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Vor rund einem Monat haben in Senegal Wahlen mit einem hoffnungsvollen Ausgang stattgefunden. Alain Schaeffer, der seit Anfang 2023 im Senegal tätig ist, erklärt im Artikel die Hintergründe. Er erlebt diesen Machtwechsel als Zeichen göttlicher Führung.

Innerhalb von 20 Tagen vom politischen Gefangenen zum Präsidenten bzw. Premierminister aufsteigen: Dies wurde im Senegal dank einer historischen Wahl möglich, die die Opposition im ersten Wahlgang gewann. Bei der Amtseinführung des neuen Präsidenten Bassirou Diomaye Faye waren Worte wie «Versöhnung der Herzen», «Wunder» und «Hoffnung» zu hören; in den Wochen vor der Wahl erlebten wir, wie der autokratische Kurs des Landes korrigiert wurde. Diese Machtübergabe an Bassirou Diomaye Faye als Präsident und Ousmane Sonko als Premierminister kann als Wunder bezeichnet werden. In den letzten Wochen erlebte der Senegal einen Traum, der von Idealen durchdrungen ist und Begeisterung hervorruft. Wie könnte man dieses Wunder nicht als göttliches Eingreifen sehen, als Antwort auf die Gebete, die im Land und ausserhalb des Landes für einen politischen Neuanfang im Senegal formuliert wurden?

Eine Vision integrer Männer

Das Programm der neuen Regierung kündigt einen Bruch mit der früheren politischen Elite auf mehreren Ebenen an: mit der Korruption, mit dem, was man als Neokolonialismus bezeichnen kann, und mit den alten politischen Praktiken im Senegal, die ihn bislang daran gehindert haben, voll und ganz Demokratie zu werden. Dies weckt die Hoffnung nach einem tatsächlichen gesellschaftlichen Wandel durch den Regierungswechsel.

Aber wer sind diese beiden Führungspersönlichkeiten, die sich einer solchen Herausforderung stellen? Nach ihrem Studium an der senegalesischen Verwaltungshochschule nach französischem Vorbild arbeiteten beide als Steuerbeamte im Dienste ihres Landes. Dabei liessen sie sich nicht auf die allgemein praktizierte Korruption ein. Sie prangerten stattdessen die bestehende Praxis an und gründeten eine Gewerkschaft, um sowohl eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen im öffentlichen Sektor zu fordern als diesem auch ein anderes Image als der allgemein üblichen persönlichen Bereicherung zu geben – bis sie vom vorherigen Präsidenten Macky Sall wegen ihres Engagements aus dem öffentlichen Dienst entfernt wurden.

Die ersten Schritte der neuen Regierung geben den Ton für den Richtungswechsel an: Der ehemalige Generalstabschef wurde zum neuen Innenminister ernannt. Dieser hatte 2021 den Einsatz der Armee zur Niederschlagung von Demonstrationen von Oppositionellen abgelehnt, worauf er von seinem Amt zurücktreten musste und auf ein Abstellgleis geschoben wurde. Der Justizminister ist der ehemalige Leiter der Staatsanwaltschaft, der einer Klage des damaligen Oppositionsführers Ousman Sonko wegen fehlerhafter Verfahren stattgeben wollte und daher von seinem Posten entfernt und versetzt wurde. Bereits in den ersten Tagen nach dem Regierungswechsel erhielt die gesamte Verwaltung einschliesslich der Minister einen Brief, in dem die neue Regierung die Schlüsselwörter ihres Programms in Wolof, der wichtigsten lokalen Sprache, verkündete: «Jub Jubal Jubanti», was Rechtschaffenheit, Redlichkeit und Vorbildlichkeit bedeutet. Im gleichen Brief sicherte die Regierung Wistleblowern Schutz zu1 . Die Richtung ist vorgegeben, offensichtlich mit dem Ziel, gegen korrupte Praktiken sofort und nicht schrittweise vorzugehen.

Beziehung zum Evangelium

Nelson Mandela, ein methodistischer Christ und späterer Präsident Südafrikas, war nach 27 Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden. In dieser langen Zeit wurden sein Gewissen und seine Überzeugung geformt, dass nur der Weg der Vergebung und Versöhnung zu einer inneren Befreiung führen kann. Ousman Sonko und Bassirou Diomaye haben zusammen mit ihrer Partei das Motto «Hingabe für das Vaterland» geprägt. Ousman Sonko, der wie Nelson Mandela für seine Ideen inhaftiert war, wurde während dieser Zeit einmal in die Notaufnahme und ein anderes Mal auf die Intensivstation gebracht, weil er aus Protest einen Hungerstreik begonnen hatte.

Das ehemals französische Afrika und alles, was an politischem, wirtschaftlichem und militärischem Einfluss Frankreichs dazu gehört, ist für alle ehemaligen französischen Kolonien, darunter auch den Senegal, eine schwere Last. Selbst von besonnenen, gemässigten Christen hört man hier viel darüber. Die Aufarbeitung dieser Missstände sollte idealerweise von den Franzosen selbst vorgenommen werden: Sie sind die Akteure, die sich mit ihrem Verhalten und den Fakten aus der Vergangenheit auseinandersetzen müssen, um einen Kurswechsel des Bedauerns einzuschlagen und in Folge dessen auf Vergebung und Gnade zu hoffen. Das Gebet ist in dieser Beziehung eine mächtige Kraft! Für Personen, die nicht aus den betroffenen Ländern stammen, ist es wichtig, sich zu informieren und zuzuhören. Wikipedia ist ein gutes Hilfsmittel, das in seinem französischen Artikel zwei von Franzosen verfasste Bücher erwähnt, die die Fakten schonungslos beschreiben und als Referenzdokumente dienen.2

Der Korruption und der Unterdrückung von Gegnern unter dem alten Regime Senegals kann das Evangelium entgegenwirken: Nächstenliebe, Böses mit Gutem vergelten, sich nicht rächen, Vergebung, anderen das tun, was man sich selbst wünschen würde3 – das ist es, was darauf wartet, im Senegal nun gesät zu werden. Diese Themen aus dem Evangelium sind ein Echo der oben beschriebenen Vision, die wir am Tag der Amtseinführung des senegalesischen Präsidenten gehört haben. Es liegt an uns Christen, die Herausforderung anzunehmen, die Gute Nachricht von einem durch Vergebung erneuerten Leben zu verkünden und einen Neuanfang bei Null anzustossen.

Nicht alle Politiker haben das «Glück», wie Mandela 27 Jahre im Gefängnis verbracht zu haben, um dadurch derart grundlegend verändert zu werden und über den reinen Drang zur Macht hinauszuwachsen, der oft das Engagement in der Politik begründet. Glauben, beten und handeln wir, damit der Wille zur Selbsthingabe der neuen senegalesischen Führung, die uns an Jesus und seine Hingabe für die Erlösung der Menschheit erinnert, zu einer Veränderung der Herzen und der Mentalität in diesem schönen Land führen kann.

1. Der Brief wurde in den Medien veröffentlicht: https://teranganews.sn/2024/04/incarner-les-principes-du-jub-jubal-jubanti-la-lettre-du-president-diomaye-faye-aux-fonctionnaires-et-agents-de-ladministration-document/
2. Der französischsprachige Artikel mit «françafrique» überschrieben bei Wikipedia: https://fr.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7afrique
3. S. Bergpredigt (Matthäus 5-7)

Foto von Victor Rutka auf Unsplash

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An der StopArmut-Konferenz vom 6. April 2024 wurde die Ge-Na-Studie vorgestellt, die die Einstellungen der Christinnen und Christen zur sozialen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit untersucht hat. Sechs Persönlichkeiten aus Kirche und Politik kommentierten die Studie. Darunter auch ChristNet-Autor und A-Rocha-Präsident Steve Tanner.

Haben Sie schon Ihren Elektroschock-Moment bezüglich Klima erlebt? Der Moment, in dem Ihnen klar wurde, dass es ernst ist und dass Sie sich engagieren und Ihre Gewohnheiten ändern müssen? Dass die Lebensqualität unserer Kinder davon abhängt? Ich erlebte einen solchen Moment am 2. Juni 2007 anlässlich einer von der Schweizerischen Evangelischen Allianz organisierten Klimakonferenz, bei der ein Professor für Klimatologie einen meisterhaften Vortrag über die Klimawissenschaft hielt und ein Theologe die biblische Grundlage für das Handeln lieferte. Das hat mich beeinflusst.

2007 war bereits alles klar:

  • Die Ursachen der Erwärmung: vom Menschen verursachtes CO2.
  • Die schwerwiegenden Folgen für Ökosysteme und Menschen.
  • Das Verständnis für Gottes Aufruf, sich um das Klima zu kümmern.

Seither ist die Welt aktiv geworden, Christen haben das Thema ernst genommen. Aber wir gehen nicht schnell genug voran, um aus den fossilen Brennstoffen auszusteigen, weil wir unsere Privilegien nicht aufgeben wollen und Angst vor Veränderungen haben.

Mein Ziel hier ist es, für die Christen und die Kirchen drei Fragen zu beantworten:

  1. Wo stehen wir in unserem Einsatz für das Klima?
  2. Welche Hindernisse hindern uns daran, Fortschritte zu machen?
  3. Was motiviert uns, uns mehr zu engagieren?

Die Ge-Na-Studie gibt interessante Einblicke in unser Handeln für das Klima. Zunächst einmal hat sie gezeigt, dass dies für Christinnen und Christen ein mittleres Anliegen ist. Welche Bedeutung hat das? Dass das Problem nicht so ernst ist? Oder auf dem besten Weg zur Lösung?

Bei den vorrangigen nachhaltigen Zielen für eine nachhaltige Entwicklung der UNO (SDG) gab es Unterschiede zwischen schwach praktizierenden Christen, für die das Klima an dritter Stelle steht, und stark praktizierenden Christen, für die es an fünfter Stelle steht.

Es scheint, dass je praktizierender man ist, desto weniger das Klima eine Priorität darstellt. Wir müssen versuchen zu verstehen, warum das so ist.

Die Ge-Na-Studie hat gezeigt, dass bestimmte theologische Haltungen das Klimaschutzhandeln bremsen können. Die erste ist: «Die Idee der Neuschöpfung der Welt hat einen negativen Effekt auf das nachhaltige Verhalten der Befragten.» Das Evangelium, z. B. Lukas 15,11, in dem es um Geld geht, erinnert uns daran, dass Gott daran interessiert ist, wie wir mit irdischen Dingen umgehen, selbst wenn diese Dinge vergehen werden. Wenn wir unfähig sind, uns um diese Erde zu kümmern, wird der Herr uns dann seine neue Schöpfung anvertrauen?

Ein weiteres theologisches Ergebnis der Studie ist interessant: „Christen, die an einen Gott glauben, der die Ereignisse in der Welt kontrolliert, verhalten sich weniger nachhaltig und sind weniger besorgt über den Klimawandel“.

Gott ist allmächtig, aber dennoch befiehlt er uns, in seinem Namen zu handeln, wie Matthäus 28,18 in Erinnerung ruft. Sich hinter der Allmacht Gottes zu verstecken, um nicht zu handeln, ist also kein Zeichen von Frömmigkeit, sondern von Ungehorsam. Dies zeigt, wie wichtig eine Theologie der „Schöpfungsfürsorge“ ist, die in unseren Kirchen gepredigt wird. Während 65% der Protestanten schon einmal eine Predigt zum Thema Nachhaltigkeit gehört haben, haben nur 45% der Evangelikalen eine solche Predigt gehört, berichtet uns die Studie.

Ich möchte mit drei Prinzipien fortfahren, die sich jeder zu eigen machen kann, um etwas für das Klima zu tun. In einem ersten Schritt geht es darum, unsere CO2-Bilanz zu erstellen, um die großen CO2-Verursacher in unserem Leben zu identifizieren. Das hilft uns, die richtigen Prioritäten zu setzen.

Zweitens ist es genauso wichtig, die Gewohnheiten zu ändern wie neue Technologien einzusetzen. Der Umstieg auf ein Elektroauto ist gut, aber wir sollten es auch weniger benutzen und ein kleineres Auto wählen. Schliesslich sollten wir kollektive Massnahmen genauso unterstützen wie individuelle umsetzen, denn beides ist notwendig. Dies ist in evangelikalen Kreisen, die oft die individuelle Freiheit auf Kosten kollektiver Massnahmen verteidigen, nicht selbstverständlich.

Leichter zu lösen als Probleme wie Krieg und Korruption

Seit 2007 hat unsere Familie einen Prozess zur Reduzierung der CO2-Emissionen eingeleitet.

  • Wohnen: Ölheizung durch Solar- und Holzheizung ersetzt und das Haus isoliert.
  • Mobilität: öffentliche Verkehrsmittel, starke Reduzierung von Flugreisen, Elektroauto.
  • Essen: weniger Fleisch, lokaler und saisonaler Konsum.

Unser Familien-CO2 ist stark gesunken, auf weniger als 4 Tonnen pro Person (Schweizer Durchschnitt 10 Tonnen), ohne die Lebensqualität einzuschränken oder unsere Kosten zu erhöhen. Es ist also möglich, unsere Emissionen zu reduzieren. Die Klimakrise ist leichter zu lösen als andere menschliche Probleme wie Kriege oder Korruption. Die erforderlichen Anstrengungen sind überschaubar, aber die positiven Auswirkungen auf unsere Zukunft sind enorm.

Als Christen haben wir drei starke Motoren, die uns voranbringen:

Liebe → Sie zeigt sich in Taten. Jesus sagt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Gehorsam → Verantwortung treibt zum Handeln. Handeln bedeutet nicht, an der Macht Gottes zu zweifeln, sondern treu unseren Teil zu tun, im Glauben, dass er den seinen tun wird.
Hoffnung → Der Glaube an die Zukunft führt zum Handeln. Mit Hoffnung zu leben, lässt uns in den Wandel eintreten. Es gibt keine Opfer mehr, sondern neue Möglichkeiten.

In einer oft hoffnungslosen Welt ist das Handeln für das Klima für uns Christen eine Gelegenheit, zu zeigen, von welchem Gott wir leben: von einem Gott der Hoffnung und der Liebe. Also: Tun wir es!

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~ 5 min Macht der Glaube einen Unterschied? Ja, Christinnen und Christen, die eine Verbindung zwischen Theologie, Spiritualität und Gerechtigkeit sowie Nachhaltigkeit herstellen können, verhalten sich nachhaltiger.

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Wie wählen? Das fragen sich die Stimmberechtigten in diesen Tagen angesichts des Stimmcouverts, das noch nie so dick war. Markus Meury, ChristNet-Präsident, vermittelt Leitlinien und gibt konkrete Tipps.

Ein Gesetzeslehrer fragte Jesus, welches denn das höchste Gebot sei. Jesus antwortete: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.» Dies sei das größte und erste Gebot. Das zweite aber sei ihm gleich: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» An diesen zwei Geboten hänge das ganze Gesetz und die Propheten. (Matthäus 22.35-40)

Die Liebe zu Gott und zu unseren Nächsten soll die Richtschnur für all unser Handeln sein, also auch für unser politisches Handeln. Das Wohlergehen unserer Nächsten muss genauso wie unser eigenes Wohlergehen in unserem Blickfeld sein. Denn jeder Mensch ist von Gott geschaffen und geliebt, jede Person hat vor Gott den gleichen Wert. Aber nicht jeder Mensch hat die gleichen Fähigkeiten, nicht jeder kann sich gleich in unserer Welt durchsetzen und selbst für sein Wohlergehen sorgen.

Wer soll besonders unterstützt werden?

Wer braucht unsere Nächstenliebe besonders? Das Alte Testament fordert mit Nachdruck immer wieder zum Schutz der Witwen, Waisen, Armen, Elenden, Geringen, Ausländer etc. auf. Sie sind in Gottes Augen besonders schutzbedürftig. Oft hängt ihre Situation mit Machtlosigkeit oder Schuldknechtschaft zusammen. Die Propheten klagen das Volk Israel an, dass die Starken versuchten, die Rechte der Armen zu beugen, und fordern dazu auf, diesen zum Recht zu verhelfen. Sie sollen durch den Zehnten versorgt werden, die Schuldknechtschaft soll in regelmässigen Abständen aufgehoben werden.

Im Neuen Testament wendet sich Jesus ebenfalls speziell den Ausgegrenzten und Machtlosen zu. Er stellte dabei allerdings keine Forderungen an das politische System, da das zu dieser Zeit kaum möglich war.

Unsere Verantwortung für die Benachteiligten wahrnehmen

Hier und heute haben wir mit Wahlen und Abstimmungen die Möglichkeit, über die gesellschaftlichen Verhältnisse mitzubestimmen. Wir haben damit eine Mitverantwortung, der wir uns nicht entziehen können. Was wir als Stimmvolk entscheiden und welche Gesetze ein Parlament erlässt, hat konkrete Folgen für unsere Nächsten. Die Bibel weist uns an, bei unseren Entscheiden nicht nur das eigene Wohl, sondern auch dasjenige unserer Nächsten im Auge zu haben.

Wer sind aber heute diejenigen, die unsere Stimme am meisten benötigen? Wer sind die Machtlosen, die Verletzlichen, die Elenden, diejenigen, denen es am schlechtesten geht? Die Menschen in Armut, deren Zahl zunimmt? Die Kinder, die überdurchschnittlich von Armut betroffen sind, die in der Schule immer mehr Druck verspüren und die herumgeschoben werden? Die Migranten, die als Gefahr angesehen werden? Menschen mit Behinderung? Weniger Gebildete, die kaum mehr mitkommen? Oder ganz einfach die weniger Leistungsfähigen? Es ist unsere Aufgabe, diesen Benachteiligten zu fairen Lebenschancen zu verhelfen. Das kann durch Umverteilung, durch Empowerment, durch vereinfachten Zugang zum Recht etc. geschehen.

Um wen kümmert sich die Politik heute?

Die Politik kann Rahmenbedingungen herstellen, die entweder Benachteiligten helfen oder die ihnen noch mehr schaden. Wie sieht es heute aus, für wen wird heute Politik gemacht? Die Mehrheit der Parteien sagt, sie mache «Politik für den Mittelstand» – also nicht für diejenigen, die die Unterstützung am meisten brauchen. Die Stimme der wirklich Benachteiligten wird nicht gehört. Nur so ist es erklärbar,

  • warum die Parlamente in Kantonen und beim Bund jedes Jahr neue Steuersenkungen vorschlagen, die vor allem den Wohlhabenden zugutekommen und die bei den Wohnbeihilfen, Ergänzungsleistungen und Krankenkassensubventionen der Armen wieder eingespart werden.
  • warum die Rechte der Mieter gegen Mietzinserhöhungen ausgehöhlt und umgekehrt der Eigenmietwert abgeschafft werden soll.
  • warum das Bundesparlament kantonale Mindestlöhne zu einem grossen Teil verbieten will, was die ärmsten Schichten besonders trifft.
  • warum nun gar die Idee propagiert wird, Billigkrankenkassen einzurichten, wo die Armen hineingedrängt werden und eine schlechtere Gesundheitsversorgung erhalten.

Wie die richtige Auswahl treffen?

Politik muss denjenigen nützen, die es am meisten brauchen. Sie müssen unsere Aufmerksamkeit erhalten.

Dies bedingt aber, jedem Menschen den gleichen Wert vor Gott und damit die gleiche Aufmerksamkeit und Lebenschancen zuzugestehen. Heute wird aber nur allzu schnell gesagt, dass jeder für sich selbst sorgen soll. Mancherorts werden die Schwächeren in der Gesellschaft gar als Last angesehen oder entwertet. In den Kirchen hören wir manchmal, dass die Benachteiligten sich einfach an Gott wenden sollen und «der Staat» nicht die Aufgaben von Gott übernehmen soll. Gott fordert uns aber dazu auf, das Recht der Armen zu schützen und für sie zu sorgen.

Deshalb: Nehmen wir die Gelegenheit dieser eidgenössichen Wahlen wahr, vor allem diejenigen zu unterstützen, die unsere Unterstützung am meisten benötigen. Wie finden wir das heraus? Bei der unabhängigen Website www.smartvote.ch kann man auf einem Fragebogen die eigenen politischen Prioritäten angeben, worauf die Seite diejenigen Parteien sowie einzelne Kandidatinnen und Kandidaten anzeigt, die der angegebenen politischen Ausrichtung am nächsten sind. Es gibt also keine Ausreden mehr. Jetzt wählen!

Zum Weiterlesen: Unser Umgang mit den Schwachen

Foto von Kelly Sikkema auf Unsplash

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Von der Syrienkrise erschüttert und durch den Glauben motiviert, beschlossen Anne-Sylvie und Kim Giolo 2015, sich auf ein Abenteuer einzulassen und Flüchtlinge bei sich zu Hause aufzunehmen. Samira*, eine junge Frau aus Eritrea, kam 2016 in die Familie, nach ihrem Auszug folgte Aicha* aus dem Iran und heute ist Fatima* aus Afghanistan Teil der Familie Giolo.

Den Alltag geteilt

Diese jungen Frauen waren während ihres Aufenthalts bei uns Teil der Familie. Sie assen mit uns und wir verbrachten zusammen unsere Freizeit. Dabei wurde viel erklärt, gelacht und exotisch gegessen, und ich merkte, wie kompliziert Französisch oftmals ist! Die Aufnahme von Flüchtlingen ist für Familien eine wunderbare Möglichkeit, auf andere Menschen zuzugehen und sich für andere Kulturen zu öffnen. Für unsere beiden Töchter war die Beziehung zu Fatima, Aicha und Samira sehr prägend, weil sie dadurch erfuhren, dass das Leben anderswo ganz anders ist. Die Frauen, die wir bei uns aufnahmen, lernten gleichzeitig zu verstehen, wie die Schweizer Kultur funktioniert, und konnten die Landessprache schneller erlernen. Unsere Familie diente als Brücke zwischen ihrem Herkunftsland und der Schweiz.

Ein Anker und ein Sprungbrett

Diese Erfahrungen zeigten uns aber auch, dass wir keine Ansprüche auf Erfolg bzw. Ertrag stellen dürfen. Unsere Aufgabe ist es vielmehr, die jungen Frauen ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen dabei unsere Unterstützung anzubieten. Flüchtlinge haben oft sehr traumatische Lebenssituationen hinter sich, die sie fragil haben werden lassen. Bezugspersonen in ihrem neuen Lebensumfeld zu haben, hilft ihnen, einen Ankerpunkt im Gastland zu finden. Als Fatima bei uns wohnte, konnte sie sich in einer sicheren, stabilen und im Vergleich zum Leben in einer Asylunterkunft ruhigen Umfeld bewegen und sich auf das Erlernen der französischen Sprache konzentrieren, die den Schlüssel zur Integration darstellt. Da sie nur drei Jahre die Schule besucht hatte, war der Französischunterricht anfangs zu schwierig für sie, wurde aber bald zu einfach. Vor kurzem hat sie das Niveau A2 erreicht und hofft nun, eine Lehre beginnen zu können. Für sie beginnt ein neues Leben – weit weg von den Schwierigkeiten in ihrem Heimatland – und es ist ein grosses Glück, dass wir unseren Teil zu diesem Neuanfang beitragen können.

* Namen geändert

Der Artikel ist erstmals in der Ausgabe März 2023 der Zeitschrift «Christ seul» erschienen.

Foto von Priscilla Du Preez auf Unsplash

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In den Philippinen lebt jeder fünfte Mensch unter der Armutsgrenze. Die Hauptstadt Manila hat über 20 Millionen Einwohner. Viele Menschen leben in Armenvierteln und Slumgebieten. Über 100 000 Kinder leben auf der Strasse. Viele finden in ihren auch durch die Armut und Arbeitslosigkeit zerrütteten Familien weniger Zuwendung und Akzeptanz als in Strassenbanden, wo Überlebenskampf, Missbrauch, Gewalt und Flucht in suchtgenerierende Substanzen zum Alltag gehören. Die Regierung der Philippinen hat bisher nur Unterdrückung und Tod für diese Kinder parat gehabt. Onesimo zeigt modellhaft, wie konkrete Nächstenliebe der fruchtbarere Ausweg ist. Weiterlesen

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Die Digitaltechnik wird uns in unserer Beziehung zu der Regierung und den Behörden immer präsenter. Möchten Sie einen Aktivitätsbonus erhalten? Gehen Sie die virtuelle „Box“ durch! Möchten Sie mit der CAF in Kontakt treten? Beginnen Sie mit der Erstellung einer E-Mail-Adresse! In nur wenigen Jahren hat Frankreich rasche „Fortschritte“ bei der Digitalisierung seiner Verwaltung gemacht, wobei die derzeitige Regierung entschlossen ist, bis 2022 „vollständig digital“ zu arbeiten. Sie wird von einem zweifachen Ziel angetrieben: einerseits die Vereinfachung – und die Verbesserung der Effizienz – der Verwaltungsverfahren um somit Einsparungen zu erzielen. Andererseits soll der Zugang zu den Geräten für eine möglichst große Zahl von Menschen verbessert werden. Entgegen dem Wunsch von immer mehr Menschen ist diese Virtualisierung der Verwaltung jedoch nicht gleichbedeutend mit Gleichheit, sondern eher mit Marginalisierung.

E-Ausgrenzung?

Einige Stimmen – Sozialarbeiter, Verbandsvertreter, etc. – werden nicht gehört. – Einige Stimmen – Sozialarbeiter, Verbandsvertreter, etc. – verschaffen sich nun Gehör, um vor den Risiken der Ausgrenzung zu warnen, die durch die zunehmende Digitalisierung – und den Zwang – der Verwaltungsbeziehungen entsteht. Menschen in prekären Situationen haben oft Schwierigkeiten beim Zugang, bei der Nutzung und bei der Wahrnehmung (Alphabetisierung) ihrer Verwaltungsverfahren. Sie finden es schwierig, Zugang zum System zu erhalten, die gewünschten Informationen zu finden und mit Fachleuten in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Diese neuen Verfügungen/Pflichten stellen daher neue Barrieren dar, die sie manchmal dazu veranlassen, ihre Verfahren aufzugeben. Solange sie keine Personen in ihrem Netzwerk haben, die in der Lage sind, als Vermittler zu fungieren und sie durch dieses technologische Labyrinth zu begleiten, können sie sich ihrer Rechte beraubt sehen (Défenseur des droits, 2017).

Auf dem Weg zur digitalen Solidarität?

Diese Situation lässt uns als Christen die neuen Gesichter der Ausgrenzung erkennen und macht uns den wachsenden Bedarf an digitaler Begleitung bewusst, dem eine gewisse Anzahl unserer Mitmenschen begegnet. Im weiteren Sinne ermutigt uns diese Situation auch, über den Platz und die Rolle nachzudenken, die unsere Gesellschaft – und wir selbst – der Technologie zuweist; sie stellt in dieser Hinsicht eine Einladung zur „Besonnenheit“ und einen Aufruf zur Weisheit dar, um nicht den Liedern der technologischen Allmacht zu erliegen und um nicht zu große Teile unserer Existenz unreflektiert an sie zu delegieren. Sorgen wir also dafür, dass diese Technologien weder ein Turm zu Babel noch ein goldenes Kalb in unserem Leben sind sondern, dass sie immer mehr zu Werkzeugen im Dienste möglichst vieler Menschen werden. Und lassen Sie uns weiterhin die Führung unseres Lebens in erster Linie in die Hände unseres Herrn legen.


Tribune veröffentlicht unter der Überschrift „Grüße“ in Christ Seul (Monatsmagazin der Evangelisch-Mennonitischen Kirchen Frankreichs), Nr. 1092, November 2018, www.editions-mennonites.fr.

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„Woher kommt Ihr Mehl?“

Am Samstag, 21. April fand in Bern ein Forum von StopArmut und ChristNet statt. Es stand unter dem Thema „Fair Teilen: Und wir Christen? Antworten auf die Armut – persönlich, wirtschaftlich, politisch“.

Persönliche Antwort: Gerechter Handel

In seinem Referat stellte Peter Weidmann von teartrade.ch die provokative Frage: „Wissen Sie, woher Ihr Mehl kommt?“ Und gab die Antwort gleich selbst: „60% des Mehls, das mein Bäcker verwendet, stammt aus Indien.“ Anhand des Beispiels Kaffee zeigt er auf, dass die Produzentenlöhne sehr oft nicht zum Leben reichen. Dann zitiert er Jakobus: „Gott hat den Schrei der Arbeiter gehört, die ihr um ihren verdienten Lohn betrogen habt.“ (5,4) Fair Trade packe das Problem der Armut an der Wurzel an, weil er den Ärmsten, der Landbevölkerung des Südens, ihren „verdienten Lohn“ gebe. Und das sei für uns im Norden erst noch relativ billig: Wir bezahlen für Fair-Trade-Kaffee nur ein Fünftel mehr, damit sich das Verdienst des Kaffeebauern verdoppelt. Als Konsumenten hätten wir die Macht, die Entscheide der Grosskonzerne und Detailhandelsketten zu beeinflussen. „Wir teilen mit den Ärmsten dieser Welt. Sie sind unsere Nächsten“, so Weidmann.

Wirtschaftliche Antwort: Mikrofinanz

Karl Rechsteiner von Oikocredit zeigte anhand konkreter Beispiele, wie Mikrokredite von wenigen Dollars in Afrika oder Südamerika Kleinstunternehmern die nötigen Finanzen für ihren Geschäftslauf bieten können. So konnte eine 22-jährige Waise in Accra (Ghana), die für ihre 2 Geschwister sorgen musste, dank einer Mikrofinanzbank ein Coiffeurgeschäft eröffnen, in dem sie heute 10 Angestellte beschäftigt. Oder in einem Bergdorf in Peru wurde der Aufbau einer traditionellen Essiggärerei möglich, die heute zu den grössten des Landes zählt. Rechsteiner forderte die Christen und Gemeinden auf, bei ihren Geldanlagen ethische Kriterien anzuwenden und Mikrofinanzinstitute oder Regionalbanken den Grossbanken vorzuziehen.

Politische Antwort: Gerechte Handelsregeln

Markus Meury, Koordinator von StopArmut und Mitglied von ChristNet, wies auf das politische Ungleichgewicht des Welthandels hin. Zum einen verfügten die ärmsten Länder nicht über die Finanzen, um sich beim Abschluss von Handelsabkommen kompetent beraten und informieren zu lassen, womit sie von den Vorarbeiten der reichen Länder abhängig sind. Zum anderen schade die ständige Liberalisierung des Welthandels den armen Ländern, deren Volkswirtschaften zuerst erstarken müssten, bevor sie sich der internationalen Konkurrenz stellen könnten. Dies sei ja auch in Amerika, Europa und Asien so geschehen. Meury forderte, dass die Schweiz ihre Politik der Eigeninteressen aufgeben soll, um sich für Handelsregeln einzusetzen, die den schwächsten Ländern zugute kommen.

Grenzen des Teilens

Das Podiumsgespräch wurde von Christian Waber, EDU-Nationalrat, eingeleitet, der zu bedenken gab, dass in der Schweiz mit ihren 133 Milliarden Franken Schulden nicht von Überfluss gesprochen werden könne, sondern von Überkonsum auf Kredit, und dass wir darum nicht soviel zu teilen hätten, wie oft angenommen werde. Dem wurde erwidert, das Einkommen in der Schweiz liege 400-mal höher als in gewissen armen Ländern.

Ein Teilnehmer wandte ein, die beste Antwort auf die Armut sei eine Herzensveränderung und die Förderung der christlichen Werte. Darum sollten wir uns auf die Evangelisation konzentrieren. Darauf reagierte ein anderer Teilnehmer: „Es braucht beides: Ein geistliches Engagement und ein praktisches; wir können fair einkaufen, Mikrofinanzinstitute berücksichtigen und uns für gerechte Handelsregeln einsetzen“. Die lebhafte Podiumsdiskussion wurde für ihre offene und konstruktive Gesprächskultur gerühmt.

Abschliessend zeigt sich eine Teilnehmerin erfreut: „Für mich war dieses Forum eine Entdeckung. Jetzt weiss ich, dass ich mit meinen Einkäufen etwas verändern kann.“

ChristNet ist ein Forum von ChristInnen, das sich mit Sozialem, Wirtschaft, Umwelt, Kultur und Entwicklung auseinandersetzt. Im Wahljahr 2007 fordert ChristNet den Bundesrat mit einer Petition auf, das Teilen ins Zentrum der schweizerischen Politik zu rücken: www.genug-zum-teilen.ch

StopArmut2015 ist die Kampagne der Schweizerischen Evangelischen Allianz zur Umsetzung der UNO-Millenniumsziele. Sie engagiert sich seit mehreren Jahren, dass sich die Christen für die Überwindung der Armut in der Welt einsetzen.

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Jésus a toujours été provocateur, c’est pourquoi j’ai le droit d’être provocateur sans mauvaise conscience : Le Dieu de la Bible est un Dieu des pauvres matériellement (et non „spirituellement“). Je mets cette déclaration frappante au début et je commence maintenant mes remarques.
Il y a peu de discussions sur la pauvreté dans une perspective biblique dans les églises, les groupes de foyers, les groupes de jeunes, etc. En tant que Suisses, nous ne sommes guère confrontés à la pauvreté existentielle et nous nous consacrons donc à d’autres sujets de foi. Malgré une lecture intensive de la Bible, nous oublions à quel point le thème de la pauvreté et de la lutte contre la pauvreté y est traité de manière centrale. On peut se demander si nous ne sommes pas simplement aveuglés par notre richesse à cet égard.
Dieu n’a pas choisi une ancienne superpuissance dans l’Ancien Testament, mais un pauvre peuple d’esclaves. Ce n’est que le premier grand acte de solidarité de Dieu avec les pauvres, qui se reflète immédiatement dans le 2ème livre de Moïse, puisque le soin des pauvres occupe une grande place dans les lois agricoles. Ici, par exemple, Dieu établit l’année dite sabbatique : „Pendant six ans, tu sèmeras ta terre et tu en récolteras les fruits. Mais la septième année, tu le laisseras reposer et se coucher, et les pauvres de ton peuple en mangeront ; … ? (Ex. 23:10-11)
Plus tard, les prophètes se sont également fait les avocats des pauvres : „Écoute ceci, toi qui opprime les pauvres et ruine les misérables de la terre… ? (Amos 8:4) Ils ont notamment promis l’aide de Dieu aux pauvres : „Le malheureux et le pauvre cherchent de l’eau, et il n’y en a pas ; leur langue est desséchée par la soif. Mais moi, l’Éternel, je les écouterai, moi, le Dieu d’Israël, je ne les abandonnerai pas“. (Esaïe 41:17)
En tant que riches chrétiens suisses, nous négligeons généralement ces passages et préférons aller à la recherche de citations bibliques qui légitimeraient notre richesse. Dans les proverbes, nous trouvons ensuite le mal de la pauvreté auto-infligée, décrit, en 6,10+11 par exemple, comme suit : „Oui, dormez un peu plus longtemps, dormez un peu, serrez un peu les mains l’une contre l’autre pour dormir, et la pauvreté vous rattrapera comme un voleur, et vous voudrez comme un homme d’armes“. Bien sûr, il est clair ici que la pauvreté n’est pas glorifiée dans la Bible, mais sur la base de ce passage et d’autres similaires, on ne peut trouver de réponse à la question si souvent posée de savoir si nous ne pourrions pas profiter un peu de notre richesse.
Les références à l’immense temple de splendeur de Salomon ne s’appliquent pas non plus, bien qu’elles soient parfois utilisées aujourd’hui pour jeter au moins une lumière biblique éclatante sur nos nouveaux bâtiments d’église pompeux. Non, l’aspect de la prise en charge des pauvres est si important dans la Bible que nous ne pouvons pas parler d’une „jouissance de la richesse“ légitimée par la Bible.
Comme nous l’avons déjà mentionné plus haut, le soin des pauvres est inscrit dans la Bible depuis le début. Par exemple, Joseph conçoit un système similaire dans Genèse 41:47-57 en recueillant suffisamment de récoltes pendant les sept années d’abondance pour subvenir aux besoins des pauvres pendant les sept années de famine. Ensuite, dans le Deutéronome 14:22-29, il y a une disposition sur la dîme, une méthode de soins aux pauvres qui est centrale pour nous jusqu’à ce jour. À l’origine, la dîme était un paiement en nature provenant du rendement annuel et du bétail et versé aux sanctuaires locaux. Cette situation était courante dans le monde entier à l’époque de l’Ancien et du Nouveau Testament. À tort, nous supposons toujours que la dîme aujourd’hui est exactement de 10 %.
Mais dans la pratique juive, la dîme comprenait environ 2-3% pour les prêtres, environ 10% pour les lévites, et environ 10% encore comme „seconde dîme“, qui était distribuée aux pauvres, entre autres. Ceci dans un contexte où la majorité de la population juive vivait de l’agriculture et où la majeure partie des revenus devait être consacrée à l’alimentation ! Et de ne pas oublier : Une taxe supplémentaire de 12,5 % devait être payée à l’État.
La dîme est un commandement extrêmement important pour nous, mais il est étonnant qu’elle ne soit mentionnée qu’une seule fois par Jésus-Christ dans Matthieu 23:23 (et non pas comme un commandement, mais seulement en réaction à la mauvaise pratique de la dîme).
Cela nous amène au Nouveau Testament : Jésus „personnifie“. Dieu pleinement comme défenseur des pauvres. Dans les chapitres 4 à 19 de l’Evangile de Luc, qui décrivent le ministère de Jésus depuis le baptême jusqu’à avant la Passion, 20% des versets traitent de l’argent et des biens, très souvent dans le sens de la bonne manière de les traiter, qui se manifeste pratiquement exclusivement dans le soin des pauvres. Dès le début, Jésus se montre solidaire des pauvres : Il vient au monde en tant que pauvre enfant d’un couple d’adolescents pauvres dans une (très certainement) inconfortable écurie. Dans son „sermon inaugural“ en Luc 4:16-30, il s’adresse avant tout aux pauvres : „L’Esprit du Seigneur est sur moi, parce qu’il m’a oint pour annoncer la bonne nouvelle aux pauvres…“ (Luc 4:18a). (Luc 4:18a). Il commence les Béatitudes en Luc 6:20 par les mots suivants : „Heureux les pauvres, car le royaume de Dieu est à vous“. Dans le passage parallèle de Matthieu 5:3, le mot „spirituel“ est ajouté au mot „pauvre“, mais Luc fait référence aux pauvres matériels. Dieu donne-t-il le salut éternel à ces personnes uniquement à cause de leur pauvreté ? Sur la base de ce passage, il n’est pas possible de répondre simplement par la négative à cette question. Il faut noter qu’il n’y a aucune mention de „heureux êtes-vous qui croyez en moi“ ou quoi que ce soit de similaire. Mais bien sûr, nous ne devons pas en conclure que la pauvreté ne peut pas du tout être combattue. Nous pouvons peut-être tirer la conclusion suivante de ce passage : Il devient évident que Dieu est solidaire des pauvres.
La bonne façon de gérer l’argent et les biens, respectivement la lutte contre la pauvreté, est l’un des grands thèmes du programme principal de Jésus. Dans le Sermon sur la montagne (Matthieu 5-7), les lignes directrices concernant la vie de prière sont encadrées par ce thème, ce qui souligne son importance. On peut le lire dans Matthew 6.
Les déclarations de Jésus à ce sujet sont absolument sans compromis. Néanmoins, ses partisans tentent de faire des compromis jusqu’à aujourd’hui. Aussi le plus „radical“ ? Christian fait généralement des compromis au plus tard à ce stade. En Marc 10:17-27, Jésus demande au jeune homme riche, en termes très clairs, de vendre tous ses biens et de les donner aux pauvres. Après tout, la récompense est un trésor dans le ciel, que demander de plus ?
Dans de nombreux sermons sur le jeune homme riche, on peut déceler un mécanisme „mais-qu’est-ce-qu’il-y-a-pas-de-moyen“. L’histoire est racontée et immédiatement après, il est clairement postulé que cette invitation de Jésus était spécifiquement destinée au jeune homme riche dans sa situation et ne doit pas être transférée individuellement à nous aujourd’hui. Compte tenu de Luc 12:33, où Jésus exige exactement la même chose du cercle des disciples ( !), nous devons néanmoins faire face à cette exigence. Elle reste une épine dans la chair et ne doit pas être franchie à la légère. Zachée a donné la moitié de ses biens aux pauvres et a remboursé ses dettes au quadruple (combien de ses biens croyez-vous qu’il en restait ?…) et grâce à ce don constant, le salut s’est produit dans sa maison, comme le dit Luc 19:9.
En Matthieu 25, 31-46, Jésus énumère sa stratégie de lutte contre la pauvreté : nourrir les affamés, abreuver les assoiffés, héberger les étrangers, vêtir les nus, visiter les malades et les prisonniers. Sur la base de ces critères, il séparera les personnes lors du Jugement dernier. Il ne s’agit donc pas d’œuvres d’amour chrétiennes occasionnelles, mais de facteurs qui détermineront le salut et le désastre selon ce discours de fin-des-temps ! Bien sûr, Jésus se dispute ici près de la justice des œuvres et nous nous demandons où cela laisse la grâce par la foi seule. À ce stade, les paroles de Jésus sont tout simplement très claires et nous ne devons pas être trop rapides à les recouvrir de „grâce inconditionnelle“, sinon nous ne leur rendrons pas justice.
La liste des déclarations de Jésus pourrait être considérablement allongée. En conclusion, la Bible ne glorifie pas la pauvreté, mais la présuppose. L’accent est donc mis sur la lutte contre la pauvreté. C’est la raison pour laquelle les riches sont confrontés à des défis aussi importants. Dieu a fait preuve de solidarité avec les pauvres, peut-être même peut-on dire, comme dans l’introduction : le Dieu de la Bible est un Dieu des pauvres matériels (et non „spirituels“ !). Une thèse audacieuse. Il n’en reste pas moins que la pauvreté d’un point de vue biblique est bien trop peu discutée dans le riche contexte de la Suisse.
Auteur : Stefan HochstrasserSources
Brandscheidt, Renate. ?tithe ? Encyclopédie pour la théologie et l’église. Ed. Walter Kasper. 3ème édition entièrement révisée. Vol. 10, Fribourg : Herder, 2001, 1394-1398.
Goldberger, Michael. Zeit-Spiegel : les fêtes juives. Université de Berne, Berne. 15 juin 2005.
Hochstrasser, Stefan. ?l’argent n’est pas un sujet de conversation… ? Une analyse des sermons sur le thème de l’argent et des biens ? Thèse de diplôme Séminaire théologique-diaconal d’Aarau, 2005.

Kutsch, E. Pauvreté. La religion dans l’histoire et le présent. Dictionnaire de la main pour la théologie et les études religieuses. Ed. Kurt Galling. 3ème édition entièrement nouvelle. Vol. 1, Tübingen : J.C.B. Mohr, 1958, 622-624.
Lohse, Eduard. Environnement du Nouveau Testament. Le Nouveau Testament allemand. 10e, éd. rév. Aufl. Ergänzungsreihe vol. 1, Göttingen : Vandenhoeck&Ruprecht, 2000.
La Bible de Luther 1984
Schröder, Heinz. Jésus et l’argent. Commentaire économique sur le Nouveau Testament. 3.erw.Aufl. Karlsruhe : Société pour la documentation historique culturelle, 1981.
Stückelberger, Christoph. La stratégie de Dieu pour lutter contre la pauvreté ? et notre réponse. Conférence de prière de l’EVP, Olten. 17 septembre 2005.
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Dach dem Vergleich der beiden Länder (siehe die beiden Artikel zu El Salvador bzw. Kuba) scheint es mir, dass ein dritter Weg zwischen den beiden Extremen noch immer der menschenwürdigste ist. Leider hat sich nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Blocks der Kapitalismus entfesselt und hat neue Wege verdrängt.

Doch was nützt durch Liberalisierung generiertes Wachstum, wenn gerade diejenigen, die die Verbesserung der Lebensumstände am nötigsten hätten, noch ärmer werden? Und selbst im nunmehr ?reichsten Land der Erde?, den USA, hören wir auch nach 25 Jahren Neoliberalismus und starkem Wirtschaftswachstum, ?Gesundheitsversorgung und gute Bildung für alle ist nicht bezahlbar?. Worauf warten wir denn? Oder haben nicht alle Menschen, ungeachtet ihrer Leistungsfähigkeit, ein Recht auf ein würdiges Leben in akzeptabler Gesundheit und mit einer Bildung, die ein selbständiges Fortkommen erst ermöglicht? Es gibt auch keine Freiheit ohne die Fähigkeit, diese Freiheit auch zu gebrauchen.

In sozialistischen Systemen hingegen liegt sehr viel Potential brach, da Antriebe zur Ausschöpfung der Gaben nicht ermöglicht werden. Das Verbot, sich auszudrücken und die Unmöglichkeit, an der Situation etwas zu ändern sorgt für viel Frust, auch wenn in kapitalistischen Ländern für einen Teil der Bevölkerung die Situation faktisch nicht anders ist.

Warum denn nicht endlich die guten Seiten beider Modelle kombinieren?

–        Gesundheit und Bildung für alle, damit die Chancengleichheit wirklich gegeben ist, damit jeder die Fähigkeit hat, für sich zu sorgen.

–        Freiheit für unternehmerisches Handeln, aber gewisse Umverteilung durch Steuern, damit die Kluft zwischen reich und arm nicht wieder zu Chancenungleichheit führt.

–        Wo eine solche ?Behinderung der unternehmerischen Tätigkeit? zu mangelndem Wachstum und damit zu Arbeitslosigkeit führt, muss gemeinschaftsdienliche Arbeit durch staatliche Stellen und NGO?s geschaffen werden. Für alle gilt Pflicht zur Arbeit.

–        Wachstum muss allen zu Gute kommen, die daran arbeiten. Deshalb ist auch Umverteilung und gute Öffentliche Dienste eine Frage der Gerechtigkeit.

–        Echte Demokratie durch gesetzlich geregelten gleichen Zugang zu Wahlwerbung, Medien und öffentlicher Debatte.

–        Marktwirtschaft hat in diesem Rahmen seinen wertvollen Platz. Hingegen muss die Werbekraft der Unternehmen auf ein vernünftiges Mass beschränkt werden. Es darf nicht sein, dass materielle Bedürfnisse durch Gehirnwäsche immer neu geschaffen werden.

Diese Postulate sind umso eher möglich, je mehr auch christliche Werte zum Zuge kommen:

–        Gerechtigkeit und Solidarität: es wird auf den gerechten Zugang zu den Grundbedürfnissen geachtet.

–        Verteilung des Lohnes nach Leistung muss heissen nach Leistungsbereitschaft und nicht nach Leistungsfähigkeit bzw. Marktfähigkeit der Gaben.

–        Arbeit: Einerseits soll gelten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Auf der anderen Seite darf es auch nicht sein, dass gewisse Leute sagen, es lohne sich ja gar nicht, mehr zu leisten, wenn ein Teil dieser Mehrleistung als Steuern allen zu Gute kommt. Wollen wir nur zu unserem egoistischen Nutzen arbeiten? Wir dürfen uns auch nicht länger sagen ?das ist halt so?, sondern offen gegen solche Mentalitäten Stellung beziehen! Arbeit muss als Dienst am Wohl des Nächsten verstanden werden!

Hindernisse

Aber warum aber kommen wir nicht dort hin, wo es allen Menschen guten Willens gut gehen würde? Dafür gibt es keine einfachen Erklärungen, aber ich denke, ein wichtiger Faktor ist, dass wir nicht bereit sind, zu teilen und von unseren egoistischen Vorstellungen abzulassen. Selbst wir Christen haben es noch nicht geschafft, das Wohl des Nächsten genauso hoch zu werten wie das eigene Wohl, und wir flüchten uns aus Sorge um unser Gut in Rechtfertigungsideologien, die uns ein gutes Gewissen geben, nicht zu teilen oder die uns gar sagen, dem Nächsten müsse aus Liebe zu ihm vor allem die Faulheit ausgetrieben werden… So lange wir damit nicht aufräumen, indem wir unsere eigenen Ängste konfrontieren, so lange wird es uns nicht gelingen, gerechte und für alle Menschen wohltuende Systeme zu schaffen. Einfach ist dies nicht, wie jeder von uns bei sich selber sieht. Wir können uns nur auf den Weg dorthin machen.


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