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In den vergangenen Jahrhunderten hat sich ein Großteil der Kirche als eine Institution verhalten, die nur mit der „Suche nach neuen Seelen“ beschäftigt war. Der Mensch ist also oft auf sich allein gestellt, um sich seinen existenziellen Problemen zu stellen. Anstatt sich um die Bedürftigen zu kümmern, häufte die herrschende Kirche des Mittelalters großen Reichtum an und nutzte dazu die Angst der Menschen vor dem Tod1 . Als Reaktion auf diesen Handel haben einige moderne Theologien das Evangelium manchmal auf ein Plädoyer für soziale Reformen reduziert2 . Wenn wir uns dessen bewusst sind, sind wir nicht mehr überrascht, dass so viele Menschen der Kirche den Rücken kehren.
Aber ist Gott nur ein „Seelenwandler“? Ist das Evangelium nur ein Programm der Sozialreform? Eine sorgfältige Betrachtung der biblischen Texte erlaubt es uns, diese beiden Fragen zu verneinen.
Die Bibel lehrt uns, dass Gott Mann und Frau mit einem Körper, einer Seele und einem Geist geschaffen hat. Beachten Sie, dass das Wort „Seele“ im Hebräischen den Menschen als Einheit bezeichnet. So wie Gott „totale“ Wesen geschaffen hat, kümmert er sich auch um uns als solche.
Im Evangelium kommt Gott uns durch Jesus Christus ganz entgegen. Diese Begegnung führt zu gravierenden Veränderungen in allen Bereichen unseres Lebens:
1 Auf der geistlichen Ebene: Durch den Sühnetod Jesu gibt Gott uns die Möglichkeit, wahre Vergebung für unsere Sünden zu finden.
2 Auf der physischen Ebene: Jesus heilt und befreit die Kranken, kümmert sich um die Armen und Ausgegrenzten. Er lindert diejenigen, die unter dem Mangel an Gerechtigkeit in der Welt leiden.
3 Auf der moralischen und sozialen Ebene: Jesus spricht von einer neuen Welt, in der Werte umgestoßen werden. Dieses Reich Gottes, das mit dem Kommen Jesu bereits begonnen hat, ist voller Freude, Frieden und Gerechtigkeit.
Da das Evangelium Jesu „total“ ist und den ganzen Menschen berücksichtigt, sollten wir beim Lesen der Bibel die folgenden zwei Aspekte im Auge behalten: einerseits eine Bedeutung für die gegenwärtige Welt, d.h. existentiell, und andererseits eine Bedeutung für das kommende Reich, d.h. geistlich. Hier ist ein kleines Beispiel:
Die Heilung der zehn Aussätzigen (Lukas 17:11-19)
Sozialer Aspekt (aktuelle Welt) Spiritueller Aspekt (zukünftige Welt)
Jesus lehnt Aussätzige nicht ab, obwohl sie nach dem jüdischen Gesetz unrein sind (Annahme). Gott schaut nicht nach außen, er schaut in das Herz.
Jesus heilt sie – Barmherzigkeit / Mitgefühl. Gott möchte, dass jeder die Hilfe findet, die er braucht. Wunder sind Zeichen für das Reich Gottes.
Aussätzige werden geheilt – sie können ihren Platz in der Gesellschaft wieder einnehmen. Von nun an müssen sie nicht mehr von Almosen leben; sie können wieder anfangen zu arbeiten. Der geheilte Aussätzige erlebt Gott persönlich – er preist ihn und bekehrt sich (zum ewigen Leben).
Soziale und wirtschaftliche Veränderungen: Die Gesellschaft hat zehn kranke Menschen weniger und zehn gesunde Arbeitnehmer mehr.
Eine wundersame Heilung führt dazu, dass mindestens eine Person zu einem eifrigen Zeugen für Jesus wird.
Jesus ermahnt seine Jünger, sich um die Kranken und Ausgestoßenen zu kümmern.
Die Jünger Jesu erleben die übernatürliche Kraft Gottes, die ihren Glauben stärkt.
Gott ist um das Heil unserer Seelen besorgt, ebenso wie um die Probleme unserer irdischen Existenz. Deshalb sollten Christen, die sich als Jünger Jesu betrachten, das Evangelium aus dieser doppelten Perspektive betrachten und entsprechend handeln.
Tom Hertig, September 2001

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1.  Dies wurde „Ablasshandel“ genannt.

2. Zum Beispiel die Befreiungstheologie.

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