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Die Digitaltechnik wird uns in unserer Beziehung zu der Regierung und den Behörden immer präsenter. Möchten Sie einen Aktivitätsbonus erhalten? Gehen Sie die virtuelle „Box“ durch! Möchten Sie mit der CAF in Kontakt treten? Beginnen Sie mit der Erstellung einer E-Mail-Adresse! In nur wenigen Jahren hat Frankreich rasche „Fortschritte“ bei der Digitalisierung seiner Verwaltung gemacht, wobei die derzeitige Regierung entschlossen ist, bis 2022 „vollständig digital“ zu arbeiten. Sie wird von einem zweifachen Ziel angetrieben: einerseits die Vereinfachung – und die Verbesserung der Effizienz – der Verwaltungsverfahren um somit Einsparungen zu erzielen. Andererseits soll der Zugang zu den Geräten für eine möglichst große Zahl von Menschen verbessert werden. Entgegen dem Wunsch von immer mehr Menschen ist diese Virtualisierung der Verwaltung jedoch nicht gleichbedeutend mit Gleichheit, sondern eher mit Marginalisierung.

E-Ausgrenzung?

Einige Stimmen – Sozialarbeiter, Verbandsvertreter, etc. – werden nicht gehört. – Einige Stimmen – Sozialarbeiter, Verbandsvertreter, etc. – verschaffen sich nun Gehör, um vor den Risiken der Ausgrenzung zu warnen, die durch die zunehmende Digitalisierung – und den Zwang – der Verwaltungsbeziehungen entsteht. Menschen in prekären Situationen haben oft Schwierigkeiten beim Zugang, bei der Nutzung und bei der Wahrnehmung (Alphabetisierung) ihrer Verwaltungsverfahren. Sie finden es schwierig, Zugang zum System zu erhalten, die gewünschten Informationen zu finden und mit Fachleuten in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Diese neuen Verfügungen/Pflichten stellen daher neue Barrieren dar, die sie manchmal dazu veranlassen, ihre Verfahren aufzugeben. Solange sie keine Personen in ihrem Netzwerk haben, die in der Lage sind, als Vermittler zu fungieren und sie durch dieses technologische Labyrinth zu begleiten, können sie sich ihrer Rechte beraubt sehen (Défenseur des droits, 2017).

Auf dem Weg zur digitalen Solidarität?

Diese Situation lässt uns als Christen die neuen Gesichter der Ausgrenzung erkennen und macht uns den wachsenden Bedarf an digitaler Begleitung bewusst, dem eine gewisse Anzahl unserer Mitmenschen begegnet. Im weiteren Sinne ermutigt uns diese Situation auch, über den Platz und die Rolle nachzudenken, die unsere Gesellschaft – und wir selbst – der Technologie zuweist; sie stellt in dieser Hinsicht eine Einladung zur „Besonnenheit“ und einen Aufruf zur Weisheit dar, um nicht den Liedern der technologischen Allmacht zu erliegen und um nicht zu große Teile unserer Existenz unreflektiert an sie zu delegieren. Sorgen wir also dafür, dass diese Technologien weder ein Turm zu Babel noch ein goldenes Kalb in unserem Leben sind sondern, dass sie immer mehr zu Werkzeugen im Dienste möglichst vieler Menschen werden. Und lassen Sie uns weiterhin die Führung unseres Lebens in erster Linie in die Hände unseres Herrn legen.


Tribune veröffentlicht unter der Überschrift „Grüße“ in Christ Seul (Monatsmagazin der Evangelisch-Mennonitischen Kirchen Frankreichs), Nr. 1092, November 2018, www.editions-mennonites.fr.