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(direkte Mitschrift, mit freundlicher Genehmigung von Martin Bühlmann, Leiter der Vineyard Bern Gemeinde)

Die Gemeinde von Jesus – eine prophetische Gemeinde.

Was heisst prophetisch? Grundsätzlich heisst prophetisch: hervorsagen oder vorhersagen. Das heisst nicht grundsätzlich, prophetisch ist alles, was uns etwas über die Zukunft sagt. Prophetisch bedeutet im Grunde genommen das Herz und das Wesen Gottes zu spiegeln und sichtbar werden zu lassen. Das war es, was die Propheten im Alten Testament getan haben. Das ist die Berufung für den prophetischen Dienst im Neuen Testament. Also nicht in erster Linie ein Orakel, nicht in erster Linie esoterische Gefühle, sondern in erster Linie eine Reflexioneine Widerspiegelung – der Person, des Wesens und der Absichten Gottes. Die Gemeinde von Jesus sollte eine prophetische Gemeinde sein, in dem Sinn, dass sie Gottes Weisheit spiegelt – wie wir es im Epheserbrief lesen. Gott hat ein Drängen – und Gottes Drängen ist es, sich selber sichtbar werden zu lassen. Und er hat sich gebunden an seine Schöpfung, und er hat sich gebunden an die Menschheit, und er hat sich gebunden an sein Volk. Und durch sein Volk, durch die Schöpfung macht er sich sichtbar. Das Problem ist meistens, wenn es um die Menschheit geht, dass die Menschheit besonders dann offen ist für Gottes Wesen und für sein Handeln, wenn es den Menschen schlecht geht. Man liest von Amerika, dass der Gottesdienstbesuch seit dem 11. September stark angestiegen ist. Not bewirkt im Menschen ein Suchen. Und Genüge zu haben, Überfluss zu haben, den Eindruck zu haben, wir schaffen es selbst, bewirkt im Menschen, dass er sich von seiner Abhängigkeit loslöst und seine eigenen Wege geht und – ich denke in der Folgerung davon – weder Gott noch andere Menschen braucht. Der Mensch wird unabhängig. Ich kann mich selbst versorgen! Ich bin gesegnet! Ich brauche niemanden! Ich isoliere mich selbst! Ich bin mir selbst genüge!

Und genau in diesem Schritt spiegeln wir Menschen Gott nicht wider.

Denn es braucht, um Gott widerzuspiegeln, diese innige Beziehung zu ihm, dieses Bewusstsein von Abhängigkeit, und es braucht die Gemeinschaft untereinander. Mit anderen Worten: eine gesunde Abhängigkeit voneinander, eine gesunde Zusammengehörigkeit und Zugehörigkeit. Ein Bewusstsein: ich kann mein Leben – allgemein als Mensch – nicht alleine führen, und auch nicht als Mensch, der mit Jesus durchs Leben geht. Ich kann meinen Glauben nicht alleine leben.

Christsein für sich alleine gibt es nicht. Die alten Kirchenväter haben gesagt: ein Christ ist kein Christ. Und das war nicht einfach ein Spruch eines Mannes. Darin liegt viel Wahrheit!

Persönliche Herausforderung

Wir betrachten miteinander das Buch Jesaja. Und das erste Thema ist: Gottes Weinberg. Nun der Name unserer Gemeinschaft ist „Vineyard“ (Weinberg). Und als ich mich vorbereitete, hat es mich schon etwas herausgefordert – ihr werdet das merken im Verlauf der Predigt. Es hat mich persönlich herausgefordert. Gottes Weinberg. Gottes Vineyard.

Am vorletzten Sonntag – der Gedanke, der mir kam: Die Leitung der Vineyard Gott hinzulegen und ihm dies im Gottesdienst zum Ausdruck zu bringen. Das war mir sehr wichtig. Weil ich empfinde, dass diese Gemeinschaft von Christen – diese Weggemeinschaft die wir sind – die soll nicht von Menschen geleitet werden, sondern von Jesus. Er soll tun, was Er möchte. Er soll Seinen Weg haben. Er soll uns führen und zu uns sprechen. Und es fordert uns natürlich heraus als Gemeinde, dann Menschen zu vertrauen, dass sie Gottes Stimme hören. Das geht solange gut, solange sie das hören, was wir auch hören. Die Herausforderung, der Leiterschaft zu vertrauen, entsteht ja dort, wo LeiterInnen nicht mehr das selbe hören wie wir. Dann sind wir besonders herausgefordert, in verantwortlicher Weise zusammen zu bleiben und trotzdem eigenständig zu sein, nicht wahr? In der christlichen Gemeinde gibt es nämlich auch das Übel, dass Leiter befehlen und den Eindruck haben, alle müssen gehorchen, nur weil jemand ein Leiter sei. Und das ist ebenso weit gefehlt, wie die Haltung, dass man sich nichts sagen lässt. Wir leben in diesem Spannungsfeld.

Jesaja 5,1-7: Gottes Weinberg

Lasst mich zu diesem Thema „Gottes Weinberg“ – oder wie gehen wir mit Gottes Erwartungen um, den Text aus Jesaja 5, Verse 1 bis 7 lesen:

Hört, ich will ein Lied singen von meinem besten Freund und von seinem Weinberg. Auf einem Hügel, sonnig und fruchtbar lag das Grundstück meines Freundes. Dort wollte er einen Weinberg anlegen. Er grub den Boden um und räumte alle grossen Steine fort. Die beste Rebsorte pflanzte er hinein. Er baute einen Wachturm und meisselte einen Keltertrog aus dem Felsen. Wie freute er sich auf die erste Ernte, auf saftige und süsse Trauben – doch die Trauben waren klein und sauer.

Urteilt selbst, ihr Leute von Jerusalem. Habe ich für meinen Weinberg nicht alles getan? Konnte ich nicht mit Recht eine reiche Ernte erwarten? Warum brachte er nur kleine, saure Trauben? Wisst ihr, was ich jetzt mit meinem Weinberg mache? Zaun und Schutzmauer reisse ich weg. Tiere sollen kommen und ihn kahl fressen. Ziegen und Schafe, sie sollen ihn zertrampeln. Nie mehr werde ich die Reben beschneiden, nie mehr den harten Boden mit der Hacke lockern. Dornen und Disteln sollen ungehindert wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu bringen. Soll der Weinberg doch vertrocknen!

Dies ist eure Geschichte, Israeliten. Ihr seid der Weinberg und euer Besitzer ist der Herr, der allmächtige Gott. Ihr, aus Israel und Juda, seid die Pflanzung, auf deren Erträge er sich freute. Er wollte von euch gute Taten sehen. Doch er sah nur Bluttaten. Ihr habt nicht Recht gesprochen, sondern ihr habt das Recht gebrochen.

Interpretation der prophetischen Bücher

Eine unglaubliche Herausforderung dieser Text. Es „tschuderet eim fei ä chli“. Wenn man denken könnte – gilt dieser Text auch uns. Nun, wenn ihr prophetische Bücher lest, dann gilt es auch mit einem gesunden Sachverstand heranzugehen. Es gibt Prophetien, die haben sich bereits erfüllt und sind abgeschlossen. Dann gibt es Prophetien, die haben sich erfüllt und werden sich noch erfüllen. Also obwohl sie sich erfüllt haben, heisst das nicht, dass sie vorbei sind. Dann haben prophetische Bücher aber auch den Ausdruck einer Ermutigung und Ermahnung. Also, die Art und Weise, wie Gott mit seinem Volk umgegangen ist, soll uns daran erinnern, wie Gott mit uns umgehen möchte. In diesem Sinne werde ich an diesen Text herangehen. Mit anderen Worten: Das, was Gott zum Volk Israel gesagt hat, hat das etwas für uns zu bedeuten!? Und könnte es sein, dass ähnliche Verhaltensweisen und Haltungen, die das Volk Israel hatte, auch bei uns – bei mir – bei dir – vorhanden sind!? Und könnte es sein, dass der Prophet Jesaja aus diesem Grund ein Top-aktueller Redner in mein Leben hinein ist. Und wenn ja, was hat dies zu bedeuten?

Investition und Erwartung

In diesem Text sehen wir, offensichtlich: Wenn Du arbeitest, gleich wo, dann erwartest Du ein anständiges Salär. Du erwartest eine Bezahlung. Und wenn der Lohn tief ist, braucht es einen besonderen Grund, dort zu arbeiten. Eine besondere Identifikation, eine besondere Übereinstimmung. Aber wenn Du einen Beruf hast, dann erwartest Du ein Salär. Wenn Du Geld hast und dies investierst, und das in die Swissair investiert hast, dann hast Du das getan, weil du irgendwann einen Gewinn, einen Profit erwartet hast. Und du bist zumindest entmutigt wenn nicht wütend, wenn sich diese Investition nicht bezahlt gemacht hat. In Beziehungen ist dies auch so. Hör ich oft, dass Leute in christlichen Gemeinde sagen: Ich hab doch mein Leben investiert, ich habe alles investiert, und es kommt nichts zurück. Und weil nichts zurückkommt, verschliesse ich mich jetzt in der Beziehung zu anderen Menschen. Ich hab doch ein Recht, dass etwas zurückkommt, wenn ich etwas investiert habe. Was geschieht dann, wenn sich deine Erwartungen nicht erfüllen. Wenn du schlecht bezahlt bist am Arbeitsplatz, dann beginnst Du dich umzusehen nach einer Stelle, wo du besser bezahlt wirst. Wenn dein Geld in einer besonderen Aktie keinen Gewinn abwirft, dann wirst du dir überlegen, wie könnte ich mein Geld besser investieren? Oder wenn Beziehungen nicht das halten, was du dir versprochen hast, dann bist du versucht, diese Beziehungen abzubrechen, um Beziehungen zu finden, die dir den versprochenen Gewinn geben. Wir alle können uns mit diesem Denken identifizieren, unabhängig davon, ob es richtig oder falsch ist.

Könnte es aber Gott genau gleich gehen? Er ist doch ein Vater, der sich immer nur eines wünschte: Dass seine Kinder ihm gleichen. Wie ihr wisst, werde ich Grossvater. Und wir wissen, dass es wahrscheinlich ein Junge sein wird. Und der Gedanke kam mir schon: Wird er lange Haare haben? Wird er ausschauen wie ich? Wenn es dann mal klingeln würde, und es heisst: Der sieht ja aus, wie der Grossvater! Dann würde dies mich schon besonders freuen […]. Einem Künstler geht es doch auch so. Ein Künstler freut sich darüber, wenn die Menschen erkennen, dass das Kunstwerk von ihm ist. […].

Frucht bringen – von Gott abhängig zu sein

Und genau so wünscht sich der Weingärtner in dieser Geschichte, dass eben sein Weinberg Frucht bringt. Gott braucht dieses Bild, dass er durch den Propheten spricht. Gott wünscht sich, dass an seinem Volk sein Wesen sichtbar wird. Und wenn es um Prophetie geht für die nächsten drei Monate, dann geht es ganz bestimmt auch um die Frage, dass Gott zu uns spricht und uns verborgene Dinge zeigt. Und zu uns auch über die Zukunft spricht. Dinge, die wir mit natürlichem Auge nicht sehen können. Aber es geht ganz besonders darum, dass wir prophetisch leben. D.h. Gott sichtbar machen in unserem Leben. Und darum ringen, dass wir in der Schweiz nicht mehr unabhängig von Gott leben, nicht mehr Gott ausladen aus sämtlichen Lebensbereichen und dabei denken: Wir schaffen das alleine! Lieber Gott, lass uns nur die Schweiz selbst zusammen schustern. Wir machen einen besseren Job als du! Sondern, dass wir unsere Abhängigkeit bekennen.

Und ich denke, Gott lässt Geschehnisse zu, wie wir das beim Grounding und der Krise mit der Swissair erlebt haben. Dinge, die uns zeigen sollen, wie hilflos wir im Grunde genommen sind. Wenn die Kräfte dieser Welt aneinander reiben. Oder den Unfall im Gotthard, wo die ganze menschliche Überforderung – der Technik und im Verhalten – sichtbar wird, und der Mensch plötzlich merkt: Mann, so gut, wie wir das gedacht haben, haben wir die Schweiz auch nicht im Griff. Dann braucht’s nur noch eine Wirtschaftskrise, ungesicherte AHV, unheilbare Krankheiten, und unsere ganze Sicherheit liegt im Eimer. Da denke ich mir, es wäre besser, wenn wir vorher sagen würden: Lieber Gott, wir brauchen Dich! Das Leben wäre möglicherweise etwas einfacher.

Jesaja spricht von 3 Aspekten in diesem Kapitel: Wie Gott sich selber sichtbar machen möchte.

Der erste Gedanke dabei ist:

Gott wünscht sich von seinem Volk, dass es soziale Gerechtigkeit lebt! Vers 8 + 9:

Wehe denen, die sich ein Haus nach dem anderen bauen, und ein Grundstück nach dem anderen kaufen, bis keines mehr übrig ist! Sie finden erst Ruhe, wenn das ganze Land ihnen gehört.

Sie finden erst Ruhe, wenn das ganze Land ihnen gehört. Ich habe die Worte des Herrn, des allmächtigen Gottes noch im Ohr. Er schwor, die grossen und schönen Häuser werden verwüstet da liegen und niemand wird mehr in ihnen wohnen!

Vers 22:

Wehe denen, als Richter sind sie bestechlich, für Geld sprechen sie Schuldige frei und verurteilen die Unschuldigen.

Eine Rückfrage: Wenn 4500 Arbeitnehmer entlassen werden, weil einige Bank-Krösusse in Machtkämpfen Kontrolle haben möchten über etwas, hat es mit diesem Text nicht mehr viel zu tun!? Und wenn wir dies einfach so zulassen als Christen und nicht im Gebet und mit einer Herzenshaltung, die nach Gerechtigkeit strebt, uns einfach damit abfinden, dass das Kapital heute den Menschen besitzt und dass die Wirtschaft die eigentliche Wahrheit des Volkes ist – stehen wir dann nicht bereits unter dem Gericht Gottes? Und haben wir dann nicht die Chance bereits verwehrt, dass Gott uns heimsuchen kann, weil uns Besitz, Sicherheit und Eigentum und Reichtum wichtiger ist?

Es geht darum, Gottes Natur zu reflektieren und um die Bereitschaft zu teilen. Gott will nämlich, dass wir uns für die Gerechtigkeit einsetzen. Nicht mit Gewalt und Waffen und nicht mit lautem Geschrei, sondern zuerst mit einer prophetischen Haltung, dass wir als Gottes Volk damit beginnen, diese Gerechtigkeit in unserem Umfeld zu leben. Jesaja spricht von Gerichten und Regierungen, die nicht bestechlich sein sollen. Das erwarten wir ja auch. Aber die Frage stellt sich dann für mich persönlich: Wie gehen wir miteinander um? Schliessen wir uns – auf die Gemeinde runter dividiert – Menschen an, die immer andere kritisieren?

Und ich sage euch, was wir übereinander denken und sagen, hat ungemein viel Kraft. Und wer anfängt damit, andere die ganze Zeit zu kritisieren, der injiziert ein Gift der Ungerechtigkeit, weil es unsere Haltung andern gegenüber einfach bestimmt. Dasselbe geschieht, wenn wir beginnen, über andere Christen schlecht zu reden. Dasselbe geschieht, wenn unser Reden nur noch negativ ist. Und kein Glaube und keine Ermutigung mehr vorhanden ist und das Unrecht in den Mittelpunkt gestellt wird – und nicht die Gerechtigkeit von Gott.

Profit auf Kosten anderer

Gott möchte, dass wir versuchen, aus den Beziehungen zueinander nicht Profit zu schlagen. Was auf einer Abrechnung aussieht wie ein Gewinn, kann ein Gewinn auf Kosten anderer Menschen sein. Wir müssen uns die Frage stellen: Wer verliert, wenn ich einen Gewinn mache? Diese Frage müssen wir stellen. Oder mit anderen Worten: Wenn wir in unserem Land alles daran setzen, dass es uns immer besser geht und wir uns immer mehr absichern, und dieses Absichern und Bessergehen auf Kosten anderer Völker und anderer Menschen geht, dann stellt sich die Frage, ob unser Egoismus – und Volksegoismus und Staatsegoismus – nicht das Gift ist, das letztlich unser Land zerstören wird.

Versteht ihr? Kein Volk wird auf die Dauer ungerecht leben können auf Kosten anderer und wird Kopf bleiben können. Es wird irgendwann mal zum Schwanz in der Welt. Und sollten wir uns nicht Gedanken machen: Herr, wie möchtest Du dann, dass wir damit umgehen!?

Ich freue mich, dass die Vineyard Bern wieder wächst – viele Menschen zum Glauben kommen. Aber ich sage euch eines: Wenn das Wachstum der Vineyard Bern einfach geschieht, weil Menschen aus anderen Gemeinden zu uns kommen, dann ist die Freude eine geteilte Freude. Dann ist ja unser Wachstum auf Kosten anderer geschehen. Versteht ihr? Und könnte unser Wachstum die Not des anderen sein? Und haben wir dort nicht auch Verantwortlichkeit, das Gute füreinander zu suchen?

Gott möchte soziale Gerechtigkeit, dass wir grosszügig sind. Übrigens diese Texte in Jesaja gehen zurück auf das 5. Buch Mose. Im Grunde genommen spricht Jesaja das Volk an: Hey Leute, ihr lebt das, was im 5. Buch Mose steht, nicht. Deshalb sage ich euch das! Und deshalb will Gott, dass ihr euch ändert. Versteht ihr? Die Androhungen Gottes sind nicht gegeben, damit wir uns fürchten. Sondern diese Aussagen sind uns gegeben zur Warnung, dass wir uns verändern. Dass wir auf ihn eingehen. „Mir müsse nid zittere u id‘ Hose mache, wül üs jetzt den e Turm uf Bire g’heit!“ Sondern wir müssen unsere Herzen ändern. Und sagen: Herr, wo haben wir gefehlt? Wo habe ich meinen Vorteil gesucht? Wo habe ich über andere schlecht gesprochen, damit ich besser dastehe?

Und dann kommt die Konsequenz: Bin ich grosszügig gegenüber anderen Menschen – nicht nur materiell, sondern in meinem ganzen Lebensstil und Umgang ? Bin ich geizig mit guten Worten und Ermutigung? Oder werde ich grosszügig?!

Ein Grund, weshalb die Bauern Israel zur damaligen Zeit ihren Landbesitz vergrössern konnten, war, dass sie ihren eigenen Vorteil aus dem Unglück anderer schlugen. Sie standen ihnen in ihrem Unglück nicht bei – so wie sie es hätten tun sollen – sondern, als die anderen unglücklich waren, wurden sie ausgenutzt.

Und wisst ihr, man kann mir ja sagen, was man will. Ich bin ja ein einfacher Mensch. Aber wenn Banken, für die 3, 4, 5 Milliarden ein Klacks sind – wenn man die Gewinne der letzten Jahre ansieht – wenn diese Banken es zulassen, dass die Swissair am Boden bleibt, und Tausende von Arbeitsstellen bedroht sind, dann soll mir doch keiner sagen – mit noch so frommen Worten: Ja, es hat irgend etwas mit der Kommunikation nicht geklappt! So blöd kann doch keiner sein. Wenn es um Gewinn geht, dann klappt es immer mit dem Telefonanschluss. Es ist doch offensichtlich, man wollte sich bereichern an dieser maroden Gesellschaft. Das Gute rausschneiden, unabhängig davon, was dies für Tausende von Familien bedeutet. Grosszügig sein!? Gesund sein?! Aber so wird unser Land nur noch krank.

Und dann heisst es auch, dass wir vor Gott treten und sagen: Herr vergib uns! Vergib uns diese egoistische, absolut kalte gnadenlose Art mit Menschen umzugehen. Richte uns nicht, sondern, Herr, komme du zu uns und vergib uns und verändere Du uns!

Müsst mal sehen, was diese Herrn verdienen – 4 bis 5 Millionen im Jahr! Und dann kriegen sie noch Abgangsentschädigung. Versteht ihr, mir geht es nicht darum zu sagen, dass sei schlimm. Mir geht es um etwas anderes. Das ist unsere Volkskrankheit: Der Reiche wir reicher, und der Arme wird ärmer. Aber genau so verhalten wir uns auch gegenüber anderen Ländern. Eiskalt. Wir kaufen die Bananen ein – so billig wie nur möglich – und vergessen den Bananenpflanzer, der wenig verdient.

Wir saugen Völker aus! – Gott wird das richten! Und es ist Zeit, dass wir umkehren. Aber Gott möchte nicht nur, dass wir grosszügig sind, z.B. mit unseren Geldreserven, sondern er will, dass ich das persönlich auch tue. Und die Frage, die ich mir und dir stellen möchte, ist: Wie würde Gott über dich und mich sprechen?

Der zweite Punkt:

Gott wünscht sich von seinem Volk, dass es gerecht lebt! Kapitel 5,11:

Wehe denen, die schon früh am Morgen losziehen und sich betrinken. Bis spät in die Nacht bleiben sie sitzen und lassen sich mit Wein voll laufen. Gitarren, Harfen, Pauken und Flöten und natürlich der Wein fehlen bei ihren Gelagen nie. Doch für mich, den Herrn, haben sie keinen Gedanken übrig. Was ich in der Welt tue, nehmen sie nicht wahr. Weil sie das nicht einsehen wollen, wird mein Volk in die Verbannung verschleppt werden. Dann müssen die vornehmen Herren Hunger leiden und das einfache Volk wird vor Durst umkommen.

Jesaja 5,22:

Wehe denen, die Helden sind im Wein trinken und tapfere Männer, wenn es darum geht, starke Getränke zu mischen.

Ihr seht, Gott nimmt kein Blatt vor den Mund. Gott ist nicht grundsätzlich gegen das Vergnügen. Aber Freude und Vergnügen sollen im Zusammenhang sein mit Arbeit. Er hat das Vergnügen geschaffen. Es ist ein Nebenprodukt von Arbeit, von etwas, was man gibt. Darüber dürfen wir uns freuen. Aber er will nicht, dass das Vergnügen zu unserem Lebensziel wird.

Wisst ihr weshalb? Wenn das Vergnügen und der Lustgewinn das Lebenziel des Menschen ist, dann hat er keine Einsicht und Sicht mehr von Gott. Er meldet sich von seiner Verantwortlichkeit Gott und Menschen gegenüber ab. Gott will nicht, dass das Vergnügen zu unserem Lebensziel wird, weil es für das, was Gott tun möchte, blind macht. Also wenn ich fixiert darauf bin, reich zu werden oder Lustgewinn zu haben, dann werde ich Schritt für Schritt in meiner Abhängigkeit von Gott erkalten. Verstehst Du? Und das geht ganz langsam, ohne das Du’s merkst. Da sagt Gott: Hey! Persönliche Gerechtigkeit! Lebst du recht mit Gott? Erkennst Du, woher der Segen kommt?

Und ich denke, dieser Lustgewinn – Lustabhängigkeit – ist für unser Land und für die Vineyard Bern eine grosse Gefahr. Ich denke, jetzt kommen dann die Bewilligungen für die Spielkasinos. Und wie es ausschaut, werden wir eines in Bern haben. Übrigens interessant: In Bern haben sie ausgerechnet, dass der Steuergewinn des Spielkasinos höher sein wird als die Sozialgelder, die man aufwenden muss, um abhängige Spieler über Wasser zu halten. Leute, das ist ein Skandal und ein Zeichen von Umgang mit Menschen, der jeder Menschenwürde abgeht. Wenn wir sagen, wir machen mehr Geld damit, dann nehmen wir in Kauf, dass es einigen schlecht geht. Und denen geben wir noch einen Trostbatzen. Also so was Verdrehtes!

Aber das Schlimme ist, in unserer Gemeinde geht es ganz ähnlich. Im Grunde genommen geht es um die Frage, was gibt uns noch einen besseren geistlichen Kick. Wir erwarten von der Gemeinde offensichtlich, dass sie unsere Bedürfnisse befriedigt. Und solange, wie sie das tut, ist sie gut. Und wenn sie dies nicht mehr tut und unser Engagement braucht, dann ist sie plötzlich nicht mehr gut. Also diese Versuchung, die Gemeinde im Rahmen von Lustgewinn zu beurteilen, ist immens gross. Aber wenn wir das tun, meine Lieben, werden wir als Gemeinde in dieser Stadt gar keine Kraft mehr sein. Dann sind wir ein Blöterliverein!

Und die Herausforderung ist ja genau die: Was ist unser Fleisch ? Ist es die Speise, die ich esse, damit es mir gut geht? Oder ist meine Speise (wie bei Jesus ist Joh. 4.34), dass ich seinen Willen tue, damit es dem nächsten dafür gut geht. „Min Ranze – oder der Ranze vom Nächste“.

Und das Schlimme ist in unserer westlichen Welt, dass wir unser Christsein genauso egoistisch leben, wie die Welt ihren Gewinn egoistisch lebt. Und ich denke, wir müssen uns überlegen, wo wir stehen? Was würde Gott über deine persönliche Lebensausrichtung sagen?

Der 3. und letzte Aspekt:

Gott wünscht von seinem Volk, dass es gerechte Grundsätze hat in seiner Ausrichtung.

Jesaja 5,20:

Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen. Die die Finsternis als Licht bezeichnen und das Licht als Finsternis. Die Saures für süss erklären und Süsses für sauer. Wehe denen, die sich selbst für klug und verständig halten.

Was meint ihr: Welche Wahrheit ist für uns Wahrheit. Wenn unsere Wahrheit zur allgemeinen Wahrheit wird, dann verwechseln wir Gutes und Böses, weil meine persönliche Wahrheit abhängig ist von meinem subjektiven Empfinden und Erleben. Wenn ich zum Massstab werde und jeden Menschen an mir messe, dann werde ich irgendwann einmal herausfinden, dass dieser Massstab nicht der richtige sein wird. Es geht nicht um deine und meine Wahrheit – es geht um Seine Wahrheit.

Die Propheten werden manchmal als Rufer in der Wüste bezeichnet, die Menschen zu Gottes Bündnis zurück rufen. Die unangenehm werden. Sie kannten die 5. Bücher Mose – das Bündnis, das Gott mit seinem Volk geschlossen hatte. Deshalb riefen diese Propheten immer wieder: Hey Leute! Lasst euch zurückrufen!

Und in diesem Sinne sind wir als Vineyard Bern auch eine prophetische Gemeinde. Wir möchten dieser Stadt und Region von Bern sagen: Da ist ein Buch, das Gottes Wesen und Charakter aufschliesst. Möchtest Du ihn kennenlernen? Möchtest Du es nicht zulassen, dass dein Leben konfrontiert ist von diesem Buch? Dass es dein Leben spiegelt und herausfordert? Oder wollen wir dort stehen bleiben und sagen: So wie ich mein Leben sehe, betrachte und definiere, ist es richtig. Das Buch könnte ich höchstens noch gebrauchen, um mir einige Bibelstellen zu liefern, die meine Punkte unterstreichen. Aber ich bin nicht bereit, grundsätzlich mein Leben an diesem Buch auszurichten.

Schaut mal: Menschen, die sich nicht ausrichten, haben sich schon gerichtet.

Wenn wir mit Gott leben wollen, dann müssen wir uns auch seinem Denken und Reden hingeben, sonst werden wir zu religiösen Heuchlern!

Nach welcher Wahrheit lebe ich? Es ist ja nicht so, dass du das absolut beantworten kannst. Aber eine Herzensentscheidung: Soll dieses Buch die Wahrheit sein?

Viele Menschen erwarten nämlich nicht, dass Gott handeln wird. Das war damals so und ist heute so.

Jesaja 5, 18+19: Wehe denen, die an die Sünde gefesselt sind, und ihre Schuld hinter sich herschleifen, wie ein Ochse seinen Karren. Sie spotten: Er soll sich beeilen, der heilige Gott Israels, wir möchten endlich sehen, wie er straft! Ständig spricht er von seinem Gericht. Also los! Er soll zeigen, was er kann!

Meine Lieben, dieses Land redet so. Die Schweiz fordert Gott heraus. Sie macht sich lustig über seine Existenz. Gott wird nicht verziehen. Irgendwann wird er reagieren.

Vers 16: Der Herr, der allmächtige Gott, vollstreckt sein Gerichtsurteil und erweist so seine Macht. Er zeigt, dass er ein heiliger und gerechter Gott ist.

Der Weinberg:

  • Es geht um Fruchtbarkeit – welch eine Herausforderung!
  • Er möchte, dass wir soziale Gerechtigkeit suchen.
  • Er möchte, dass wir gemäss göttlichen Grundsätzen leben.
  • Und er hat den Wunsch, dass wir gerecht leben. Gott-gemäss. Jesus-gemäss.

Wollen wir das? Es braucht eine Entscheidung. Es braucht ein weiches Herz und die Bereitschaft zu handeln.

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