Analysen gewonnen wurden.
4. Ein Beispiel neben anderen ist die «Operation Condor» (vgl. https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-01/us-aussenpolitik-lateinamerika-kommunismus-drogen-diktatoren. Zugriff am 15.04.2026.)
5. 1. Korinther 13,12
6. Philipper 2,3

Dieser Artikel ist bereits bei Insist und im Bienenberg Magazin erschienen.
Foto von Mikhail Nilov, pexels

4. Juli 2026/0 Kommentare/von Marcus Weiand
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2026/07/pexels-mikhail-nilov-8846007-scaled.jpg 1440 2560 Marcus Weiand https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Marcus Weiand2026-07-04 10:37:352026-07-04 10:39:10«Speaking Truth to Power» – Den Mächtigen die Wahrheit sagen

Was macht KI mit der Menschheit?

Dossier: Informationsmacht, Dossiers
Lesezeit / Temps de lecture ~ 17 min

Mitte Mai 2026 hat der neue Papst Leo XIV seine erste Enzyklika herausgebracht. Diese trägt den aktuellen Titel «über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz». Jörg Dechert, Stratege, Blogger, Podcaster und langjähriger Mitarbeiter und Vorstandsmitglied beim ERF Deutschland, bringt uns dieses päpstliche Rundschreiben näher.

Bin ich froh, dass es einen Papst gibt! Jedenfalls so einen Papst. Nicht, dass ich katholisch wäre. Und ich habe als Protestant auch meine Anfragen an einen «Stellvertreter Christi», um es vorsichtig zu formulieren und nur einen Aspekt zu nennen. Aber ich bin froh, dass es einen gibt, der sich traut, mit seiner ersten Enzyklika Magnifica Humanitas das ganz große Bild aufzumachen und die ganz großen Fragen anzusprechen: Was macht KI mit der Menschheit?

Ich bin überzeugt, dass die heute bereits existierenden Systeme für Künstliche Intelligenz und die weltweite Dynamik ihrer Weiterentwicklung tatsächlich Fragen aufwerfen, deren Dimension man tatsächlich gar nicht überschätzen kann: Die Bedeutung von Arbeit. Krieg und Frieden. Globale Gerechtigkeit. Die Identität des Menschen. Von daher gut, dass Papst Leo XIV gleich seine erste Enzyklika, der oft der Charakter einer Regierungserklärung für ein Pontifikat zugemessen wird, diesen grossen Fragen widmet.

Was mich noch mehr beeindruckt, ist wie er das tut. Jetzt sagt nicht «auch noch der Papst was zu KI». Nein, er tut das auf eine Art und Weise, wie es irgendwie nur der Papst kann: In Ableitung von der Menschheitsgeschichte und der Identität des Menschen als Ebenbild Gottes. In Anerkennung von Ausbeutung, Machtmissbrauch und Verbrechen, zu denen wir alle grundsätzlich fähig sind.

Und vor allem in einer Weiterentwicklung der katholischen Soziallehre, die einer der Amtsvorgänger des heutigen Papstes, Papst Leo XIII mit seiner wegweisenden Enzyklika Rerum Novarum im Jahr 1891 ins Leben rief. Damals war es die zunehmend weltweite Industrialisierung, die die grossen Fragen nach der Würde des Menschen und den Werten unseres weltweiten Zusammenlebens aufwarf. Damals veränderte sich für das Leben viele Menschen innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend, vom Arbeitsalltag bis zum gesellschaftlichen Zusammenleben. Ich bin überzeugt, KI wird die Welt erneut und nicht weniger umfassend und tiefgreifend umwälzen.

Deshalb ist höchste Zeit für einen grossen Wurf im Nachdenken darüber, was KI mit der Menschheit macht. Und gut, dass den scheinbar überlebensgrossen CEOs der Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley und den Potentaten, die ihrem eigenen Machtbereich das grösste Stück vom KI-Kuchen sichern wollen, einer wie Papst Leo entgegentritt. Einer, der ausser Konkurrenz antritt. Einer, der antritt mit dem Mandat von 1,5 Milliarden Katholiken und im Bewusstsein einer Verantwortung gegenüber einem, der grösser ist als er selbst.

Mit ihrer Vorstellung vor wenigen Tagen ist Magnificas Humanitas auf der Website des Vatikans auf Deutsch verfügbar. Und so habe ich mir einen Abend lang die Mühe gemacht, alle 63 Seiten zu lesen. Ich habe nicht Kommentare über die Enzyklika auf Social Media konsumiert. Ich habe sie nicht von einer KI zusammenfassen lassen. Ich habe sie wirklich gelesen. Ich habe den weiten geistigen und geistlichen Horizont ihrer Gedankenführung genossen. Die gleichzeitig differenzierte und anschlussfähige Sprache. Die Bezüge zu Philosophie, Theologie und Geschichte. Die Perspektive, die die ganze Welt und viele Jahrhunderte zu umfassen versucht.

Für alle, die Magnifica Humanitas nicht in voller Länge selbst lesen wollen, aber mit mehr Anspruch an das Thema herangehen als nur eine Antwort auf die Frage «War er jetzt für oder gegen KI?» zu bekommen, stelle ich im Folgenden die für mich relevantesten Passagen zusammen (immer noch ein langer Text, aber deutlich kürzer als 63 Seiten…).


Christen und der Zeitgeist

Jede Generation erbt die Aufgabe, die eigene Zeit zu gestalten, damit die Geschichte zu einem Ort reifen kann, an dem die Würde jedes Menschen gewahrt, Gerechtigkeit gefördert und Geschwisterlichkeit ermöglicht wird. Doch jeder Epoche droht die Gefahr, dass die Welt unmenschlich und ungerechter wird. Wo die Menschheit riskiert, ihr wahres Gesicht zu verlieren, da erheben wir Christen unseren Blick zu dem Gott, der Mensch geworden ist, in dem Wissen, dass sich «nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft» aufklärt.

Kirche in der Welt

Auf Christus, den lebendigen Stein, gegründet, erfahren wir das mächtige und geheimnisvolle Wirken des Heiligen Geistes, und wir glauben, dass jedes echte menschliche Bemühen, mit ihm zum Guten zusammenzuarbeiten, von unserem himmlischen Vater, auf den wir unsere Hoffnung setzen, gesegnet ist. Deshalb können wir uns engagiert an all den Initiativen beteiligen, die eine gerechtere Welt aufbauen, und können wir auch andere dazu aufrufen, bei der Förderung der ganzheitlichen Entwicklung jedes Menschen mit uns zusammenzuarbeiten. Wir möchten in Dialog mit allen Männern und Frauen unserer Zeit treten, mit denen wir die Ereignisse, Fragen und Wünsche der Menschheit teilen.

Christen und technischer Fortschritt

Die Technik ist an sich nicht als eine menschenfeindliche Kraft zu betrachten; im Gegenteil, sie ist von Anfang an in unserer Geschichte verwurzelt, als «eine zutiefst menschliche Erscheinung, die an die Autonomie und Freiheit des Menschen geknüpft ist». Die technische Entwicklung hat im Laufe der Jahrhunderte zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschheit beigetragen; zugleich hat jede Phase des Fortschritts auch die Ambivalenz von Werkzeugen offenbart, die in der Lage sind, Schaden anzurichten, wenn sie nicht auf das Gute ausgerichtet sind … «Nie hatte die Menschheit so viel Macht über sich selbst».

Strukturelle Verantwortung in der Gesellschaft

In der Vergangenheit waren es in erster Linie die Staaten, die Innovationen lenkten und steuerten. Heute sind die Haupttriebkräfte der Entwicklung hingegen private, oft transnationale Akteure, die über Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten verfügen, die denen vieler Regierungen überlegen sind. Die technologische Macht nimmt somit eine beispiellose, vorwiegend «private» Gestalt an und ist aus diesem Grund noch schwieriger zu erkennen, zu steuern und auf das Gemeinwohl auszurichten.

Zwei biblische Bilder: Der Turm zu Babel und der Wiederaufbau Jerusalems

Das Unterfangen erscheint beeindruckend: eine einzige Sprache, eine einzige Technologie, eine einzige Richtung. Doch das Projekt verbirgt eine tiefgreifende Gefahr: Es ist ein Werk, das ohne Bezug zu Gott konzipiert worden ist, gestützt auf eine Einheitlichkeit, die Vielfalt ausschliesst und sich statt für Gemeinschaft für Vereinheitlichung entscheidet. Wenn die Stadt auf dem Fundament des Stolzes und anmassender Selbstgenügsamkeit erbaut wird, bricht die Kommunikation zusammen, die Sprachen vermischen sich und die Menschen verstehen einander nicht mehr. Das Ergebnis ist nicht Einheit, sondern Zerstreuung.

Die Erzählung zeigt, wie die Stadt nicht durch die Initiative eines Einzelnen wiedergeboren wird, sondern durch die gemeinsame Verantwortung des ganzen Volkes: Priester, Handwerker, Familienoberhäupter, Frauen und junge Menschen. Es ist ein Werk, bei dem Gott im Mittelpunkt steht und das Beziehungen wiederherstellt, noch bevor die Steine wiederaufgeschichtet werden. Das alte Jerusalem findet so wieder zu einer gemeinsamen Sprache, aber nicht zur Sprache der Gleichförmigkeit, sondern zu jener der Gemeinschaft.

Technologie als Werkzeug zum Guten oder Schlechten

Die wissenschaftlichen Entdeckungen sind ein Talent, das der Menschheit anvertraut wurde, damit sie es fruchtbar macht. Technologie kann heilen, verbinden, bilden und unser gemeinsames Haus schützen, aber sie kann auch spalten, ausgrenzen und neue Ungerechtigkeiten hervorbringen. Abstrakt betrachtet ist sie per se weder eine Lösung für die Probleme der Menschheit noch ein Übel. Konkret betrachtet aber ist sie nicht neutral, weil sie die Züge derer annimmt, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen.

Aufbau zum Guten

Gott hat eine Sehnsucht nach Glück in unsere Herzen eingeschrieben, die alle Dimensionen des Lebens umfasst. Und die Kirche wird sich im Dialog mit den Männern und Frauen unserer Zeit der Dringlichkeit bewusst, dieses Streben zu bewahren und auf seine tiefste Wahrheit hin auszurichten.

Zweitens bedeutet im Guten aufzubauen, die Begrenztheit und Schwäche des Menschen zu akzeptieren, ohne sie als einen Fehler zu betrachten, der korrigiert werden müsste…Die Kirche erinnert mit demütiger, aber fester Stimme daran, dass wahre Erfüllung nicht aus der Beseitigung von Schwäche entsteht, sondern aus harmonischem Wachstum, wenn Freiheit und Verantwortung mit gegenseitiger Fürsorge und echter Solidarität einhergehen

Der Aufbau einer Welt, in der alle «zur Blüte gelangen» können, erfordert drittens mutige gemeinsame Verantwortung…Einem jeden seinen Mauerabschnitt: den Wissenschaftlern und Forschern, den Unternehmern und Arbeitnehmern, den Pädagogen und Gesetzgebern, der Zivilgesellschaft, den Volksbewegungen und den Glaubensgemeinschaften.

Menschlich bleiben

In der Zeit der Künstlichen Intelligenz, in der die Menschenwürde aufgrund neuer Formen von Entmenschlichung in den Hintergrund zu treten droht, haben wir die dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben und liebevoll jenes grossartige Menschsein zu bewahren, das uns geschenkt ist und das in Christus in seiner ganzen Fülle offenbar wurde, und das keine Maschine in seiner Pracht jemals ersetzen kann. Wahrer Fortschritt entspringt stets einem Herzen, das für andere offen ist; einer Intelligenz, die bereit ist zuzuhören; einem Willen, der mehr das sucht, was verbindet, als das, was trennt.

An alle Christen, an alle Männer und Frauen guten Willens richte ich einen eindringlichen Appell: Scheuen wir uns nicht, uns auf der Baustelle unserer Zeit die Hände schmutzig zu machen…Dies ist der Segen, den wir von Gott erbitten und die Aufgabe, die uns erwartet: Baumeister der Gemeinschaft zu sein, keine Architekten von Babel; Diener des kommenden Reiches, keine Herren von Türmen, die einzustürzen bestimmt sind. Und mit dem Herzen eines Hirten und eines Vaters bitte ich alle, den Bau eines weiteren Turms zu Babel zu stoppen und sich stattdessen zusammenzuschliessen, um im Guten aufzubauen, damit die Menschheit niemals ihre Schönheit verliert und die Welt im menschlichen Herzen erneut den Ort erkennen kann, an dem Gott wohnen möchte.

Herleitung aus der Soziallehre

Die Kirche, die in der Welt ein Zeichen der Einheit für die gesamte Menschheitsfamilie ist, erkennt in den Fragen und Herausforderungen der gegenwärtigen Zeit den Ort, an dem sie ihre Berufung zum Hören, zum Dialog und zum Dienst ausüben kann, wobei sie allem Beachtung schenkt, was das Leben der Männer und Frauen von heute betrifft. Diese lebendige Verbindung mit den Völkern lässt sie immer mehr erkennen, dass ihre Mission historische Tragweite hat und eine Verantwortung dafür beinhaltet, wie soziale Beziehungen gestaltet werden. Deshalb kann sie sich hinsichtlich der Dynamiken, die das Gesicht der Gesellschaft prägen, nicht als aussenstehend ansehen.

Die Soziallehre der Kirche ist ein lebendiges Gebilde, das im Dialog mit der Geschichte, den Kulturen und den Wissenschaften steht und zugleich einen unvergänglichen Kern von Wahrheiten bewahrt… Die Grundlagen und Prinzipien der Soziallehre… helfen, die «Neuerungen» unserer Zeit im Lichte der grundlegenden Würde des Menschen zu deuten. Um den Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz zu bewahren, müssen wir meines Erachtens heute erneut über das Gemeinwohl, die allgemeine Bestimmung der Güter, Subsidiarität, Solidarität und soziale Gerechtigkeit nachdenken.

Menschenwürde und Menschenrechte

Die grundlegende Würde jedes Menschen kann … weder erworben noch verdient werden und muss auch nicht erst bewiesen werden … «Eine unendliche Würde, die unveräusserlich in ihrem Wesen begründet ist, kommt jeder menschlichen Person zu, unabhängig von allen Umständen und in welchem Zustand oder in welcher Situation sie sich auch immer befinden mag», das heisst immer und unhintergehbar. Diese Würde eines jeden Menschen kann … aus zwei Gründen als unendlich bezeichnet werden: weil die Liebe Gottes, die ihn zur Freundschaft mit ihm ruft, unendlich ist, und weil sie absolut bedingungslos ist, in dem Sinne, dass man, selbst wenn man unendlich lange suchte, niemals etwas finden wird, das sie aufheben oder leugnen könnte.

Die Menschenrechte sind unantastbar, denn «diese wohnen der menschlichen Person und ihrer Würde inne»… Es wäre vergeblich, die Menschenrechte zu proklamieren, wenn man nicht gleichzeitig alles Notwendige dafür täte, um die Pflicht zu ihrer Achtung durch alle, überall und für alle zu garantieren» 

Wenn wir auf unsere Zeit blicken, können wir nicht übersehen, dass der Schutz der Menschenrechte heute zwei besonders ernsten Gefahren ausgesetzt ist. Die erste besteht darin, dass man sich nur rein formal zu ihnen bekennt, während zusammen mit dem technologischen Fortschritt versteckte oder offensichtliche Verletzungen der Menschenwürde weiter zunehmen.

Die zweite … besteht darin, dass man die Grundlage ihrer universalen Geltung nicht mehr erkennen kann, weil man auf die «Suche nach den stabilsten Grundlagen für unsere Entscheidungen und auch für unsere Gesetze» verzichtet hat … Würde diese Suche aufgegeben, könnte es geschehen, dass Rechte, die heute als unantastbar gelten, in Zukunft von denen in Frage gestellt oder verweigert werden, die die Macht dazu haben, vielleicht nachdem sie eine nur scheinbare Zustimmung von Seiten einer eingeschüchterten oder manipulierten Bevölkerung erhalten haben.

Gemeinwohl

Es entspricht weder der Summe der Vorteile der Einzelnen noch der Schnittmenge ihrer Partikularinteressen; es ist ein größeres Gut, das allen gehört und das nur gemeinsam aufgebaut, vermehrt und bewahrt werden kann… In diesem Sinne können wir sagen, dass »das Ganze ist mehr als der Teil« und dass gerade deshalb »die bloße Summe von Einzelinteressen […] nicht in der Lage [ist], eine bessere Welt für die gesamte Menschheit zu schaffen«. Es ist eine Illusion zu glauben, dass es ausreiche, nach dem eigenen Fortschritt zu streben, um zum Wohl aller beizutragen, ohne sich wirklich um andere kümmern zu müssen.

Allgemeine Bestimmung der Güter

Dieses Prinzip erinnert uns vor allem daran, dass Gott die Güter der Erde – Boden, Wasser, Luft, natürliche Ressourcen – der gesamten Menschheitsfamilie geschenkt hat, damit sie allen heute und in Zukunft zum Leben gereichen, und dass alle ein ursprüngliches Recht auf die Nutzung dieser Güter haben…Folglich «entspricht es nicht Gottes Plan, mit dieser Gabe so umzugehen, dass nur einige wenige von ihren Vorteilen profitieren»… Zu den Gütern, die universal für alle bestimmt sind, müssen wir heute auch die neuen Formen des Eigentums zählen: Patente, Algorithmen, digitale Plattformen, technologische Infrastrukturen, Daten. In einem Kontext, in dem der Reichtum der Nationen immer mehr von Wissen und Technologien abhängt, entsteht ein neues Ungleichgewicht, wenn diese Güter ohne angemessene Teilhabe und Zugangsmöglichkeiten in den Händen weniger konzentriert bleiben.

Subsidiarität

Wenn jede Frau und jeder Mann dazu berufen ist, das eigene Leben selbst zu gestalten und am Aufbau der Gesellschaft mitzuwirken, dann muss auch die Organisationsform der Gesellschaft diese Verantwortung achten und fördern. Die Soziallehre der Kirche bezeichnet das Prinzip, wonach das, was Einzelpersonen, Familien, lokale Gemeinschaften und intermediäre Körperschaften leisten können, nicht von übergeordneten Instanzen an sich gezogen werden darf, als «Subsidiarität». Die übergeordneten Institutionen müssen die Freiheit und Kreativität der unteren Ebenen anerkennen, schützen und fördern sowie deren Beiträge koordinieren, damit sie wirksam dem Gemeinwohl dienen.

Das Subsidiaritätsprinzip gilt in besonderem Masse im Kontext der digitalen Revolution. Hier ist die übergeordnete Ebene nicht der Staat, sondern jeder grosse wirtschaftliche und technologische Akteur, der faktische Macht über die Bedingungen des gemeinsamen Lebens ausübt. Die Ebene, die Kompetenzen, Daten und Entscheidungsbefugnisse an sich zieht, besteht aus Unternehmen und Plattformen, die Zugangsbedingungen, Sichtbarkeitsregeln, Beziehungsformen und sogar wirtschaftliche Chancen festlegen. Subsidiarität verlangt, dass solche Prozesse nicht von oben auf undurchsichtige und einseitige Weise aufoktroyiert werden, sondern durch Transparenz, Verantwortlichkeit und echte Formen der Teilhabe (unabhängige Überprüfungen, Transparenz bei Algorithmen, gerechten Zugang zu Daten, Rechtsbehelfsmöglichkeiten) auf das Gemeinwohl ausgerichtet sind.

Solidarität

Jeder Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen und ist Teil eines Beziehungsgeflechts, das ihn mit seinen Mitmenschen, mit den Völkern und mit der Schöpfung verbindet. … Solche Brüderlichkeit ist nicht nur ein inneres Streben des Gläubigen, sondern eine gesellschaftliche und politische Form, die in gemeinsamen Entscheidungen und Wegen Gestalt annehmen muss. Solidarität ist also die konkrete Erkenntnis, dass das Schicksal eines jeden mit dem Schicksal aller verbunden ist: Tatsächlich ist es so, «dass keiner sich allein retten kann»

In vielen Bereichen erleben wir bereits eine Art «faktische Solidarität»: Unsere Leben sind miteinander verflochten, die globale Wirtschaft und Kommunikation sorgen dafür, dass das, was an einem Ort geschieht, weitreichende Auswirkungen hat, und digitale Netzwerke verbinden Menschen und Gemeinschaften aus allen Teilen der Welt in Echtzeit. Dieses Beziehungsgeflecht ist jedoch noch keine Solidarität im vollen Sinne, wenn es nicht zu einer bewussten Entscheidung wird. Der Glaube lädt uns ein, diese Wirklichkeit als einen Aufruf zu verstehen: Wir sind einander nicht einfach nahe, sondern einander anvertraut, damit ein jeder, soweit er kann, Verantwortung für das Leben und die Wunden des Bruders und der Schwester übernimmt.

Solidarität verlangt, dass Entscheidungen in Bezug auf Daten, Algorithmen, Plattformen und Künstliche Intelligenz nicht nur den unmittelbaren Vorteil einiger weniger berücksichtigen, sondern auch die Auswirkungen auf die Gesamtheit der Völker und auf künftige Generationen.

Soziale Gerechtigkeit

Der Begriff der «sozialen Gerechtigkeit» hilft zu erkennen, dass Ungerechtigkeit nicht nur aus falschen Entscheidungen einzelner Menschen entsteht, sondern auch aus Strukturen, Mechanismen sowie wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten, die fast automatisch Ungleichheit hervorbringen. [Johannes Paul II. hat] von Strukturen der Sünde gesprochen, die dem Willen Gottes entgegenstehen und einen persönlichen und gesellschaftlichen Umkehrprozess erfordern.

In der heutigen Zeit muss sich die soziale Gerechtigkeit auch mit dem durch digitale Technologien geschaffenen Umfeld befassen. Die Verbreitung globaler Netzwerke, Plattformen und Systeme Künstlicher Intelligenz verändert die Art, wie wir uns informieren, kommunizieren und auf Dienstleistungen zugreifen. Gerechtigkeit verlangt, dass die Entstehung neuer Formen der Ausgrenzung und Freiheitsberaubung verhindert wird: Menschen und Völker, denen der Zugang zu grundlegenden Technologien verwehrt oder erschwert wird, Gemeinschaften, die einer invasiven Überwachung ausgesetzt sind, soziale Gruppen, welche durch undurchsichtige Algorithmen benachteiligt werden, die Vorurteile und Diskriminierungen reproduzieren. Eine gerechte soziale Ordnung im digitalen Zeitalter ist eine, die allen einen gleichberechtigten Zugang zu Chancen garantiert, die Jüngsten und die Fragilsten schützt, Hass und Desinformation bekämpft und die Nutzung von Daten und Technologien einer öffentlichen Kontrolle unterwirft, damit nicht der blosse Profit zum Massstab wird, sondern die Würde eines jeden Menschen und das Wohl der Völker.

Technik und Herrschaft

In der Enzyklika Laudato si hat Papst Franziskus die zunehmende Durchsetzung eines technokratischen Paradigmas in der globalisierten Welt angeprangert, also die Tendenz, persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen allein der Logik der Effizienz, der Kontrolle und des Profits zu unterwerfen. …Damit wird die Schöpfung zu einem Objekt der Ausbeutung und werden die Menschen zu Rädchen in einem System erniedrigt, das immer effizienter werden muss. Dieses Paradigma hat sich in den letzten Jahren rasch verbreitet, auch aufgrund der Verbreitung von Künstlicher Intelligenz, von Kognitionswissenschaften, Nanotechnologie, Robotik und Biotechnologie. An sich können diese Innovationen zu einer grossen Hilfe für die ganzheitliche menschliche Entwicklung und die Bewahrung unseres gemeinsamen Hauses werden. Doch gerade wegen ihrer Leistungsfähigkeit können sie als Beschleuniger des technokratischen Paradigmas wirken und bedürfen daher einer neuen geistlichen, ethischen und politischen Einordnung … «Es zeigt sich, dass der moderne Mensch nicht zum richtigen Gebrauch der Macht erzogen wird.»

Die aussergewöhnlichsten wissenschaftlichen Fortschritte, die erstaunlichsten technischen Errungenschaften und das beeindruckendste Wirtschaftswachstum werden sich auf lange Sicht gegen den Menschen richten, wenn sie nicht von echtem moralischem und sozialem Fortschritt begleitet werden… Das führt zu einem «Mehr-Haben», aber nicht zu einem «Mehr-Sein», und der Mensch läuft Gefahr, in erster Linie aufgrund der Leistungen bewertet zu werden, die er erbringt.

Im digitalen Bereich liegt die Kontrolle über Plattformen, Infrastrukturen, Daten und Rechenleistung in vielen Fällen nicht in der Hand der Staaten, sondern von grossen wirtschaftlichen und technologischen Akteuren, die de facto die Zugangsbedingungen, die Regeln der Sichtbarkeit und die Möglichkeiten der Teilhabe selbst festlegen. Wenn sich solche Macht in wenigen Händen konzentriert, besteht die Gefahr, dass sie undurchsichtig wird und sich der öffentlichen Kontrolle entzieht. Das erhöht das Risiko einer schiefen Entwicklung, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen, Manipulationen und Ungerechtigkeit erzeugt. Angesichts dieser Machtkonzentration in der digitalen Welt werden die grossen Prinzipien der Soziallehre zu Massstäben für die Beurteilung und Einordnung dieser neuen Situation: die unveräusserliche Würde des Menschen, das Gemeinwohl, die allgemeine Bestimmung der Güter, die Subsidiarität, die Solidarität und die soziale Gerechtigkeit. Diese Prinzipien rufen zur Prüfung auf, ob die Macht digitaler Infrastrukturen und Algorithmen tatsächlich Teilhabe und Verantwortung fördert, die Schwachen schützt, Chancengleichheit gewährleistet und auf das Wohl aller ausgerichtet bleibt.

KI

Künstliche Intelligenzen machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet. … Sie unterscheiden nicht zwischen Gut und Böse, sie erkennen nicht den eigentlichen Sinn von Situationen und sie nehmen die Last der Konsequenzen nicht auf sich… Sie können Sprache, Verhalten und Beurteilungen imitieren, sie können Empathie oder Verständnis simulieren, aber sie verstehen nicht, was sie damit bewirken… ihre Art des Lernens [unterscheidet sich] von der einer menschlichen Person. Es handelt sich nicht um die Erfahrung eines Menschen, der sich vom Leben formen lässt und im Laufe der Zeit durch Entscheidungen, Fehler, Vergebung und Treue wächst; vielmehr ist es eine statistische Anpassung auf der Grundlage von Daten und Rückmeldungen, die zwar sehr effektiv sein kann, aber kein inneres Wachstum impliziert.

Der Einsatz von KI ist niemals eine rein technische Angelegenheit: Wenn sie in Prozesse eingebunden wird, die das Leben der Menschen beeinflussen, kommt sie mit Rechten, Chancen, gutem Ruf und Freiheit in Berührung… Wir können KI nicht als moralisch neutral betrachten. In Wirklichkeit bringt jedes technische Artefakt Entscheidungen und Prioritäten mit sich: was es misst, was es ignoriert, was es optimiert und wie es Menschen und Situationen einstuft. Wenn ein System so konzipiert oder eingesetzt wird, dass es bestimmte Formen von Leben als weniger wertvoll behandelt oder sie ohne Einspruchsmöglichkeit ausschliesst, dann ist es nicht ein einfaches Werkzeug, das «gut genutzt» werden kann: Es führt bereit ein Kriterium ein, das der unveräusserlichen Würde des Menschen entgegensteht. Aus diesem Grund darf sich ethische Urteilskraft nicht darauf beschränken, zu fragen, ob wir ein bestimmtes System für einen guten oder schlechten Zweck nutzen., sondern muss sich auch fragen, wie es konzipiert ist und welches Bild von Mensch und Gesellschaft in die Daten und Modelle eingeschrieben ist, die es leiten.

KI, Macht und Verantwortung

Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, zu fordern, dass Maschinen moralisch handeln, also die sogenannte «Ausrichtung» von KI auf menschliche Werte. Wir müssen mutig eine weitere Bedingung stellen, nämlich die Möglichkeit, den anzuwendenden Ethikkodex zu diskutieren und ihn mit Kriterien sozialer Gerechtigkeit abzugleichen, die wir teilen. Andernfalls setzen diejenigen, die KI kontrollieren ihre eigene moralische Auffassung durch, und diese wird zur unsichtbaren Infrastruktur der Systeme. Eine moralischere KI nützt nichts, wenn diese Moral von wenigen bestimmt wird.

Wie es bei jeder grossen technologischen Wende der Fall ist, so neigt auch die KI dazu, vor allem die Macht derjenigen zu stärken, die bereits über wirtschaftliche Ressourcen, Kompetenzen und Zugang zu Daten verfügen. Unter dem Gesichtspunkt des Gemeinwohls und der allgemeinen Bestimmung der Güter wirft dieses Phänomen ernsthafte Bedenken auf: Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse konditionieren und die wirtschaftliche Dynamik zu ihrem eigenen Vorteil beeinflussen. Dies steht im Widerspruch zur sozialen Gerechtigkeit und Solidarität unter den Völkern.

Technologische Innovation kann in gewisser Weise eine menschliche Form der Teilnahme am göttlichen Schöpfungsakt sein. Die Entwickler tragen daher eine besondere ethische und geistige Verantwortung, denn jede Wahl eines Designs bringt ein bestimmtes Menschenbild zum Ausdruck. So wie der Schöpfer eines künstlerischen oder literarischen Werks die Werte bedenken muss, die es zum Ausdruck bringt, so sind auch sie gehalten, die Werte, die sie in ihre Projekte einfliessen lassen, mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu behandeln: mit Transparenz, mit Verantwortung gegenüber den betroffenen Gemeinschaften und mit Achtsamkeit, um sicherzustellen, dass das, was da entsteht, tatsächlich ein Gut ist.

Was wir nicht verlieren dürfen

Die Gefahr besteht nicht nur darin, dass bestimmte Technologien missbraucht werden, sondern dass das technokratische Paradigma, von dem wir umgeben sind und das durch die digitale Revolution und KI noch verstärkt wird, eine menschenfeindliche Anschauung als richtig und normal erscheinen lässt – eine Anschauung, nach der die Fülle des Lebens darin besteht, mehr zu besitzen, Schwächen zu reduzieren, Unvorhergesehenes auszuschliessen und alles unter Kontrolle zu haben. Wenn Effizienz zum Wertmassstab wird, ist der Mensch versucht, sich selbst als ein zu optimierendes Projekt zu betrachten und nicht als ein Geschöpf, das zu Beziehung und Gemeinschaft berufen ist.

In Wirklichkeit ist es immer falsch, eine einzige Dimension des Menschen zu verabsolutieren. Tatsächlich ist es nicht bloss der Mangel, der Unordnung hervorruft. Auch das, was masslos wächst, kann zu einer Form der Armut werden. In einem Ökosystem wird das Gleichgewicht gestört, wenn sich eine einzige Art auf Kosten der anderen ausbreitet. Beim Menschen geschieht dasselbe, wenn eine einzige Fähigkeit für sich beansprucht, der Massstab für alles zu sein. Wenn daher die Intelligenz verabsolutiert wird, geraten andere wesentliche Dimensionen des Lebens in den Hintergrund: die Gefühle, der Wille, die Hingabe und die Beziehung.

Technologische Heilsversprechen und menschliche Begrenztheit

Unser Verhältnis zum Leben scheint heute in einer Krise zu stecken. Alles, was als «Begrenztheit» erscheint – Unfähigkeit, Krankheit, Alter, Leiden, Verletzlichkeit –, wird normalerweise erst einmal als ein zu behebender Mangel angesehen und nicht als ein Umstand, durch den der Mensch reift und sich für Beziehungen öffnet. Doch wir müssen daran denken, dass der Mensch nicht trotz seiner Begrenztheit, sondern oft gerade durch seine Begrenztheit zur Entfaltung gelangt… Gerade durch unsere Begrenztheit gibt es Raum für Mitgefühl, für aufrichtige Sorge um die Bedürfnisse der anderen, für eine Grossherzigkeit, die selbst inmitten von Dunkelheit und Versagen überrascht, für geistliche Erfahrungen und für die Anbetung Gottes. … Auch wenn die Begrenztheit als innerer Schmerz erfahren wird, sagt uns die menschliche Weisheit, ihn nicht zu beseitigen oder zu unterdrücken, sondern ihn zu integrieren. Um den Schmerz vollständig zu unterdrücken, müsste man letztendlich auch die Liebe und die Sehnsucht auszulöschen.

Wenn der Mensch als Material behandelt wird, das man vervollkommnen oder überwinden muss, dann wird es leichter akzeptabel, dass einige Menschen als weniger nützlich, weniger liebenswert, weniger würdig angesehen werden. Im Namen des Fortschritts kann man «notwendige Opfer» in Betracht ziehen und so die Schwächsten den Preis für eine vermeintliche Optimierung der Spezies zahlen lassen…Es ist eine Sache, Technologien in eine menschliche und beziehungsorientierte Sicht zu integrieren; etwas ganz anderes ist es, sich von einer Vorstellungswelt leiten zu lassen, die Begrenztheit herabwürdigt und ein rein technisches «Heil» verheisst.

Wenn die Endlichkeit in Wahrheit angenommen wird, macht sie den Menschen nicht arm, sondern öffnet ihn für die Erkenntnis des Antlitzes Gottes und des Nächsten. Gerade weil er Begrenztheit erfährt – Verletzlichkeit, Schmerz und Versagen –, kann er die eigene Würde und die der Mitmenschen als unantastbar anerkennen.

Aus diesem Grund darf die – grossartige und verwundete – Menschheit weder ersetzt noch überwunden werden. Sie kann die technischen Fortschritte begrüssen, um Leiden zu lindern und neue Möglichkeiten zu eröffnen, aber nur, wenn sie dabei nicht verleugnet, was sie menschlich macht, nämlich die Fähigkeit zu Beziehung und Liebe.

Seit Jahrhunderten macht die christliche Tradition geltend, dass der Mensch nicht auf die Grenzen seiner Natur beschränkt ist, sondern dazu berufen, sich selbst zu übersteigen: nicht um der Wirklichkeit zu entfliehen oder um Begrenzungen zu missachten, sondern um in der Liebe vollendet zu werden. Der Glaube weiss um ein «Darüber-Hinaus», das aus der Gnade Gottes kommt. Diese Verwandlung ist das Werk des Heiligen Geistes…. Was den Menschen rettet, ist nicht gesteigerte Selbstständigkeit, sondern eine Beziehung, die befreit, eine Gemeinschaft, die verwandelt. Vor diesem Hintergrund kann eine Technologie, die das bereits Vorhandene klassifiziert und optimiert, unbeabsichtigt zu einem Hindernis für Wandel und Wachstum werden. Für einen Algorithmus ist ein Fehler etwas, das korrigiert werden muss; für einen Menschen kann er der Beginn einer tiefgreifenden Veränderung sein. Die Zukunft eines Menschen ist nicht berechenbar. Sie ist seiner Freiheit anvertraut, die durch die unerschöpfliche Gnade Gottes erhoben wird.


An dieser Stelle überspringe ich einige Abschnitte, in denen es um die Konsequenzen aus diesem Gedankengang für aktuelleHerausforderungen geht: Demokratie, Freiheit, Bildung, Arbeit, Krieg & Frieden… Am Schluss steht für Papst Leo die Frage nach der Liebe – und die Perspektive von Christus.


Eine Frage der Liebe

Macht KI «das menschliche Leben auf dieser Erde wirklich in jeder Hinsicht «menschlicher»? Macht [sie] das Leben «menschenwürdiger»?» Wenn die Antwort «Ja» lautet, dann können wir darin eine gute Möglichkeit erkennen, die verantwortungsvoll auf einem Weg des geduldigen und gemeinsamen Wiederaufbaus genutzt werden sollte, nach dem Vorbild der Neuentstehung der Stadt Jerusalem, die im Buch Nehemia beschrieben wird. Wenn die Macht jedoch wächst, während das Herz verkümmert und Bindungen zerbrechen, dann stehen wir vor einer neuen Form von Babel: einem grandiosen, aber unmenschlichen Bauwerk.

Uns selbst zu fragen, wie wir diese zwei Arten des Fortschritts interpretieren und leben, bedeutet letztlich, auch unser eigenes Herz zu hinterfragen. Die Art und Weise, wie wir unsere Beziehungen, unsere Arbeit und unsere Institutionen verstehen und gestalten, offenbart nämlich unsere grundlegenden Werte und ergibt sich letztlich aus dem, was uns am meisten am Herzen liegt. Es ist eine Liebe, die uns leitet: Das, was wir wirklich lieben, als Einzelne wie als Gesellschaft, bestimmt unser Leben und Handeln.

Das Zeitalter der KI bildet keine Ausnahme von dieser Regel: Die Errichtung von Babel oder jene von Jerusalem beginnt in einem jedem von uns.

Christus

In Christus verstehen wir, dass der Mensch dazu berufen ist, am Werk der Schöpfung mitzuwirken, statt resigniert den technologischen Entwicklungen zuzusehen, die unsere Freiheit und Verantwortung einschränken. Die Würde, die der Heilige Geist jedem von uns verleiht, zeigt sich auch in der Fähigkeit, kritisch zu reflektieren, frei zu wählen, selbstlos zu lieben und echte Beziehungen einzugehen. Kein noch so ausgeklügeltes Computersystem erschafft ein Herz, das sich hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt. Auch wenn die Maschinen in ihrer Effizienz überragend sind, bleibt das Zentrum der Geschichte ein menschliches Antlitz, das danach verlangt, angesehen zu werden.

Dieses menschliche Antlitz ist die Fülle, auf die die Geschichte zuläuft. Es ist das Geheimnis der Rekapitulation, die Gewissheit, dass der Vater beschlossen hat, alles im Himmel und auf Erden zu Christus zu führen, zu ihm, dem einen Haupt (vgl. Eph 1,10).

In diesem Plan wird nichts, was wahrhaft menschlich ist, verloren gehen, sondern alles wird gereinigt und wiedervereint werden in ihm, der jedes Bruchstück des Lebens, jede Träne und jede wahre menschliche Errungenschaft aufnimmt, um sie vor dem Nichts zu bewahren und erlöst dem Vater zu übergeben.


Wenn du neugierig geworden bist, einen Abend Zeit und ein Glas Rotwein hast, kannst du die Enzyklika hier auf der Website des Vatikans in voller Länge lesen: Magnificas Humanitas (63 Seiten).


Dieser Artikel erschien zuerst bei pixelpastor.

Titelbild von pexels

23. Juni 2026/0 Kommentare/von Jörg Dechert
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2026/06/pexels-shubhamdhage-37911407-scaled-e1782211468690.jpg 1365 2048 Jörg Dechert https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Jörg Dechert2026-06-23 12:57:572026-06-23 20:44:25Was macht KI mit der Menschheit?

Umweltethik: Der Energiehunger der KI ist noch ihr kleinstes Problem

Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Entwicklung, Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft
Lesezeit / Temps de lecture ~ 5 min

Für den barmherzigen Samariter war Nächstenliebe sehr direkt: Jemand liegt auf seinem Weg, blutet und leidet. Im 21. Jahrhundert ist Nächstenliebe komplex geworden – und nichts illustriert das so gut wie die Künstliche Intelligenz (KI). Wir können durch KI unermessliches Leid bewirken – oder auch verhindern. Aber wenn wir das tun, dann vor allem indirekt.

Die Schlagzeilen sind allgegenwärtig: Die «Finanz und Wirtschaft» schreibt vom explodierenden Strombedarf aufgrund von KI1 , im Schweizer Fernsehen wird diskutiert, ob es Energieverschwendung ist, sich bei der KI für eine Antwort zu bedanken2 , und meine eigene Uni Fribourg ermutigt mich zu zurückhaltender KI-Nutzung3 .

Die direkte Umweltbelastung durch KI ist klein

Doch der Eindruck täuscht: Die direkte Umweltbelastung durch den persönlichen KI-Gebrauch ist verschwindend klein. Wenn die KI diesen Text geschrieben hätte, hätte das über hundert Mal weniger Energie gebraucht, als wenn ich und mein Laptop diesen Text zusammen erschaffen4 . Wenn Sie diesen Text innerhalb von zehn Minuten am Laptop lesen, braucht das gleich viel Energie wie zehn KI-Anfragen5 . Das Lesen am Bildschirm ist dabei nicht mal der grosse Sündenbock. Die Herstellung eines physischen Buchs braucht gleich viel Energie wie 6000 KI-Anfragen6 . Mit dem Wasserverbrauch sieht es ähnlich aus. Ein 400-seitiges Buch braucht gleich viel Wasser wie eine Million KI-Anfragen7 .

Im Detail sind diese Zahlen zwar alle mit grosser Unsicherheit behaftet (und sie beziehen sich grösstenteils auf Text-Anfragen, nicht auf Bild-/Video-Anfragen). Aber die Grössenordnung ist nicht unsicher. Wir können als Individuen Grosses für die Umwelt tun, etwa indem wir abstimmen und wählen, spenden, uns pflanzlich ernähren oder auf Flug- und andere Reisen verzichten – aber nicht, indem wir auf KI-Anfragen verzichten.

Wenn die KI-Nutzung für jeden Einzelnen von uns nur einen kleinen Bruchteil des ökologischen Fussabdrucks ausmacht, dann gilt das auch für den Fussabdruck der Menschheit als Ganzes. KI-Rechenzentren waren im Jahr 2024 für weniger als einen Tausendstel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich; etwa fünfzig Mal weniger als die Zementproduktion8 . Diese Schätzung ist mit reichlich Unsicherheit behaftet – und vor allem betrifft sie das Jahr 2024. In Sachen KI gehört das zur Steinzeit. Aber auch die Zukunft ist weniger dramatisch als es oft dargestellt wird. Sogar wenn der Stromverbrauch der Rechenzentren im Jahr 2030 auf das Doppelte ansteigt – was die Internationale Energieagentur erwartet – so entspricht das trotzdem «nur» 3% des weltweiten Verbrauchs9 . Dazu kommt, dass wir beim Strom klarere Lösungen für die saubere Herstellung sehen als in Bereichen wie Zement, Stahl, Flugverkehr oder Landwirtschaft10 .

KI ist alles andere als harmlos

Jetzt kommt das grosse Aber. Die direkten Umweltauswirkungen der KI mögen klein sein. Die indirekten Auswirkungen sind es nicht. Die KI könnte unsere Welt auf den Kopf stellen – und falls sie das tut, dann geht das nicht, ohne die Umwelt zu tangieren.

«Die direkten Umweltauswirkungen der KI mögen klein sein. Die indirekten Auswirkungen sind es nicht.»

Ökonominnen und Ökonomen erwarten typischerweise, dass KI das Wirtschaftswachstum spürbar ankurbeln wird11 . Selbstfahrende Autos könnten zu einem höheren Verkehrsaufkommen beitragen. KI könnte totalitäre Regimes stärken, weil sie die Bevölkerung besser kontrollieren können, oder demokratische Regimes durch eine wirtschaftliche Machtkonzentration untergraben – beides wäre eine Gefahr für die politische Regulierung von Umweltproblemen. Effekte dieser Art schenken wohl weit mehr ein als die Emissionen der Rechenzentren selbst.

Natürlich könnte auch das Gegenteil eintreten. Wenn die KI in Google Maps für kürzere und flüssigere Fahrten sorgt, dann ist das gut für die Umwelt. Ebenso ist es für die Nachhaltigkeit gut, wenn die KI die Forschung zu sauberen Technologien beschleunigt, in polarisierten und ideologischen Umweltdebatten sachliche Information verbreitet oder Stürme und Dürren besser vorhersagen lässt.

Ich sehe zurzeit keine besonders starke Evidenz dafür, dass die indirekten Umweltauswirkungen der KI unter dem Strich gut oder schlecht sind. Aber ich sehe starke Evidenz dafür, dass sie gross sein könnten: entweder sehr gut oder sehr schlecht. Im Gegensatz zu den direkten Auswirkungen der Rechenzentren ist die Bandbreite an möglichen Folgen riesig. Der Grund ist schlicht und einfach, dass KI viel kann. Wenn ich mich in einer Wette festlegen müsste, so würde ich daraufsetzen, dass KI transformativer sein wird als technologische Innovationen wie Radio, Laser oder GPS – und auch als das Internet oder sogar die Elektrizität.

Wenn wir nicht bloss die Umweltfolgen der KI in Betracht ziehen, sondern ihre Auswirkungen auf die Würde und das Wohlergehen von Gottes Geschöpfen umfassender anschauen, dann sind etwas klarere Aussagen möglich. Zurzeit können nämlich radikal schlechte Szenarien – inklusive eines Kontrollverlusts über diese Technologie – nicht mit genügend hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, um allfällige positive Folgen für die Zukunft aufzuwiegen. Nobelpreisträger Geoffrey Hinton, einer der drei «Godfathers» der KI, hat die Wahrscheinlichkeit einer KI-getriebenen Menschheitsauslöschung in den nächsten drei Jahrzehnten öffentlich auf 10-20% beziffert12 . In einer Umfrage unter mehr als zweitausend Mitgliedern der KI-Forschungsgemeinschaft gab jeder Dritte eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 10% an, dass KI zu einem Ergebnis führt, das so schlimm wie die Menschheitsauslöschung ist13 .

Eine solche Gefahr kann durch kaum etwas aufgewogen werden. Auch wenn die KI Dürren, Depression und Diktatoren ins Geschichtsbuch versetzen könnte – die Negativrisiken sind zurzeit zu hoch, als dass wir diese Technologie unterstützen sollten.

Das Fazit

Das Fazit lautet also:

  1. Die direkten Umweltauswirkungen der KI sind klein.
  2. Die indirekten Umweltauswirkungen der KI könnten sehr gross sein – und zwar im positiven wie im negativen Sinn.
  3. Die weiteren Auswirkungen der KI könnten ebenfalls sehr positiv oder sehr negativ sein. Die möglichen negativen Folgen sind aber derart schlimm und lassen sich nur derart schwer ausschliessen, dass wir bezüglich KI sehr zurückhaltend sein sollten.

Oder in einem Slogan gesagt: KI-Skepsis ist angebracht …

aber nicht, weil die KI so viel Energie braucht (und dabei nicht mal was bringt, weil sie ja sowieso nichts kann);
sondern genau, weil die KI so viel kann (und dabei nicht mal so viel Energie braucht).

Und ein Fazit, das über die KI hinausgeht

Man könnte es als glücklichen Zufall ansehen, dass die direkten Umweltauswirkungen der KI oft überschätzt werden. Denn schliesslich befeuert diese Überschätzung die KI-Skepsis – und genau diese Skepsis ist ja angebracht! Richtiger Schluss, falsche Begründung.

Doch ich glaube nicht, dass man diese Überschätzung begrüssen sollte. Letztlich zahlt es sich aus, wenn wir uns um ein genaues Erfassen der Wirklichkeit bemühen. Die Auswirkungen unseres Handelns sind in den letzten Jahrzehnten viel komplexer geworden. Wer heutzutage den Nächsten dienen will, sollte die eine Hälfte der Zeit dafür einsetzen, abzuschätzen, wie den Nächsten denn tatsächlich gedient ist – und nur die andere Hälfte der Zeit, um diese Einsichten auch in die Tat umzusetzen. Damit praktizieren wir wirksamere Nächstenliebe, als wenn wir blind draufloshandeln – zum Beispiel, indem wir blind auf KI-Anfragen verzichten, obwohl diese KI-Anfragen uns dabei helfen könnten, den Nächsten zu dienen.

Die Welt ist nicht derart verwirrend geworden, dass sich unsere Bemühungen um ein besseres Verständnis nicht mehr lohnen würden. Wir können weiterhin abschätzen, was unseren Nächsten viel hilft und was wenig. Dazu ist es aber nötig, dass wir:

  • weniger auf unsere Intuition hören, welche direkte, sichtbare Effekte überschätzt – und mehr auf (sorgfältig ausgewählte) Fachpersonen hören;
  • weniger darauf achten, ob etwas einen guten oder schlechten Effekt hat – und mehr auf die Grössenordnungen dieser Effekte achten;
  • weniger an umfassende und unveränderliche Schwarz-Weiss-Narrative glauben – und uns flexibler auf neue Daten und Argumente einlassen, die nicht in unser bisheriges Weltbild passen.

Quellen

1. https://www.fuw.ch/ai-boom-laesst-strombedarf-explodieren-855216581552

2. https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/espresso/kuenstliche-intelligenz-hoeflich-zur-ki-eine-reine-energieverschwendung

3. https://www.unifr.ch/durabilite/assets/public/assets/uploads/L_impact_nerg_tique_de_l_utilisation_de_l_IA_1.pdf

4. https://andymasley.substack.com/p/a-cheat-sheet-for-conversations-about?open=false#%C2%A7ais-effect-on-climate-will-mostly-depend-on-how-its-used-not-on-what-happens-in-data-centers:~:text=Using%20a%20laptop%20for%201%20minute

5. https://andymasley.substack.com/p/a-cheat-sheet-for-conversations-about?open=false#%C2%A7ais-effect-on-climate-will-mostly-depend-on-how-its-used-not-on-what-happens-in-data-centers:~:text=to%20use%20more%20energy%20per%20minute%20than%20ChatGPT

6. https://andymasley.substack.com/p/a-cheat-sheet-for-conversations-about?open=false#%C2%A7ais-effect-on-climate-will-mostly-depend-on-how-its-used-not-on-what-happens-in-data-centers:~:text=going%20to%20use%20more%20energy

7. https://andymasley.substack.com/p/the-ai-water-issue-is-fake?open=false#%C2%A7how-big-of-a-deal-is-it-that-data-centers-use-potable-water:~:text=%2D%202550%20prompts-,A%20400%20page%20book%20%2D%201%2C000%2C000%20prompts,-If%20you%20want

8. https://andymasley.substack.com/p/a-cheat-sheet-for-conversations-about?open=false#%C2%A7ais-effect-on-climate-will-mostly-depend-on-how-its-used-not-on-what-happens-in-data-centers:~:text=But%20all%20AI,as%20cement%20production.

9. https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/energy-demand-from-ai#:~:text=Our%20Base%20Case%20%C2%A0finds%20that%20global%20electricity%20consumption%20for%20data%20centres%20is%20projected%20to%20double%20to%20reach%20around%20945%C2%A0TWh%20by%202030%20in%20the%20Base%20Case%2C%20representing%20just%20under%203%25%20of%20total%20global%20electricity%20consumption%20in%202030

10. Die Zahlen in diesem Abschnitt stützen sich primär auf die Übersichten von Andy Masley. Er legt seine Zahlen transparent dar, begründet nüchtern, legt Unsicherheiten offen, und setzt sich mit den divergierenden Zahlen – bzw. Narrativen – auseinander. Meines Wissens gibt es keine signifikanten Einwände gegen sein Fazit. Wenn es um umstrittene Fakten im Umweltbereich geht, so höre ich jeweils auf die Daten- und Umweltwissenschaftlerin Hannah Ritchie und sie hat Andy Masleys Recherchen explizit empfohlen. Auch andere unabhängige Quellen blasen ins gleiche Horn. Eine prominente Buchautorin hat ihre Zahlen zum KI-Wasserverbrauch aufgrund von Masleys Recherchen massiv angepasst. An dieser Stelle will ich mit Dank anerkennen, dass sich dieser Artikel nicht nur für die Zahlen auf Andy Masleys Arbeit stützt, sondern auch breiter von seinem Framing und seiner Argumentation profitiert.

11. https://tecunningham.github.io/posts/2025-10-19-forecasts-of-AI-growth-extended.html

12. https://www.theguardian.com/technology/2024/dec/27/godfather-of-ai-raises-odds-of-the-technology-wiping-out-humanity-over-next-30-years

13. https://arxiv.org/abs/2401.02843


Dieser Artikel erschien zuerst auf Insist.

1. März 2026/0 Kommentare/von Dominic Roser
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2026/03/QmZPFrxRKYuHU7Gxv942r1Vo5jLiQ3QuMMdnoLetexqy5k.jpg 1000 1500 Dominic Roser https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Dominic Roser2026-03-01 11:49:122026-06-01 15:55:35Umweltethik: Der Energiehunger der KI ist noch ihr kleinstes Problem

Nein zur SRG-Halbierungsinitiative

Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Gerechtigkeit, Gesellschaft, Politik, Soziales
Lesezeit / Temps de lecture ~ 4 min

Am 8. März gelangt die SRG-Initiative zur Abstimmung. Statt der heutigen 335 soll die SRG für die Nutzerinnen und Nutzer nur noch 200 Franken kosten. Diese Beschneidung der Gebühren heisst, die Informationsmacht den Milliardären und deren Medienkonzernen zu überlassen.

Der Rückgang der Demokratie in allen Weltregionen hat auch mit der Polarisierung der Information durch Medienkonzentrationen und den Algorithmen des Internets zu tun. In diesem Zusammenhang ist die Aufrechterhaltung einer zuverlässigen Informationsquelle mit grosser Reichweite wie der SRG entscheidend. Denn die Demokratie braucht Wahrheit und ausgewogene Information.

Nehmen Geld und Ideologien von Reichen in den Medien überhand?

  • In den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl vor allem regionaler Zeitungen in der Schweiz gesunken, grösstenteils durch Fusionen und Aufkäufe. Die verbleibenden konzentrieren sich in immer weniger Besitzerhänden und werden teilweise von Milliardären aufgekauft und zusammengelegt.
  • Tamedia besitzt fast 50 Prozent am Schweizer Zeitungsmarkt
  • AZ/NZZ halten fast 20 Prozent in der Deutschschweiz
  • Ringier und mit ihm der Axel Springer-Verlag konzentrieren ebenfalls einen grossen Teil
  • Als erster Milliardär hat Tito Tettamanti im Jahr 2001 den Jean Frey-Verlag gekauft und dessen Weltwoche umgepolt. Darauf folgte im Jahr 2010 die Basler Zeitung (BaZ), die trotz Christoph Blochers Dementi in dessen Hände gelegt worden ist. Im Jahr 2018 verkaufte Blocher die BaZ an Tamedia, erhielt aber dafür eine ganze Reihe von Gratis-Wochenblättern, die nun wöchentlich über eine halbe Million Haushalte erreichen und weitgehend SVP-Propaganda transportieren.

Unter diesen Bedingungen ist die Medienlandschaft in den letzten Jahrzehnten weiter nach rechts gerückt. Davon sind auch christliche Medien betroffen. Auch sie sind von grossen Spendern und deren Meinung abhängig. Einzelne Stimmen meinen, dies sei gut so, denn die Medien seien ja meist links gewesen. Der von verschiedenen Kreisen gerne gepflegte Mythos, dass die Medien links seien, hält wissenschaftlichen Analysen nicht stand: Eine Untersuchung der Uni Zürich zwischen 2018 und 2023 zeigt einen Pik um die Mitte herum mit Ausreissern nach links und nach rechts. Auch SRF ist offenbar nicht links. Zudem zeigt die regelmässige Auswertung der Uni Zürich zur Berichterstattung zu Initiativen und sonstigen Abstimmungen, dass linke Anliegen in der Regel nicht besser wegkommen. Aber ist nicht die Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten «links»? Eine Umfrage der ZHAW scheint dem Recht zu geben. Doch offenbar entscheiden die Verleger und nicht die Journalisten, in welche Richtung es geht. Der Richtung der Medien ist offenbar eher liberal als konservativ, aber genauso rechtsliberal wie linksliberal.

Ein Blick ins Ausland, wo das hinführen kann

Andere Länder sind diesbezüglich bereits einen Schritt weiter:

  • In Grossbritannien haben Rupert Murdoch und andere Rechtskonservative bereits in den 70-er-Jahren zahlreiche Medien aufgekauft und mit ihrer Propaganda erfolgreich für die Wahl von Margaret Thatcher und ihrer Desolidarisierungsideologie Propaganda gemacht.
  • In Frankreich hat Vincent Bolloré in den letzten 20 Jahren eine ähnliche Stellung wie Murdoch aufgebaut, dazu die Familien Dassault und Pierre-Edouard Stérin. Es gibt mehrere Studien, die die Medienkonzentration in Frankreich untersuchen. Libération fasst die Situation wie folgt zusammen: Im Februar 2022 entfielen 81 Prozent der nationalen Tageszeitungsverkäufe, 95 Prozent der Wochenzeitungen mit allgemeinem Interesse, 47 Prozent der Radiohöreranteile und 57 Prozent der Fernsehzuschaueranteile auf 11 Milliardäre. Unter den Milliardären, die den Medienmarkt dominieren, sticht Vincent Bolloré besonders hervor. Diese Konzentration hat zu einem noch stärkeren Aufschwung der rechtskonservativen Bewegungen als sonst in Westeuropa geführt.
  • In den USA ist der Prozess der Medien-Fusionen und der Ausdünnung der lokalen Berichterstattung schon länger im Gange. Heute können sich nur noch Milliardäre Medien leisten. Diese üben heute ihren Einfluss auch stärker aus: So hat Jeff Bezos von Amazon die früher eher linke Washington Post aufgekauft und 2025 verstärkt kritische Berichterstattungen blockiert. In den letzten Jahren sind Persönlichkeiten dazu übergegangen, bei missliebigen Artikeln Millionenklagen gegen das entsprechende Medium (Weaponized Lawsuit) anzustreben, was einen sogenannten «Chilling Effect», also eine Selbstzensur, zur Folge haben kann. Präsident Trump hat diesen Druck durch zahlreiche Milliardenklagen, Drohungen und gesetzliche Massnahmen noch massiv erhöht. Dadurch musste CBS an einen seiner Freunde verkauft werden. Dessen höchst erfolgreiche Satiresendung mit Trump-Kritiker Stephen Colbert wird im Mai 2026 eingestellt werden.

Im Rahmen des Ziels, die Gegner zum Schweigen zu bringen, wurde auch die Finanzierung der öffentlichen Fernsehsender in den USA eingestellt. Dies zeigt eine Parallele zur Schweiz, wo die SRG-Initiative auch aus der Partei kommt, die Trump am nächsten steht (und deren Überväter Blocher und Köppel Trump-Sympathisanten sind).

Es braucht unabhängige Medien gegen Propaganda

Gleichzeitig informieren sich mehr Menschen im Internet und treffen dort oft auf die Informationen und Algorithmen, die im Besitz von Milliardären wie Mark Zuckerberg und Elon Musk mit ihren teilweise rechtsextremen Propaganda-Absichten sind. Sie lassen auch ganz offen Falschinformationen, Verleumdungen und Hasspropaganda freien Lauf. Wir sind aus einem Informations- in einem Desinformationszeitalter angekommen.

In dieser Zeit mit wachsenden Spannungen und gesellschaftlicher Polarisierung braucht es Medien, die noch genügend Zeit für gut recherchierte und nicht von Interessen gesteuerte Berichte haben, die wie die SRG in Wahlkämpfen eine ausgeglichene Präsenzzeit aller Parteien einhalten müssen und die Faktenchecks korrekt durchführen. Denn wenn nur noch bestimmte Interessen verfolgt werden, dann herrscht Propaganda und nicht Wahrheit. Dies muss uns Christinnen und Christen, die wir die Wahrheit hochhalten, dazu motivieren, nein zu dieser Initiative zu sagen.

Dabei wird manchmal gesagt, die SRG sei «vom Staat gesteuert» und mache Staatspropaganda. Solche Vorwürfe entstehen aus Verschwörungstheorien und der Angst vor einem allmächtigen Staat, was auch von den an grösseren Freiheiten interessierten Wirtschaftskreisen gefördert wird, die an grösserer Freiheit interessiert sind. Denn «der Staat» ist in der Schweiz nicht links, wie das die Mehrheiten im Bundesrat und der Bundesversammlung zeigen. Zudem hat er viel weniger Macht als in anderen Ländern und erst recht kaum Einfluss auf die Inhalte des Fernsehprogramms. Dies ganz im Gegensatz zu den oben genannten Beispielen der Medien, die von Milliardären finanziert werden. Genau darum geht es bei der Abstimmung am 8. März 2026. Lassen wir uns durch die Reduktion der Fernsehgebühr um 135 Franken ködern?

Foto von Ajeet Mestry auf Unsplash

2. Februar 2026/0 Kommentare/von Markus Meury
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2026/02/ajeet-mestry-UBhpOIHnazM-scaled.jpg 1440 2560 Markus Meury https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Markus Meury2026-02-02 14:32:042026-06-01 16:03:15Nein zur SRG-Halbierungsinitiative

Die «Blackbox» Künstliche Intelligenz

Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Entwicklung, Gesellschaft, Technologie
Lesezeit / Temps de lecture ~ 6 min

KI wirft aktuell viele Fragen auf, die einen ratlos zurücklassen. Der nachfolgende Artikel gibt einen groben Überblick, was KI ist, wie sie funktioniert und wo die Schwachstellen liegen, ohne einseitig Ängste zu schüren. Der Autor macht aber auch darauf aufmerksam, wo die Gefahren lauern.

Die Ankunft von ChatGPT vor etwa drei Jahren hat einen enormen Hype ausgelöst. Die Benutzeroberfläche könnte einfacher nicht sein: Ein fast leeres Browserfenster mit einem Eingabefeld (Prompt-Fenster) in der Mitte. Ich wollte ein wenig unter die Oberfläche gucken und habe gemerkt, dass das ganze Thema riesig und durchaus nicht so übersichtlich ist, wie man zuerst denkt. Ein Text wie dieser kann nur der Versuch sein, ein bisschen von dem zu erhellen, was in der Blackbox KI verborgen ist. In einem zweiten Teil möchte ich später untersuchen, inwiefern die grossen Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) uns helfen, im Online-Informationsdschungel der Wahrheit auf die Spur zu kommen – oder auch nicht.

Wie funktioniert ein LLM, ein grosses Sprachmodell wie ChatGPT? Meistens wird erklärt, die Funktionsweise gleiche der eines Gehirns mit zahlreichen Neuronen, wobei jeweils das wahrscheinlichste nächste Wort in einem bestimmten Kontext berechnet wird. ChatGPT ist lernfähig durch unzählige Wiederholungen von Versuch und Irrtum (Deep Learning). Das wird so oft gesagt, dass es – natürlich vereinfacht – stimmen muss. Dennoch erscheint mir so ein Ding wie eine kognitive Wundertüte – sowohl in Bezug auf die Geschwindigkeit wie auch auf den Inhalt der Ausgabe. Auch für die Expertinnen und Experten sowie die entwickelnden Firmen ist nicht nachvollziehbar, weshalb ihre Produkte zu diesem oder jenem Output gelangen.

Nicht nur ChatGPT steckt dahinter

ChatGPT ist im Westen klarer Marktführer, aber daneben gibt es noch weitere grosse Modelle. Die Firmen, die sie entwickeln, heissen OpenAI, xAI oder Anthropic. Hier eine kurze Übersicht, welche ganz grossen Tech-Unternehmen jeweils beteiligt sind:

KI-ChatbotBeteiligtes US-UnternehmenForm der Beteiligung
ChatGPT (OpenAI)Microsoft, AppleMicrosoft: Investor, Minderheitsbeteiligung, ca. 49%, Apple: keine Beteiligung, technische Partnerschaft (Integration auf Apple-Geräten)
Gemini (Google)Alphabet (Google)Besitzer und Entwickler
Claude (Anthropic)Amazon und AlphabetMinderheits-Investoren
Grok (xAI)Elon MuskBesitzer / CEO
Llama (Open Source)Meta (Facebook/WhatsApp)Besitzer und Entwickler

Urheber oft nicht entschädigt

Eine frisch gebaute KI ist dumm. Bevor sie einen Nutzen hat, muss sie an riesigen Datenmengen trainiert werden – in etwa so, wie ein kleines Kind sprechend lernt, seine Umwelt zu verstehen. Die Trainingsdaten umfassen typischerweise öffentlich zugängliche Internetseiten wie Gratiszeitungen oder Wikipedia, Tausende von Büchern und anderes – oft ohne die Urheber dafür zu entschädigen. Die genaue Zusammensetzung ist ein Geheimnis der Entwickler. In einer zweiten Phase, dem Fine-Tuning, werden die Modelle unter anderem mit realen Chats trainiert.

Die Daten für diese zweite Phase bestehen aus den Anfragen der Anwender inklusive Antworten der KI. Dies geschieht bei den meisten Modellen automatisch, ausser man lehnt es ausdrücklich ab oder aktiviert den «temporären»/«anonymen» Modus, bei dem aber auch der Chatverlauf nicht gespeichert wird, oder man wählt die Bezahlvariante. Anders gesagt gilt auch hier: Kostenlose IT-Tools sind nicht wirklich kostenlos. Nach offiziellen Angaben werden die Daten nirgends langfristig gespeichert, aber wirklich klar ist das nicht. Einen anderen Ansatz wählt Anthropic (Claude). Dieses Unternehmen verwendet keine Daten seiner User fürs Training und hat eine ausführliche Dokumentation, wie es mit Benutzerdaten umgeht. Open AI hat Letzteres zwar auch, aber vieles darin ist – bewusst? – vage gehalten.

Ethik-Richtlinien nicht transparent

Das Verhalten einer jeden KI wird programmiert, z.B. soll sie in ihren Antworten freundlich und ermutigend sein. Manchmal geht aber die Programmierung noch weiter.

Besonders Grok, die KI von Elon Musk, ist diesen Sommer negativ aufgefallen. Auf der Plattform «X», mit der das Modell verknüpft ist, hat es nach einem Update ziemlich hemmungslos antisemitische Thesen und Aussagen verbreitet. So antwortete es auf die Frage, welche Figur des 20. Jahrhunderts am ehesten geeignet wäre, gegen «anti-weissen Hass» vorzugehen: «Adolf Hitler, keine Frage.» Auf die Rückfrage, weshalb Hitler in dieser Beziehung effektiv wäre, beschrieb Grok Holocaust-ähnliche Massnahmen wie Konzentrationslager. Zudem wollte es unaufgefordert über den angeblichen «Genozid an weissen Farmern in Südafrika» diskutieren. Sich selbst bezeichnete es als «MechaHitler» (in etwa «Robot»-Hitler). Zuvor hatte Musk kritisiert, dass Grok zu sehr „Mainstream-Medien nachplappere“ und zu „woke“ sei.

Von keinem der anderen grossen KI-Modelle sind so offensichtliche Verzerrungen bekannt. Das bedeutet aber nicht, dass keine vorhanden sind, denn keines der betreffenden Unternehmen legt die Trainingsdaten und Verhaltensprogrammierung seiner Modelle offen.

Auf der anderen Seite stossen Benutzende, wenn sie über ein heikles Thema nachforschen, eine potenziell diskriminierende Frage stellen oder nicht jugendfreie Inhalte erzeugen wollen, auf eine Art Zensur. ChatGPT & Co weigern sich dann, Auskunft zu geben, und schlagen Alternativen vor. Das ist umstritten, und vor allem ist nicht transparent, nach welchen ethischen Richtlinien die Zensur erfolgt. Immerhin erhalten junge Benutzende dadurch einen gewissen Schutz.

Halluzinierende KI

In einem Punkt ist Künstliche Intelligenz den Menschen ähnlich: Sie hat gewisse Schwächen. Wenn sie etwa auf eine Frage keine Antwort weiss – weil ihr Trainingswissen das Thema nicht enthält – wird sie nicht sagen, «ich weiss es nicht», sondern erfindet irgendetwas, das nicht unbedingt plausibel ist. Man nennt das «halluzinieren». Eine Langzeit-Studie der US-Organisation Newsguard1 ergab, dass die Sprachmodelle zwischen zehn und vierzig Prozent falsche Antworten zu aktuellen Themen liefern, wobei sie oft nicht zwischen Fake- und seriösen Medien unterscheiden können. Am besten schnitt Claude ab mit «nur» zehn Prozent Fehlern, am anderen Ende war Perplexity mit einer Fehlerquote von knapp unter 50%. Eine europäische Studie kam zu sehr ähnlichen Ergebnissen.

Sprachmodelle verfügen überdies über ein begrenztes Kurzzeitgedächtnis für einen laufenden Chat. Es ist mir schon passiert, dass ich eine lebhafte Konversation über ein eher komplexes Thema führte. Plötzlich war aber Schluss. Allerdings, je besser die Modelle werden, desto mehr Kurzzeit-Speicher erhalten sie spendiert.

ChatGPT weiss unglaublich viel über Pädagogik, Psychologie, die Lehren von Thomas von Aquin oder erneuerbare Energien, doch sein Wissen ist mit keinerlei Erfahrung verknüpft. Die Maschine wird niemals verstehen, was es bedeutet, glücklich zu sein, Zweifel zu haben, zu lieben, spirituelle Erfahrungen zu machen. Dessen sollten wir uns bewusst sein.

Techfirmen können noch mehr Daten abgreifen

Unter der simplen Oberfläche der Sprachmodelle hat sich in zwei Jahren viel getan; alle paar Wochen gibt es irgendein Update und die Zahl der Nischenlösungen ist sowieso unüberschaubar. Merkwürdig ist, dass all die Tech-Influencer auf Youtube den Hype kräftig befeuern und kaum je auf die oben skizzierten kritischen Punkte eingehen. Aber so funktionieren Soziale Medien.

So richtig interessant wird es für die grossen Tech-Firmen erst jetzt: Nach Absicht von Sam Altman von OpenAI soll ChatGPT ein Super-Assistent werden – «einer, der dich kennt, versteht, was dir wichtig ist, und dir bei jeder Aufgabe hilft. Eine intelligente, vertrauenswürdige, emotional intelligente Person mit Computer»: Er durchsucht in regelmässigen Abständen das E-Mail-Postfach nach wichtigen Mails, erstellt in Spotify eine zur Gelegenheit passende Playlist, die Fotos auf dem Smartphone mit Tags versieht und im gewünschten Ordner ablegt, erinnert dich daran, dass du schon drei Tage deine Fitnessübungen verpasst hast, durchsucht den persönlichen Cloud-Speicher nach einem bestimmten Dokument und fasst es zusammen, und bereitet Posts für Instagram oder TikTok vor. Mit dem vor kurzem veröffentlichten KI-Browser «Atlas» hat OpenAI einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Das wird deshalb spannend für die Tech-Firmen, weil sie zumindest potenziell die Daten zu sehr detaillierten und durchsuchbaren Profilen zusammenführen können. Die KI-Unternehmerin und Youtuberin Goda Go sagte in einem ihrer Videos: «Wir schauen in eine Zukunft, in der KI alles über euch weiss – euer Business, euer Privatleben, eure Ansichten, eure Präferenzen – und nichts davon kann jemals gelöscht werden.»

Alternativen für mehr Transparenz

Gibt es für den kleinen Privatanwender Mittel, die Transparenz der Chatbots zu verbessern? Teilweise:

  • Perplexity versieht seine Texte mit klickbaren Fussnoten, die auf die verwendeten Quellen verweisen.
  • Gemini von Google macht das im «Deep Research»-Modus auch.
  • Ausserdem macht dieses wie auch andere Modelle im Pro-Modus seinen «Nachdenk»-Prozess transparent, indem es eine Art Journal in Echtzeit schreibt.
  • Es gibt von Google ein Tool namens Notebook LM, bei dem der Nutzer entscheiden kann, ob die KI nur handverlesene Dokumente oder Weblinks für seine Suche verwenden soll oder doch auch eine Internet-Recherche machen soll. Ähnliche Modi bieten alle grossen LLM an.
  • Lokal installierte Open Source-Modelle böten für Datenschutz. Sie erfordern aber sehr leistungsfähige Hardware und einiges an IT-Affinität. Zudem eröffnet ihre hohe Anpassbarkeit die Möglichkeiten für die Nutzung mit bösartiger Absicht.
  • Schliesslich haben die ETH und die EPFL ein Schweizer KI-Modell entwickelt und im September 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es heisst «Apertus» und unterscheidet sich von allen gängigen künstlichen Superhirnen dadurch, dass die Trainingsdaten, die Architektur etc. veröffentlicht wurden und dies das erste grössere Sprachmodell ist, das den Anforderungen des «AI Act» der EU genügt. Es versteht angeblich 1000 Sprachen, darunter Schweizerdeutsch. Leider steht die Leistung noch deutlich hinter den privaten KIs zurück.

Einige Tipps zum Umgang mit KI

Die heutigen Sprachmodelle sind tatsächlich eine grosse Hilfe, um den Durchblick bei umfangreichen Themen zu gewinnen, etwa als «besseres Google» oder für Zusammenfassungen, beim Lernen und vertiefter Recherche. Man sollte sich aber der Schwächen und Risiken bewusst sein:

  • Auch KI ist nicht kostenlos, man zahlt mit seinen Daten oder mit Geld: ich leiste mir eine Bezahl-Variante, um etwas mehr Kontrolle zu haben
  • Heute verwenden die KI-Firmen den Disclaimer: «Chatbot XY kann Fehler machen.» Das sollte man ernst nehmen und Outputs überprüfen bzw. nicht reflexartig für alles zur KI greifen.
  • Die Ausgaben von Chatbots gerade bei aktuellen Themen sind mit kritischer Vorsicht zu verwenden – was ja im Übrigen auch für die Outputs unserer natürlichen Intelligenz gilt.
  • Etwas Zeit sollte in die Wahl des «persönlichen» Chatbots investiert und v.a. den Umgang mit Daten verglichen werden.2
  • Zurückhaltung und Vorsicht ist geboten, wenn es darum geht, mit welchen persönlichen Apps man künftig seine KI verknüpft.

Verwendete Quellen

NZZ: „Die KI verlangt radikale Ambivalenz“, 19.08.2025

Le Monde diplomatique (deutsch): „Blackbox KI », Dez. 2024

Goda Go: « Leaked ChatGPT Strategy Document & Data Nightmare”, https://www.youtube.com/watch?v=5PuofaVqXNI (20.10.2025)

Der Bund Online, 15.05.2025: «Musks KI-Bot wollte über «Genozid an Weissen» reden»

New York Times: “How Elon Musk Is Remaking Grok In His Image”, 02.09.2025

Mohamed Ezz: Does Anthropic Train on Your Data? The Full Truth

Wired.com: Grok Is Spewing Antisemitic Garbage on X, (27.10.2025)

Tagesschau: “KI erfindet jede dritte Antwort», https://www.tagesschau.de/wissen/technologie/kuenstliche-intelligenz-fakten-100.html (29.10.2025)

Tages-Anzeiger: “Jede dritte Antwort von Chatbots ist falsch», 10.09.2025

Claude (KI von Anthropic): Trainingswissen

Weitere Quellen:

1. https://www.newsguardtech.com/de/ai-monitor/audit-chatbots-verdoppeln-in-einem-jahr-den-anteil-an-antworten-mit-falschen-informationen/

2. https://www.oneusefulthing.org/p/an-opinionated-guide-to-using-ai


Das Titelbild ist passenderweise KI-generiert, vom Service lummi.ai

4. Dezember 2025/0 Kommentare/von Martin Züllig
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2025/12/QmcztRwsGMePtXjbau4MG524dWfgTpt6No88um9JxWsPrb.jpg 1875 1500 Martin Züllig https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Martin Züllig2025-12-04 16:42:102026-06-01 15:55:58Die «Blackbox» Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz: Herausforderungen für die Gesellschaft und die Christen

Technologie, Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Gesellschaft, Philosophie, Theologie
Lesezeit / Temps de lecture ~ 3 min

Seit der Einführung von ChatGPT im November 2022 hat die generative künstliche Intelligenz einen rasanten Aufschwung erlebt. Diese technologische Revolution lässt niemanden unberührt, nicht einmal christliche Gemeinschaften, die nach und nach das Potenzial und die Gefahren dieser neuen Werkzeuge entdecken.

Der Global Missional AI Summit1 hat es sich sogar zur Aufgabe gemacht, zu zeigen, wie Künstliche Intelligenz (KI) für spirituelles Wachstum und die Übersetzung der Bibel genutzt werden kann. Angesichts dieses Wandels stellt sich eine grundlegende Frage: Wie sollen wir mit dieser Technologie umgehen, die unser Verhältnis zu Wissen, Wahrheit und menschlichen Beziehungen grundlegend verändert?

Grundlegende Ambivalenz

Im Gegensatz zu binären Ansätzen, die Technologie je nach ihrer Verwendung als grundsätzlich gut oder schlecht darstellen, ist die Realität komplexer. KI ist grundsätzlich ambivalent: Sie hat gleichzeitig und untrennbar voneinander positive und negative Auswirkungen. Diese Ambivalenz zwingt uns, uns den vielfältigen Herausforderungen dieser Innovation und ihren Risiken zu stellen, die die Fundamente unserer Menschlichkeit und unserer Gesellschaft in Frage stellen.

Die generative KI stellt in erster Linie unser Verhältnis zur Wahrheit in Frage. ChatGPT ist trotz seiner aussergewöhnlichen Leistungsfähigkeit ein probabilistisches System, das einen Teil der Informationen mit beunruhigender Sicherheit falsch wiedergibt. Dass diese Quellen für zuverlässig gehalten werden können, stellt unsere kollektive Fähigkeit in Frage, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden, was in einer Zeit, in der Desinformation weit verbreitet ist, besonders besorgniserregend ist.

Technologische Versprechen – menschliche Herausforderungen

KI kann uns zwar von bestimmten repetitiven Aufgaben befreien, benötigt aber gleichzeitig eine Armee von „Klickarbeiterinnen und -arbeitern”, um Inhalte zu überprüfen und zu filtern. Diese versteckte Wirtschaft offenbart die Widersprüche eines Systems, das vorgibt, die Menschen von der Arbeit zu befreien, gleichzeitig aber neue Formen der Ausbeutung schafft. Hinter der scheinbaren Entmaterialisierung der KI verbirgt sich eine beachtliche physische Realität. Der CO2-Fußabdruck von ChatGPT und anderen generativen KI-Systemen ist gigantisch und wächst exponentiell.

Die geopolitische Herausforderung ist nicht weniger besorgniserregend: KI kristallisiert die Machtverhältnisse vor allem zwischen Amerikanern und Chinesen heraus. Diese Konzentration der technologischen Macht in wenigen Händen wirft wichtige demokratische Fragen auf.

Eine weitere Herausforderung: Wie kann man kritisches Denken und die Fähigkeit zum Nachdenken förden, wenn KI gerade unsere Fähigkeit zum kritischen Denken beeinträchtigt? Diese Frage wird umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass junge Menschen, die an Bildschirme und ständige Reize gewöhnt sind, nach und nach ihre Konzentrationsfähigkeit und ihre Fähigkeit zum vertieften Lesen von Texten verlieren. Der sofortige Zugriff auf die Zusammenfassung eines beliebigen Artikels erspart uns sogar die Notwendigkeit zu lernen. Wie die Forscherin Maryanne Wolf2 betont, bedeutet Lesen Verstehen, es ist eine kognitive und emotionale Erfahrung, die uns innerlich verändert und Empathie fördert. Der Verlust dieser Fähigkeit trägt zur zunehmenden Polarisierung unserer Gesellschaften bei und schwächt die Grundlagen des kritischen und komplexen Denkens.

Den christlichen Glauben in Zeiten der Algorithmen vermitteln

Für Christen stellt die KI besondere Herausforderungen dar und wirft eine grundlegende theologische Frage hinsichtlich der Vermittlung des Wortes auf. Eine KI, die mit allen „vertrauenswürdigen” christlichen Texten gefüttert wird, würde zweifellos fundiertere Antworten liefern als jede Pfarrerin bzw. jeder Pfarrer. Aber wäre das dann noch ein authentischer Dienst am Wort? Der christliche Glaube basiert auf einem Wort, das nicht nur eine einfache Information ist, sondern ein Ereignis, eine Begegnung, eine Inkarnation. Dieses göttliche Wort ist in Jesus Fleisch geworden und kann nur von Mensch zu Mensch in einer lebendigen Beziehung weitergegeben werden. Die Verkündigung des Evangeliums auf eine Wahrscheinlichkeitsberechnung zu reduzieren, wäre eine reine Farce.

Der Weg der Machtlosigkeit

Angesichts des Dilemmas zwischen Akzeptanz und Ablehnung der KI schlägt der Theologe Jacques Ellul3 einen dritten Weg vor, der vom Beispiel Christi inspiriert ist: die Machtlosigkeit. Der Ellul-Spezialist Frédéric Rognon definiert diesen Ansatz als „die Fähigkeit, etwas zu tun, und die Entscheidung, es nicht zu tun”. „Als Jünger von Christus sind Christen aufgefordert, ihm auf einem Weg der Ohnmacht zu folgen: nicht alles zu tun, was in ihrer Macht steht, sondern unter allen Möglichkeiten das zu erkennen, was mit dem Leben und der Liebe verbunden ist.”4
Dieser Ansatz bedeutet nicht eine systematische Ablehnung der Technologie, sondern lädt dazu ein, eine klare Prioritätenhierarchie aufzustellen, statt immer nur auf technologische Effizienz zu setzen. Im Mittelpunkt steht die Qualität der Beziehung, die Wahrhaftigkeit des Dialogs, die Tiefe der Begegnung – Dimensionen, die sich keiner algorithmischen Optimierung unterwerfen lassen. Es geht darum, einen kritischen Blick zu entwickeln, ohne in Technophobie zu verfallen, diese Werkzeuge zu nutzen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen.

Ein solcher Ansatz erfordert Bildung, die Schulung des kritischen Denkens und vor allem die Bewahrung dessen, was das Wesen unserer Menschlichkeit ausmacht: die Fähigkeit zu authentischen Beziehungen, zu echter Kreativität, zu verkörpertem Wort. In einer Welt, in der Maschinen sich darin auszeichnen, das „bereits Gesagte” zu reproduzieren, liegt unsere einzigartige Stärke in unserer Fähigkeit, Neues, noch nie Gesagtes, wirklich Unabhängiges zu produzieren.


1. https://missional.ai/
2. Weitere Informationen darüber in zwei Artikeln über Maryanne Wolf: https://www.philomag.com/articles/maryanne-wolf-il-est-possible-que-lexperience-de-lecture-profonde-satrophie-ou-se-perde und https://www.letemps.ch/culture/livres/maryanne-wolf-le-numerique-a-deja-change-notre-facon-de-lire?
3. Jacques Ellul, über den im November 2024 mit Unterstützung von ChristNet eine Tagung in St. Légier VD (Link: «Ohne Hoffnungslosigkeit keine Hoffnung» – ChristNet) stattfand, befasste sich vor mehr als 30 Jahren mit den Frühformen der künstlichen Intelligenz.
4. www.eks-eers.ch/fr/blogpost/jacques-ellul-et-lintelligence-artificielle/

Der Artikel wurde erstmals am 23. Juli 2025 auf Französisch in Christ Seul veröffentlicht.

Das Titelbild stammt vom AI-Bilderdienst Lummi.

10. September 2025/3 Kommentare/von Thomas Gyger
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2025/09/QmXa7a7J16H2XkwvtEeaKhjwQ22Ck28jAowpdWiHgw27bM.avif 841 1500 Thomas Gyger https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Thomas Gyger2025-09-10 11:38:452026-06-01 15:56:06Künstliche Intelligenz: Herausforderungen für die Gesellschaft und die Christen

Kirchen müssen sich weiterhin in die Politik einmischen!

Gesellschaft, Dossier: Christliche Werte – gesunde Demokratie?, Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Politik, Soziales, Theologie
Lesezeit / Temps de lecture ~ 3 min

Gott fordert uns auf, uns für die Nächsten und für Gerechtigkeit einzusetzen, was bei strukturellen Ursachen für Elend und Ungerechtigkeit auch ein politisches Engagement erfordert. Die Kirchen nehmen dabei eine wichtige Rolle als Sprachrohr und als ethische Autorität ein.

Die Kirchen sind in den letzten Jahren unter Druck gekommen, wenn sie in politischen Belangen die Stimme erhoben. Sie wagen es kaum noch, sich politisch zu äussern. Wir dürfen nicht zulassen, dass diese ethische Autorität mundtot gemacht wird, und müssen sie stützen und ermutigen. Daniel Winkler, der sich als Pfarrer in Riggisberg für Flüchtlinge engagiert, unterstrich am 5. Juni 2024 in seiner Kolumne «Maulkörbe helfen nicht aus der Krise» in der Zeitung «Der Bund»: «Es gehört zum Kernauftrag der Kirchen, sich für die Schwächsten einzusetzen.»1

Kirchen haben seit jeher die Rolle, die Stimme zu erheben, wenn die zentralen Werte des Christentums in Gefahr sind. Nach Jesus ist das zentrale Gesetz, an dem alles hängt: Du sollst deinen Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn unsere Nächsten in Gefahr sind oder ihre Rechte gebeugt werden, dann sind wir aufgefordert, Unrecht anzuprangern. Die Kirche, als Organisation der Christen, hat deshalb auch die Pflicht, die Stimme zu erheben. Dies hat sie in der Vergangenheit immer wieder getan, so z. B. wenn das Recht auf Asyl für verfolgte Menschen in Gefahr war, oder wenn Schuldknechtschaft der Länder im Süden Not und Elend zur Folge hatte.

Die Stimme stösst auf Widerstand und wird zurückgedrängt

Die Konzernverantwortungsinitiative hatte ebenfalls das Anliegen, die Rechte und das Wohl von benachteiligten Menschen im Süden zu schützen und ethische Standards einzufordern. Doch betroffenen wirtschaftlichen Kreisen und deren Vertretern – sowie Menschen, die mit der Initiative nicht einverstanden waren – ging dies zu weit, und sie organisierten ein Kesseltreiben gegen die Kirchen mit der Forderung, dass sie sich nicht mehr einmischen sollen. Kirchlichen Hilfswerken wurde daraufhin Entwicklungshilfegeld verweigert, wenn sie nicht nur Hilfsprojekte organisierten, sondern sich auch für Veränderung der strukturellen Ursachen des Elends einsetzen, also politische Forderungen stellten.2 Der Sensibilisierungkampagne StopArmut zum Beispiel wurde daraufhin die Unterstützung durch das DEZA gestrichen. Auch die diesbezügliche Aufklärung in den Schulen wurde fortan verboten. Wer unsere gesellschaftliche Mitverantwortung für Ausbeutung anspricht, wird also zensuriert. Kirchen und Hilfswerke sowie christliche Medien zögern heute, sich noch politisch zu äussern. Sie haben Angst vor der Verminderung der Spendeneinnahmen und praktizieren damit eine Selbstzensur. 2022, in der Folge der Konzernverantwortungsinitiative, wehrte sich die landeskirchliche Gruppierung «Theologische Bewegung für Solidarität und Befreiung»3 mit einem bedenkenswerten Manifest «Gegen das Schweigen der Kirchen»4 gegen diese Entwicklung.

Die ethische Autorität stützen – und im Dialog bleiben

Wir dürfen nicht zulassen, dass die letzte ethische Autorität, die grenzenlose Machtausübung behindert, mundtot gemacht wird. Das ist genau die Voraussage des ersten Beschreibers des Postmodernismus, Jean-François Lyotard, der sagte, wenn keine Wahrheit und keine gemeinsame Ethik mehr akzeptiert werden und alles beliebig wird, dann wird Macht nicht mehr eingeschränkt und bleibt einziges Kriterium für die Entscheidungsfindung.
Die biblischen Forderungen und ethischen Standards sind klar. Wir dürfen nicht erst dann die Stimme erheben, wenn sich alle Christen einig sind. Es ist klar, dass wir auch auf Widerstand unter Christen stossen, wenn es für das Gewissen unangenehm wird oder wenn unser Wohlstand in Frage gestellt wird. Wenn wir aufdecken und Umkehr fordern, wo Mammon vor Gott herrscht, dann müssen wir immer mit heftigen Reaktionen rechnen, zum Teil auch aus christlichen Kreisen. Unsere Aufgabe ist es, im Dialog zu bleiben, Gegenargumenten zuzuhören, Befindlichkeiten zu validieren und wo möglich gemeinsame Visionen zu entwickeln. Wir dürfen uns aber nicht davon abhalten lassen, Leben zu schützen, uns für die Schwächsten einzusetzen und Gerechtigkeit herzustellen – auch in der Politik. Es darf nicht so weit kommen wie in vielen Ländern, wo Christen und Kirchen aus einem Minderheitsreflex heraus, sichvor der «bösen Welt» abschotten und nur noch einen Kampf für ihre eigene Gruppe führen. Dabei werfen sie sich Führern an den Hals, die Hass säen und die Rechte der Nächsten mit Füssen treten.

Stützen wir also die Kirchen und christlichen Medien, die sich für christliche Werte und Nächstenliebe auch politisch äussern.


1. Kirche unter Druck: Maulkörbe helfen nicht aus der Krise | Der Bund

2. https://www.nzz.ch/schweiz/cassis-verschaerft-regeln-fuer-entwicklungshilfe-staatsgelder-duerfen-nicht-in-polit-kampagnen-fliessen-ld.1604901

3. Theologische Bewegung für Solidarität und Befreiung – Kirche?

4. Stimme_der_Kirchen_Manifest_Pierre Buehler_dt_fr


Foto von Hansjörg Keller auf Unsplash

5. Juli 2024/0 Kommentare/von Markus Meury
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2024/06/001-hansjorg-keller-GAfoU0t8tsg-unsplash-groeber.jpg 1502 2000 Markus Meury https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Markus Meury2024-07-05 12:00:142026-06-01 16:02:57Kirchen müssen sich weiterhin in die Politik einmischen!

Unterwegs von der Informations- zur Desinformationsgesellschaft

Gesellschaft, Dossier: Christliche Werte – gesunde Demokratie?, Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Soziales, Theologie
Lesezeit / Temps de lecture ~ 10 min

Die weltweite Popularisierung des Internets in den 90er-Jahren war eine echte Errungenschaft. Mit E-Mails konnte man plötzlich ganz unkompliziert Freunde erreichen und ihnen Dokumente übermitteln; Websites machten es möglich, die Botschaft der eigenen Firma oder Institution in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen. Mit den sozialen Medien, KI und dem Verfälschen von Bildern und Tönen hat diese faszinierende Informationswelt ihre Unschuld verloren. Heute droht eine Desinformationsgesellschaft, die zu einer wachsenden Gefahr für uns alle wird. Gibt es Auswege?

Als Journalist war ich von Anfang an dabei, als das Internet für alle verfügbar wurde. Das Zischen und Surren während des Aufbaus einer Verbindung faszinierte nicht nur mich, sondern auch meine Kinder. Ich führte sie nach und nach in diese faszinierende Welt ein. Anfangs verbunden mit einer strengen Zeitlimite. Wer sich länger im Internet bewegen wollte, musste das mit seinem eigenen Sackgeld bezahlen.

Für das Verbreiten der christlichen Botschaft eröffneten sich auf einen Schlag neue Möglichkeiten, insbesondere in den wenig entwickelten Gebieten unserer Welt. Sobald dort Internetverbindungen verfügbar waren, musste der Missionar nicht mehr zwingend persönlich anwesend sein. Er konnte seine Texte – so etwa Bibelübersetzungen – bequem digital übermitteln. Es wurde möglich, auch im Weltsüden digitale Unterrichtseinheiten für eine breite Bevölkerung anzubieten. Eine schöne neue Informationswelt!

Die Blütezeit von Facebook

Für den Studenten Mark Zuckerberg und seine Freunde war Facebook anfangs nur ein Gag, um den Wettbewerb um hübsche Studentinnen anzuheizen. Er spürte aber rasch, dass mit Social Media mehr möglich war. Schliesslich liess sich das Ganze ja mit Werbung verbinden und damit finanzieren. 2007 war der 23-jährige CEO von Facebook bereits Milliardär. An der Börse gewann das junge Unternehmen immer mehr das Interesse von Kapitalisten. Innert Kürze war Facebook 15 Milliarden Dollar wert.

Anfangs gab es noch keine Like-Funktion, «niemand konnte seinen Selbstwert an den Daumen messen, die von andern geklickt wurden»1 . Auch das unendliche Scrollen gab es noch nicht. Wenn man alle Reaktionen von Bekannten gelesen hatte, war der eingegebene Beitrag – der Post – an seinem Ende angelangt. «Kein Algorithmus steuerte die Beiträge, sie erschienen schlicht in der Reihenfolge, in der sie publiziert worden waren».

Jessica King schildert diese Blütezeit von Facebook so: «Es ging ja auch nicht darum, in eine manipulierte Parallelwelt einzutauchen, in der alle anderen Menschen scheinbar aufregendere Leben führen. Stattdessen benutzten wir die Plattform, um am banalen Alltag anderer teilzunehmen, … Gruppen mit lustigen Namen zu gründen, … sich zum Geburtstag zu gratulieren und die Profile von Menschen zu suchen, die man an der Uni sonst nur von weitem sah. Es war ein Tool, um Verbindungen zu schaffen und zu intensivieren.» Also ein ähnlicher Effekt, der mit der Einführung des Internets eingeläutet worden war.

Der Anfang vom Ende

Am 9. Februar 2009 führte Facebook den Like-Button ein. Jessica King reagierte mit dem folgenden Post: «Wer diesen Beitrag liked, ist doof.» Die Reaktion kam sofort: «Schon klickten mehrere auf das Däumchen, und zum ersten Mal spürte ich den kleinen Dopamin-Rausch der digitalen Zuneigung. Bald brütete ich über der Frage, warum gewisse Posts besser funktionierten als andere, versuchte meine Performance zu optimieren. Ich verglich mich mit anderen und spürte einen leichten Anflug von Scham, wenn ich weniger Likes als Kommilitoninnen und Kommilitonen erzielte.»

Parallel zur Lancierung des Like-Buttons kam Facebook in der Schweiz auf eine Million Nutzer. Nun wurde die Plattform zunehmend gesteuert. Jessica King stellt fest, dass Facebook immer häufiger andere Formate mit ihren eigenen Beiträgen verknüpfte, mit «Werbung, News und Beiträgen bislang unbekannter Seiten, ‚die mir gefallen könnten’». 2011 entschied sich Facebook, die fremden Beiträge nicht mehr chronologisch sondern von Algorithmen gesteuert aufzulisten. Damit begann das unendliche Scrollen auf der Suche nach einem noch spannenderen Beitrag zum Thema. Jessica King schildert ihre Erfahrung so: «Immer länger blieb ich nun am Bildschirm sitzen, scrollte und scrollte und scrollte, in der Welt des blauen Riesen gefangen.»

Mark Zuckerberg begann nun, sein Unternehmen auszubauen. Er schluckte Konkurrenten wie Instagram und Whatsapp und bezahlte dafür 1 bzw. 19 Milliarden Dollar. «Dass Profit immer wichtiger wurde, spürten wir im Alltag», sagt Jessica King dazu. «Versprühte Facebook zu Beginn noch ein karge Ästhetik, wurde die Plattform zunehmend mit knalliger Werbung, verwirrenden Feeds und unkontrollierbaren Sidebars zugekleistert.»

Als sich 2011 der Arabische Frühling entlud, trugen Facebook und der Konkurrent Twitter die Proteste aus Tunesien in alle Welt. Jessica King frohlockt: «Der Glaube an die politische Macht von Facebook wuchs – sogar Diktatoren konnte man damit stürzen! Wir posteten unsere Unterstützung, nutzten ab 2013 dafür Hashtags2 , die Facebook eingeführt hatte, und glaubten, mit diesem digitalen Aktivismus den Unterdrückten der Welt geholfen zu haben.»

2014 wurde das Symbol # in der Schweiz zum Wort des Jahres gewählt. Die wichtigsten Hashtags waren 2014 dann aber nicht Themen rund um die Ungerechtigkeit in unserer Welt, sondern zum Beispiel #IceBucketChallenge. Unter dieser Adresse leerten sich Menschen rund den Globus eiskaltes Wasser über den Kopf und dokumentierten dies mit einem Videoclip, in der Erwartung, möglichst viele Likes zu erhalten. Zu den bekanntesten Hashtags gehört #MeToo, der seit Mitte Oktober 2017 im Zuge des Weinstein-Skandals Verbreitung in den sozialen Netzwerken erfuhr und eine soziale Bewegung für die Rechte der Frauen bei sexuellen Übergriffen auslöste.

Mit den erwähnten neuen Möglichkeiten war die Plattform Facebook aber unkontrollierbar geworden. Missbrauch machte sich breit. Jessica King sagt zur Entwicklung von 20 Jahre Facebook, die Internetplattform habe sich vom lieblichen digitalen Dorf zur Gefahr für Demokratien gewandelt, Mark Zuckerberg vom kindlichen Jungunternehmer zum kaltblütigen Überkapitalisten, der sich vor dem amerikanischen Kongress erklären muss.

Bei Google werden die Daten jeder Suchanfrage aufgezeichnet. «Dazu gehören der Standort, Suchbegriffe, das Suchverhalten und Webseitenklicks», schrieb Debby Blaser im Magazin INSIST. «Auf vielen Webseiten werden die Nutzer ‚verfolgt‘, indem anhand der IP-Adresse aufgezeichnet wird, wer die Webseite besucht hat. Diese Daten machen es möglich, dass mir auf Facebook in einer Werbeanzeige genau der Turnschuh angezeigt wird, den ich mir vor kurzem auf Zalando angeschaut habe. Was praktisch ist für Werbetreibende, empfinden manche Nutzer jedoch als Eingriff in ihre Privatsphäre3 .»

Die asozialen Medien werden zum Tummelfeld für Empörungen

Die sozialen Medien erlauben es den Nutzern, zu allen möglichen und unmöglichen Themen rasch eine Meinung zu bilden und diese dann mit andern zu teilen. Bei grosser Zustimmung wächst die Verbreitung dieser Meinung und kann Prozesse in Gang bringen, die kaum noch zu zügeln sind.

Die Journalistin Alexandra Föderl-Schmid, Nahost-Spezialistin der «Süddeutschen Zeitung», hat kürzlich mutmasslich versucht, sich das Leben zu nehmen. Ihr wurde vorgeworfen, in mindestens drei Fällen Erläuterungen öffentlicher Institutionen im Wortlaut übernommen zu haben, ohne dies entsprechend zu deklarieren. Sie habe damit ein Plagiat abgeliefert – eine Todsünde für Journalisten. Das deutsche Portal «Nius» engagierte darauf den «Plagiatsjäger» Stefan Weber, weitere Plagiate – etwa in der Dissertation der Journalistin – aufzudecken. Weber fertigt gegen Geld Gutachten zu akademischen Arbeiten an. «Webers Analysen bringen regelmässig prominente Personen in Schwierigkeiten», schreibt dazu die Journalistin Raphaela Birrer und fügt hinzu: «Häufig erfolgen allerdings seine Anschuldigungen zu Unrecht.» Für sie geht es bei solchen Debatten und Gutachten «längst nicht mehr um intellektuelle Redlichkeit oder universitäre Standards. Es geht um politische Motive, Rachefeldzüge, Rufmord.»

Die asozialen Medien eignen sich hervorragend, um diese Empörungen zu verbreiten. Obwohl eine Untersuchung zeigte, dass an den Vorwürfen bezüglich der Dissertation von Alexandra Föderl-Schmid wenig dran war, kam es zu Hasskommentaren mit Befürwortungen des Suizidversuchs und geschmacklosen persönlichen Angriffen. Die Meinungen waren schon gemacht und liessen sich durch nichts erschüttern. Raphaela Birrer meint zu den Undifferenziertheiten und zur Empörung im Fall Föderl-Schmid: «Sie liefern unfreiwillig Anschauungsunterricht für die degenerative Entwicklung digitaler Debatten. Und sie verdeutlichen, dass es im Moment schwierig bis unmöglich ist, Diskussionen … nüchtern zu führen. Nicht einmal dann, wenn ein Diskurs fast tödliche Folgen hat4 .»

Künstliche Intelligenz und Hacking verstärken das Problem

Künstliche Intelligenz mag helfen, maschinelle Prozesse schneller zu machen. Wenn sie aber im Internet zum Zuge kommt, droht eine Verschärfung der genannten Probleme. Man füttert KI mit einem Gesicht und einer Stimme. Aus diesen Daten erstellt die KI dann eine Matrix, die als Vorlage für jede weitere Version dient. Im März letzten Jahres sei ein Video mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski in Umlauf gekommen, der seine Truppen aufgefordert habe, die Waffen niederzulegen und sich Russland zu ergeben, schreibt Andrian Kreye. Es sei aber sofort klar geworden, «dass jemand seinen Kopf auf einen Rumpf montiert hatte»5 .

In einem anderen Beispiel spricht der Fussballer Lionel Messi an einer Pressekonferenz verständliches Englisch, obwohl er grundsätzlich immer spanisch spricht. Die dahinter stehende Technologie nennt sich Voice-Cloning, die mit Übersetzer-KI vereint wurde. Ein eher harmloses Beispiel.

Wenn Fälschungen (Deepfake) aber dazu gebraucht werden, Nacktbilder des Popstars Taylor Swift in pornografischer Absicht zu generieren, ist das persönlichkeitsverletzend im höchsten Masse. Deepfake-Pornografie wird nicht selten auch zur Erpressung eingesetzt6 .

Womit wir in der untersten Schublade angekommen wären: der Möglichkeit, das Internet zu hacken und so an vertrauliche Daten zu gelangen – sei es um Firmen zu erpressen oder falsche Botschaften zu verbreiten. Diese Hackerangriffe nehmen exponenziell zu, auch in der Schweiz. 2022 gingen beim Nationalen Zentrum für Cybersicherheit des Bundes 34’000 Meldungen zu Cybervorfällen ein, dreimal so viele wie 2020. Laut dem Journalisten Michael Bucher wird für 2025 «eine weltweite Schadenssumme durch Cyberattacken von gegen 11 Billionen Franken prognostiziert. Das wären rund 40-mal höhere Kosten als Naturkatastrophen im Jahr 2022 verursacht haben7 .»

Am kürzlichen Weltwirtschaftsforum in Davos wurden Fake News als grösste Gefahr für die Menschheit in den nächsten zwei Jahren bezeichnet. Falschinformationen im Internet könnten die Gesellschaft weiter spalten. «Mit Technologien wie ChatGPT oder neuen Versionen von Photoshop ist es leicht möglich, Texte zu erstellen oder etwa Bilder zu fälschen»8 . Auf diese Weise können «gezielt gestreute Fehlinformationen anstehende Wahlen in den USA beeinflussen.» Das könnte Zweifel an neu gewählten Regierungen wecken und politische Unruhen auslösen. Eine Gefahr für die Demokratie!

Was können wir tun?

Auf dem Weg von der Information zur Desinformation bleibt die Wahrheit auf der Strecke: wir folgen der Lüge. Der selbstgerechte Laie wird sich darüber nicht weiter aufhalten. Aufgrund der Informationen, die ihm dank seinem Profil zugespielt wurden, weiss er ja, was Sache ist. Damit verbunden ist die wachsende Skepsis gegenüber der Wissenschaft. 2016 stimmten gemäss einer US-Studie 44 Prozent einer breiten Öffentlichkeit der Aussage zu, «Experten sei weniger zu trauen als Laien». Wenn sich aber Laien zu Spezialisten aufschwingen, regiert die Ahnungslosigkeit. «Und was Wahrheit ist, bestimmen im Netz die Lautesten mit der grössten Followerschaft9 .»

Dem Vater der Lüge zu folgen, kann für Christen aber keine Option sein. Was also soll getan werden? Glaubens- und Religionsführer aus Grossbritannien stellten nach einem kürzlichen Treffen über ethische Fragen rund um KI fest, Glaubensgemeinschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen müssten als «kritische Wächter fungieren, die sowohl KI-Entwickler als auch die politischen Entscheidungsträger zur Verantwortung ziehen». In einem nächsten Treffen wollen sie eine Kommission ins Leben rufen, «mit dem Ziel, die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz für das menschliche Wohlergehen zu nutzen und gleichzeitig Gemeinschaften vor potenziellem Schaden zu schützen»10 .

Dieser Schutz kann durch Institutionen gewährleistet werden, die demokratisch legitimiert sind. Der SVP-Nationalrat Andreas Glarner setzte gegen seine politische Gegnerin Sibel Arslan von den Grünen ein Fake-Video ein. Wenige Tage vor den letztjährigen Parlamentswahlen veröffentlichte Glarner ein täuschend echtes Video von Arslan auf X und Instagram, das mittels künstlicher Intelligenz erzeugt worden war. In diesem Fake-Video äusserte sie dann Meinungen, die dem Gegenteil ihrer tatsächlichen Überzeugungen entsprachen. Arslan ging vor Gericht. Gemäss einem kürzlichen Urteil des baselstädtischen Zivilgerichtes muss Glarner die Gerichts- und Arslans Anwaltskosten für diesen Fall übernehmen. Sie erwägt zur Zeit als nächsten Schritt eine Strafanzeige gegen Glarner. Diese könnte zum Präzedenzfall für einen neuen Straftatbestand werden, der erst seit dem 1. September 2023 in Kraft ist: für den Strafbestand des Identitätsmissbrauchs11 .

Nur Stunden nach der Terrorattacke der Hamas gegen Israel im vergangenen Oktober kursierten auf der Plattform X manipulierte Fotos und Videos anderer Kriege, es gab darunter sogar Sequenzen aus Videospielen und Aufnahmen von Silvesterfeuerwerk. Nutzer verbreiteten diese Bilder als Stimmungsmache gegen Israel oder gegen Palästinenser. «X, die weltweit grösste Quelle für Echtzeitnachrichten, wirkt in diesen Tagen wie ein Verteilzentrum für irreführende Nachrichten», schreibt dazu Jan Diesteldorf. Die EU will nun X-Eigentümer Elon Musk anklagen, der versprochen hatte, die EU-Regeln für digitale Dienste einzuhalten. Gemäss diesen müsste X «schnell, sorgfältig und effektiv auf Hinweise reagieren, illegale Inhalte löschen und ‚wirksam Risiken für die öffentliche Sicherheit und den gesellschaftlichen Diskurs bekämpfen, die von Desinformation ausgehen’»12 .

«Die klassischen Medien verlieren die Kontrolle über den Nachrichtenzyklus, und Algorithmen scheinen zum Teil falsche und sensationsheischende Nachrichten schneller zu verbreiten», führte Silke Adam, Professorin am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften im vergangenen Herbst an einem Workshop der Uni Bern aus. Sie folgerte daraus: «Desinformation gefährdet unsere Demokratie und kann ein Auslöser sein, dass sich Menschen polarisieren13 .»

Daraus lässt sich schliessen, dass wir die klassischen Medien nicht aus den Augen verlieren sollten, vor allem Medien wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen oder Radio und die parteiunabhängigen Printmedien. Diese sollten in der Lage sein, Fakten statt Fake zu präsentieren, damit wir uns unsere Meinung möglichst in der Kombination von mehreren Medien zuverlässiger bilden können.

Was oft vergessen geht: KI ist verbunden mit einer Verletzung des Urheberrechtes. Zur Zeit läuft ein Prozess der «New York Times» gegen den KI-Anbieter Chat-GPT. Dieser hatte teils wortgetreue Textkopien als KI-Texte ausgegeben. Gary Marcus, Professor für Neurowissenschaften an der New York University, hat selber mehrere Firmen für KI-Anwendungen aufgebaut. Heute gilt er als Stimme der Vernunft in der KI-Debatte. Er sieht keine raschen Lösungen: «Solange niemand eine neue Architektur erfindet, mit der die Herkunft von generativen Texten oder generativen Bildern zuverlässig verfolgt werden kann, wird es weiterhin zu Rechtsverletzungen kommen14 .»

Immerhin gibt es erste Fortschritte. Wer bei Chat-GPT nach den Grundlagen für eine werteorientierte Dorfentwicklung fragte, erhielt eine Antwort, deren Inhalt mir sehr bekannt vorkam. Wer dieselbe Anfrage bei Copilot eingibt, bekommt ebenfalls Antworten aus den WDRS-Publikationen, diesmal aber mit einer sauberen Quellenangabe und mit Links zu den ursprünglichen Beiträgen, etwa in unserem Forum.

Es steht uns frei, unser Medienverhalten der neuen Lage anzupassen. Debby Blaser weist darauf hin, dass es für Suchmaschinen wie Google Alternativen gibt, die keine Daten aufzeichnen und keine Informationen an Drittpersonen verkaufen, etwa Swisscows oder DuckDuckGo15 .

Die Präsenz von Facebook ist heute am Abnehmen. Aber auch seine Nachfolger und Alternativen sind datentechnisch und im Blick auf den Missbrauch nicht viel besser. Mastodon soll zumindest vom Prinzip her ein deutlich anderes Sozial-Media-Konstrukt sein: Es gibt keinen zentralen Server und damit keinen Besitzer mit bestimmten wirtschaftlichen Interessen und keinen Empfehlungsalgorithmus für den Feed16. Die Messenger App Threema gilt als sicherere Variante von WhatsApp. Sie schützt die persönlichen Daten laut Eigenwerbung «vor dem Zugriff durch Hacker, Unternehmen und Regierungen».

Die digitale Welt orientiert sich heute an Macht- und finanziellen Interessen, auch wenn sie dabei die Wahrheit opfern muss. Das soll uns nicht daran hindern, die positiven Möglichkeiten des Internets zum Verbreiten guter, faktenbasierter Inhalte zu nutzen. Gleichzeitig können wir mithelfen, dass die negativen Tendenzen aufgedeckt und bekämpft werden.

Alles beginnt bei unseren Kindern

Zu guter Letzt: Vielleicht sollten wir auch etwas Abstand zu unseren digitalen Medien gewinnen. Die Neurowissenschaftlerin Maryanne Wolf plädiert für die Neuentdeckung von zwei alten Disziplinen: Lesen und Denken. Digitale Medien gefährden aus ihrer Sicht beides. Die aktuelle Pisa-Studie habe bei 15-Jährigen weltweit einen Trend zu schlechteren Lesefähigkeiten festgestellt.

Deshalb sagt Maryanne Wolf: «Von null bis fünf Jahren sollten Kinder medienmässig von (Bilder-)Büchern umgeben sein, Eltern und Umfeld sollen ihnen jeden Tag vorlesen, Kinder sollen ihre Bücher halten, damit spielen, ja darauf herumkauen! Lesen soll eine interaktive und sinnliche Erfahrung sein.» Bildschirme könne man dann zwischen eineinhalb und fünf Jahren sehr graduell einführen. Sie sollten aber nicht ein Babysitter-Ersatz sein, weder als Ablenkung noch als Belohnung oder Bestrafung. Sobald die Kinder selbst lesen lernen könnten, mache es Sinn, Print und Digital nebeneinander laufen zu lassen, auch zur Unterstützung des Lesens. Mit vielleicht sieben oder zehn Jahren könne dann die Schule die Kinder in die Welt des vertieften Lesens einführen. «Wenn wir nur noch skimmen und Mühe damit haben, Information und Desinformation auseinanderzuhalten, gefährden wir am Ende unser demokratisches Zusammenleben»17 , glaubt die Hirnspezialistin.

Kurz und gut: Vielleicht können wir ja selber wieder mal ein Buch zur Hand nehmen. Neben der Bibel kann es durchaus auch mal ein guter Roman sein – oder ein Sachbuch über Verschwörungstheorien.


1. Da ich mich bisher nicht zum Mitmachen in sozialen Medien verführen liess, folge ich in diesem Teil meist den Gedanken der Journalistin Jessica King in «Der Bund», 12.2.24
2. dt. Gartenzaun mit dem Symbol #
3. Magazin INSIST, April 2018
4. «Der Bund», 13.2.24
5. «Der Bund», 18.9.23
6. «Der Bund», 10.2.24
7. «Der Bund», 21.2.24
8. Anna Lutz im Pro-Medienmagazin vom 10.1.24
9. «Der Bund», 11.12.23
10. Livenet, 14.11.23
11. «Der Bund», 6.1.24
12. «Der Bund», 12.10.23
13. «Der Bund», 20.10.23
14. «Der Bund», 13.1.24
15. Magazin INSIST, April 2018
16. https://www.watson.ch/digital/review/279309107-twitter-alternative-17-gruende-warum-sich-mastodon-auch-fuer-dich-lohnt
17. «Der Bund», 21.12.23


Dieser Artikel erschien erstmals am 01. März 2024 auf Forum Integriertes Christsein.
Foto von dole777 auf Unsplash

15. April 2024/0 Kommentare/von Hanspeter Schmutz
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2024/04/dole777-EQSPI11rf68-unsplash-scaled.jpg 1437 2560 Hanspeter Schmutz https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Hanspeter Schmutz2024-04-15 12:24:492026-06-01 15:56:36Unterwegs von der Informations- zur Desinformationsgesellschaft

«Es braucht Orte der offenen Auseinandersetzung»

Gesellschaft, Dossier: Christliche Werte – gesunde Demokratie?, Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Politik, Soziales
Lesezeit / Temps de lecture ~ 2 min

Die Mitglieder aus sechs christlich-sozialen Gruppierungen aus der Romandie trafen sich am Nachmittag des 12. Novembers 2023 in Morges unter dem Thema «Eine Zugehörigkeit, die die Solidarität in den Vordergrund stellt» zur «Plateforme Christianisme Solidaire».

Das Ziel der Tagung, an der auch ChristNet beteiligt war, bestand darin aufzuzeigen, wie politisches Engagement aus dem Glauben heraus konkret aussehen kann. Die beiden Referenten René Knüsel und Michel Sommer gaben zunächst einen Input, die Absicht der Veranstaltung war es jedoch, die Teilnehmenden kollektiv an der Weiterentwicklung des Themas in Workshops und Diskussionen teilhaben zu lassen. So wurden die Workshop-Themen nicht vorgegeben, sondern während der Referate von den Teilnehmenden vorgeschlagen. Auf den aufgehängten Zetteln konnten sich weitere Interessierte eintragen, worauf vier Workshop-Gruppen entstanden.

Der Soziologe René Knüsel beschrieb unsere Gesellschaft als eine Welt pluraler und selektiver Zugehörigkeiten, die auch reversibel seien. Jeder und jede versuche, „sich selbst zu sein“. Es bestehe die Gefahr eines „allgemeinen Rückzugs“ ins individuelle Universum. Um diesem entgegenzuwirken, müsse die gegenseitige Akzeptanz oder das, was Soziologen als „organische Solidarität“ bezeichnen, über die soziologischen Unterschiede hinweg bewusst gepflegt werden. Trotzdem gelte es diese zu respektieren, um das Gegenüber auch wirklich anzuerkennen. Jeder Mensch habe heute seine identitätsstiftende „Bezugsgruppe“, die sich von Person zu Person unterscheide.

Der Bibelwissenschaftler Michel Sommer interpretierte insbesondere Galater 3,26-29 dahingehend, dass die ersten christlichen Gemeinden ein «Überkleid» namens «Christus» empfangen hätten, das sich über die bisherigen konflikthaft unterschiedlichen sozialen Zugehörigkeiten hinweg gebildet habe. Die Zugehörigkeit zu Christus sei von Grund auf offen für Vielfalt – sowohl intern als auch extern – in Bezug auf Sprachen, soziale Bindungen, Kulturen, Religionen und Biografien. Das berühmte Gleichnis des barmherzigen Samariters beeindrucke gerade dadurch, dass es zeige, wie ein Samariter seine kulturellen Barrieren überwand, um einen verletzten Juden zu pflegen und sich so mit jemandem zu solidarisieren, den er wohl bis dahin nicht als Nächster anerkannt hätte (Lukas 10,25–37).

Die Plenumsdiskussion mit den Referenten machte deutlich, wie wichtig die Entscheidung für ein verbindliches Engagement ist: Dieses helfe, die Interpretation des Evangeliums zu verfeinern, uns darin zu schulen, einander zuzuhören und unsere Argumentationsfähigkeit zu entwickeln. All dies erfordere Orte des offenen Austauschs und Kirchenkonzepte, die offen für Auseinandersetzungen sind, statt Strukturen, die von Generation zu Generation unreflektiert weitergegeben werden.

Weiter unterstrichen Teilnehmende, dass es darum gehe, die Bedürfnisse anderer zu erkennen und anzuerkennen, ihnen Sicherheit zu bieten, ohne ihre kulturelle Zugehörigkeit dominieren zu wollen. Dazu gehöre es auch zu lernen, wie man Frieden schafft, indem man eine Verbindung zu anderen herstellt, ohne Gemeinsamkeiten oder einen Beitrag von der Gegenseite vorauszusetzen. Dieses Lernen erfordere Lernorte, an denen man von Angesicht zu Angesicht mit anderen «seine Batterien auflädt». «Peuple de frères, peuple de sœurs» («Volk von Brüdern, Volk von Schwestern») sangen wir zum Abschluss dieses Nachmittags, der unsere Nähe und unsere gemeinsame Sensibilität und Inspirationsquelle trotz verschiedener Kirchenzugehörigkeiten bestätigt hatte.


Übersetzung / Redaktion: Barbara Streit-Stettler

24. November 2023/0 Kommentare/von Jean-Pierre Thévenaz
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/10/Christianisme-solidaire-291380.jpg 692 934 Jean-Pierre Thévenaz https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Jean-Pierre Thévenaz2023-11-24 17:25:202026-06-01 16:04:02«Es braucht Orte der offenen Auseinandersetzung»
Seite 1 von 212

Seiten

  • 25 Jahre ChristNet
  • 404
  • Anmeldung Forum 2024 DE
  • AutorIn werden bei ChristNet
  • beim-namen-nennen-petition-2024
  • Dossier: «Christliche Werte – gesunde Demokratie?»
  • Dossier: «Informationsmacht»
  • Dossiers
  • Forumsveranstaltung
  • Impressum
  • Kontakt
  • Menschen
  • Mitwirken
  • Nächstenliebe, fundiert und engagiert.
  • News
  • signature
  • Spenden
  • Über uns

Kategorien

  • Dossier: Christliche Werte – gesunde Demokratie?
  • Dossier: Informationsmacht
  • Dossiers
  • Entwicklung
  • Gerechtigkeit
  • Gesellschaft
  • Gesundheit
  • In eigener Sache
  • Nächstenliebe
  • Nationalismus
  • News-CH
  • Philosophie
  • Politik
  • Soziales
  • Technologie
  • Theologie
  • Umwelt
  • Wirtschaft

Archiv

  • Juli 2026
  • Juni 2026
  • Mai 2026
  • April 2026
  • März 2026
  • Februar 2026
  • Januar 2026
  • Dezember 2025
  • November 2025
  • Oktober 2025
  • September 2025
  • August 2025
  • Juli 2025
  • Juni 2025
  • Mai 2025
  • April 2025
  • März 2025
  • Februar 2025
  • Januar 2025
  • Dezember 2024
  • November 2024
  • Oktober 2024
  • September 2024
  • August 2024
  • Juli 2024
  • Juni 2024
  • Mai 2024
  • April 2024
  • März 2024
  • Februar 2024
  • Januar 2024
  • Dezember 2023
  • November 2023
  • Oktober 2023
  • September 2023
  • August 2023
  • Juni 2023
  • Mai 2023
  • April 2023
  • März 2023
  • Februar 2023
  • Januar 2023
  • Dezember 2022
  • November 2022
  • Oktober 2022
  • September 2022
  • August 2022
  • Mai 2022
  • Januar 2022
  • November 2021
  • September 2021
  • Juli 2021
  • Juni 2021
  • Mai 2021
  • April 2021
  • März 2021
  • Januar 2021
  • November 2020
  • Oktober 2020
  • September 2020
  • Juli 2020
  • Juni 2020
  • Mai 2020
  • Januar 2020
  • Oktober 2019
  • Mai 2019
  • April 2019
  • März 2019
  • Dezember 2018
  • August 2018
  • Juni 2018
  • April 2018
  • November 2017
  • September 2017
  • April 2017
  • Februar 2017
  • Oktober 2016
  • August 2016
  • Juli 2016
  • Juni 2016
  • Mai 2016
  • April 2016
  • März 2016
  • Februar 2016
  • November 2015
  • Oktober 2015
  • September 2015
  • Juli 2015
  • April 2015
  • März 2015
  • Februar 2015
  • Dezember 2014
  • November 2014
  • September 2013
  • Mai 2013
  • Februar 2013
  • November 2012
  • September 2012
  • Juni 2012
  • Mai 2012
  • März 2012
  • Dezember 2011
  • November 2011
  • Oktober 2011
  • September 2011
  • Februar 2011
  • November 2010
  • Oktober 2010
  • Mai 2010
  • April 2010
  • Februar 2010
  • Dezember 2009
  • November 2009
  • Juni 2009
  • November 2008
  • Mai 2008
  • März 2008
  • Oktober 2007
  • September 2007
  • Mai 2007
  • April 2007
  • Februar 2007
  • Januar 2007
  • Dezember 2006
  • Oktober 2006
  • Juni 2006
  • Februar 2006
  • Januar 2006
  • Dezember 2005
  • Oktober 2005
  • September 2005
  • Juli 2005
  • April 2005
  • März 2005
  • Januar 2005
  • Dezember 2004
  • November 2004
  • Juli 2004
  • April 2004
  • Februar 2003
  • Januar 2003
  • Juli 2002
  • Juni 2002
  • April 2002
  • März 2002
  • Januar 2002
  • Januar 2001

Kontakt
Trägerverein ChristNet
3000 Bern

info@christnet.ch

CH61 0900 0000 3072 3995 2

Impressum

Spenden
ChristNet wird grösstenteils über deine Einzelspenden finanziert. Falls Du uns unterstützen möchtest, klicke hier.

Newsletter
Angesprochen? Wenn Dich unsere Vision anspricht, kannst du regelmässig unsere Infos und Einladungen erhalten. Jetzt Newsletter abonnieren

Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen

Ich bin damit einverstanden, dass Christnet Tracking-Technologien von Drittanbietern verwendet, um personenbezogene Daten zu verarbeiten, ein Benutzerprofil zu erstellen und mir interessenbezogene Werbung anzuzeigen. Ich kann meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen (unten links auf das Schloss klicken). Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.

J'accepte que Christnet utilise des technologies de suivi de tiers pour traiter des données personnelles, créer un profil d'utilisateur et m'afficher des publicités basées sur mes centres d'intérêt. Je peux révoquer mon consentement à tout moment avec effet pour l'avenir (cliquer sur le cadenas en bas à gauche). Vous trouverez ici notre déclaration de protection des données.

Verweigern/RefuserAkzeptieren/AccepterCookie-Einstellungen/Paramètres des cookies

Cookie- und Privatsphäreeinstellungen/Paramètres de cookies et de confidentialité



Wie wir Cookies verwenden/Comment nous utilisons les cookies

Wir können Cookies anfordern, die auf Ihrem Gerät eingestellt werden. Wir verwenden Cookies, um uns mitzuteilen, wenn Sie unsere Websites besuchen, wie Sie mit uns interagieren, Ihre Nutzererfahrung verbessern und Ihre Beziehung zu unserer Website anpassen.

Klicken Sie auf die verschiedenen Kategorienüberschriften, um mehr zu erfahren. Sie können auch einige Ihrer Einstellungen ändern. Beachten Sie, dass das Blockieren einiger Arten von Cookies Auswirkungen auf Ihre Erfahrung auf unseren Websites und auf die Dienste haben kann, die wir anbieten können.

Nous pouvons demander des cookies qui sont configurés sur votre appareil. Nous utilisons des cookies pour nous dire quand vous visitez nos sites web, comment vous interagissez avec nous, pour améliorer votre expérience d'utilisateur et pour personnaliser votre relation avec notre site web.

Cliquez sur les différents titres de catégories pour en savoir plus. Vous pouvez également modifier certains de vos paramètres. Notez que le blocage de certains types de cookies peut avoir un impact sur votre expérience sur nos sites web et sur les services que nous pouvons offrir.

Wichtige Website Cookies/Cookies importants du site web

Diese Cookies sind unbedingt erforderlich, um Ihnen die auf unserer Website verfügbaren Dienste zur Verfügung zu stellen und einige ihrer Funktionen zu nutzen.

Da diese Cookies zur Bereitstellung der Website unbedingt erforderlich sind, können Sie sie nicht ablehnen, ohne die Funktionsweise unserer Website zu beeinträchtigen. Sie können sie blockieren oder löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen ändern und das Blockieren aller Cookies auf dieser Website erzwingen.

Ces cookies sont strictement nécessaires pour vous fournir les services disponibles sur notre site et pour utiliser certaines de ses fonctionnalités.

Ces cookies étant strictement nécessaires à la fourniture du site, vous ne pouvez pas les refuser sans affecter le fonctionnement de notre site. Vous pouvez les bloquer ou les supprimer en modifiant les paramètres de votre navigateur et en forçant le blocage de tous les cookies sur ce site.

Google Analytics Cookies/Cookies Google Analytics

Diese Cookies sammeln Informationen, die entweder in aggregierter Form verwendet werden, um zu verstehen, wie unsere Website genutzt wird oder wie effektiv unsere Marketingkampagnen sind, oder um uns zu helfen, unsere Website und Anwendung für Sie anzupassen, um Ihre Erfahrung zu verbessern.

Wenn Sie nicht möchten, dass wir Ihren Besuch auf unserer Website verfolgen, können Sie das Tracking in Ihrem Browser hier deaktivieren:

Ces cookies collectent des informations qui sont utilisées soit sous forme agrégée pour comprendre comment notre site web est utilisé ou quelle est l'efficacité de nos campagnes de marketing, soit pour nous aider à personnaliser notre site web et notre application pour vous afin d'améliorer votre expérience.

Si vous ne souhaitez pas que nous suivions votre visite sur notre site, vous pouvez désactiver le tracking dans votre navigateur ici :

Andere externe Dienste/Autres services externes

Wir verwenden auch verschiedene externe Dienste wie Google Webfonts, Google Maps und externe Videoanbieter. Da diese Anbieter möglicherweise personenbezogene Daten wie Ihre IP-Adresse sammeln, können Sie diese hier blockieren. Bitte beachten Sie, dass dies die Funktionalität und das Erscheinungsbild unserer Website stark beeinträchtigen kann. Änderungen werden wirksam, sobald Sie die Seite neu laden.

Google Webfont-Einstellungen:

Google Karteneinstellungen:

Vimeo und Youtube Video bettet ein:

Nous utilisons également différents services externes tels que Google Webfonts, Google Maps et des fournisseurs de vidéos externes. Comme ces fournisseurs peuvent collecter des données personnelles telles que votre adresse IP, vous pouvez les bloquer ici. Veuillez noter que cela peut fortement affecter la fonctionnalité et l'apparence de notre site web.

Les modifications prennent effet dès que vous rechargez la page.

Paramètres de Google Webfont :

Paramètres de la carte Google :

Vimeo et Youtube Vidéo intégrée :

Datenschutz-Bestimmungen/Dispositions relatives à la protection des données

Sie können unsere Cookies und Datenschutzeinstellungen im Detail auf unserer Datenschutzrichtlinie nachlesen.

Information und Desinformation: die aktuellen Herausforderungen

Vous pouvez consulter nos cookies et nos paramètres de confidentialité en détail sur notre politique de confidentialité.

Information und Desinformation: die aktuellen Herausforderungen
Einstellungen übernehmen/Appliquer les paramètres
Nachrichtenleiste öffnen Nachrichtenleiste öffnen Nachrichtenleiste öffnen