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Bern, 27.4.08. Am Samstag, 26. April, nahmen etwa zwanzig Personen an einem Forum von ChristNet in Bern teil. Ausgehend von Lukas 12,22-341 wurde das Thema „Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“ Bescheidenheit, Barmherzigkeit, Gottvertrauen: 3 Werte für eine veränderte Gesellschaft? behandelt.

 

Dieses Forum war das Ergebnis eines längeren Gedankenprozesses von ChristNet über die Werte, die unsere Gesellschaft heute besonders braucht. Dabei wurde festgehalten: Mit den Ängsten, die die öffentliche Debatte prägen (Terrorismus, Sozial- und Asylmissbrauch, Börsencrash usw.) erkaltet die Nächstenliebe. Drei Redner unterschiedlicher Herkunft zeigten Wege auf, um die Nächstenliebe in der Schweiz wieder sichtbarer zu machen. „Seit Jahren habe ich dafür gebetet, dass diese Werte in der Schweiz bekannt werden!“ freute sich eine Teilnehmerin.

Gottvertrauen: Gemeinsam gegen die Angst

Wolfgang Simson, Theologe und Buchautor2 , stellte dar, dass das Gottvertrauen nötig sei, um von unseren Ängsten befreit zu werden. „Die Schweizer sind Weltmeister der Versicherungen; dies zeigt, wie sehr wir von Ängsten geprägt sind.“ Zum Glück anerkenne Jesus unsere Ängste und schlage eine Lösung vor: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33) Als er die Jünger aufforderte, ihre Netze liegen zu lassen, bedeutete dies, die Kontrolle über ihre Einkommensverhältnisse aufzugeben. Darum fördert Simson heute eine Wirtschaft des Gebens („gift economy“) und bietet Bücher und Musik gratis an.

Genügsamkeit: Genug zum Leben

Eric Divernois, Sozialarbeiter und Mitglied der Umweltgruppe von ChristNet sprach über Genügsamkeit und einen einfachen Lebensstil. Er stellte fest, dass die westlichen Gesellschaften von der Krankheit der Unzufriedenheit befallen seien. Deren Symptome sei die masslose Leistung, Stress („je mehr man hat, desto weniger Zeit hat man“), Depression und Süchte. Die Wurzeln dieser Entwicklung sieht er in der Vereinsamung, dem Sinnverlust, sowie Existenzängsten. Die Auswirkungen seien offenbar: Gier und Ausbeutung im wirtschaftlichen Bereich, sowie erhöhter Druck auf unsere Umwelt, deren Ressourcen begrenzt sind. Als „Heilmittel Gottes“ sieht er die Bekehrung, einen Umkehrprozess, der Verzicht, Dankbarkeit und Lobpreis, sowie Glaube, Liebe und Hoffnung umfasst. „Neben dem „Immer-mehr“, gebe es das Genug; genug zum Leben, zum Teilen und vor allem genug zum Dankbarsein.“

Barmherzigkeit: Genug zum Teilen

Rahel Röthlisberger3. ist Assistenzärztin und Mitglied von ChristNet. Sie berichtete, wie sie von Gott auf einen Weg der Barmherzigkeit geführt wurde. In einer Lebenskrise erhielt sie als Berufung Jesaja 61,1: „Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen.“ Ein Aufenthalt in Afrika hat ihr Weltbild umgeworfen: Die grosse Armut auf der einen Seite und deren Ausblendung in der Schweiz auf der anderen. Nach einer Konferenz über die „Herausforderung Armut“ in einem chicen Rahmen in Olten betete sie mit Freunden und beschloss, das Experiment „cukup“ zu wagen: Während einem Jahr einen einfachen Lebensstil wählen und den Überfluss weggeben. Nun erlebte sie, wie Gott sie in finanziellen Fragen ganz besonders stützte. „Ich wünsche, dass wir Schweizer Christen uns weniger mit Materiellem beschäftigen, während andere Christen ums Überleben kämpfen“, so schliesst sie ihr Zeugnis ab.

Publikumsdiskussion: Was können wir tun?

An der Podiums-Publikums-Diskussion wurden die Themen weiter vertieft und konkrete Handlungsansätze vorgeschlagen: Das Gottvertrauen helfe uns, genügsamer zu sein und echte Barmherzigkeit unseren nahen und fernen Nächsten gegenüber zu üben, wurde gefolgert.

Wolfgang Simson sprach über die „simple church“-Bewegung auf verschiedenen Kontinenten und in Amerika. Markus Meury vom Leitungsausschuss von ChristNet erwähnte die politischen Auswirkungen des Vertrauens; es mache uns gelassener und weniger ängstlich z.B. Sozialmissbrauch oder Ausländern gegenüber. Samuel Ninck, Koordinator von ChristNet sprach schliesslich von der Möglichkeit, ein Netzwerk von Initiativen für einfachen Lebensstil zu schaffen. „Wir haben viel gesprochen, jetzt müssen wir handeln“, schloss Rahel Röthlisberger.



1. Notamment les versets 30b et 32 : « Votre Père sait que vous avez besoin [de ces choses]. … N’aie pas peur, petit troupeau! Car il a plu à votre Père de vous donner le royaume. »

2. z.B. Der Preis des Geldes ? Wege zur finanziellen Freiheit. Brendow, Moers. 2005.

3. Ein Interview mit ihr ist hier zu finden: http://www.christnet.ch/Home.aspx?docid=555&lang=de

Photo by Clay Banks on Unsplash

 

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