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Zwischen Villen und alten Bauernhöfen, im Herzen des kleinen Dorfes Hagenthal-le-Haut, dicht bei Basel und St. Louis, befindet sich das Wohnprojekt Mosaik. Dort leben seit 10 Jahren drei christliche Familien zusammen. Sie pflegen Beziehungen, teilen ihre Zeit und die gemeinsamen Räumlichkeiten. Wir treffen ein Mitglied, Michel Sommer, Seelsorger in einer Integrations-Anlaufstelle und Lehrer am Bildungszentrum Bienenberg.

Wie ist die Idee für dieses gemeinschaftliche Wohnprojekt entstanden?

Eine Familie aus der Region organisierte ein Treffen mit interessierten Personen. Daraus entwickelte sich eine Spurgruppe bestehend aus 10 Parteien, die sich schlussendlich auf drei Familien reduzierte. In der Zeit als wir in Strasbourg lebten, kannten wir persönlich drei Familien, die im gleichen Gebäude, in ihren eigenen vier Wänden lebten, gleichzeitig aber in einem gemeinschaftlichen Miteinander unterwegs waren. Als sich die Möglichkeit bot, in ein ähnliches Projekt einzusteigen, waren wir sofort dabei. In weniger als zwei Jahren wurde die Idee Realität.

Was hat euch an dieser besonderen Wohnform angezogen?

Ich denke, es ist die Tatsache, dass Individualismus und Konsumismus grossen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausüben und viel Einsamkeit verursachen. Wir möchten eine andere Lebensform finden, die es uns erlaubt, Beziehungen zu den Mitmenschen und zu unserem Umfeld zu knüpfen, in einer realistischen Art und Weise. Das gemeinschaftliche Zusammenleben erschien uns die Lebensform, die unserer Familie und unseren Vorstellungen am besten entsprach.

Ganz konkret, wie organisiert ihr euer Leben in der Gemeinschaft?

Wir planen knapp viermal im Monat gemeinsame Zeiten ein: eine Arbeitssitzung, eine Gebetszeit, eine gemeinsame Mahlzeit und wir treffen uns im Laufe des Jahres, um die Gemeinschaftsräume zu unterhalten, wichtige Dinge zu besprechen, einen Ausflug zu unternehmen, miteinander zu plaudern etc. Die Teilnahme an diesen Aktivitäten ist letztlich freiwillig, obwohl sie in unseren Agenden prioritär notiert sind. Ein Teil der Beziehungspflege findet ausserhalb dieser «offiziellen» Zeiten statt: Wenn z.B. ein Ehepaar unsere Kinder zu einem Kinobesuch einlädt. Oder wir unsererseits jedes Kinder der anderen Familien zu einem Geburtstagsessen zu uns einladen. Wunderbare, gesegnete Momente!

Teilt ihr auch einen Teil eurer Güter?

Ausser dem gemeinsamen Besitz der Liegenschaft in einer entsprechenden Rechtsform, teilen wir unseren Besitz nicht. Aber wir unterhalten eher symbolisch eine «Gerechtigkeitsschachtel», in die jede Familie nach einer gemeinsamen Mahlzeit 20 Euros einwirft. Dieses Geld ermöglicht uns, ab und zu eine Familie oder eine Person in Not anonym finanziell zu unterstützen. Wir hoffen auf diesem Weg auch die Herzen unserer Kinder zu sensibilisieren und ihnen vorzuleben, wie wichtig es ist, unseren unverdienten Überfluss mit anderen zu teilen.

Gelingt es euch, auch zu den Nachbarn Kontakte zu knüpfen?

Wir versuchen es! Für die Familien, die schulpflichtige Kinder haben, ergeben sie die Kontakte auf natürliche Art. Ein direkter Nachbar stellt uns ein Stück Land für einen Gemüsegarten zur Verfügung. Ausserdem haben wir das Vorrecht über einen grossen Gemeinschaftsraum zu verfügen, der Platz für ca. 30 Personen bietet. Manchmal organisieren wir im Winter Spielnachmittage, Themen- oder Filmabende, die zum Nachdenken anregen. Wir haben z.B. einmal den Dokumentarfilm «Demain» gezeigt.

Spielen ökologische Fragen in eurem Zusammen­leben eine wichtige Rolle?

Sicher, wir nehmen diese grundlegenden Fragen unserer aktuellen Zeit sehr ernst. Sie sind ein Bestandteil unserer internen Vereinbarung. Wir bemühen uns zuallererst in unserem kleinen Umfeld, durch unseren persönlichen Lebensstil verantwortungsvoll zu handeln. Konkret teilen wir z.B. unsere Autos. Auch wenn dies vielleicht unbedeutend erscheint, ermöglicht es uns doch, mit nur einem Auto pro Familie auszukommen. Wir haben zudem unser Abfallberg verkleinert. Die Fassadenisolation des Gebäudes brachte eine hohe energietechnische Verbesserung. Eine Fotovoltaik-Anlage liefert uns Strom. Zudem kaufen wir einen Teil unserer Lebensmittel bei lokalen Anbietern ein. Zwei von uns fahren mit dem Fahrrad nach Basel zur Arbeit. Es ist unser ständiges Bemühen, einen nachhaltigen Lebensstil zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Welche positiven Aspekte siehst du nach fast 10 Jahren des Zusammen­lebens?

Neben den ökologischen und zwischenmenschlichen Aspekten möchte ich auch die gegenseitige Unterstützung der Familien erwähnen. Ein Beispiel: Zwei der Wohnungen liegen auf der gleichen Etage und sind durch eine Doppeltür miteinander verbunden. Wenn nun das eine Elternpaar am Abend weg ist, kann die andere Familie das Babysitting übernehmen, indem sie einfach die Zwischentür öffnen, damit sie die Kinder hören, wenn sie nicht schlafen. Wir versuchen eine Kultur zu pflegen, in der es normal ist, um Hilfe zu bitten, aber die Unterstützung auch ablehnen zu dürfen, wenn es zu kompliziert ist.

Und welches sind die negativen Aspekte an eurer gemeinschaftlichen Wohnform?

Es gibt nicht viele! Wenn man gemeinsam unterwegs ist, entstehen natürlich manchmal auch Konflikte. Damit umzugehen, kann schwierig sein. Da kommt es sehr darauf an, wie man diesen Herausforderungen begegnet. Die grösste Unstimmigkeit verursachte ein kranker Baum, der nicht wirklich schön anzusehen war, aber Schatten bot. Sollte man ihn fällen oder nicht? Indem wir eine konstruktive Umgangskultur der gegenseitigen Wertschätzung und Achtung leben, konnten wir bis zum heutigen Zeitpunkt grössere Spannungen vermeiden.

Vielen Dank für dein Teilhaben an euren Erfahrungen. Vielleicht noch eine letzte Frage: Welchen Ratschlag würdest du einer Person oder einer Familie geben, die ebenfalls beabsichtigen, in ein neues Wohnprojekt einzusteigen?

Kommt und schaut bei uns rein! Oder geht ein anderes ähnliches Wohnprojekt besuchen und unterhaltet euch mit den Bewohnern! Das hilft, mögliche Bedenken abzubauen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Und, vernetzt euch mit anderen, mit Freunden, Mitgliedern von Kirchen, im Internet, um andere Interessierte zu finden und euch zusammen zu tun. Ich möchte noch hinzufügen: Es sind nicht wirklich die Christen, die auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle spielen, aber zum Glück gibt es ChristNet, das gute und praktische Ideen streut !

Aufgrund des Wegzugs aus beruflichen Gründen einer der drei Familie im vergangenen Jahr steht eine Wohnung zur Verfügung, zum Kauf oder evt. zur Miete:

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Der am 8. September bei France Inter angekündigte Rücktritt von Nicolas Hulot hat die französische Gesellschaft und weitere Bereiche erschüttert. Wir hören immer noch, wie er eine unzureichende Politik der „kleinen Schritte“ anprangert, seine Einsamkeit in der Regierung und die fehlende Unterstützung der Bürger beklagt oder die kollektive Verantwortung für das Problem darstellt. Die vielen „Klimademonstrationen“, die sich daran anschlossen, zeugen jedoch von einem immer stärkeren öffentlichen Bewusstsein für diese Problematik. Trotzdem bleibt das Ausmaß der angekündigten Schwierigkeiten schwer zu ertragen.

Die Beobachtung einer Klima-Ungerechtigkeit

Anfang Oktober erinnern die IPCC-Klimaspezialisten in einem neuen Bericht daran, dass die Bedrohungen nicht nur stark sind – Dürren und Hungersnöte in fruchtbaren Regionen, Verlust der Artenvielfalt, Millionen von Klimaflüchtlingen, soziale Spannungen – sondern auch ungleich verteilt sind. Diejenigen, die am meisten leiden werden, sind die Länder, die am wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen haben, die am wenigsten zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Zusammenhang mit der industriellen Entwicklung beigetragen haben und die am anfälligsten für die Instabilität des Klimas sind. Dies ist die schwerwiegende Beobachtung einer Klimagerechtigkeit1 .

Ungeachtet der Tatsache, dass diese Beobachtungen so schwerwiegend zu sein scheinen, dass man angesichts solcher globaler Herausforderungen so leicht in ein Gefühl der Ohnmacht oder Gleichgültigkeit fallen kann, welche Ressourcen können wir in Christus finden, um der Situation in Liebe und Frieden zu begegnen? Wie können wir in unserem Glauben an ihn die Rolle erkennen, die wir zu spielen haben?

Hoffnung auf Wiederherstellung

Dieser Kontext kann uns dazu bringen, die Worte des Apostels Paulus auf besonders starke Weise aufzunehmen:

„Jetzt wissen wir, dass bisher die ganze Schöpfung seufzt und die Schmerzen der Geburt erleidet. Und es ist nicht nur die ganze Schöpfung, die seufzt, sondern auch wir, die wir dennoch einen Vorgeschmack auf diese Zukunft im Geist haben, seufzen in uns selbst, während wir auf die Annahme, die Befreiung unseres Körpers warten. „(Römer 8:21-22)

Dieser Abschnitt zeigt uns nicht nur ein Leid, das die Menschheit und die Schöpfung als Ganzes teilt, sondern auch eine gemeinsame Hoffnung: die Neugeburt unserer Welt, ihre Wiederherstellung, die die Menschheit, aber auch die gesamte Schöpfung betrifft. Gott gibt uns also mit seinem Wort die Möglichkeit, uns von der Angst zum Frieden und sogar zur Freude zu führen. Dann können wir uns besser zur Verfügung stellen, um diese neue Welt zu suchen und zu manifestieren, die bereits in Jesus begonnen hat.

Kämpfen wir also gegen Gleichgültigkeit und Verzweiflung, und gehen wir mit unseren Zeitgenossen auf den Weg zu mehr Klimasolidarität, zu mehr Achtung vor der Schöpfung, und geben wir Zeugnis von der Hoffnung auf eine wiederhergestellte Welt, die alle Schöpfung wünscht und die kommen wird. Zu diesem Zweck sollte jeder von uns den Herrn fragen, wohin und zu welchen konkreten Handlungen er uns beruft.

 


Tribune veröffentlichte unter der Überschrift „Grüße“ in Christ Seul (Monatsmagazin der Evangelisch-Mennonitischen Kirchen Frankreichs), Nr. 1093, Dezember 2018, www.editions-mennonites.fr.

1.  Zum gleichen Thema wurde im November 2018 in Winterthur anlässlich des jährlichen StopArmut-Tages eine „Erklärung für Klimagerechtigkeit“ unterzeichnet, die auf Französisch übersetzt und auf der FREE-Website veröffentlicht wurde.

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Im vergangenen September wurde das Schweizer Volk eingeladen, seine Meinung zur Agrarpolitik seines Landes zu äußern. Zwei Volksinitiativen zielten auf eine Änderung der Verfassung ab. Obwohl sie nicht angenommen wurden, spiegeln sie doch die Aktualität der Fragen wider, die mit der Herstellung unserer Lebensmittel verbunden sind.

Hinter diesen Texten stand der Wunsch, eine umweltfreundliche Landwirtschaft zu fördern, die lokale Produkte und ein menschenwürdiges Einkommen begünstigt. In diesem Sinne sind den Franzosen die „Associations pour le maintien de l’agriculture paysanne (AMAP)“1 bekannt, die sich seit einigen Jahren im ganzen Land ausbreitet und eine direkte Verbindung zwischen Erzeugern und Verbrauchern herstellen soll.

Nachhaltigere Praktiken

Angesichts der Beobachtung einer ökologischen Krise mit kolossalen sozialen Auswirkungen ist es nicht verwunderlich, dass ein Sektor wie die Landwirtschaft betroffen ist. Olivier de Schutter, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, sagte 2014: „Unser Landwirtschaftsmodell, das auf intensiven Inputs (Düngemittel und Pestizide) basiert und von der immer weiter fortschreitenden Industrialisierung der Landwirtschaft abhängig ist, ist am Ende seiner Kräfte. Wir müssen daher den Kurs ändern und uns in Richtung Agrarökologie bewegen“2 . Die Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft, die sich konsequent an der lokalen und ökologischen Landwirtschaft orientiert, ist ein Versuch unter anderen, nachhaltigere Praktiken zu übernehmen.

Von hier aus kann ein von Gott inspiriertes Streben nach Liebe und Gerechtigkeit diese Überlegungen und Lebensentscheidungen entsprechend nähren. Die Verpflichtungen, die einige christliche Bauern in der französischsprachigen Schweiz eingegangen sind, dienen als Beispiel. Im Laufe meiner Forschung5 hatte ich die Gelegenheit, einige Landfachleute zu treffen, die an einer Vernetzung interessiert sind, um Glauben und Landwirtschaft zu verbinden.

Im vergangenen September wurde das Schweizer Volk eingeladen, seine Meinung zur Agrarpolitik seines Landes zu äußern. Zwei Volksinitiativen zielten auf eine Änderung der Verfassung ab. Obwohl sie nicht angenommen wurden, spiegeln sie doch die Aktualität der Fragen wider, die mit der Herstellung unserer Lebensmittel verbunden sind.

Hinter diesen Texten stand der Wunsch, eine umweltfreundliche Landwirtschaft zu fördern, die lokale Produkte und ein menschenwürdiges Einkommen begünstigt. In diesem Sinne sind den Franzosen die „Associations pour le maintien de l’agriculture paysanne (AMAP)“1 bekannt, die sich seit einigen Jahren im ganzen Land ausbreitet und eine direkte Verbindung zwischen Erzeugern und Verbrauchern herstellen soll.

Nachhaltigere Praktiken

Angesichts der Beobachtung einer ökologischen Krise mit kolossalen sozialen Auswirkungen ist es nicht verwunderlich, dass ein Sektor wie die Landwirtschaft betroffen ist. Olivier de Schutter, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, sagte 2014: „Unser Landwirtschaftsmodell, das auf intensiven Inputs (Düngemittel und Pestizide) basiert und von der immer weiter fortschreitenden Industrialisierung der Landwirtschaft abhängig ist, ist am Ende seiner Kräfte. Wir müssen daher den Kurs ändern und uns in Richtung Agrarökologie bewegen“4 . Die Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft, die sich konsequent an der lokalen und ökologischen Landwirtschaft orientiert, ist ein Versuch unter anderen, nachhaltigere Praktiken zu übernehmen.

Von hier aus kann ein von Gott inspiriertes Streben nach Liebe und Gerechtigkeit diese Überlegungen und Lebensentscheidungen entsprechend nähren. Die Verpflichtungen, die einige christliche Bauern in der französischsprachigen Schweiz eingegangen sind, dienen als Beispiel. Im Laufe meiner Forschung3 hatte ich die Gelegenheit, einige Landfachleute zu treffen, die an einer Vernetzung interessiert sind, um Glauben und Landwirtschaft zu verbinden.

Ein Übergang, der sich auf das Gebet stützt

Wie beeinflusst der Glaube ihr Verhalten? Weit davon entfernt, ideologisch einheitlich zu handeln, setzen sie sich für eine Landwirtschaft ein, die ihren Nächsten liebt, das Reich Gottes widerspiegelt, die Gute Nachricht bezeugt und zur Versöhnung mit der Schöpfung einlädt. Sie bringen den Wunsch zum Ausdruck, gesunde Lebensmittel zu produzieren, die sich um ihren Nächsten und den Boden kümmern, ohne zu vergessen, dass das Wesentliche im Evangelium zu finden ist. Eine von ihnen ruft den Wert der Fähigkeit hervor, den Übergang des eigenen Hofes zu begleiten, indem man sich auf das Gebet und das Hören auf Gott unter Christen verlässt. So dient ihr Glaube als Kulisse für die Wahrnehmung von landwirtschaftlichen Alternativen und als Katalysator für die Motivation ihres Handelns „hier und jetzt“, wobei sie sich von einer Hoffnung tragen lässt, die darüber hinausgeht.

Und Sie, wie nährt Ihr Glaube in Ihrem täglichen Leben Ihr Handeln?


Tribune veröffentlicht unter der Überschrift „Grüsse“ in Christ Seul (Monatsmagazin der Evangelisch-Mennonitischen Kirchen Frankreichs), Nr. 1095, Februar 2019, www.editions-mennonites.fr.

1. AMAP: http://www.reseau-amap.org/.

2. 2014, 29. April 2014, Le Monde. Olivier De Schutter: „Unser globales Landwirtschaftsmodell ist außer Atem“. url: https://www.lemonde.fr/planete/article/2014/04/29/olivier-de-schutter-notre-modele-agricole-est-a-bout-de-souffle_4408689_3244.html.

3. Forschung für die Masterarbeit in Anthropologie und Soziologie am Hochschulinstitut für internationale und Entwicklungsstudien (IHEID) in Genf. Arbeit mit dem Titel: Versöhnte Landwirtschaft und verwandte evangelikale Bauern: Wie lassen sich Glaube und Landwirtschaft miteinander versöhnen? Ethnographie eines informellen ‚christlichen‘ und ‚Permakultur‘-Netzwerks.

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Auf dem Genfer Land entsteht das „Maison Neuve“, ein christliches Gemeinschaftswohnungsprojekt: zwei kleine Gebäude, neun Privathäuser, gemeinsame Räumlichkeiten, gemeinsames Alltagsleben, der Wunsch nach Gastfreundschaft, interkonfessionelle Offenheit, gemeinsame geistliche Zeiten.

Alexandre Winter, einer der Initiatoren des Projekts und ein Unterstützer von ChristNet, beantwortete unsere Fragen 1 .
1. Wie fügt sich das Projekt Maison Neuve in die Philosophie der nachhaltigen Entwicklung ein?


Unser Projekt hängt davon ab, dass wir uns bewusst sind, dass wir nicht der Ursprung unserer selbst sind. Indem wir als Gründungstext die Verse aus dem Matthäusevangelium wählen, die Jesus Christus als den Felsen beschreiben, auf dem das Haus sicher steht (Matthäus 7,24-27), bekennen wir eine Dimension von Gott und der Welt, die uns immer vorausgeht. Diese Fähigkeit anzuerkennen, ist, glaube ich, diejenige, die das christliche oder nur humanistische Engagement für eine nachhaltige Entwicklung zutiefst motiviert: die Überzeugung, dass Gesellschaften, natürliche oder wirtschaftliche Systeme nur dann aufrechterhalten werden können, wenn eine Form der Verbindung mit der Vergangenheit, wie auch mit der Zukunft, anerkannt wird.

2. Wie reagiert das Projekt Maison Neuve auf die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung (wirtschaftliche Lebensfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz)?

Unser Projekt zielt darauf ab, sowohl gegenüber der Gesellschaft als auch gegenüber der Natur verantwortlich zu sein, d.h. wir möchten so viel wie möglich für unsere Entscheidungen und Ausrichtungen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit, oder ich würde sagen, die Lebensfähigkeit, verantwortlich sein. In wirtschaftlicher Hinsicht haben wir zum Beispiel das Prinzip der Nicht-Lukrativität angenommen, indem wir ein Gleichgewicht zwischen Gebühren und Kosten aufrechterhalten, wobei erstere nur die letzteren decken müssen. Was den Respekt vor der Umwelt betrifft, arbeiten wir mit einem Architekturbüro zusammen, das auf die Suche nach ökologischen Lösungen spezialisiert ist, von denen einige sowohl in Bezug auf die Materialien als auch auf die Techniken (z.B. Strohdämmung) innovativ sind. Wir haben auch die Grundlagen für eine partizipative und einvernehmliche Gruppendynamik geschaffen, bei der wir akzeptieren, dass Entscheidungsprozesse manchmal langsam sein können.

3. Glauben Sie, dass die Dimension des Glaubens die Nachhaltigkeit des Projekts stärkt? Bitte erklären Sie das.


In unserer Vision bringen wir den Wunsch zum Ausdruck, dass Gott im Mittelpunkt unseres Projekts steht. Zu sagen, dass Gott im Mittelpunkt steht, bedeutet, dass nichts und niemand diesen Platz einnehmen wird: niemand in der Gruppe mit stärkeren Ideen, keine Ideologie, kein Glauben, nicht einmal der Frömmste. Gott im Zentrum ist es, der in uns diese Fähigkeit lebendig hält, uns erlaubt uns selbst in Frage zu stellen, zuzuhören, uns dem „anderen Gott“ zu öffnen, nicht dem Bild, dem Idol, sondern der lebendigen Gegenwart. Ich glaube, dass diese spirituellen Prinzipien – sie haben die Kirche seit 2000 Jahren durch den Heiligen Geist geleitet – in der Tat Meilensteine für eine langfristige Entwicklung und für die Achtung des Lebens sind.

4. Was ist Ihre persönliche Motivation, sich für ein solch „kompliziertes“ Projekt zu entscheiden?

Es gibt nichts Spannenderes als die menschliche Begegnung und insbesondere die menschliche Begegnung mit Gott: Ich freue mich über dieses Projekt, in dem wir die Begegnung miteinander und die Begegnung mit Gott in Jesus Christus zu leben suchen, in dem wir unser tägliches Leben riskieren, in dem wir Gastfreundschaft und Annahme feiern und in dem wir demütig versuchen, uns eine mögliche Zukunft für unsere Kinder und unsere Menschheitsfamilie vorzustellen.


Samuel Ninck-Lehmann ist Koordinator von ChristNet und Gründungsmitglied des „Maison Neuve“-Projekts.

1. Text veröffentlicht in Perspective, Zeitschrift der Schweizerischen Mennonitenkonferenz, Nr. 10, Oktober 2017.

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Laut verschiedenen Quellen im Internet wird die Menschheit ab dem 2. August 2017 auf Kredit leben, weil sie alle Ressourcen verbraucht hat, die die Erde ein Jahr lang produzieren und erneuern kann. Trotz der seit mehr als vier Jahrzehnten unternommenen Anstrengungen verschlechtert sich die Situation also.

Seit Stockholm 1972, wo die erste Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche Umwelt stattfand, sind die Nationen ohne nennenswerte Ergebnisse von Gipfel zu Gipfel gegangen: Nairobi 1982, Rio de Janeiro 1990, Johannesburg 2002 und Rio de Janeiro 2016. Die Bewertung der globalen Situation des Zustands der Erde zeigt, dass die Fähigkeit der Nationen, die Situation zu kontrollieren, begrenzt ist 1 .

Verantwortung und Gerechtigkeit

Sicher ist für alle, dass der Planet Erde einzigartig ist und in bestmöglichem Zustand erhalten werden muss. Was weniger oder schwieriger zu erfassen ist, ist, dass die menschliche Gemeinschaft, die sie bewohnt, ebenfalls einzigartig ist. Die gleichen Ursprünge – „von einem Menschen“ (Apg 17,26) – und das gleiche Schicksal – „nach dem Tod das Gericht“ (Hebräer 9,27). So ist es eine Illusion, auf der einen Seite des Planeten den Hunger zu beseitigen, die Armut zu verringern und in Frieden zu leben, während auf der anderen Seite Menschen Nahrung wegwerfen, um jeden Preis reich werden oder Krieg führen wollen. Nach Lösungen für die Probleme zu suchen, die die Erde und ihre Bewohner bedrängen, und gleichzeitig diese Ungerechtigkeiten zu ignorieren, ist eine „Jagd nach dem Wind“ (Prediger 1:14).

Heute ist die Zerbrechlichkeit dieser Natur, die für unsere physiologischen Bedürfnisse sorgt, weithin anerkannt, aber die vorgeschlagenen Lösungen verfehlen allzu oft das Ziel. Für den Christen liegt die Antwort auf das Problem in seiner Verantwortung gegenüber der Natur, in die ihn sein Schöpfer gestellt hat2 .  Es sind der Respekt und die Liebe, die dem Autor dieser Schöpfung gebühren, die sein Verhalten diktieren. Wie viel Tinte ist geflossen und Bäume wurden gefällt (um Papier zu machen), um nachhaltige Entwicklung zu erklären. Die verschiedenen Politiken schaffen es jedoch nicht, den Lebensstil in Bezug auf Produktion, Konsum usw. wesentlich zu beeinflussen. Die Rolle des Christen ist daher entscheidend, denn sein ganzes Leben muss dem Recht verpflichtet sein, und zwar nach dem Willen Gottes in seiner Schöpfung.

Eine doppelte Zerbrechlichkeit

„Wir haben nichts in die Welt gebracht, und wir können nichts herausnehmen“ (1. Timotheus 6,7). Mit diesen Worten des Apostels Paulus machen wir deutlich, dass das, was wir jetzt haben, nur für unseren irdischen Aufenthalt bestimmt ist. Dies ist der Verhaltenskodex des Christen auf seiner Pilgerreise auf der Erde: der Natur das zu entnehmen, was wir brauchen, während wir uns um sie und auch um andere kümmern. Tatsächlich gibt es, wie der christliche Philosoph Paul Ricoeur sagt, „einen zerbrechlichen Körper und einen zerbrechlichen Menschen, und die Verantwortung besteht darin, uns als verantwortlich für den Schutz dessen zu erkennen, was uns anvertraut wird“3 .

Diese doppelte Zerbrechlichkeit ist eine Folge des Ungehorsams gegenüber dem göttlichen Gesetz und kann nur im Gehorsam wieder hergestellt werden. Denn woher kann der Schaden, den wir um uns herum beobachten, kommen, wenn nicht aus der Gier und dem Geiz der einen und anderen, die in der Seele wüten? So herrscht zu Hause Opulenz, während es anderswo sogar am Notwendigen fehlt. Das ist einfach nicht richtig. Die christliche Botschaft gibt in ihrer Einfachheit die Antwort auf die Frage, die Politiker, Wissenschaftler und Intellektuelle aller Couleur beschäftigt: „Wer zwei Mäntel hat, der teile mit dem, der keinen hat, und wer etwas zu essen hat, der tue es auch“ (Lukas 3,11).

Wer könnte behaupten, dass mit einem solchen Prinzip die Erde und ihre Bewohner nicht besser werden würden? Die konkrete Umsetzung dieses Wortes kann aber erst dann erfolgen, wenn die folgende Einladung erhört wurde und die menschliche Seele positiv reagiert hat: „Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie mehr durstig sein“ (Joh 6,35). Man muss zuerst zufrieden sein und gesättigt werden, um das Gleiche für andere zu tun. Dies zeigt uns, wie lang und beschwerlich der Weg zur Erreichung der berühmten Ziele der nachhaltigen Entwicklung sein wird. Doch auf diesem langen Weg kennt der Christ seine Verantwortung und muss auf den Tag vorbereitet sein, an dem alle vor Gott Rechenschaft ablegen werden (Römer 14,12).

Eine „nachhaltige“ Umstellung

Die menschliche Lösung zur Rettung des Planeten ist insofern problematisch, als das, was heute gut aussieht, morgen vielleicht nicht mehr gut ist. Gute Absichten werden nicht ausreichen. Für jede Generation ist ein radikaler Wandel in der Art und Weise erforderlich, wie wir sehen, denken, tun, kurz gesagt, leben. Das nennt die Bibel Bekehrung, was leider noch nicht von allen verstanden wurde. In der Tat ist dies nicht nur der Weg für das Heil der Seelen in der Ewigkeit, sondern auch für das Hier und Jetzt im Hinblick auf unseren Nächsten und die Schöpfung als Ganzes.

Fallstudie: Spiel und Wissen teilen

Im Kanton Genf gibt es 31 Spielzeugbibliotheken. Sie sind privilegierte Orte, um Spiele, Spielzeug und Zeit mit unseren Kindern und anderen zu teilen. Mit der Möglichkeit, kostenlos auszuleihen, können wir die Spiele vor Ort testen, bevor wir sie mit nach Hause nehmen. Kinder werden schnell müde von Spielen oder Spielzeug. Was gibt es also Besseres, als ihnen ein Spiel zu kaufen, das sie bereits genossen haben? Dadurch werden Spiele vermieden, die vom Laden in den Keller gehen und manchmal auf der Müllhalde landen. Dasselbe Prinzip gilt für die Bibliotheken und Mediatheken, die die meisten Gemeinden besitzen.

Den Wunsch der Kinder nach Spielen, Spielzeug und Büchern zu befriedigen, ist für die Eltern schwierig. Sobald sie gekauft sind, sind sie nicht mehr interessant. Warum also nicht vorhandene Ressourcen nutzen, anstatt die Regale mit DVDs, CDs, Büchern usw. zu füllen? Spielzeug- und Stadtbibliotheken bieten die Möglichkeit, Geld zu sparen, natürliche Ressourcen zu erhalten und Abfall zu vermeiden. Solche Gesten ermöglichen es uns, unsere gegenwärtigen Bedürfnisse voll zu befriedigen, ohne die der nächsten und der zukünftigen Generationen zu gefährden.


Text veröffentlicht in Perspective, Zeitschrift der Schweizerischen Mennonitenkonferenz, Nr. 10, Oktober 2017.

1 Van Kote G.; Rio+20 Le développement durable à l’heure du bilan, www.fnh.org

Faraco B.; Die grüne Wirtschaft gerät bei Rio+20 aus den Fugen, http://www.lemonde.fr/planete/article/2012/06/19/l-economie-verte-deraille-a-rio-20_1721030_3244.html#iK1MIPfZuAmcFAV1.99.

2 Hategekimana J.; Le développement durable : et le chrétien dans tout ça ?, Actes du congrès européen d’éthique, P 290.

3 Ricœur P.; Le tragique et la promesse, In Dialogen, S. 34.