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1.-August-Predigt: Dank, Busse, Gebet in der Schweiz, für die Schweiz

Theologie
Lesezeit / Temps de lecture ~ 6 min

Predigt zum 1. August 2004 von Felix Ruther (VBG-Studienleiter), gehalten in der Casa Moscia (Kurs- und Ferienzentrum der VBG)

Einleitung

Weil unser eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag immer weniger der eidgenössischen Besinnung dient, möchte ich meine Predigt zum 1. August anhand der drei Begriffe Dank, Busse und Gebet ausgestalten.

Dank

Ich lasse Sie liebe Zuhörerinnen und Zuhörer an einem kleinen Dialog teilhaben:

Wurde die Schweiz im 2.Weltkrieg verschont, weil viele Schweizerinnen und Schweizer gebetet haben? Vielleicht. Aber haben denn die Deutschen oder Franzosen nicht gebetet? Vermutlich haben auch in diesen Ländern viele um Bewahrung gebetet. Waren es denn weniger, so dass die Katastrophe über ihre Länder hereinbrechen konnte? Ich weiss es nicht ? aber ich glaube nicht, dass die Gebetsquantität entscheidend ist. Worauf kam es denn an? Es war Gnade!

In 5. Mo 7,7 sagt Gott zum Volk Israel: « Nicht weil ihr alle Völker an Zahl überträfet, neigte sich Jahwe euch zu und erwählte euch : denn ihr seid das kleinste von allen Völkern. »

Ich denke, dass das auch auf uns Schweizer zutrifft. Nicht unsere Grösse, sei sie nun geistlich oder menschlich definiert, war entscheidend. Entscheidend war und ist die freie Zuwendung Gottes.

Dennoch glaube ich, dass wir Schweizer uns oft zuviel auf unsere eigene Leistung einbilden. Manchmal sogar auf unsere fromme Leistung.

Sicher ist es ein Ausdruck psychischer Gesundheit, wenn wir uns über eine vollbrachte Tat oder Leistung freuen. Das soll so sein. Aber über all dem Guten, das der Schweiz und ihrem Volke widerfahren ist, kann es leicht geschehen, dass wir vergessen, dass Gott letztlich der Geber alles Guten ist. Paulus wusste das noch ganz klar: « Nicht, als ob wir von uns aus fähig wären, etwas zu ersinnen wie aus eigener Kraft, sondern unsere Befähigung stammt aus Gott » (2. Kor 3,5). In 1.Korinther 2,12 geht Paulus sogar so weit, den Unterschied zwischen jenen, die den Geist Gottes in sich tragen und denen, die vom Weltgeist geprägt sind, darin zu sehen, dass jene die den Geist Gottes erhalten haben, wissen, was ihnen durch Gottes Gnade geschenkt wurde.

Wer durchschnittlich gesund ist und weiss, dass seine Güter letztlich als Geschenk von Gott stammen, der zeigt das in seiner Dankbarkeit. In Epheser 5,20 bringt Paulus daher den Empfang des Heiligen Geistes mit der Dankbarkeit in Zusammenhang: « Werdet des Geistes voll … indem ihr dem Gott und Vater allezeit für alles dankt, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. »

Diese Dankbarkeit, als Grundhaltung eines Menschen, der weiss, dass letztlich alles Geschenk ist, vermisse ich aber zunehmend in unserer Schweiz – auch unter jenen, die sich vom Geiste Gottes geleitet wissen. In Moscia konnte ich Leiterstellvertreter diesbezüglich einiges beobachten: Fordern, auf seinem Recht bestehen, jammern usw. scheint eine sich ausbreitende Grundhaltung der Schweizer zu werden. Sie können sich vorstellen, wie es mich gefreut hat, als die jungen Leiterinnen und Leiter des Kinderprogramms einer Familienwoche sich nach getaner Arbeit sogar noch bei mir bedankten.

Unsere Dankbarkeit zeigt sich dann aber nicht nur in schönen Dankgebeten, sondern auch darin, dass wir uns grosszügig denen gegenüber erweisen, die weniger haben als wir. Dieser Grosszügigkeit können Sie am Schluss des Gottesdienstes Ausdruck verleihen. Wir legen Geld zusammen für ein Kinderprojekt in Bangladesch.

Ich hoffe und bete, dass wir Schweizer wieder zu dieser Dankbarkeit zurückfinden, die sich dann auch in der Solidarität mit den Hungernden und Leidenden ausdrückt. Ich hoffe und bete auch, dass diese Dankbarkeit wieder ein zentrales Erziehungsziel in unserer Gesellschaft wird ? angefangen bei uns und unseren Kindern.

Möge diese verschenkende Dankbarkeit in unserem Volke und unseren Familien wieder zu einer Grundhaltung werden, denn wenn nicht, könnte uns Gott durch seine erzieherischen Massnahmen daran erinnern, dass wir das Gute ihm verdanken und nicht nur unserer eigenen Leistung. Paulus schreibt davon im 2. Korinther 1,9: « Wir vernahmen nur deshalb in unserem Innern das Todesurteil, damit wir nicht unser Vertrauen auf uns selber setzten, sondern auf Gott. »

Busse heisst Umkehr

Umkehr im Umgang mit der Schöpfung

Das Wort Busse muss präzisiert werden, denn wenn heute jemand eine Busse erhält, dann denkt er im Normalfall, dass mit der Bezahlung alles wieder in Ordnung sei. Busse meint aber eigentlich einen Gesinnungswandel. Sünde ist gemäss der Bibel eine Zielverfehlung. So meint Busse die Umkehr vom falschen Ziel, meint die Kehrtwendung auf den Weg zum guten Ziel hin.

Nun, wo müssten wir als Einzelne und als ganzes Volk umkehren  » eben Busse tun  » und uns zurück auf den Weg zu Gottes Zielen hin begeben? Ich möchte nur einige wenige Dinge nennen, die mir gerade zuforderst sind: In meinem Studium des 5. Buchs Mose ist mir ein Satz aufgefallen, in dem Gott zu Israel sagt: « Siehe, dies Land stelle ich euch zur Verfügung… » (1,8) Und in einem Psalm lesen wir, dass die ganze Welt Gott gehört. Wenn ich aber unser Verhalten betrachte, dann komme ich zum Schluss, dass wir meinen, das Land gehöre uns. Wem bewusst wäre, dass das Land Gott gehört, der würde anders mit ihm umgehen. Der würde es mit Vorsicht geniessen und nicht derart ausbeuten, mit Abfall belasten und verschandeln. Hier müssten wir  » auch wir Christen  » umkehren.

Abkehr vom Materialismus

Einen anderen Punkt, der mir durch die Lektüre des 5. Mosebuchs in den Sinn gekommen ist, möchte ich noch erwähnen: Gott ermahnt sein Volk immer wieder, es soll keinen fremden Götzen nachzulaufen. Hierzu könnte man auch vieles bemerken. Lassen Sie mich nur darauf hinweisen, dass wir in der Schweiz zunehmend einem einzigen Gott huldigen, den man Materialismus nennen könnte. Wir fragen bei unseren Unternehmungen nicht mehr, ob etwas menschen- und auch gottgerecht ist. Allenfalls fragen wir noch, ob etwas sachgerecht ist. Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit dominiert fast all unsere politischen Aktionen und Entscheide. Hier müssen wir als Einzelne und auch als ganzes Volk umkehren und die Wege Gottes neu aufsuchen.

Umkehr zur Zivilcourage

Und eine letzte Beobachtung. Immer häufiger wird in der Presse berichtet, wie Einzelne oder kleine Gruppen mit einer Unverfrorenheit auftreten können und Regeln und Gesetze verletzen, ohne dass jemand etwas dazu sagt. Das schuldhafte Schweigen nimmt in unserer Gesellschaft epidemisch zu. Francis Schaeffer schrieb schon vor längerer Zeit, in seinem Buch « Wie können wir denn noch leben », dass in unseren westlichen Gesellschaften nur noch zwei kümmerliche Werte hochgehalten würden, der persönliche Wohlstand und der persönliche Frieden. Mit persönlichem Frieden meinte er eben dies, dass wir fast alles opfern, um uns nur ja nicht aus unserer Ruhe aufscheuchen zu lassen. Auch hier denke ich, dass wir umkehren müssen.

Gebet

Vor zwei Jahren wurde ich an eine Tagung der Zeitschrift « Aufatmen » eingeladen. Leitende aus verschiedenen Kirchen und Gemeinden trafen sich in Deutschland. Gegen Ende der Tagung wurde ich gebeten, drei politische Anliegen aus der Schweiz zu nennen. Als dann die anderen Nationen für die Schweiz beteten, wurde keines meiner Anliegen aufgenommen. Man betete dafür, dass Menschen zum Glauben kommen und dass die Gemeinden wachsen. Das sind auch Anliegen, für die ich regelmässig bete. Dennoch war ich über die mangelnde politische Sicht dieser Gemeindeleiter erschüttert.

Damals nannte ich die folgenden Anliegen. Für diese Anliegen bete ich auch heute noch:

Prophetische Worte

Gott möge uns leitende Menschen in Politik und Wirtschaft schenken, die prophetische Worte an unsere Nation richten können. Also Worte mit Kraft und Gewicht, weil sie im Auftrage Gottes gesprochen wurden.

Neue Politkultur

Ich sorge mich darüber, dass in unserem Land die politische Gesprächskultur vergiftet ist. Wenn man sich die einschlägigen TV-Diskussionen anschaut, dann merkt man, dass eigentlich keine Gespräche mehr geführt werden. Fast alle Beteiligten breiten nur noch ihre Parteilparolen aus und suchen nicht mehr im gemeinsamen Diskurs die beste Lösung. Es geht um Macht und nicht mehr um das Wohl des Landes. Ich bete um eine neue Politkultur in unserem Land.

Eine Sicht für das Gesamtwohl

Es gibt zu viele »Idioten » in unserem Land. Im alten Griechenland unterschied man zwischen dem Politäs und dem Idiotäs. Der Politäs war jemand, der die ganze Polis (Stadtstaat) im Auge behielt, während der Idiotäs nicht weiter als bis zu seinem Gartenzaun denken konnte. Auch unter uns Christen gibt es zu viele « Idiotien ». In einer christlichen Wahlempfehlung wurden einmal die « zentral christlichen Anliegen » aufgelistet und auch jene Politiker, die in diesen Themen die richtige Position vertreten haben. Sie soll man wieder wählen. Als « zentral christliche » Anliegen wurden erwähnt: Abtreibungsfrage, Homosexualität und Drogen. Kein Wort über die neue Armut, kein Wort zu Umweltfragen, kein Wort zu den vielen Verkehrstoten, kein Wort zur Macht und Geldkonzentration in der Wirtschaft usw. Sind das alles Themen, die uns Christen nichts angehen sollen? Wenn ja, wäre das eine klassische Idiotie.

Eine Zwischenfrage: Haben Sie Ihren Zahnarzt gewählt, weil er Christ ist oder weil er ein guter Zahnarzt ist? Und wie wählen Sie die Politiker und Politikerinnen? Aus Liebe zur Schweiz, wähle ich Menschen in die Regierung, die das Gesamtwohl im Auge haben. Wenn sie auch noch an Jesus glauben ? umso besser für sie. Das ist aber nicht meine erste Wahlüberlegung. Denn wie die oben erwähnte Wahlempfehlung zeigt, muss beides nicht zwingend zusammengehen.

So bete ich auch, dass wir  » zuerst in unseren Kreisen, auch ich selber  » unsere Idiotien aufgeben können. Schon vor ca. 2500 Jahren hat Gott durch den Propheten Haggai sein Volk ermahnt: « Ihr sagt, es ist noch nicht Zeit den Tempel wieder aufzubauen, während ihr selber in euren feingetäfelten Häusern sitzt. » (1,4) Auch wir neigen allzu oft dazu, unsere eigenen Häuser auszubauen, während das Grosse darniederliegt. Und Haggai sagte weiter: « Schaut doch, wie es euch geht. Ihr säht und erntet, werdet aber nicht satt. Ihr trinkt und habt dennoch weiter Durst. » (1,6) Hier macht uns Gott auf eine ganz wichtige Tatsache aufmerksam. Erfüllung finden wir nicht in unseren kleinkarrierten Zielen. Idiotien erfüllen letztlich nicht. Möge Gott seiner Gemeinde einen neuen Aufbruch schenken, der darin besteht, dass wir wieder das Grosse, das Wohl der Gesamtheit  » weltweit  » in den Blick kriegen.


Photo by Erwan Hesry on Unsplash

25. août 2004/0 Commentaires/par Felix Ruther
Etiquettes : switzerland
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