Klimawandel: Der vollkommene ethische Sturm

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Der «vollkommene Sturm» war ein extremer Sturm über dem Atlantik, der 1991 durch das Zusammentreffen verschiedener heftiger Wetterphänomene verursacht wurde. Der Klimawandel ist ethisch gesehen ein solch vollkommener Sturm: Verschiedene Aspekte, die alleine bereits eine grosse ethische Herausforderung darstellen, treffen beim Klimawandel aufeinander. Diese vier Stürme zusammen bewirken, dass wir oft überfordert sind, wenn es darum geht, mit den ethischen Massstäben, die wir aus dem Alltag, unserer Erziehung und Gottes Geboten kennen, auf den Klimawandel zu antworten.

1. Die zeitliche Distanz

Der erste ethische Sturm ist die zeitliche Distanz: Sowohl die Schäden, die wir heute durch den CO2-Ausstoss verursachen, als auch die Investitionen in den Klimaschutz entfalten ihre volle Wirkung erst nach Jahrzehnten. Sind Klimaschäden aber einmal eingetreten, so dauern sie lange an.

2. Die räumliche Distanz

Der zweite ethische Sturm ist die weltweite Wirkung und Ungerechtigkeit. Die Menschen in den Industrieländern sind viel stärker verantwortlich für den globalen CO2-Ausstoss, während die Entwicklungsländer überproportional von den Folgen getroffen werden und schlecht dafür gerüstet sind. Weiter hat der Klimawandel enorme Auswirkungen (Dürren, Überschwemmungen, wirtschaftliche Einbussen, Krankheiten), die aber, auf Tausende «kleinere» Schäden weltweit verteilt, erst im Gesamtbild gravierend sind.

3. Fragmentierte Ursachen

Dasselbe gilt für die Ursachen: Der durchschnittliche Einwohner eines Industrielandes verursacht im Laufe seines Lebens einen Temperaturanstieg von vielleicht einem halben Milliardstel Grad. Der Klimawandel wird nicht durch eine einzige, grosse, böswillige Handlung verursacht, sondern durch tausend kleine, normale Alltagshandlungen.

4. Ungewisse Auswirkungen

Der vierte ethische Sturm besteht in den ungewissen Auswirkungen. Zwar herrscht unter den Wissenschaftlern heute Einigkeit darüber, dass Klimawandel ein enorm ernstes Problem ist, doch ist die Bandbreite der Einschätzungen darüber, wen es wie fest und auf welche Art treffen wird, sehr gross.

Fazit: Konkretisieren und veranschaulichen

Unsere gängigen ethischen Regeln sind für konkrete Beziehungen, einen überschaubaren Raum und fassbare Auswirkungen gemacht. Mit den grossen zeitlichen und räumlichen Distanzen, wie sie in der Klimaproblematik auftreten, sind wir überfordert. Dazu hat unser Denkvermögen grosse Mühe, unsichere Prognosen und Wahrscheinlichkeiten einzuordnen. Wegen diesem «vollkommenen Sturm» ist es für uns schwierig, uns konkret gegen den Klimawandel einzusetzen.

Eine Lösung besteht darin, dass wir die Klimaproblematik herunterbrechen und die Auswirkungen veranschaulichen. Wenn wir die zeitlich und räumlich weit auseinander liegenden und fragmentierten Auswirkungen des Klimawandels konkretisieren und plastisch vor Augen führen, gibt uns das die Fähigkeit, den Antrieb, das Verständnis und den Mut, etwas gegen den drohenden Wandel zu tun.

 


Photo by Markus Spiske on Unsplash

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