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Ein Buch über «Gott, die Ökologie und du»

Umweltprobleme sind allgegenwärtig. Ursachen sind hinreichend erforscht und Lösungen werden propagiert. Dennoch passiert wenig. Warum?

Dave Bookless, Theologe und Leiter der christlichen Umweltorganisation A Rocha gibt eine einfache Antwort: Das eigentliche Problem liegt tiefer. Es ist die Krise im Beziehungsdreieck zwischen Mensch, Gott und Schöpfung.

Das Buch «Und mittendrin leben wir» ist daher Augenöffner, Lehrbuch und Inspiration zum Handeln in einem. Das Buch liest sich wie eine packende Erzählung. Vielleicht ist das der Grund, warum man bereits mittendrin am liebsten aufspringen und die eine oder andere Idee umsetzen möchte. Es erscheint auf einmal sehr konkret und machbar, im Glaubensleben und im Alltag etwas zu verändern.

Informationen

Dave Bookless, Und mitten drin leben wir, Fontis Verlag / StopArmut, broschiert, 160 Seiten.

Unverbindlicher Richtpreis: CHF 15.-

Hier bestellen.

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Zeugnis von Roger Zürcher, in der internationalen Zusammenarbeit tätiger Agraringenieur, Text aus seinem Blog Titunaye.

Eine erstaunliche Geschichte

Ich hatte das unerwartete Privileg, im November 2014 an einem Ausbildungskurs für konservierende Landwirtschaft in Simbabwe teilzunehmen, einem Land, das ich noch nie zuvor besucht hatte und in dem ich niemanden kannte. Die Reise war in vielerlei Hinsicht erstaunlich. Ich möchte für einen Moment abschweifen: Ich habe die Aufregungen, die es im Königreich Gottes, dem „Königreich von oben nach unten“, gibt, immer geliebt.

Das Training wurde von Foundations for Farming (früher „Farming God’s Way“ genannt) organisiert. Diese Struktur wurde von einem simbabwischen Landwirt, Brian Oldreive, englischer Herkunft, gegründet, der einen sehr untypischen und „überwältigenden“ Hintergrund hat. Er war ein großer Produzent von Tabak (auf mehreren tausend Hektar), den er konventionell (d.h. mit den gebräuchlichsten Techniken, mit Pflügen und Chemikalien) anbaute. Eines Tages beschloss er, ein Jünger Jesu Christi zu werden. In einer schlaflosen Nacht wurde ihm klar, dass seine Arbeit für sein neues Leben nicht mehr angemessen war. Er wollte nicht länger Tabak produzieren, ein Produkt, das die Menschen versklavt. Also beschloss er, Mais anzubauen.

Dem Land treu sein

Leider hatte er keine Erfahrung mit dieser Kultur, und die Ernten waren schlecht. So sehr, dass er die Banken bitten musste, ihm mehr Geld zu leihen. Die Banken stimmten unter der Voraussetzung zu, dass er zum Tabakanbau zurückkehrte, zu der Ernte, in der er ihrer Meinung nach gut war. Er weigerte sich und verlor am Ende alles: seine Farm und sein Land. Dann suchte er in Harare nach Arbeit und fand schließlich eine Farm, die er mieten konnte, aber das Land befand sich in einem katastrophalen Zustand, völlig erodiert. Er versuchte immer noch, unter diesen Bedingungen Mais zu produzieren, aber die Erträge waren gering und er produzierte mit Verlust. Die Situation war wieder kritisch. In seiner Verzweiflung wandte er sich an Gott und bat ihn, ihn zu lehren, wie man Landwirtschaft betreibt. Seltsame Bitte für einen Bauern von Generation zu Generation.

Der Wald respektiert den Boden

Gott sagte ihm dann (oder inspirierte die Idee), in den Wald zu gehen. Als er in der Wüste betete, hatte er das Gefühl, dass Gott ihm sagte, er solle beobachten, was er sah. Er dachte über die Funktionsweise des Waldes nach, eines natürlichen oder „göttlichen“ Ökosystems. Daraufhin erschienen ihm zwei Prinzipien, die er als „Prinzipien der Achtung des Bodens“ bezeichnen würde:

Nicht pflügen: Bäume wachsen ohne zu pflügen, die Erde muss nicht gewendet werden, damit Samen wachsen können.
Dauerhafte Bodenbedeckung: Der Boden ist dauerhaft mit abgestorbenen Blättern und Pflanzenmaterial bedeckt, das austrocknet oder sich zersetzt.

Brian versuchte dann, diese Prinzipien auf seinen Gebieten anzuwenden. Das Direktsaatprinzip existiert in der Landwirtschaft seit den 1930er Jahren unter dem Namen „konservierende Landwirtschaft“ (ein Ansatz, der heute von der FAO gefördert wird1 ). Aber die von Brian entwickelte Methode geht weiter als das, was allgemein unter diesem Begriff verstanden wird.

Grundsätze zum Teilen

Er begann mit einem einzigen Hektar und ging dann, ermutigt durch die Ergebnisse, zu zwei Hektar Mais über, der ohne Pflug und mit Mulch (Pflanzenstreu) angebaut wurde. Die Ergebnisse waren so gut, dass es ihm gelang, einen Gewinn zu erzielen, der die Verluste auf dem Rest des Betriebs ausglich. Dann dehnte er seine Methode auf das gesamte Gut aus, kaufte sogar Land von den Nachbarn und bebaute schliesslich 3’500 Hektaren ohne zu pflügen.

Da sagte Gott zu ihm: „Ich habe euch das nicht gezeigt, damit ihr reich werdet, sondern damit ihr es mit allen teilen könnt, insbesondere mit den Armen“. Also begann Brian, Kurse für Bauern zu organisieren und Demonstrationsfelder anzulegen. Die Ergebnisse waren ausgezeichnet: Die Erträge lagen bei über 10 Tonnen pro Hektar, während die Bauern oft zehnmal weniger ernten – aber sie hielten nicht lange, als die Mitarbeiter der Organisation das Gebiet verließen. Was war das Problem?

Lernen, Profit zu machen

Das Team von Foundations for Farming erkannte, dass den Bauern nicht das technische Wissen fehlte, sondern das Wissen, dieses Wissen in ein profitables Geschäft umzusetzen. Also bat Brian Gott, ihm zu sagen, wie er aus dieser Situation herauskommen könne, und die Antwort lautete: „Lernen Sie, wie Sie Profit machen können“. Die Antwort lautete: „Lernen Sie, wie man Gewinn macht“, und um das zu tun, müssen einige Prinzipien respektiert werden:

  • pünktlich: Dinge pünktlich erledigen, nicht zu spät; dies ist besonders wichtig beim Säen und Jäten.
  • beim Standard: Einhaltung von Qualitätsstandards; beispielsweise muss sich die Pflanze richtig entwickeln können.
  • ohne Verschwendung: Die Praxis der Buschfeuer zum Beispiel ist eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen, die sich in Rauch auflösen, ganz zu schweigen von der Zerstörung der Bodenstruktur.
  • mit Freude: Freude hilft, Begeisterung auszulösen; sie kommt auch aus einer dankbaren Haltung und erlaubt uns, in Gemeinschaft mit dem Schöpfer zu bleiben.

Oberflächlich betrachtet sind diese Prinzipien recht einfach, aber sie sind ebenso revolutionär wie die Prinzipien des Respekts für den Boden.

Natur imitieren, Schöpfung respektieren

Ich war erstaunt zu sehen, wie begeistert die Teilnehmer aus den verschiedenen afrikanischen Ländern, die an der Schulung teilnahmen, von der Methode „Farming God’s Way“ waren. Mehrere von ihnen sagten sogar aus, dass sie eines Tages von ihren Positionen in ihren Organisationen zurücktreten werden, um sich der Landwirtschaft zu widmen! Das mag ihren derzeitigen Arbeitgeber nicht glücklich machen, aber was für eine Wende! In einem Kontext, in dem unbestimmte Arbeitsplätze selten sind, ist es wirklich überraschend, diese Rede zu hören! Tatsächlich habe ich selbst meine eigene Vorstellung davon, wie man ein Stück Land bebauen kann…

Ich bin erstaunt über die Weisheit oder den Weg Gottes. Die Nachahmung der Natur war schon immer eine treibende Kraft für Innovationen. In diesem Beispiel in Simbabwe verstand es ein „einfacher“ Bauer, von Gott geführt, durch diese Methode, dem Land treu zu sein und misshandelte Böden wiederherzustellen.

Lektüre

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.foundationsforfarming.org.

Es gibt andere Methoden, die ebenfalls die Natur imitieren, wie z.B. die Permakultur: http://www.permaculture.ch/la-permaculture/.

1. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen.

 

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Der «vollkommene Sturm» war ein extremer Sturm über dem Atlantik, der 1991 durch das Zusammentreffen verschiedener heftiger Wetterphänomene verursacht wurde. Der Klimawandel ist ethisch gesehen ein solch vollkommener Sturm: Verschiedene Aspekte, die alleine bereits eine grosse ethische Herausforderung darstellen, treffen beim Klimawandel aufeinander. Diese vier Stürme zusammen bewirken, dass wir oft überfordert sind, wenn es darum geht, mit den ethischen Massstäben, die wir aus dem Alltag, unserer Erziehung und Gottes Geboten kennen, auf den Klimawandel zu antworten.

1. Die zeitliche Distanz

Der erste ethische Sturm ist die zeitliche Distanz: Sowohl die Schäden, die wir heute durch den CO2-Ausstoss verursachen, als auch die Investitionen in den Klimaschutz entfalten ihre volle Wirkung erst nach Jahrzehnten. Sind Klimaschäden aber einmal eingetreten, so dauern sie lange an.

2. Die räumliche Distanz

Der zweite ethische Sturm ist die weltweite Wirkung und Ungerechtigkeit. Die Menschen in den Industrieländern sind viel stärker verantwortlich für den globalen CO2-Ausstoss, während die Entwicklungsländer überproportional von den Folgen getroffen werden und schlecht dafür gerüstet sind. Weiter hat der Klimawandel enorme Auswirkungen (Dürren, Überschwemmungen, wirtschaftliche Einbussen, Krankheiten), die aber, auf Tausende «kleinere» Schäden weltweit verteilt, erst im Gesamtbild gravierend sind.

3. Fragmentierte Ursachen

Dasselbe gilt für die Ursachen: Der durchschnittliche Einwohner eines Industrielandes verursacht im Laufe seines Lebens einen Temperaturanstieg von vielleicht einem halben Milliardstel Grad. Der Klimawandel wird nicht durch eine einzige, grosse, böswillige Handlung verursacht, sondern durch tausend kleine, normale Alltagshandlungen.

4. Ungewisse Auswirkungen

Der vierte ethische Sturm besteht in den ungewissen Auswirkungen. Zwar herrscht unter den Wissenschaftlern heute Einigkeit darüber, dass Klimawandel ein enorm ernstes Problem ist, doch ist die Bandbreite der Einschätzungen darüber, wen es wie fest und auf welche Art treffen wird, sehr gross.

Fazit: Konkretisieren und veranschaulichen

Unsere gängigen ethischen Regeln sind für konkrete Beziehungen, einen überschaubaren Raum und fassbare Auswirkungen gemacht. Mit den grossen zeitlichen und räumlichen Distanzen, wie sie in der Klimaproblematik auftreten, sind wir überfordert. Dazu hat unser Denkvermögen grosse Mühe, unsichere Prognosen und Wahrscheinlichkeiten einzuordnen. Wegen diesem «vollkommenen Sturm» ist es für uns schwierig, uns konkret gegen den Klimawandel einzusetzen.

Eine Lösung besteht darin, dass wir die Klimaproblematik herunterbrechen und die Auswirkungen veranschaulichen. Wenn wir die zeitlich und räumlich weit auseinander liegenden und fragmentierten Auswirkungen des Klimawandels konkretisieren und plastisch vor Augen führen, gibt uns das die Fähigkeit, den Antrieb, das Verständnis und den Mut, etwas gegen den drohenden Wandel zu tun.

 


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Umweltschutz ist in Aller Munde. Es wird immer deutlicher, dass unsere Lebensart die Ärmsten und die künftigen Generationen dauerhaft belasten wird. Wie stellen wir ChristInnen uns dazu? Können wir uns dieser dramatischen Herausforderung mit Liebe stellen, statt uns von Angst prägen zu lassen?

Diesen Fragen geht das ChristNetInput «Nach uns die Sintflut?» nach: Beiträge des gleichnamigen Forums (Herbst 08), ein Interview, weiterführende Links.

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1. Definition und Bedeutung

Die heute weltweit anerkannte Definition für die nachhaltige Entwicklung ist im Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter Leitung von Gro Harlem Brundtland enthalten. Dieser Bericht verlangt eine «Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.»1Der Begriff der «Bedürfnisse», bei dem es um die ärmsten Erdbewohner geht, und derjenige der «Begrenztheit» bei der Bedürfnisbefriedigung sind im Zentrum des Nachhaltigkeitskonzepts.2 Die Beschränktheit der natürlichen Ressourcen, die gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse zu befriedigen, ist auf den hohen Stand der Technologie und der sozialen Organisation zurück zu führen.

Bei der nachhaltigen Entwicklung wird versucht, wirtschaftliche Effizienz mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung in Einklang zu bringen. Sie hat den Anspruch, Interessen zu versöhnen, die bislang als widersprüchlich galten. So beachtet sie alle bestehenden materiellen und nicht-materiellen gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse und bezieht die Natur und die anderen Lebewesen ein, ohne die der Mensch gar nicht leben könnte. Sicht und Handeln der Nachhaltigkeit sind immer global, räumlich und zeitlich ausgerichtet. Auch wenn sie in der Gegenwart aktiv ist und sich um die Menschen der Gegenwart und ihre sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedürfnisse kümmert, stellt die nachhaltige Entwicklung einen langfristigen Ansatz dar, der die Interessen der künftigen Generationen wahrnimmt und versucht, die negativen Umweltfolgen, die sich aus gewissen menschlichen Tätigkeiten ergeben können, zu verhindern. Doch stellt die globale Dimension kein Hinderungsgrund dar, sich spezifisch für die verschiedenen Aktionen auf lokaler Ebene zu interessieren. So sind denn auch sowohl Produktion als auch Konsum im Norden und Süden dieser neuen Sicht der Entwicklung unterworfen. Einzelaktionen sind unabdingbar, damit nachhaltig ausgerichtete Initiativen zum Erfolg kommen.

2. Geschichtlicher Abriss

Wie kommt es, dass wir heute über nachhaltige Entwicklung sprechen und wo hat dieser Begriff seinen Ursprung?

–         In den 1960er Jahren wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch ein Recht auf einen gerechten Anteil an den Ressourcen hat. Die zugrundeliegende Idee ist Entwicklung um jeden Preis.

–         In den 1970er Jahren wächst das Bewusstsein, dass das Ökosystem Erde begrenzt ist und unseren Schutz braucht. Dieser Gedanke wird besonders an der Stockholm-Konferenz, der ersten UNO-Umweltkonferenz, unterstrichen. Hier wird der Umweltschutz zum unumgänglichen Begriff geprägt.

–         In den 1980er Jahren entsteht das Bewusstsein, dass eine nachhaltige Entwicklung nur dann möglich ist, wenn nicht nur der Umweltschutz, sondern auch der soziale und wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt wird. So entwirft die Brundtland-Kommission 1987 die erste Definition der Nachhaltigkeit, die später dann an der Konferenz von Rio übernommen wird.3

 

1987 geht die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, die als Brundtland-Kommission bekannt wurde, von der Feststellung aus, dass die natürlichen Ressourcen so rasch aufgezehrt werden, dass dadurch das menschliche Leben in Frage gestellt wird. 1992 berufen die Vereinten Nationen ein Gipfeltreffen in Rio de Janeiro ein, an dem über 180 Länder teilnehmen. An dieser Konferenz, die auch «Erdgipfel» bezeichnet wird, wurde die «Agenda 21» von Rio ausgearbeitet, die von den 180 anwesenden Ländern verabschiedet wurde. Die Agenda von Rio schlägt Massnahmen vor, die im Laufe des 20. Jahrhunderts weltweit getroffen werden sollen, damit «wirtschaftliche Leistungsfähigkeit»«gesellschaftliche Solidarität» und «ökologische Verantwortung» in Einklang gebracht und ein Gleichgewicht hergestellt werden kann. An ebendiesem Gipfel wurden die Prinzipien entwickelt, welche den Staaten und Behörden als Richtlinie für ihre Aktionen zur Ausarbeitung und Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung dienen sollten. 2002 wurde ein zweites Gipfeltreffen in Südafrika organisiert, um Bilanz zu ziehen und weitere Perspektiven der nachhaltigen Entwicklung zu entwerfen.

3. Die drei Zieldimensionen

Um die menschlichen Bedürfnisse umfassend zu decken, besteht der Ansatz der nachhaltigen Entwicklung darin, den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekt nicht mehr getrennt zu sehen. Aufgrund ihrer äusserst starken Vernetzung können diese Aspekte nur dann vollumfänglich zum Wohlergehen der Allgemeinheit beitragen, wenn sie auf dieselbe Ebene gestellt werden. So wird die nachhaltige Entwicklung zu einer soliden Grundlage für die Lösung der Probleme dar, mit denen sich eine Gesellschaft bei ihrem Kampf gegen Fehlentwicklungen konfrontiert sieht. Zu diesem Zweck können drei Kernbegriffe festgehalten werden, welche die Grundaspekte des täglichen Lebens aller Menschen umfassen und die Zieldimensionen der nachhaltigen Entwicklung darstellen:

 

Quelle: www.are.admin.ch (2008)

·        Umwelt: die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen;

·        Wirtschaft: die Bewahrung der materiellen Lebensgrundlagen;

·        Gesellschaft: die Bewahrung der nicht-materiellen Lebensgrundlagen.4

a. Wirtschaft

Man könnte versucht sein, den wirtschaftlichen Aspekt beiseite zu schieben, da er uns in einer globalisierten Welt oft an grosse Multis und börsenkotierte Unternehmen erinnert. Doch aus Sicht der Nachhaltigkeit betrifft die Wirtschaft uns alle: Gross und Klein, Reich und weniger Reich ? in unterschiedlichem Grad. Natürlich kommt dabei den produzierenden Wirtschaftsakteuren oberste Priorität zu. Sie müssen alles daran setzen und ihre Innovationskraft spielen lassen, um zu einer immer energie- und umweltschonenderen Produktion zu finden und nicht nur an die Kapitalvermehrung und Gewinnmaximierung der Aktionäre zu denken. Die Entwicklung neuer Technologien soll dabei insbesondere zu einer verschmutzungs- und abfallärmeren Produktion führen.

Am anderen Ende der Produktkette wird von uns allen erwartet, dass wir «gute» Konsumenten sind, d. h. weniger Abfall erzeugen. Damit die Wirtschaftsmaschine weiterläuft muss ja auch konsumiert werden. So befindet sich der Konsum im Zentrum der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozesse. Manchmal wird der Konsum sogar als Indikator für das Wohlbefinden der Bevölkerung verwendet, ganz nach dem Motto: «Grosse Kauffreude: Alles steht zum Besten!» Doch kommt es oft vor, dass der Konsum bis auf ein Niveau zunimmt, das Michel Bosquet «opulenten Konsum» nennt. Laut diesem französischen Sozialphilosophen gewährleistet dieser Konsum «das Wachstum des Kapitals, nicht aber der Zufriedenheit» 5. In diesem Konsumrausch ruft uns ein Wort der Weisheit zur Besinnung: «Findest du Honig, so iss davon nur, soviel du bedarfst, dass du nicht zu satt wirst und speist ihn aus.» (Sprüche 25,16).

Es muss herausgestrichen werden, dass wir in einer konsumorientierten Gesellschaft als Konsumenten Macht ausüben können. Wie bei jeder Art der Macht gilt es auch hier, unsere Verantwortung wahrzunehmen, wie wir diese Macht intelligent einsetzen können. In diesem Zusammenhang sind folgende Überlegungen von Bedeutung:

–         Wir konsumieren ein Produkt, das aus der natürlichen Umwelt stammt (natürliches Kapital).

–         Das natürliche Kapital wird in Zeiträumen von geologischer Dauer regeneriert (nach menschlichem Massstab extrem langsam).

–         Das natürliche Kapital muss auch den künftigen Generationen noch zur Verfügung stehen.

b. Gesellschaft

«Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.» (Amos 5,24)

Wachsender Reichtum und wirtschaftliche Leistungskraft sollen allen zu Gute kommen. Darum ist es eine besondere Herausforderung für die nachhaltige Entwicklung, die Grundbedürfnisse der Ärmsten zu befriedigen. Daneben soll sie auch die Solidarität zwischen den Generationen und den armen und reichen Ländern fördern. Doch statt von Armut sollten wir von Elend sprechen, nämlich dort, wo nicht einmal das Existenzminimum gesichert ist. Die nachhaltige Entwicklung sollte auch dazu dienen, die Schwierigkeiten in den Bereichen des Gesundheitswesens, der Bildung und der Arbeit besser zu berücksichtigen und zu lösen, damit die Ungleichheiten in und zwischen den Ländern beseitigt werden können. Die Ausgrenzung soll unter Berücksichtigung der kulturellen Differenzen ausgemerzt werden. Dazu ist die Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen erforderlich.

c. Umwelt

«Euch aber will ich unter die Völker zerstreuen und mit gezücktem Schwert hinter euch her sein, dass euer Land soll wüst sein und eure Städte zerstört. Alsdann wird das Land seine Sabbate nachholen, solange es wüst liegt und ihr in der Feinde Land seid; ja, dann wird das Land ruhen und seine Sabbate nachholen. Solange es wüst liegt, wird es ruhen, weil es nicht ruhen konnte, als ihr es solltet ruhen lassen, während ihr darin wohntet.» (3. Mose 26,33-35)

Der Herr ist offenbar nicht zufrieden, wie Israel das Land bewirtschaftet, das Er gegeben hat. Interessant: Die Ruhezeit, die dem Menschen vorgeschrieben ist, gilt auch für die Natur. Dieser Abschnitt, wie übrigens auch die Noah-Geschichte als anderes alttestamentliches Beispiel, zeigt, dass sich der Schöpfer um die Natur sorgt. Doch lässt der Herr die Natur nicht soweit wachsen, dass Urwald und wilde Tiere dem Menschen seinen Lebensraum streitig machen. Gott weiss, dass der Mensch die Natur braucht, um ein harmonisches Leben zu führen. Aber der Schöpfer fordert auch vom Menschen, seine Verantwortung für die Schöpfung wahrzunehmen. Als Christen sind wir in doppelter Hinsicht gefordert:

–         Wir wissen, dass die Natur Gottes Werk ist und die Schöpfung auf Gottes Heil wartet. In diesem Sinne sollte unser Umgang mit der Natur von unserer Achtung für den Schöpfer gezeichnet sein.

–         Als «Mitarbeiter Gottes» sollte unser Verhalten der Schöpfung gegenüber vorbildhaft sein, sind wir Christen doch die Nachahmer Christi.

4. Indikatoren für die Entwicklung

Seit die nachhaltige Entwicklung in die Staats- und Unternehmenspolitik einfliesst, wurden verschiedene Arten von Indikatoren entwickelt. Wir berücksichtigen hier zwei Indikatoren, die eine breite Anwendung finden und für eine Gesamtbeurteilung der Umweltprobleme, sowie der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung erforderlich sind.

a. Der ökologische Fussabdruck

Der ökologische Fussabdruck ist ein ökologischer «synthetischer» Indikator, mit dem die Umweltbelastung einer Gesellschaft anhand ihres Ressourcenverbrauchs und ihrer Umweltverschmutzung gemessen wird. Die dabei verwendete Grösse ist die biologisch produktive Erdoberfläche in «globalen Hektaren»6. Mathis Wackernagel und William Rees beschreiben diese Methode wie folgt:

Wir müssen die Wirtschaft wie einen Verdauungsapparat sehen, wie z. B. eine Kuh auf der Weide. Die Wirtschaft frisst Ressourcen, deren Verzehr schliesslich zu Abfall wird und den Organismus, eben die Wirtschaft, verlassen muss. Dabei stellt sich die Frage, wie viel Boden es braucht, um den Lebensstandard einer bestimmten Gesellschaft erhalten zu können.7 Die so berechnete Gesamtfläche wird dann auf jeden Einwohner heruntergebrochen (ha pro Kopf).8



QuelleLiving Planet Report 2006. WWF International, Gland.

Dieser Indikator hat den Vorteil, dass er sowohl synthetisch als auch pädagogisch ist. Er teilt jedem Konsumenten mit, welcher sein persönlicher Umwelteinfluss ist, und gibt ihm so die Gelegenheit, über seinen Lebensstil nachzudenken.

b. Index der menschlichen Entwicklung (HDI)

Die Spezialisten des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) haben festgestellt, dass der in den 1990er Jahren verwendete Entwicklungsindikator, das Bruttoinlandprodukt (BIP), an seine Grenzen stösst. Darum haben sie einen neuen, qualitativen Indikator vorgeschlagen, den «Index der menschlichen Entwicklung» (Human Development Index ? HDI). Es handelt sich dabei um einen zusammengesetzten Indikator, der die Entwicklung eines Landes anhand von drei Grundkriterien der menschlichen Entwicklung misst:

–         Gesundheit und Sterblichkeit (gemessen als Lebenserwartung bei der Geburt);

–         Bildungsgrad (gemessen als Alphabetenquote der Erwachsenen und Brutto-Einschulungsrate auf Primar-, Sekundar- und Hochschulstufe);

–         angemessener Lebensstand (gemessen als BIP pro Kopf, kaufkraftbereinigt, in US-Dollar)9.



5. Grundsätze fürs Handeln

Nach dem Gipfel von Rio wurden von Behörden und Firmen allenthalben Prinzipien, Verpflichtungen und Verhaltenskodexe erarbeitet. Doch der Referenztext par excellence ist und bleibt, aufgrund seiner politischen Tragweite, die Rio-Deklaration von 1992. Hier wurden 27 Prinzipien erarbeitet, auf die sich die nachhaltige Entwicklung stützen soll:10

–         Das Solidaritätsprinzip: Dieser Grundsatz umfasst die Solidarität zwischen Generationen (zeitlich) und Völkern (räumlich), um das Erbe der Menschheit zu bewahren und den Graben zwischen Arm und Reich, Nord und Süd zu verringern (Prinzipien 3 und 5).

–         Das Partizipationsprinzip: Dieser Grundsatz bedeutet, dass sich alle gesellschaftlichen Akteure (Firmen, NGOs, Behörden, Private usw.) an den Entscheidungsprozessen beteiligen. Der Erfolg nachhaltiger Projekten hängt in erster Linie von diesem Grundsatz ab (Prinzipien 10 und 20).

–         Das Vorsorgeprinzip: Dieser Grundsatz treibt zur Vorsicht an, wenn die Umwelt aufgrund der menschlichen Tätigkeit bleibende Schäden davon tragen könnte (Prinzip 15).

Andere Grundsätze wie das Verursacherprinzip und das Gleichheitsprinzip können in der Rio-Deklaration nachgelesen werden.11

6. Die Akteure

Die UN-Konferenz hat verschiedene Gruppen betroffener Gesellschaftspartner festgehalten. Wir gehen hier auf die fünf Hauptakteure und ihre Rollen ein:

a. Die Staaten

–         schaffen einen Gesetzesrahmen, der die Einrichtung nationaler und lokaler Agendas fördert;

–         richten eine Entwicklungspolitik ein, die den Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung entspricht;

–         schaffen eine gute Koordination zwischen den verschiedenen Ministerien bzw. Departementen;

–         richten in der Verwaltung vorbildliche Handlungsweisen ein.

b. Die Zivilgesellschaft

–         bringt sich aktiv zu sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Themen ein;

–         unterstützt die öffentliche Hand und hinterfragt sie bei Entscheiden, die nicht mit der nachhaltigen Entwicklung kompatibel sind;

–         sensibilisiert die öffentliche Meinung und regt die Debatte zur nachhaltigen Entwicklung an.

c. Die Unternehmen

–         fördern eine saubere und energiesparende Produktion;

–         nehmen ihre soziale Verantwortung wahr;

–         ermutigen ihre Mitarbeiter zu einem nachhaltigen Verhalten (z. B. Mobilität).

d. Die Gemeinden

–         handeln für ihre Bevölkerung beispielhaft;

–         informieren und sensibilisieren ihre Mitarbeiter und die Bevölkerung zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung;

–         stellen den Konsumenten Informationen zur Verfügung, die ein verantwortungsvolles Handeln ermöglichen;

–         arbeiten eine lokale Agenda 21 aus;

–         fördern die nachhaltige Entwicklung, indem sie im öffentlichen Beschaffungswesen und bei der Subventionierung von Projekten ökologische Kriterien einführen.

e. Der Einzelne

–         ehrt den Schöpfer;

–         nimmt eine verantwortungsvolle Haltung ein (bewusstes Konsumverhalten, Verschmutzung und Verschwendung der natürlichen Ressourcen vermeiden);

–         teilt mit seinem Umfeld sein Glück und seinen Glauben;

–         übt u. a. Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität.

7. Nachhaltige Entwicklung: Ein neuer Wert?

Wegen der Mediatisierung der nachhaltigen Entwicklung meinen gewisse Leute, es sei eine neue Religion entstanden. In einer Gesellschaft, die dauernd nach Neuheiten und neuen Bezügen sucht, scheint alles möglich. Doch kann das Konzept der nachhaltigen Entwicklung, auch wenn es innovativ und interessant ist, nie den Anspruch erheben, einen bisherigen Mangel in der Kirche zu ersetzen oder zu ergänzen. Die christliche Gemeinschaft besitzt seit ihrer Gründung unveränderliche Werte und Grundsätze, die den Aspekten Solidarität und Bewahrung der Natur, die Gottes Schöpfung ist, einen grossen Platz einräumt. «Gewisse biblische Empfehlungen werden vorgeschrieben, um die Bedürfnisse des gemeinschaftlichen Lebens zu befriedigen.»12 Unter Ethik verstehen wir «die Berücksichtigung beim Handeln von sozialen, moralischen und geistlichen Grundwerten, die einer Gesellschaft eigen sind»13. In diesem Sinn gibt uns das Evangelium wesentliche Elemente, damit wir Menschen unseren Aufenthalt auf der Erde in Harmonie mit uns selbst, unserem Nächsten, unserer Umwelt und vor allem unserem Schöpfer gestalten können.

Jean Hategekimana, Spezialist Umwelt & Entwicklung



1. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Volker Hauff (Hsg.), 1987.

2. Nach Christian Brodhag (französischer Minister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung).

3. a. a. O.

4. Häberli et al.: Vision Lebensqualität Nachhaltige Entwicklung: ökologisch notwendig, wirtschaftlich klug, gesellschaftlich möglich. (eigene Übersetzung).

5. Ecologie et liberté. S. 44 (Eigene Übersetzung).

6. Eine globale Hektare ist eine Hektare Boden, dessen Ertrag dem weltweiten Mittel entspricht.

7. Nach: Wackernagel, Mathis und Rees, William: Unser ökologischer Fussabdruck. Birkhäuser, Basel, Boston, Berlin: 1997

8. Brodhag, C. et al, Développement durable : leçons et perspectives, In «Actes du colloque scientifique de Ouagadougou». S. 113-120.

11. a. a. O.

12. Jakubec JoelLe développement durable, approche scientifique, sociale et éthique, S. 32 (eigene Übersetzung).

13. a. a. O., S. 31.

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1. Weltweiter Anstieg der durchschnittlichen Temperatur

Zahlreiche Messungen in allen Weltgegenden über die letzten hundert Jahre ergeben das Bild einer immer wärmer werdenden Erde. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die durchschnittliche Temperatur um 0,74°C [0,56°C ? 0,92°C][1] angestiegen. Ausserdem hat sich die Geschwindigkeit der Temperaturzunahme über die letzten fünfzig Jahre (0,13°C [0,10°C ? 0,16°C] pro Jahrzehnt) im Vergleich mit den vorangehenden hundert Jahren praktisch verdoppelt. Dabei ist der Anstieg auf der nördlichen Halbkugel ausgeprägter als auf der südlichen. Dabei gilt zu beachten, dass sich die Naturwissenschaftern auf die «globale Durchschnittstemperatur» stützen, was bedeuten kann, dass die festgestellten Temperaturänderungen in gewissen Gegenden unter und in anderen über dem globalen Durchschnitt liegen. Ebenso ist es normal, dass die Änderungen in gewissen Regionen äusserst gross sind. So ergaben Messungen in der Schweiz einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 1,5°C seit 1970, was anderthalbmal über dem Durchschnittswert des nördlichen Festlandes liegt.[2] Auch überrascht es nicht, wenn die Durchschnittstemperaturen in gewissen Gegenden gesunken sind.

In verschiedenen Weltgegenden wurden unterschiedliche Auswirkungen der Klimaerwärmung festgestellt.[3] Der Klimawandel ist in den Berggebieten besonders sichtbar, weil hier die Temperaturen je nach Zone stark schwanken. Es lohnt sich, die älteren Leute danach zu fragen, wie sie die Schneedecke und die Temperaturen «aus ihrer Zeit» in Erinnerung haben.

–         Weltweit, mit einzelnen Ausnahmen wie der Antarktis, wird ein rasches und generelles Abschmelzen der Gletscher beobachtet. So wurden z. B. in zahlreichen Berggebieten, in Alaska, in Grönland, im Himalaja und auch bei Polareisbohrungen (Sondierungen) grosse Veränderungen festgestellt. Für die Bergwanderer unter den Lesern ist es augenfällig, dass beinahe alle Alpengletscher in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind.[4]

–         Der Winter ist kürzer und wärmer und die Schneedecke in verschiedenen Weltgegenden dünner geworden.

–         Die Vegetation in den Alpen hat sich verändert und sich der höheren Temperatur angepasst.

–         Es werden vermehrt extreme Wetterphänomene beobachtet, was aber auch dadurch beeinflusst sein kann, dass wir solche Ereignisse heute durch deren grosse Medienwirksamkeit stärker wahrnehmen.

Nun ist es aber ein schwieriges Unterfangen, eine globale Durchschnittstemperatur zu definieren, und noch mehr, sie konstant über hundert Jahre zu erfassen. So können z. B. Messungen an Orten, deren Landschaft sich wesentlich verändert hat, nicht ohne Weiteres als Vergleichswerte herbeigezogen werden. Es muss entschieden werden, inwiefern die erlangten Daten zuverlässig sind. Trotz dieser Schwierigkeiten sind die naturwissenschaftlichen Spezialisten für solche Fragen, deren Meinung im Bericht der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change ? «Weltklimarat»), wiedergegeben ist, zum Schluss gekommen, dass die beobachteten Temperaturveränderungen real und viel grösser sind als diejenigen der letzten paar Tausend Jahre.

2. Die Erdatmosphäre: ein Treibhaus

Die Sonne überträgt mit ihrer Einstrahlung oder einfacher: mit ihrem Licht Wärme an die Erde und schafft so die Grundlage für das Leben. Doch wird ein Grossteil dieser Einstrahlung von der Erdoberfläche zurückgeworfen (reflektiert). Wenn es dabei bleiben würde, betrüge die Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche kaum 255 Kelvin (K) bzw. -18°C. Zum Glück für uns beträgt nun die Durchschnittstemperatur 288 K (+15°C). Dieser Unterschied geht auf gewisse Gase in der Erdatmosphäre zurück. Zu den wichtigsten dieser sog. «Treibhausgase» gehören: Wasserdampf (Wolken), Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4). Die Treibhausgase lassen das sichtbare Sonnenlicht durch, fangen aber die Infrarotstrahlen, in die das Sonnenlicht durch die Reflexion an der Erdoberfläche verwandelt wird, ein und tragen so zur Erwärmung der Erde bei. Mit der Zeit pendeln sich Lichtreflexion und ‑absorption ein, womit eine globale Durchschnittstemperatur resultiert, die für das Leben förderlich ist. Das ist der berühmt-berüchtigte Treibhauseffekt, dank dem die Temperatur an der Erdoberfläche ca. 33°C höher zu liegen kommt als wenn er nicht zum Tragen käme.[5]

 

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Treibhauseffekt(2008)

Logischerweise besteht also eine Korrelation[6] zwischen den Treibhausgasen und der Durchschnittstemperatur. Eine Erhöhung an CO2 müsste demnach zu einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur führen. Solche Korrelationen konnten u. a. anhand der Analyse von Polareisbohrungen in der Antarktis und in Grönland für einen Zeitraum von mehreren Tausend Jahren nachgewiesen werden.[7]

3. Gibt der Klimawandel Anlass zur Sorge?

Die Wissenschafter haben schon lange festgestellt, dass das Erdklima seit mehreren Millionen Jahren abwechslungsweise Eiszeiten und Wärmeperioden durchlaufen hat. Solche Veränderungen erfolgen aber äusserst langsam im Laufe von mehreren Tausend Jahren. Diese natürlichen Klimaveränderungen beruhen auf zahlreichen Faktoren. So scheinen gewisse Effekte in Korrelation mit wiederkehrenden Veränderungen der Erdumlaufbahn in einem Rhythmus von ca. 50 000 Jahren zu stehen. Die Temperaturveränderungen, die sich auf diesen Effekt zurückführen lassen, betragen schätzungsweise 5°C. Die stärksten Temperaturschwankungen, die in Zusammenhang diesem Phänomen beobachtet werden können, betragen 0,15°C bis 0,2°C pro Jahrhundert. Dieser Wert liegt unter der beobachteten Entwicklung der letzten 50 Jahre von über +0,5°C.[8]

Überdies hat sich die Temperaturerwärmung in den letzten zwei Jahrzehnten beschleunigt. «Elf der letzten zwölf Jahre (1995 ? 2006) gehören zu den zwölf wärmsten Jahren seit der instrumentellen Messung der globalen Erdoberflächentemperatur (seit 1850).»[9] Die Untersuchung von Baumringen und die Analyse von Eisbohrkernen ergeben, dass eine so rasche Klimaveränderung seit Tausenden von Jahren nicht vorgekommen ist. Viele erinnern sich noch gut an die aussergewöhnliche Hitzewelle im Sommer 2003 in Zentraleuropa, die manch Einen von der Realität des Klimawandels überzeugt hat.

Die aktuellen Klimamodelle berücksichtigen solche Effekte. Fast alle Klimamodelle sind heute in der Lage, unter Berücksichtigung zahlreicher Parameter den heute beobachteten Temperaturwandel zu beschreiben. Grundsätzlich wird bei der Entwicklung aller Modelle ein ähnliches Vorgehen gewählt: So werden z. B. die Parameter auf die Messwerte des Zeitraums von 1900 bis 1980 geeicht. Auf dieser Grundlage werden dann Voraussagen für die Jahre 1980 bis 2000 gemacht, die dann mit den tatsächlich gemessenen Werten verglichen werden, womit sich die Zuverlässigkeit des Modells testen lässt. Bei diesen Modellen können verschiedene Parameter verändert werden, um natürliche und CO2-bedingte Schwankungen zu berücksichtigen. So gelangt man unweigerlich zum Schluss, dass der beobachtete Temperaturanstieg einzig und allein durch den Anstieg der CO2-Konzentration erklärt werden kann. Mit diesen Klimamodellen können die physikalischen Aspekte des Klimawandels sowie einzelne regionale Phänomene wie die Niederschläge erklärt werden. Doch gibt es in der gesamten wissenschaftlichen Welt niemand, der behaupten würde, mit diesen Modellen könnten alle regionalen klimatischen Auswirkungen erklären.[10]

4. Weshalb nimmt das CO2 zu?

Grosse Mengen an Kohlenstoff sind in den Pflanzen (Biomasse) und in den fossilen Brennstoffen (Erdöl, Erdgas und Kohle) gebunden. Die fossilen Brennstoffe bestehen zum grössten Teil aus Biomassefossilien, die im Laufe von Hunderten von Millionen Jahren entstanden sind und konserviert wurden. Heute werden diese fossilen Brennstoffe sehr rasch verbrannt, was zur Freisetzung von CO2-Emissionen und thermischer Energie führt. Ein Bruchteil dieser thermischen Energie wird in mechanische und elektrische Energie umgewandelt, die in den Industrieländern gedankenlos verbraucht wird. Dieser Verbrauch der fossilen Brennstoffe geschah besonders in den letzten fünfzig Jahren, was zum Schwinden von etwa der Hälfte der bekannten Erdölreserven geführt hat.[11]

Es gilt zu bedenken, dass die Lebensweise in den Industrieländern direkt von der Nutzung der fossilen Brennstoffe, und insbesondere vom Erdöl abhängig ist. In Anbetracht der Tatsache, dass in den letzten fünfzig Jahren etwa die Hälfte der bekannten Erdölreserven aufgezehrt wurde, drängt sich die Frage auf, wie viele neue Vorkommen noch zu finden sind. Eine eindeutige Antwort darauf ist nicht einfach. Zahlreiche Geologen gehen aber davon aus, dass es nicht mehr viele ungenutzte Erdöllager gibt. Das stichhaltigste Argument lautet, dass die grössten Entdeckungen zwischen 1960 und 1970 gemacht worden sind und die Zahl der neuentdeckten Vorkommen seither trotz immer neuerer Technik und weltweit systematisch vorangetrieben Suche stetig abgenommen hat.[12]

Überdies gibt es heute klare Zeichen, dass die weltweite Erdölproduktion in etwa ihren Höchstpunkt erreicht hat und vielleicht bereits im nächsten Jahrzehnt abnehmen wird. Dabei würde auch die Entdeckung neuer unverhoffter Ölfelder, wie z. B. diejenigen in Saudi-Arabien, einzig zum Aufschub dieses Zeitpunkts um einige Jahre beitragen. Der Niedergang der weltweiten Erdölproduktion könnte in gewissem Sinn eine Spiegelung des Produktionsaufschwungs der letzten dreissig Jahre sein.[13] In der Fachliteratur werden bereits zahlreiche Warnungen zu diesem neuen Ölschock und seiner möglichen Folgen abgegeben.[14]

5. Wer sind die Verursacher?

Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre, die von 280 ppm (part per million: «millionster Teil») vor hundert Jahren auf heute ca. 379 ppm angestiegen ist, steht in enger Korrelation mit dem Verbrauch der fossilen Energien in den Industrieländern. So halten die Experten der IPCC fest:

«Andauernd gleich hohe oder höhere Treibhausgasemissionen als heute würden eine weitere Erwärmung verursachen und im 21. Jahrhundert viele Änderungen im globalen Klimasystem bewirken, die sehr wahrscheinlich grösser wären als die im 20. Jahrhundert beobachteten.»[15]

Doch sind gewisse Naturwissenschafter der Ansicht, dass die fossilen Brennstoffe nie zu einer CO2-Konzentration von 600 ppm führen werden, weil wir unseren «westlichen Lebensstil» aufgrund des zu Ende gehenden Erdölzeitalters radikal werden ändern müssen.[16]

Im Jahr 2004 lebten beinahe 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Fossile Brennstoffe und Biomasse haben ca. 29 000 Millionen Tonnen CO2 verursacht[17]. Dies entspricht ca. 4,5 Tonnen CO2 pro Person und Jahr. Die Industrieländer, oder vielmehr die reichen OECD-Länder, d. h. etwa 20 % der Weltbevölkerung, sind für die Hälfte dieser Emissionen (etwa 11,5 Tonnen pro Person) verantwortlich. Unter diesen Ländern beträgt der Anteil der USA 6 000 Millionen Tonnen pro Jahr, was etwa 20,6 Tonnen pro Einwohner entspricht. Im Vergleich dazu beträgt der CO2-Ausstoss pro Person und Jahr in Kanada 20 Tonnen, in Deutschland 9,8 Tonnen und in der Schweiz 5,4 Tonnen. Diese Zahlen müssen im Vergleich mit weniger industrialisierten Ländern gesehen werden, deren CO2-Ausstoss pro Person deutlich tiefer liegt: 3,8 Tonnen in China, 1,8 Tonnen in Brasilien, 1,2 Tonnen in Indien und 0,8 Tonnen in Pakistan. Eine vollständige Liste des CO2-Ausstosses pro Land und Kopf kann beim Link in Fussnote 12 eingesehen werden. Diese Statistiken weisen klar aus, wer für den festgestellten Klimawandel verantwortlich ist. Neben diesen erschreckenden Emissionswerten gilt zu bedenken, dass das heute ausgestossene CO2 während über hundert Jahren in der Atmosphäre verbleibt. Darum muss davon ausgegangen werden, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auch bei konstantem Verbrauch fossiler Brennstoffe in den nächsten Jahrzehnten mindestens 450 ppm erreichen wird.

Werden die Projektionen der zukünftigen CO2-Emissionen als Grundlage genommen, kann anhand der Klimamodelle die künftige globale Durchschnittstemperatur prognostiziert werden. Sie steigt demnach bis 2100 je nach Modell um 1,8°C bis 4°C an (wobei der Unsicherheitsbereich von +1,1°C bis +6,4°C reicht). Zur Veranschaulichung dieser Veränderung denken wir an die Sommerhitze 2003 in Zentraleuropa, als die Temperaturen ca. 2°C bis 3°C über dem langjährigen Mittel für diese Jahreszeit lagen.[18]

6. Wie lauten die Prognosen?

Zuallererst muss darauf hingewiesen werden, dass niemand weiss, was auf uns zukommt, und dass die Modelle grossen Fehlerquoten unterworfen sind. Es ist sogar möglich, dass die oft zitierten 5°C Erwärmung der harten Realität noch nicht einmal entsprechen und gewisse Katastrophenszenarien nicht auszuschliessen sind. So würde ein Temperaturanstieg von ca. 8°C zum Abschmelzen der Eiskappe am Südpol und damit zum Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter führen. Dies würde Milliarden von Menschen zur Flucht unter unvorstellbaren Umständen treiben. Solche Erwärmungen könnten auch zum Auftauen des Permafrosts auf der nördlichen Halbkugel führen. Unter der gefrorenen Erdoberfläche sind dort riesige Mengen des starken Treibhausgases Methan gebunden. Dieses Methan würde dadurch in die Atmosphäre freigesetzt, was zu einem noch stärkeren Anstieg der Temperatur führen würde. Dies könnte dazu führen, dass gewisse Weltgegenden nicht mehr bewohnbar wären.

7. Wie sollten wir reagieren?

Auf die Frage, welche Reaktion angemessen sei, können wir hier nur gewisse Gedankenanstösse geben. Doch haben wir angesichts der beschriebenen Beobachtungen, der extremen Folgen, die der Klimawandel nach sich ziehen könnte, und der Unsicherheit der verwendeten Modelle nicht mehr viel Zeit, um den vom Menschen verursachten Klimawandel weltweit zu bekämpfen.

Vielleicht sollten die Menschen ähnliche Normen einführen, wie sie in anderen Gesellschaftsbereichen gang und gäbe sind. So wird z. B. kein neues Medikament auf den Markt gebracht, ohne zuvor streng getestet und auf Nebenwirkungen kontrolliert zu werden. Wird dieselbe Idee auf die fossilen Brennstoffe angewendet, könnte ihre Verwendung einem Zulassungsverfahren unterworfen werden, bei dem nachgewiesen werden muss, dass sie sich nicht schädigend auf das Klima auswirken.

Oder noch radikaler ausgedrückt: Die Menschheit sollte nicht mit dem Klima herumspielen dürfen, solange sie die Folgen ihrer Taten nicht abschätzen kann. So wie die Eltern, die ihrem Kind «Nicht anfassen!» sagen, wenn es auf die Steckdose zusteuert.

8. Das Kyoto-Protokoll (1997)

Das Kyoto-Protokoll[19] ist ein internationales Abkommen, das den CO2-Ausstoss in den Industrieländern auf den Stand von 1990 verringern will. Doch obwohl es auf weitreichende Zustimmung stösst, ist bereits heute klar, dass es sich nur am Rande auf den weltweiten Kohlendioxid-Ausstoss auswirken wird. Denn auch wenn das Protokoll sein Ziel erfüllen würde, so stiege die CO2-Konzentration dennoch bis auf den doppelten Wert seit Beginn des Industriezeitalters an. Der Symbolwert eines solchen Abkommens ist trotzdem äusserst gross, stellt doch seine Annahme und die Durchsetzung einer weltweiten Verhaltensänderung in der Geschichte der Menschheit ein Erstfall dar. In der Folge könnten dann drastischere Massnahmen eingeführt werden.

Das Abkommen wurde 1997 verabschiedet und trat mit der Ratifizierung durch Russland (2004) im Jahre 2005 in Kraft. Doch wurden bislang kaum effiziente Massnahmen zur CO2-Reduktion eingeführt. Nur wenige Länder sind bereit, die notwendigen Anstrengungen zu erbringen, um ihren Verbrauch an fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Dies hängt damit zusammen, dass die dringlichsten gesellschaftlichen Probleme der Industrieländer, wie z. B. Arbeitslosigkeit, mit mangelndem Wirtschaftswachstum zusammen hängen und dass eine wachsende Wirtschaft üblicherweise mit einem Verbrauchsanstieg fossiler Brennstoffe einhergeht.[20]

9. Was soll oder kann man tun?

Mit dieser Frage betreten wir den Bereich der Phantasie, der Träume oder der Alpträume. Bevor wir darauf eingehen, wollen wir kurz die voranstehenden Erläuterungen zusammenfassen:

1.              Das Klima erwärmt sich weltweit.

2.              Die Klimamodelle zeigen, dass dieser Wandel auf die Verwendung von Erdöl, Erdgas und Kohle in den Industrieländern zurückgeführt werden kann.

3.              Die Prognosen für die kommenden Jahre sind äusserst besorgniserregend. Es sind regionale Katastrophen zu befürchten.

4.              Unsere Haltung heute wird sich langfristig auf die gesamte Biosphäre auswirken und die Lebensverhältnisse zahlreicher kommender Generationen beeinflussen.

Nur eine kleine Minderheit denkt überhaupt daran, dem Klimawandel mit einer radikalen Lösung zu begegnen. Diese Leute verlangen kurz gesagt, dass die Industrieländer ihren Verbrauch an fossilen Brennstoffen sosehr verringern, dass die weltweiten CO2-Emissionen möglichst rasch reduziert werden können. Eine «gemässigt radikale» Lösung wäre z. B., eine Halbierung der CO2-Emissionen bis 2025 zu erzwingen. Dieses Ziel könnte erreicht werden, indem die jährliche CO2-Erzeugung um 2 % reduziert würde. Doch ist dies realistisch, wo die Weltbevölkerung jährlich um ca. 70 bis 80 Millionen Personen zunimmt?

Ein wissenschaftlicher (!) Lösungsansatz wäre die Forderung, dass der CO2-Verbrauch in den Industrieländern während den nächsten 25 Jahren auf den Pro-Kopf-Verbrauch von Ländern wie z. B. Indien gedrückt wird. Gleichzeitig müssten die Entwicklungsländer ihren Verbrauch stabilisieren. Dieses Szenario bedeutet, dass die USA und die anderen Industrieländer ihre Emissionen während den nächsten 25 Jahren um jährlich 10 % reduzieren müssten?

Man muss sich bewusst sein, dass ein solcher Entscheid gezwungenermassen, und nicht nur in den Industrieländern, zu einem Verlust an materiellem Komfort führen würde. Doch könnte ein Teil dieser CO2-Reduktion auch durch die Verwendung erneuerbarer Energien erreicht werden. Doch auch im optimistischsten Falle wäre ein drastischer Verzicht auf den Konsum von materiellen Gütern unumgänglich. Eine solche Massnahme könnte auf dem «Verursacherprinzip» beruhen: die grössten Energieverbraucher müssten demnach ihren Verbrauch am stärksten reduzieren.

Heute nehmen viele Leute vielmehr eine abwartende Haltung ein: «Wir werden dann sehen?» Sie hoffen, dass die wissenschaftlichen Beobachtungen und Prognosen nicht stimmen. Andere Leute blasen in dasselbe Horn mit der Begründung: «Wir können sowieso nichts tun, denn der Mensch ist einfach schlecht.» Wieder andere, hauptsächlich Bewohner der reichen Länder, hoffen sogar naiv, dass der Klimawandel positive Auswirkungen auf ihre Region und ihr Leben haben wird.

Doch sollten wir nicht vergessen, dass der Grossteil der Weltbevölkerung bereits heute mit riesigen Alltagsproblemen konfrontiert ist. Leider verschwinden die Klimaprobleme nicht, wenn wir die Augen verschliessen. Und ob wir wollen oder nicht, werden die fossilen Brennstoffe, die wir heute verbrennen, der Menschheit in Zukunft grosse Probleme aufgeben.

Können wir angesichts der grossen Auswirkungen des Klimawandels eine Vogel-Strauss-Politik betreiben? Wenn wir uns ohnmächtig fühlen, denken wir daran: «Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.»

Michael Dittmar, Anne-Sylvie Giolo, Physiker



1. Die hier dargestellten Fakten werden im Bericht der Arbeitsgruppe I des Weltklimarats IPCC vertieft: Wissenschaftliche Grundlagen. Der Gesamtbericht 2007 kann an folgender Adresse heruntergeladen werden: www.ipcc.ch/ipccreports/translations.htm  à «German/Deutsch».

2. Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat eine detaillierte Analyse der Klimaerwärmung in der Schweiz veröffentlicht: Klimaänderung in der Schweiz. Indikatoren zu Ursachen, Auswirkungen, Massnahmen. Sie kann an folgender Adresse heruntergeladen werden: www.bafu.admin.ch/publikationen/index.html?lang=de&action=show_publ&id_thema=16&series=UZ&nr_publ=0728

3. Ein detaillierter Bericht über die Klimaerwärmung kann z. B. auf der Webpage der Zeitschrift New Scientist gelesen werden: www.newscientist.com/hottopics/climate (englisch).

4. Siehe Klimaänderung in der Schweiz. Kapitel 3. BAFU, a. a. O.

5. An folgenden Webseiten wird der Treibhauseffekt detailliert vorgestellt: www.treibhauseffekt.comhttp://de.wikipedia.org/wiki/Treibhauseffekt

6. «Die Korrelation ist eine Beziehung zwischen zwei oder mehr statistischen Variablen. Wenn sie besteht, ist noch nicht gesagt, ob eine Grösse die andere kausal beeinflusst, ob beide von einer dritten Grösse kausal abhängen oder ob sich überhaupt ein Kausalzusammenhang folgern lässt.» (http://de.wikipedia.org/wiki/Korrelation, Oktober 2008)

7. Siehe z. B. das Kapitel «Eine paläoklimatische Perspektive» in Wissenschaftliche Grundlagen. Beitrag der Arbeitsgruppe 1, S. 9 (zum Herunterladen s. Fussnote 1), in dem die Korrelation zwischen CO2-Konzentration und Temperatur nachgewiesen wird.

8. Die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels werden im Bericht Auswirkungen, Anpassung, Verwundbarkeiten. Beitrag der Arbeitsgruppe II dargelegt (s. o. Fussnote 1).

9. Wissenschaftliche Grundlagen. Beitrag der Arbeitsgruppe I. IPCC-Bericht (s. o. Fussnote 1).

10. Deshalb ist es natürlich falsch, ein Modell auf eine Region anzuwenden, für welche die Autoren das Modell ausdrücklich als ungültig deklarieren! Wenn dies mit dem Ziel getan wird, die grundsätzliche Gültigkeit des Modells in Frage zu stellen, gelangen wir in den Bereich des Betrugs und in Widerspruch mit dem Prinzip der wissenschaftlichen Integrität. Der Geltungsrahmen gewisser Klimamodelle wird im Kapitel «Projektionen zukünftiger Änderungen des Klimas» in Wissenschaftliche Grundlagen. Beitrag der Arbeitsgruppe I der IPCC dargelegt (Internetadresse s. o. Fussnote 1).

11. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem aktuellen Stand der Erdölreserven ist an folgender Adresse zu finden: www.hubbertpeak.com/index.asp (englisch). Erläuterungen und weitere Links zum Thema finden sich auf www.aspo.ch.

12. Eine detaillierte Analyse der Herkunft des Erdöls und der Erdölsuche findet sich an der Adresse www.hubbertpeak.com/campbell

13. Die Hubbert-Kurve und ihre möglichen Folgen werden an folgender Adresse vertieft analysiert: www.oilcrisis.com/midpoint.htm (englisch).

14.  Da die tatsächliche Bedeutung des Erdöls für die Industrieländer nur äusserst schwer beurteilt werden kann, sind auch die katastrophalsten Szenarien zulässig: www.dieoff.org

15. «Projektionen zukünftiger Änderungen des Klimas» in Wissenschaftliche Grundlagen. Beitrag der Arbeitsgruppe I. IPCC-Bericht, S. 13 (s. o. Fussnote 1). Hier werden auch die verschiedenen Modelle und Projektionen der IPCC dargelegt.

16. Eine solche Studie wurde in der Zeitschrift New Scientist vorgestellt:
www.newscientist.com/news/news.jsp?id=ns99994216

17. Der Bericht der UNO, Human Development Indicators 2007/2008, gibt zahlreiche Daten zu den weltweiten CO2-Emissionen (und zu vielen anderen Themen) pro Land und Einwohner. Er kann an folgender Adresse eingesehen werden: http://hdr.undp.org/en/reports/global/hdr2007-2008 (englisch u. a.).

18. Die Prognosen zum durchschnittlichen, CO2-bedingten Temperaturanstieg wird im IPCC-Bericht mit mehreren Szenarien dargestellt. Siehe Kapitel «Projektionen zukünftiger Änderungen des Klimas» in Wissenschaftliche Grundlagen. Beitrag der Arbeitsgruppe I. S. 12; Internetadresse unter Fussnote 1.

19. Der Wortlaut des Kyoto-Protokolls kann an folgender Adresse heruntergeladen werden: http://www.bafu.admin.ch/klima/00470/00488/index.html?lang=de

20. Ein grosser Teil der fossilen Brennstoffe dient dem Transport und besonders dem Automobilverkehr. Die verkehrsbedingten Emissionen in der Europäischen Union haben zwischen 1990 und 2004 um 32 % zugenommen (http://en.wikipedia.org/wiki/Kyoto_protocol; englisch). So berichtet ein 2003 erschienener Artikel der BBC News darüber, dass die europäischen Länder wegen dem wachsenden Automobilverkehr ihre Zielvorgaben aus dem Kyoto-Protokoll nicht erreichen werden: http://news.bbc.co.uk/1/hi/sci/tech/3253476.stm (englisch).

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Ein theologischer und ethischer Gesichtspunkt

Wenn die Umweltzerstörung einzig oder in erster Linie ein Problem wäre, das sich mit wissenschaftlichen und technischen Mitteln lösen liesse, dann wäre es heute wohl gelöst. Nun ist es aber so, dass die aktuelle Krise, die Umweltverschmutzung und der Rohstoffraubbau mit den Grundlagen unseres Wertesystems zu tun hat. Darum fordert sie uns heraus, diese Grundsätze neu auf ihre Eignung zu prüfen und im Bedarfsfall einen neuen Rahmen zu finden, mit dem ethisches Verhalten und individuelle Tugend beschrieben werden können.?1
Zu Beginn dieses 21. Jahrhunderts sehen wir uns mit einer Umweltkrise ohne Gleichen konfrontiert. Unaufhaltsam wird die Erde wärmer, die Umweltverschmutzung schlimmer, die natürlichen Ressourcen wie Trinkwasser und Erdöl rarer und die Abfallberge grösser. Für alle diese Probleme sieht die Umweltethikerin Shrader eine Lösung in der Errichtung eines neuen Wertesystems.
Darum ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, wie sich die Umweltfragen in ein christliches Wertesystem integrieren lassen und wie wir sie beantworten können. Dazu wollen wir auf die Bibel zurückzugreifen, in der Gott die Beziehung zwischen Natur und Mensch definiert.

1. Gottes Beziehung mit der Natur

Der Gott der Christen ist ein Schöpfergott; dies ist eine Seiner herausragendsten Eigenschaften. Darum ist es nur logisch, dass die Bibel mit dem Schöpfungsbericht beginnt. Gott zeichnet sich also dadurch aus, dass er schöpferisch tätig ist und Leben spendet. Beim Lesen der ersten Verse der Bibel sehen wir, dass Gott daran Freude hat und dass er alles vollkommen macht. Gott liebt seine Schöpfung. Sie lässt Ihn überhaupt nicht gleichgültig. Er hat sie schön und gut gemacht: «Und Gott der HERR liess aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen.» (1. Mose 2,9a2). So heisst es auch nach jedem Schöpfungsabschnitt: «Und Gott sah, dass es gut war.» Der Schöpfungsakt kann als ein Akt der Grenzsetzung und Strukturierung gesehen werden, bei dem Gott das Chaos verdrängt und Regeln schafft: Er schafft den Tag und die Nacht, die Jahreszeiten und die Jahre. Jedes Geschöpf erhält einen bestimmten Platz, damit eine gewisse Stabilität gewährleistet ist.
Gott verbindet jeden Schöpfungsabschnitt mit Segensworten und verleiht jedem Geschöpf seine besondere Aufgabe, wie z. B.: «Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.» (1,22).Gott sieht mit Wohlwollen auf alle Seine Geschöpfe. Dies wird auch in der Noah-Geschichte geäussert:
Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren des Feldes bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden.? (1. Mose 9,9-10)
Gott schliesst nicht nur einen Bund mit den Menschen, sondern auch mit der gesamten Schöpfung! Dies bedeutet, dass für Gott bei der Sintflut auch das Überleben der Tiere grundlegend war. Interessant ist in diesem Sinne auch, dass der Mensch als Letztes geschaffen wird. Dies bedeutet, dass wir von allem, was vor uns geschaffen wurde, abhängig sind und nicht ohne es leben können. Eine weitere wichtige Beobachtung ist, dass die Schöpfung kein einmaliger Akt war, sondern dass Gott seine Schöpfungstat täglich erneuert, wie dies z. B. in Psalm 104 zum Ausdruck kommt.
Du sendest aus deinen Odem, so werden [die Geschöpfe] geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.? (Vers 30)
Die Natur ihrerseits lobt ihren Schöpfer:
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. Ein Tag sagt?s dem andern, und eine Nacht tut?s kund der andern, ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihr Reden bis an die Enden der Welt. Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn. Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an sein Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.? (1. Mose 9,2-7)
Die Natur wurde geschaffen, um Gott Ehre zu geben. Zahlreiche Psalmen (8, 104, 148 usw.) drücken diesen Gedanken aus. Sie besingen auch den Menschen, der die Natur betrachtet und Gott für die Vollkommenheit Seiner Schöpfung lobt. So wird die Natur als Teil des Lobpreises angesehen:
Halleluja! Lobet den HERRN! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön. Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels. Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen. Unser Herr ist gross und von grosser Kraft, und unbegreiflich ist, wie er regiert. Der HERR richtet die Elenden auf und stösst die Gottlosen zu Boden. Singt dem HERRN ein Danklied und lobt unsern Gott mit Harfen, der den Himmel mit Wolken bedeckt und Regen gibt auf Erden; der Gras auf den Bergen wachsen lässt, der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die zu ihm rufen.? (Psalm 147,1-9)
Schliesslich nähert sich Gott in der Natur auch dem Menschen. Wenn wir die Vollkommenheit der Schöpfung betrachten und studieren, lernen wir den Schöpfer besser kennen und lernen Ihn für Seine Wohltaten loben. Wir sind aufgefordert, von der Natur zu lernen, wie es Hiob sagt:
Frage doch das Vieh, das wird dich?s lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die werden dir?s sagen, oder die Sträucher der Erde, die werden dich?s lehren, und die Fische im Meer werden dir?s erzählen. Wer erkennte nicht an dem allen, dass des HERRN Hand das gemacht hat, dass in seiner Hand ist die Seele von allem, was lebt, und der Lebensodem aller Menschen?? (12,7-10)
Die Schöpfung ist ein kostenloses Geschenk Gottes, zu dem Gott nicht verpflichtet ist. Sie ist auch ein Ausdruck von Gottes Liebe zu den Menschen. Dieses Geschenk kann als Ausdruck unserer Beziehung zum Herrn gesehen werden: Gott schenkt uns die Natur als Anlass für unser Lob, damit wir unsere Beziehung mit Ihm pflegen können. Wenn wir aus dieser Beziehung ausbrechen, dann ist das Geschenk gefährdet.

2. Gott bestimmt die Beziehung zwischen Mensch und Natur

Seit dem 19. Jahrhundert geistert die Theorie umher, der christliche Glaube fördere die Umweltzerstörung und das Auftreten von Umweltkrisen. Diese Behauptung steht oft in Zusammenhang mit der Idee, Gott habe die Natur dem Menschen gegeben und dieser könne damit tun, was er will, und sie nach Belieben ausbeuten. In dieser Logik werden oft östliche Religionen dem Christentum entgegengehalten, die auf der Annahme beruhen, der Mensch sei Teil des Ganzen. Stimmt doch: 1. Mose spricht von vermehren und untertan machen, oder etwa nicht? Diese Sicht scheint zu einfach. Eine Antwort darauf finden wir in 1. Mose:
Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.? (1,28)
Mit «Untertan machen» ist nicht eine despotische und ungerechte Herrschaft gemeint. Gott verleiht dem Menschen nicht das Recht, die Erde ohne Rücksicht auf andere Kulturen, Geschöpfe und die begrenzten Rohstoffe auszubeuten. Der Ausdruck «Untertan machen» ist vielmehr im Sinne einer Autorität zu verstehen, die Gott die Ehre gibt. Im hebräischen Urtext bedeutet die Wurzel radah («Untertan machen») ein Vermögen in Besitz nehmen wie ein Hirte seine Herde in Besitz nimmt: führend und fürsorglich.
Dieser Gedanke wird im 2. Kapitel aufgenommen: «Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.» (2,15). Das Verb «bewahren» (heb. samar) bedeutet einen Wert schützen, bewahren, mit etwas verantwortungsvoll umgehen, so wie Gott uns auffordert, Sein Gesetz in unserem Herzen zu hüten (vgl. 1. Mose 4,9). Ausserdem gibt Gott Anweisungen, wie die Vegetation zwischen den Menschen und den anderen Geschöpfen aufgeteilt werden soll:
?Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben?? (1. Mose 1,29-30)
Gott gibt also Seine Schöpfung dem Menschen so wie ein Meister seine Güter dem Verwalter anvertraut. Gott lässt uns die Freiheit, die Schöpfung zu zerstören oder ihr Fortbestehen zu gewähren. Wir sind vor Gott für die Natur verantwortlich. Einerseits haben die Menschen in der Schöpfung zwar einen besonderen Platz und eine besondere Aufgabe, doch gehören sie selber auch zur Schöpfung und stehen unter Gottes Herrschaft.
Die Autorität, die Gott dem Menschen über die Natur verleiht, ist also bei weitem nicht absolut: Dazu gehört die Pflicht zu teilen, weitsichtig zu haushalten und dem Nächsten sowie den künftigen Generationen eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Damit ist auch gemeint, dass die unbelebte, pflanzliche, tierische und menschliche Schöpfung unversehrt bleibt. Die Menschen können die Schöpfung also untertan machen, sofern sie selber Gott untertan sind.

3. Gottes Sicht für den Umgang mit der Natur

Nach dem Auszug aus Ägypten schreibt Gott den Israeliten eine Reihe von Bestimmungen vor, die das gemeinsame Leben regeln. Neben verschiedenen gesellschaftlichen Regeln spricht Gott auch von der Art, wie sie mit der Natur umgehen sollen. Anhand dieser Beispiele können wir herausfinden, wie Gott unsere Beziehung mit der Umwelt definiert:
?Rede mit den Israeliten und sprich zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, so soll das Land dem HERRN einen Sabbat feiern. Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln, aber im siebenten Jahr soll das Land dem HERRN einen feierlichen Sabbat halten; da sollst du dein Feld nicht besäen noch deinen Weinberg beschneiden. Was von selber nach deiner Ernte wächst, sollst du nicht ernten, und die Trauben, die ohne deine Arbeit wachsen, sollst du nicht lesen; ein Sabbatjahr des Landes soll es sein.? (3. Mose 25,2-5)
Gott errichtet hier den Grundsatz des Brachlandes, ohne den die Erde ausgelaugt und schliesslich unfruchtbar wird. Dies stellt eine Grundlage der nachhaltigen Entwicklung dar, bei der die Grenzen der Natur geachtet werden. Dies steht im Gegensatz zur ausbeuterischen, kurzsichtigen Haltung zahlreicher Unternehmen heute.
Im selben Sinne ruft Gott die Juden auf, die Tiere zu achten:
Wenn du unterwegs ein Vogelnest findest auf einem Baum oder auf der Erde mit Jungen oder mit Eiern und die Mutter sitzt auf den Jungen oder auf den Eiern, so sollst du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen, sondern du darfst die Jungen nehmen, aber die Mutter sollst du fliegen lassen, auf dass dir?s wohlgehe und du lange lebest.? (5. Mose 22,6-7)
Gewiss ruft der Psalmist aus: «Der Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.» (115,16) Doch ist uns die Erde nur als Haushalter anvertraut. Gott gibt uns in Seinem gesamten Wort Aufschluss darüber, wie wir weise und nachhaltig mit ihr umgehen können.

4. Der Sündenfall verändert die Beziehungen

Wir haben festgehalten, dass Gott die Natur geschaffen hat, damit sie Ihn ehrt. In einem zweiten Schritt vertraut Gott die Schöpfung dem Menschen an, damit dieser sie nutzen und pflegen kann. Darum stellt sich heute die Frage, weshalb sich Umweltkrisen gerade in Gesellschaften mit christlichem Hintergrund entwickeln konnten. Ist es nicht stossend, dass die industrielle Revolution ihre Anfänge in reformierten Ländern genommen hat? Eine Erklärung dafür liegt im Sündenfall des Menschen.
Weil der Mensch vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen isst, verliert er seine harmonische Beziehung zu Gott, aber auch zur Natur.
?Und zum Mann sprach [Gott]: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.? (1. Mose 3,17-19)
Das Böse schlägt auf alle Lebensbereiche des Menschen durch. Von der ursprünglichen Idee, dass die Schöpfung haushalterisch geführt und geteilt werden soll, gelangen wir zu einer Beziehung zwischen Mensch und Natur, die von Unterdrückung und Ausbeutung geprägt ist. Im gleichen Sinne hat der Mensch grosse Mühe damit, seinen Nächsten zu lieben und zu achten. Diese parallele Entwicklung wird bei Jesaja mit starken Worten aufgenommen:
?Siehe, der HERR macht die Erde leer und wüst und wirft um, was auf ihr ist, und zerstreut ihre Bewohner. Und es geht dem Priester wie dem Volk, dem Herrn wie dem Knecht, der Frau wie der Magd, dem Verkäufer wie dem Käufer, dem Verleiher wie dem Borger, dem Gläubiger wie dem Schuldner. Die Erde wird leer und beraubt sein; denn der HERR hat solches geredet. Das Land verdorrt und verwelkt, der Erdkreis verschmachtet und verwelkt, die Höchsten des Volks auf Erden verschmachten. Die Erde ist entweiht von ihren Bewohnern; denn sie übertreten das Gesetz und ändern die Gebote und brechen den ewigen Bund. Darum frisst der Fluch die Erde, und büssen müssen?s, die darauf wohnen. Darum nehmen die Bewohner der Erde ab, sodass wenig Leute übrig bleiben.? (24,1-6)
Die Herrschaft des Menschen über die Natur wird zum Machtkampf. Der Mensch sündigt nicht nur gegen den Nächsten sondern auch gegen die Natur, was die entsprechenden Folgen nach sich zieht. Trotzdem bleibt er der Verwalter der Schöpfung, der Gott gegenüber Rechenschaft schuldig ist. Henri Blocher fasst diesen Gedanken in seinem Kommentar der Schöpfungsgeschichte, Révélations des origines, wie folgt zusammen:
?Wenn der Mensch seinem Gott gehorchen würde, wäre er ein Segen für die Erde. Doch in seiner unersättlichen Gier, in seiner Missachtung des schöpfungsgemässen Gleichgewichts und in seiner kurzsichtigen Ichbezogenheit verschmutzt und zerstört er sie, er macht aus einem Garten eine Wüstenei. Dies ist im Wesentlichen der Fluch von 1. Mose 3.?3
Doch die gute Nachricht lautet, dass Gott Seinen Sohn geschickt hat, um uns zu vergeben und unsere Beziehung mit Ihm wieder herzustellen. Nun können wir als Wiedergeborene unsere Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zur Natur ganz neu aufnehmen. Dieses Werk Jesu beschreibt Paulus im Kolosserbrief wunderbar:
?Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.? (1,15-20)
Weiterhin schreibt Paulus an die Römer:
?Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit ? ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat ?, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.? (8,19-21)
Auch die Natur wartet also auf die Erlösung durch den Gottessohn.
Es fällt auf, dass nicht nur Gott der Vater an der Schöpfung beteiligt ist, sondern auch der Sohn eine wichtige Rolle spielt. Die Erde wurde insofern «in Ihm» geschaffen, als Jesus den sichtbaren Aspekt des Vaters verkörpert. Ausserdem stellen wir fest, dass Jesus den Menschen mit seinem Opfertod am Kreuz auch mit der Natur versöhnt. Der Friede, den Gott durch das Opfer von Jesus bringt, gilt also auch für die Erde.
Darum sind wir als Christen aufgerufen, eine neue Ethik vorzuleben. Gleich wie wir als vergebene Sünder unsere Haltung dem Nächsten gegenüber ändern sollen, müssen wir auch der Natur mit einer neuen Achtung begegnen. Gott fordert uns auf, uns jeden Tag neu zu bekehren, damit unsere neue Stellung als gesühnte Sünder sichtbar wird. Unserem Glauben müssen Taten folgen. Sind wir bereit, aus Achtung vor Gott und der Schöpfung einen einfacheren Lebensstil zu entwickeln? Technik, Geschwindigkeit und Leistung vermitteln uns ein Gefühl der Allmacht, das uns aber allmählich von Gott entfremdet und sich folgeschwer auf die Umwelt auswirkt. Unser Leben umkehren bedeutet anerkennen, dass unseren Wünschen, unseren Ansprüchen und unserer Ungeduld Grenzen gesetzt sind. Es bedeutet, demütiger zu werden und auf Überflüssiges und Nützliches (!) zu verzichten.

5. Gott gehört in die Mitte!

Beim christlichen Glauben steht unsere Beziehung zum Schöpfergott ein für alle Mal in der Mitte. Gott ist die Mitte von allem, er ist das Ziel, auf das wir uns ausrichten. Er hat die Schöpfung in einem Akt der Liebe geschaffen und den Menschen die Freiheit übertragen, mit Ihm in Beziehung zu treten. Wir sind Menschen und Bewohner der Welt (aber nicht deren Nabel!) und als solche sind wir Zeugen für Gottes Liebe. Darum sind wir aufgefordert, die Schöpfung als Geschenk Gottes anzunehmen und zu achten. Interessant: Die Krone der Schöpfung ist nicht der Mensch, sondern die Ruhezeit, die sich Gott nimmt, um Seine Schöpfung zu betrachten (der Sabbat).4
In 1. Mose 1-2 kommt klar zum Ausdruck, dass der Glaube nicht pantheistisch ist, weil Gott über der Schöpfung steht und alles Lob Ihm und Ihm alleine zusteht. Gott hat alle Dinge geschaffen und die Beziehungen zwischen ihnen festgelegt. Er hat uns die Natur zur Bewirtschaftung anvertraut, damit wir für sie sorgen. Doch hat die Sünde diesen ursprünglichen Plan zunichte gemacht. Als gesühnte Sünder und wiedergeborene Christen sind wir berufen, der Sünde abzusagen und den Willen Gottes zu suchen, uns jeden Tag neu zu bekehren, um Gott die Ehre zu geben und gleichzeitig die Natur zu bewahren.
?In der Nächstenliebe eifern wir der göttlichen Liebe nach, die uns selbst und unsere Artgenossen geschaffen hat. In der weltgemässen Liebe eifern wir der göttlichen Liebe nach, die diese Welt geliebt hat, zu der wir gehören.? (Simone Weil: Das Unglück und die Gottesliebe, 1953. Eigene Übersetzung.)
Anne-Sylvie Giolo, Physikerin


[^1 ]: Shrader-Frechette K. S.: Environmental Ethics, Pacific Grove, CA, The Boxwood Press, 1981. (Eigene Übersetzung).

2. Alle Bibelzitate sind der Lutherbibel 1984 entnommen.

3. Eigene Übersetzung.

4. Damit distanzieren wir uns von einem in der grünen Bewegung ziemlich häufigen Ansatz, der die Natur als Gaia ins Zentrum der Welt stellt. Andererseits werden wir so bewahrt, wie Lynn White es dem Christentum vorwirft, zu menschzentriert zu sein. Oder in den Worten von Lamarck, dem französischen Botaniker und Zoologen: «Man dachte, die Natur sei Gott? Man verwechselte den Uhrmacher mit der Uhr, den Autor mit seinem Werk. (Introduction à l’histoire des animaux sans vertèbres, 1815. S. 322. Eigene Übersetzung.)

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Haben die heutigen Umweltprobleme wirklich nichts mit der Bibel zu tun? Bekenntnis und Appell eines Umweltingenieurs.

Der Erhalt der Schöpfung erscheint vielen Menschen, auch solchen, die sich nach der Bibel richten, eher unwichtig. Anders ist es nicht erklärbar, wie unbekümmert sie mit dem Auto herumfahren, Flugreisen unternehmen und energieintensive Vergnügungen konsumieren. In den USA hat mit der Wahl von Präsident Bush, welcher sich zu christlichen Werten bekennt, dieser Raubzug auf Gottes Schöpfung einen neuen Höhepunkt erfahren. Warum verhalten sich viele Menschen so wenig schöpfungsorientiert?

Eine Antwort mag darin liegen, dass uns die Bibel nur minimale Aufforderungen zum Schutz und Bewahren der Schöpfung gibt. In Römer, Kapitel 8, Verse 19 bis 22 schreibt Paulus wohl davon, dass die Schöpfung unter der Sünde leidet und auf die völlige Wiederherstellung durch Jesus Christus wartet. Ein Aufruf an die Jünger Jesu zu einem schöpfungsgerechten Lebensstil fehlt aber weitgehend, was damals auch überflüssig gewesen wäre. Solange wir uns nur mit den direkten Aussagen der Bibel zur Schöpfung befassen, werden wir uns weiterhin den weltweiten schweren Umweltproblemen entziehen. Sobald wir allerdings erkennen, dass Umweltprobleme letztlich soziale Probleme sind, bekommt das Thema brennende biblische Aktualität.

Entwicklungsnöte
Wenn wir in einem Entwicklungs- oder Schwellenland eintreffen, raubt uns zuerst das Verkehrschaos den Atem. Das grosse Gedränge der vielen, meist schlecht geschützten Verkehrsteilnehmer weckt in uns Angst vor Unfällen und Verletzungen – zu Recht, denn der Verkehr fordert einen hohen Blutzoll, in indischen Millionenstädten drei bis sechs Todesopfer pro Tag! Hinzu kommen Lärm und Luftverschmutzung, die schwere Gesundheitsschäden bei Mensch und Tier verursachen.

Neben dem Verkehr fällt die allgegenwärtige Armut auf. An Rotlicht-Ampeln warten in Lumpen gehüllte, verkrüppelte Menschen mit flehenden Blicken, die Autofahrer um eine Gabe bittend. Viele haben kein Bett oder Haus, in welches sie sich zurückziehen könnten. Das kleine Einkommen – gemäss UNO gilt ein Einkommen von weniger als einem Dollar pro Tag als Armutsgrenze – setzt diese Menschen buchstäblich in die modernen Grossstädte aus: Kein Schutz vor dem gefährlichen Verkehr, kein Rückzug in eine stillere Umgebung, keine Ruhe oder Entspannung.

Wer der stinkenden Grossstadt eines Entwicklungslandes nicht entflieht, wird noch anderes feststellen: Wasser ist Mangelware. Falls Wasser gesichtet wird, ist es oft unansehnlich, stinkend und nicht trinkbar. Als westlicher Besucher kann man sich genügend Wasser in gewünschter Qualität kaufen, aber was macht die lokale Bevölkerung? Die schlechte Wasserverfügbarkeit führt zu vielen gesundheitlichen Problemen.

 

Die Reichen verseuchen, die Armen leiden

Meine Feststellung: Arme Menschen in Grossstädten sind vor allem durch Umweltprobleme drangsaliert: Lärm, giftige Luft, Gestank, Staub und Rauch, minimale Flora und Fauna, fehlende Landschaft, mangelndes Wasser, alles Umweltprobleme, die von Menschen verursacht sind. Es ist ungerecht, dass diejenigen, welche die grösste Umweltverschmutzung verursachen, am wenigsten davon betroffen sind.

Wohlhabende Menschen konsumieren industrielle Güter, die in teilweise sehr schmutzigen Industrien produziert werden, während die Armen in den Abwassern in derselben ihre Wäsche und sich selber waschen müssen! Diese Industrien produzieren auch für die reiche Schweiz. Wenn wir Güter made in China, made in India usw. kaufen, machen wir uns an solchen Verschmutzungen mitverantwortlich! Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, welche die Bibel so oft erwähnt, werden oft weder auf die Umwelt bezogen noch gelebt!

Stellen wir uns vor: Praktisch alle Gewässer sind stark gesundheitsschädlich, und dies in Ländern, wo Wasser ohnehin knapp ist und die wirtschaftliche Not vielen Menschen nur dieses ungesunde Wasser übrig lässt. Das Bewahren der Schöpfung bedeutet nicht nur den Erhalt einiger Tier- und Pflanzenarten, es geht um Leben und Tod von Menschen. Wir überlassen die Armen nicht nur dem Kampf um das Einkommen, sondern bürden ihnen auch noch den Schmutz der für uns produzierenden Industrien auf. Auf dem Land ist Armut am ehesten mit unserer vorindustriellen Zeit vergleichbar.

Man spricht da richtigerweise von Unterentwicklung. Umweltverschmutzungen sind hier meistens noch keine Ursache von Problemen. Aber das Leben ist hier derart beschwerlich und aussichtslos, dass viele Menschen in die Städte ziehen.

Entwicklung: nicht einseitig und nicht zu schnell
Kann eine zweckmässige Entwicklung diese Probleme lösen? Der Kurs „Technologie und nachhaltige Entwicklung“, welchen ich während vier Monaten in Südindien besuchte, brachte eine erste, sehr ernüchternde Erkenntnis: Entwicklung führt tendenziell zu weniger Nachhaltigkeit. Dies ist etwa am Ersatz der Jutetasche durch Plastiktaschen zu beobachten.

 

Eine zweite Feststellung: Niemand möchte letztlich auf Entwicklung verzichten.

Folglich ist entscheidend: Entwicklungen dürfen nicht einseitig (unvernetzt) und nicht zu schnell erfolgen. Also nicht so, wie heute Entwicklungen in liberalen Marktwirtschaften erfolgen. Bedürfnisse werden möglichst rasch und günstig mit einem Produkt abgedeckt. Falls nur schwache Gesetze und Regulierungen vorhanden sind, dabei ohne Rücksicht auf soziale und ökologische Ansprüche. In einem Entwicklungsland wie Indien denkt eigentlich noch niemand ernsthaft an Umweltschutz. Im Gegenteil, zurzeit werden 3000 Autobahnkilometer geplant! Zudem gilt bis hinauf zu Professoren: Was der Westen hat, wollen wir auch.

Doch eine schnelle und einseitige Entwicklung wird noch mehr Ungerechtigkeit, noch mehr soziale Not, noch mehr Belästigung durch Umweltverschmutzungen bringen. Aus meiner Sicht gibt es nur einen Ausweg aus der Sackgasse: einen Wertewandel. Dieser muss in den reichen Ländern und bei den wohlhabenden Menschen beginnen.

 

Fehler der Wohlstandsgesellschaft

Westler sind von einer dreifachen Illusion, verbunden mit einem Drang nach immer mehr, besessen:

1. Konsum: Ich bin glücklicher, je mehr ich konsumiere.
2. Mobilität: Ich bin glücklicher, je mehr Orte ich besuche.
3. Individualismus: Ich bin glücklicher, je mehr ich meine Zeit selbst gestalten kann.

Die Botschaften von mehr Konsum, mehr Mobilität und mehr Individualität sind tief in uns verankert und werden täglich genährt, durch unsere Freunde und Familienmitglieder sowie unsere eigenen Gedanken! Diese Botschaften sind aber keineswegs biblisch. Die Bibel beschreibt das Glück als die Liebe zu Gott Vater, zu Jesus Christus und zum Heiligen Geist. Und in der Liebe zum Nächsten. Wir verkürzen dieses zentrale erste Gebot auf das „… liebe dich selbst!“.

Lügen erkennen
Es gilt, diese „Lügen“ zu erkennen, bekennen und um Vergebung zu bitten. Wir müssen uns verändern lassen und lernen:

1. Weniger Konsum macht uns freier, wir haben mehr Zeit und werden kreativer. Sprechen wir mit unseren Freunden doch darüber, was wir in Gemeinschaft, beim Werken, Spielen und beim Sport oder in der Natur erleben, statt von unseren neusten Anschaffungen.
2. Vieles in der Nähe ist spannend und muss noch entdeckt werden. Weshalb sollten nur Ferien im Ausland wirklich Ferien sein?
3. Der Mensch ist für die Gemeinschaft geschaffen. Warum leben viele so individualistisch und egozentrisch?
4. Mit meiner überschüssigen Kaufkraft kann ich wirkungsvoll Menschen in Entwicklungsländern helfen: Mit dem Geld, das für ein Kind in der Schweiz aufgewendet wird, können 25-30 Kinder in Indien aufgezogen werden.
5. Qualität kaufen. Darauf achten, dass soziale und ökologische Kriterien bei der Herstellung erfüllt werden und dass das Produkt langlebig ist.

Die indische Industrie kümmert sich vermehrt um Umweltverschmutzung, seit die Kunden im Westen das verlangen. Oft stelle ich bei unseren Kindern fest, dass sie keinen Konsum suchen. Das Nahe, Ruhende und die Gemeinschaft mit Menschen und Tieren ist das Schönste für sie.

 

Einfache Regeln anwenden

Als einfacher Massstab für mehr Umweltverträglichkeit lassen sich folgende Regeln anwenden:
– Transporte: Wenige, vor allem nur über kurze Distanzen und mit wenig Energie.
– Materialien: Minimaler Aufwand bei Herstellung und Transport sowie gut biologisch abbaubare.
– Raum/Anlagen: Wenig Heizenergie für Räume und Warmwasser sowie wenig Betriebsenergie.

Biblisch ausgedrückt bedeutet „Wertewandel“: Ein neues Leben mit Jesus Christus beginnen. Zuerst aber müssen wir uns vom Mammon lossagen. Oder wollen wir Gottes Erwartung an unsere Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit weiterhin ignorieren und uns „Bequemerem“ zuwenden? Sich vor der Verantwortung zu verstecken, hat sich bei Gott noch nie gelohnt. Wie wäre es, wenn wir in kleinen Gruppen damit beginnen würden? Spannende Familiennachmittage im Wald gestalten, Tiere in einem Naturschutzgebiet beobachten, Baden im Moorsee, Mountain-Bike-Touren mit Freunden oder Nachbarn, gemeinsam etwas werken, Gastfreundschaft üben usw. Es gibt viele attraktive Möglichkeiten, die gute Botschaft der Bibel ganzheitlich zu leben.

Quelle: Bausteine/VBG


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~ 4 min

Ihr macht jemandem ein Geschenk und diese Person nimmt das Geschenk und in kürzester Zeit ist es kaputt, weil sie Dinge damit gemacht hat, für die das Geschenk nicht gedacht war. Wie fühlt ihr? So oder ähnlich wird sich Gott fühlen, wenn er daran denkt, wozu er uns seine Schöpfung anvertraut hat.

Textlesung

„Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie [euch] untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!“ 1. Mose 1,28

„Und Gott, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren.“ 1. Mose 2,15

Einleitung

Gott hat aus dem Nichts, aus dem Chaos eine herrliche Schöpfung bereitet und uns Menschen dadurch einen Lebensraum gegeben, indem wir uns entfalten können. Gleichzeitig hat er uns als Abbild seiner Herrlichkeit in diese Schöpfung gestellt und sie unserer Fürsorge anvertraut. Doch was haben wir daraus gemacht? Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass wir am Rande des ökologischen Zusammenbruchs sind. Der Lebensraum, den Gott uns anvertraut hat wird uns zum Todesbereich, und wir Christen können uns davor nicht verschliessen wenn uns wirklich ernst damit ist, dass diese Schöpfung Gottes Werk ist.

In einem ersten Schritt wollen wir einmal ganz offen der Krise unserer Umwelt in die Augen schauen und dann sehen, worin unser Auftrag als Christen besteht.

1. Die Krise

Wir wollen zuerst zusammentragen, wodurch Gottes Schöpfung gegenwärtig bedroht wird:

  • Abgase (Brenn- und Treibstoffe) – Ozonloch
  • Raubbau der Rohstoffe
  • Atom und Atommüll
  • Müllberge
  • Giftstoffe in Wasser, Land und Luft
  • Chemie und ihre Abfälle
  • Abholzung des Regenwaldes
  • Aussterben vieler Tierarten täglich
  • Überfischung der Meere
  • Gemästete Tiere mit Antibiotika machen Bakterien resistent
  • Zunehmende Erkrankungen der Atemwege; Krebs und andere Zivilisationskrankheiten

Der Lebensraum, den Gott uns geschaffen hat ist weltweit aus dem Gleichgewicht gefallen und die grösste Gefahr dieser Krise ist, dass wir immun davor werden und gar nicht mehr auf die Probleme reagieren.

Wenn wir uns einmal überlegen, woher all diese Probleme kommen, dann sind wir ganz schnell bei einem der Hauptprobleme: die Menschen wollten mit begrenzten Möglichkeiten unbegrenzte Ansprüche stillen: immer schneller, immer mehr, immer besser. Zudem haben die Menschen die Erde nach den Wertvorstellungen menschlicher Machtentfaltung verwaltet und nicht nach den Massstäben göttlicher Gerechtigkeit. Da sind wir uns selber ins offene Messer gelaufen; oder anders ausgedrückt: mit unserem Wunsch nach unbegrenzten Möglichkeiten sägen wir den Ast ab, auf dem wir selber sitzen. Anstatt in fürsorglicher Art und Weise dieser Schöpfung zu dienen, haben wir uns die Schöpfung dienlich gemacht, und dadurch ist sie aus dem Gleichgewicht gefallen. Wir wollen nur noch Grenzen sprengen und überwinden anstatt in Grenzen zu leben. Fortschritt ist halt nicht alles – es gibt auch noch das Gleichgewicht.

Die Aussage des Paulus in Röm. 8,19-23 stimmen heute mehr denn je: die ganze Schöpfung ist in Mitleidenschaft gezogen worden und wartet unter Seufzen auf ihre Erlösung.

Als Christen müssen wir lernen, dass wenn wir von der Sünde der Menschen sprechen, wir nicht nur von Scheidung, Abtreibung, Alkohol oder was weiss ich was reden, sondern von der Ausbeutung der Schöpfung Gottes, von Umweltsünden und vom Glauben, dass es für den Fortschritt keine Grenzen gäbe. Umweltsünden sind auch Sünden an Gott und an unseren Mitmenschen, genau wie Abtreibung, Rassissmus, Pornographie und jede Form von Gottlosigkeit. Im Bereiche der Umweltsünden wird das Werk Gottes täglich mit Füssen getreten, und wir können es uns als Gemeinde nicht leisten, uns auf einige Spezialthemen zu begrenzen und diesen Bereich einfach den anderen zu überlassen. Schliesslich ist die Fürsorge der Schöpfung der erste Auftrag des Menschen gewesen und entspricht sozusagen seinem Urauftrag. Natürlich wissen wir, woher diese Probleme kommen, und gerade deshalb haben wir einen wesentlichen Beitrag zu leisten. Wenn für die Gemeinde der Umgang mit der Schöpfung Gottes kein Thema ist, nur weil es von den Grünen besetzt ist, ist das eher ein Armutszeichen als ein Zeichen von Geistlichkeit.

Das führt uns nun zu unserem Auftrag in der Schöpfung

2. Unser Auftrag

Unser Auftrag ist kurz umrissen die Erhaltung und Entfaltung der Schöpfung Gottes, also des Raumes, den er uns gegeben hat. Nun können wir weder Busch noch irgend eine Regierung dazu bewegen, den CO2 Ausstoss zu reduzieren, wir können die Chemiekonzerne nicht dazu anhalten, ihr Umwelt belastendes Material in Wasser, Luft und Erde abzustossen und wir werden Schlachtgrossbetriebe kaum davor abhalten, ihre Tiere mit Antibiotika zu füttern, damit sie in noch kürzerer Zeit noch mehr Fleisch hergeben. Ich weiss auch nicht, ob ich bereit bin auf das Auto zu verzichten, nur noch beim Bauern einzukaufen und den Müllberg zu verringern. Obwohl das alles sehr erstrebenswert wäre und eventuell der einzige Weg ist, uns vor der Katastrophe zu bewahren.

Ich glaube, einer unserer ersten Beiträge den Auftrag an der Schöpfung Gottes wahrzunehmen ist neu zu lernen mit Grenzen zu leben und diese als Schutz und als Hilfe und nicht als Einengung zu sehen. Die Masslosigkeit und die Grenzenlosigkeit unserer Zeit führt buchstäblich zu einer masslosen und grenzenlosen Katastrophe und unsere Bereitschaft Mass zu halten, Grenzen zu akzeptieren rührt an das Grundproblem. In Bezug auf die Schöpfung heisst es in der Bibel immer wieder, dass Gott Grenzen gesetzt hat; dem Wasser, dem Land und allem auf dieser Erde. Grenzen sind nicht einfach eine Herausforderung um einen Weg zu suchen, um diese zu sprengen, sondern eine Linie, die Gott uns gegeben hat, damit sie nicht übertreten wird.

Weiter glaube ich, dass wir als Gemeinde unsere Stimme in Sachen Umwelt genauso erheben müssen wie gegen die Abtreibung oder gegen Rassismus. Gott hat uns die Natur, die seine Schöpfung ist, nicht einfach dazu gegeben, dass einige daraus möglichst viel Gewinn und Kapital schlagen, sondern dass sie in einem Gleichgewicht bestehen kann, so dass alle sich darin entfalten können. Wenn wir zu diesen Themen schweigen haben wir praktisch Gott als dem Schöpfer dieser Welt abgesagt, auch wenn wir noch so vehement dafür eintreten mögen, dass Gott diese Welt in buchstäblichen sieben Tagen geschaffen hat. Wenn wir uns nicht zum Umgang mit der Schöpfung äussern, spielt es auch keine Rolle mehr, wer und in welcher Zeit sie geschaffen wurde.

Und letztlich wird es auch immer eine Frage des Lebensstils sein. Wir werden nicht umhin kommen, uns immer wieder kritisch zu hinterfragen. Vielleicht ist der Preis für teurere, umweltverträglichere Produkte langfristig der kleinere Preis, denn der Preis für umweltschädliche Billigprodukte könnte der Zusammenbruch und der Tod sein. Auch hier sollten wir nicht schlauer als Gott sein wollen.

Schluss

Wie wir das im einzelnen ausleben können, welche Möglichkeiten und Aufgaben wir hier im Konkreten haben, darüber müssen wir uns in den Hauskreisen weiter austauschen. Eines aber ist sicher: Gott hat seine Schöpfung unserer Fürsorge anvertraut; sie gehört auch zu jenen uns anvertrauten Pfunden, mit denen wir schaffen sollen. Dies einfach einigen Spezialisten zu überlassen ist eine sträfliche Vernachlässigung unseres Auftrags.

~ 3 min

Rezension des Berichts über erfolgte Wasserprivatisierungen von Emanuele Lobina und David Hall (Problems with private water concessions: a review of experience: http://www.psiru.org/reports/2003-06-W-over.doc)

 

Emanuele Lobina und David Hall legten im Juni 2003 eine Studie vor, die auf 35 Seiten (ohne Fussnoten und Literaturverzeichnis ) die Problematik der Wasserprivatisierung mit neusten Beispielen und Trends beschreibt.

 

Unter Privatisierung verstehen sie sowohl Totalprivatisierung wie auch die sogenannten Public-Private-Partnerships (PPP?s). Letztere sind mehr im Trend, und tönen nach Miteinbezug der öffentlichen Organe. Doch in Wirklichkeit laufen PPP?s oft darauf hinaus, dass die öffentliche Hand vom Wasserkonzern dazu gezwungen wird, folgende Risiken zu übernehmen:

·         Wechselkursverluste (der Investor bringt Dollars oder Euro, die Bevölkerung zahlt in der lokalen Währung) und Inflation (z.B. Philippinen, S. 12 ff; Buenos Aires, S. 16)

·         Unruhen bei zu hohen Wasserpreisen

·         zu kleinen Gewinnen für den Wasserkonzern (in Santiago de Chile und Cochabamba, Bolivien, wurden zum Beispiel ein fixer Profit festgelegt)

 

PPP heisst also oft, dass die Firma vom Staat noch mehr Garantie für ihre Gewinne erhält. Im Jahr 2000 wurde das arme Land Paraguay gar gezwungen, von der Weltbank einen 20 Millionen-Franken-Kredit aufzunehmen, um die Vorbereitungen für die Privatisierung zu finanzieren, darunter drei Millionen für eine PR-Kampagne, um die Bevölkerung von der Privatisierung zu überzeugen… (S. 22).

 

In unzähligen Beispielen zeigen die Autoren, wie die Wasserfirmen zuerst mit attraktiven Offerten (oder auch via Korruption) von einem Land oder einer Stadt eine Konzession erhalten haben, um dann innert wenigen Monaten die Wasserpreise zu erhöhen, die Investitionen zu verkleinern oder eine Neuverhandlung des Vertrages mit besseren Konditionen für den Konzern (siehe oben) zu erzwingen. Die öffentliche Hand kann dem meist nichts entgegensetzen, da sie viel weniger Mittel für juristische Streite und technisches Know-how für die Verhandlungen haben als die Konzerne. Zudem ist die Regierung oft abhängig von der Weltbank, die hinter dem Konzern steht. Oft werden die Verträge auch vor den lokalen Kontrollorganen geheimgehalten (Cochabamba, Bolivien, und Guinea), sodass Missbräuche durch die Firma nur nach langen Prozessen zu beweisen sind. In vielen Fällen geben die konzessionierten Firmen Aufträge statt an lokale Firmen an die eigenen Tochterfirmen, und zwar zu massiv überhöhten Preisen, um noch mehr zu profitieren.

 

Das Argument, dass die Armen von der Wasserprivatisierung profitieren, fällt nach der Lektüre dieses Dokumentes in sich zusammen.

·         In der Provinz Santa Fe in Argentinien verlangte die Firma etwa 2000 Franken für einen Anschlss ans Netz (S. 26), in anderen Ländern sind die Preise ähnlich unerschwinglich.

·         In Buenos Aires wurden Armenviertel erst durch die Fronarbeit der Einheimischen und eine Sondersteuer angeschlossen. Für die Weltbank nichtsdestotrotz eine Erfolgsgeschichte für die Privatisierung… (S. 32)

·         Die Firmen schliessen oft bewusst arme Gebiete gar nicht an (El Alto, Bolivien; Paranà, Brasilien, Cartagena, Kolumbien), S. 31)

·         Manchmal treiben sie die Preise in derartige Höhen, dass die Armen das Wasser wieder in unsauberen Quellen beschaffen (KwaZulu, Südafrika, wo danach eine Choleraepidemie mit 260 Toten ausbrach, S. 30f)).

 

In den letzten Jahren haben die Firmen denn auch gemerkt, dass Wasser in den meisten Ländern kein Gewinngeschäft ist, wenn tatsächlich auch die Armen ans Wasser angeschlossen werden sollten. Die Firmen forderten die Weltbank und andere internationale Finanzinstitutionen auf, mehr Fonds für Wasserprivatisierungen zu äufnen, die dann als Kredite den Entwicklungsländern zugesprochen werden, damit diese die Investitionen schon mal tätigen können, damit der Wasserkonzern diese nicht zahlen muss.

 

Lobina und Hall zeigen, dass die Wasserprivatisierung wegen der fehlenden Konkurrenz, wegen der den der Überlebensfrage des Wassers nicht angepasste Gewinnmaximierungsphilosophie der Privatwirtschaft und auch wegen der Macht der Konzerne (Vivendi, Ondeo (Suez-Lyonnaise), RWE/Thames und SAUR (Bouygues), die sich den Kuchen praktisch aufteilen) ein Fehlschlag ist. Sie schlagen vor, wieder mehr auf Know-how-Transfer zwischen öffentlichen Versorgern in Nord und Süd zu setzen und mehr direkte Hilfe für den Aufbau der Wasserversorgung zu leisten. Vor allem die Ideologie, dass der Wasserpreise kostendeckend sein müssten, ist für arme Bevölkerungen schlicht nicht anwendbar.