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Schlagwortarchiv für: nachhaltigkeit

Ernährungsinitiative: Politisch kaum unterstützt und doch relevant

Gesellschaft, Gesundheit, Politik, Soziales
Lesezeit / Temps de lecture ~ 4 min

Am 27. September 2026 stimmt die Schweiz über die Ernährungsinitiative ab. Sie verlangt, dass die Schweiz ihre Lebensmittelversorgung stärker aus eigener Produktion deckt: ein Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent, Förderung pflanzlicher Lebensmittel, Schutz von Trinkwasser und Böden sowie eine Reduktion von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Obwohl sich viele Politiker_innen für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzen, wird die Initiative von allen grossen Parteien abgelehnt.

Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» erhält auf politischer Ebene kaum Unterstützung. SP, FDP, Mitte, GLP, EVP und SVP empfehlen ein Nein. Die Grünen haben Stimmfreigabe beschlossen. Die Junge Grüne ist die einzige Partei, die die Vorlage befürwortet. Im Parlament war die Ablehnung sogar einstimmig: 194 zu 0 im Nationalrat und 44 zu 0 im Ständerat. Im Angesicht ganzjährig steigender Temperaturen und sinkender Niederschlagsmengen stellt sich die Frage, weshalb die Politik die Vorlage so deutlich ablehnt.

Unrealistische Zielsetzung?

Grundsätzlich befürworten viele Politiker_innen eine nachhaltige Landwirtschaft, weniger Abhängigkeit vom Ausland und einen besseren Schutz des Trinkwassers. Die Initiative beinhaltet eine weitere Stärke: Sie verbindet Anliegen von links – Klimaschutz, nachhaltige Bodennutzung und pflanzliche Ernährung, mit Anliegen von rechts – einem stark auf Unabhängigkeit und Krisenvorsorge ausgerichteten Ansatz. Woher kommt nun die generelle Ablehnung? Die Parteien halten das Ziel, innerhalb von zehn Jahren 70 Prozent der Lebensmittelversorgung aus eigener Produktion zu decken für unrealistisch und befürchten, dass es zu zusätzlicher Intensivierung der Landwirtschaft führen könnte. Hinzu kommt die Struktur der Schweizer Landwirtschaft: Rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche bestehen aus Wiesen und Weiden. Diese Flächen liessen sich nicht einfach in Gemüse- oder Getreidefelder umwandeln, so die Gegner der Vorlage. Zudem befürchten sie, dass die Initiative die Konsumfreiheit einschränkt. Diesem Argument halten die Initianten aber entgegen, dass es mit dem Fokus auf inländische Produktion pflanzlicher Lebensmittel vielmehr um Ernährungssicherheit und nicht um eine Abkehr von tierischen Produkten geht. Der Initiativtext spricht nicht von einem Konsumzwang pflanzlicher Nahrungsmittel, sondern der Möglichkeit, Subventionen neu zu organisieren und somit den Gemüse- und Ackerbau zu stärken. Es kann auch deshalb nicht von einem Konsumzwang die Rede sein, weil der Mensch als Omnivore* sowieso hauptsächlich pflanzliche Nahrung verspeist. Fleisch und Milchprodukte sollten auf dem Teller die Beilage sein – nicht aus ideologischen, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Auf die intensivere Produktion pflanzlicher Lebensmittel zu setzen ist demnach sinnvoller, wenn es um die Ernährung der Schweizer Bevölkerung geht.

Ernährungssicherheit ist biblisch

Ungeachtet dessen, was an der Urne entschieden wird, rückt die Initiative die Themen Ernährungssicherheit und Trinkwasserschutz ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der diesjährige Hitzesommer hat gezeigt, dass das Wasserschloss Europas in Zukunft weise mit seinen Wasserreserven haushalten muss. Notschlachtungen von Nutztieren wegen Futter- und Wasserknappheit sind bereits seit einigen Jahren eine Realität. Nutzpflanzen können je nach Sorte besser oder schlechter mit Hitze und Wasserknappheit umgehen. Somit ist das Anliegen der Initiative, vermehrt auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel zu setzen, gar nicht so abwegig. Auch die Bibel gibt uns wertvolle Tipps, wie sich ein Land auf sich verändernde klimatische Bedingungen einstellen kann. In keiner Geschichte wird das Prinzip einer vorsorglichen, nachhaltigen Landwirtschaft so deutlich, wie bei Josef.

Nachdem der Pharao im 1. Mose 41 Josef seinen Traum der sieben fetten und sieben mageren Kühe geschildert hatte, stand fest: Gott gab dem Pharao die Möglichkeit, sein Land auf eine siebenjährige Dürre vorzubereiten, indem er in den ertragreichen Jahren Getreide einlagerte. Die Verantwortung dafür übertrug der Pharao Josef, denn er erachtete ihn als weise und erkannte den Geist Gottes in ihm. Die Versorgung des Landes mit genügend Nahrung und der gerechten Verteilung lag also nicht nur in den Händen Gottes, sondern auch in der Verantwortung der politischen Oberhäupter. Sie entschieden sich aufgrund der Warnungen Gottes für eine nachhaltige und vorsorgliche Landwirtschaft, was ihnen und sogar den Nachbarvölkern das Überleben sicherte.

Weisheit und politische Führung

Dank moderner Klimamodelle und Wetterprognosen sind wir heute nicht mehr auf die warnenden Träume von Gottesmännern und -frauen angewiesen, um uns auf mögliche Umweltveränderungen einzustellen. Was jedoch bleibt, ist der weise, vorsorgliche und wertschätzende Umgang mit unseren Nutzpflanzen- und tieren, dem Boden und dem Trinkwasser. Die Geschichte von Josef zeigt, dass die Bevölkerung nicht von selbst eine nachhaltige Landwirtschaft anstreben kann. Es braucht politische Führung. Die Ernährungsinitiative kann als wichtiger Aufruf aus der Bevölkerung betrachtet werden, dass die Politik sich den Themen nachhaltige Landwirtschaft, Trinkwasserschutz und Ernährungssicherheit stärker widmen soll. Sie fordert Lösungen ein, damit das Wasserschloss Europas auch in Zukunft weiter fliesst und unsere Böden genügend Nahrung für die Bevölkerung hervorbringen. Auch wenn die Zielsetzung der Initiative zu idealistisch erscheint und sie deshalb politisch keine Unterstützung gefunden hat: Sie kann der Politik, ähnlich wie der Traum des Pharaos, die nötige Motivation mitgeben, in absehbarer Zeit die Weichen für eine nachhaltigere Landwirtschaft zu stellen. Und der Rest liegt in Gottes Händen.

* Der Mensch kann sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung aufnehmen und verwerten.


Quellen

Barth, S. (2026): Kein Futter, keine Wahl: Warum die Landwirtschaft gerade an die Substanz geht. BauernZeitung. Link: https://www.bauernzeitung.ch/artikel/politik-maerkte/kein-futter-keine-wahl-warum-die-branche-gerade-an-die-substanz-geht (Stand: 11. August 2026).

Der Bundesrat. Das Portal der Schweizer Regierung (2026): Ernährungsinitiative. Link: https://www.admin.ch/de/ernaehrungsinitiative (Stand: 31. August 2026).

ERF Bibelserver (2016): Lutherbibel 2017. 1. Mose 41. Link: https://www.bibleserver.com/LUT/1.Mose41 (Stand: 31. August 2026).

Fedlex. Die Publikationsplattform des Bundesrechts (2026): Bundesbeschluss 
über die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)». Link: https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2026/800/de (Stand: 31. August 2026).

Lanz, S. (2026): Ja-Lager: Kein «Vegi-Zwang», aber mehr Unabhängigkeit vom Ausland. 20 Minuten. Link: https://www.20min.ch/story/ernaehrungsinitiative-ja-lager-kein-vegi-zwang-aber-mehr-unabhaengigkeit-vom-ausland-103595018 (Stand: 2. Juli 2026)

SRF (2026): Nein-Komitee präsentiert Gegenargumente zur Ernährungsinitiative. Link: https://www.srf.ch/news/schweiz/ernaehrungsinitiative-nein-komitee-praesentiert-gegenargumente-zur-ernaehrungsinitiative (Stand: 18. Juni 2026).

Verein Sauberes Wasser für alle (2026): Initiative für eine sichere Ernährung. Link: https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/ (Stand: 31. August 2026).

10. September 2026/0 Kommentare/von Noelia Trachsel
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2026/09/volksabstimmung-21739821.jpg 956 1700 Noelia Trachsel https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Noelia Trachsel2026-09-10 13:00:312026-09-15 17:33:18Ernährungsinitiative: Politisch kaum unterstützt und doch relevant

Umweltethik: Der Energiehunger der KI ist noch ihr kleinstes Problem

Dossier: Informationsmacht, Dossiers, Entwicklung, Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft
Lesezeit / Temps de lecture ~ 5 min

Für den barmherzigen Samariter war Nächstenliebe sehr direkt: Jemand liegt auf seinem Weg, blutet und leidet. Im 21. Jahrhundert ist Nächstenliebe komplex geworden – und nichts illustriert das so gut wie die Künstliche Intelligenz (KI). Wir können durch KI unermessliches Leid bewirken – oder auch verhindern. Aber wenn wir das tun, dann vor allem indirekt.

Die Schlagzeilen sind allgegenwärtig: Die «Finanz und Wirtschaft» schreibt vom explodierenden Strombedarf aufgrund von KI1 , im Schweizer Fernsehen wird diskutiert, ob es Energieverschwendung ist, sich bei der KI für eine Antwort zu bedanken2 , und meine eigene Uni Fribourg ermutigt mich zu zurückhaltender KI-Nutzung3 .

Die direkte Umweltbelastung durch KI ist klein

Doch der Eindruck täuscht: Die direkte Umweltbelastung durch den persönlichen KI-Gebrauch ist verschwindend klein. Wenn die KI diesen Text geschrieben hätte, hätte das über hundert Mal weniger Energie gebraucht, als wenn ich und mein Laptop diesen Text zusammen erschaffen4 . Wenn Sie diesen Text innerhalb von zehn Minuten am Laptop lesen, braucht das gleich viel Energie wie zehn KI-Anfragen5 . Das Lesen am Bildschirm ist dabei nicht mal der grosse Sündenbock. Die Herstellung eines physischen Buchs braucht gleich viel Energie wie 6000 KI-Anfragen6 . Mit dem Wasserverbrauch sieht es ähnlich aus. Ein 400-seitiges Buch braucht gleich viel Wasser wie eine Million KI-Anfragen7 .

Im Detail sind diese Zahlen zwar alle mit grosser Unsicherheit behaftet (und sie beziehen sich grösstenteils auf Text-Anfragen, nicht auf Bild-/Video-Anfragen). Aber die Grössenordnung ist nicht unsicher. Wir können als Individuen Grosses für die Umwelt tun, etwa indem wir abstimmen und wählen, spenden, uns pflanzlich ernähren oder auf Flug- und andere Reisen verzichten – aber nicht, indem wir auf KI-Anfragen verzichten.

Wenn die KI-Nutzung für jeden Einzelnen von uns nur einen kleinen Bruchteil des ökologischen Fussabdrucks ausmacht, dann gilt das auch für den Fussabdruck der Menschheit als Ganzes. KI-Rechenzentren waren im Jahr 2024 für weniger als einen Tausendstel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich; etwa fünfzig Mal weniger als die Zementproduktion8 . Diese Schätzung ist mit reichlich Unsicherheit behaftet – und vor allem betrifft sie das Jahr 2024. In Sachen KI gehört das zur Steinzeit. Aber auch die Zukunft ist weniger dramatisch als es oft dargestellt wird. Sogar wenn der Stromverbrauch der Rechenzentren im Jahr 2030 auf das Doppelte ansteigt – was die Internationale Energieagentur erwartet – so entspricht das trotzdem «nur» 3% des weltweiten Verbrauchs9 . Dazu kommt, dass wir beim Strom klarere Lösungen für die saubere Herstellung sehen als in Bereichen wie Zement, Stahl, Flugverkehr oder Landwirtschaft10 .

KI ist alles andere als harmlos

Jetzt kommt das grosse Aber. Die direkten Umweltauswirkungen der KI mögen klein sein. Die indirekten Auswirkungen sind es nicht. Die KI könnte unsere Welt auf den Kopf stellen – und falls sie das tut, dann geht das nicht, ohne die Umwelt zu tangieren.

«Die direkten Umweltauswirkungen der KI mögen klein sein. Die indirekten Auswirkungen sind es nicht.»

Ökonominnen und Ökonomen erwarten typischerweise, dass KI das Wirtschaftswachstum spürbar ankurbeln wird11 . Selbstfahrende Autos könnten zu einem höheren Verkehrsaufkommen beitragen. KI könnte totalitäre Regimes stärken, weil sie die Bevölkerung besser kontrollieren können, oder demokratische Regimes durch eine wirtschaftliche Machtkonzentration untergraben – beides wäre eine Gefahr für die politische Regulierung von Umweltproblemen. Effekte dieser Art schenken wohl weit mehr ein als die Emissionen der Rechenzentren selbst.

Natürlich könnte auch das Gegenteil eintreten. Wenn die KI in Google Maps für kürzere und flüssigere Fahrten sorgt, dann ist das gut für die Umwelt. Ebenso ist es für die Nachhaltigkeit gut, wenn die KI die Forschung zu sauberen Technologien beschleunigt, in polarisierten und ideologischen Umweltdebatten sachliche Information verbreitet oder Stürme und Dürren besser vorhersagen lässt.

Ich sehe zurzeit keine besonders starke Evidenz dafür, dass die indirekten Umweltauswirkungen der KI unter dem Strich gut oder schlecht sind. Aber ich sehe starke Evidenz dafür, dass sie gross sein könnten: entweder sehr gut oder sehr schlecht. Im Gegensatz zu den direkten Auswirkungen der Rechenzentren ist die Bandbreite an möglichen Folgen riesig. Der Grund ist schlicht und einfach, dass KI viel kann. Wenn ich mich in einer Wette festlegen müsste, so würde ich daraufsetzen, dass KI transformativer sein wird als technologische Innovationen wie Radio, Laser oder GPS – und auch als das Internet oder sogar die Elektrizität.

Wenn wir nicht bloss die Umweltfolgen der KI in Betracht ziehen, sondern ihre Auswirkungen auf die Würde und das Wohlergehen von Gottes Geschöpfen umfassender anschauen, dann sind etwas klarere Aussagen möglich. Zurzeit können nämlich radikal schlechte Szenarien – inklusive eines Kontrollverlusts über diese Technologie – nicht mit genügend hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, um allfällige positive Folgen für die Zukunft aufzuwiegen. Nobelpreisträger Geoffrey Hinton, einer der drei «Godfathers» der KI, hat die Wahrscheinlichkeit einer KI-getriebenen Menschheitsauslöschung in den nächsten drei Jahrzehnten öffentlich auf 10-20% beziffert12 . In einer Umfrage unter mehr als zweitausend Mitgliedern der KI-Forschungsgemeinschaft gab jeder Dritte eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 10% an, dass KI zu einem Ergebnis führt, das so schlimm wie die Menschheitsauslöschung ist13 .

Eine solche Gefahr kann durch kaum etwas aufgewogen werden. Auch wenn die KI Dürren, Depression und Diktatoren ins Geschichtsbuch versetzen könnte – die Negativrisiken sind zurzeit zu hoch, als dass wir diese Technologie unterstützen sollten.

Das Fazit

Das Fazit lautet also:

  1. Die direkten Umweltauswirkungen der KI sind klein.
  2. Die indirekten Umweltauswirkungen der KI könnten sehr gross sein – und zwar im positiven wie im negativen Sinn.
  3. Die weiteren Auswirkungen der KI könnten ebenfalls sehr positiv oder sehr negativ sein. Die möglichen negativen Folgen sind aber derart schlimm und lassen sich nur derart schwer ausschliessen, dass wir bezüglich KI sehr zurückhaltend sein sollten.

Oder in einem Slogan gesagt: KI-Skepsis ist angebracht …

aber nicht, weil die KI so viel Energie braucht (und dabei nicht mal was bringt, weil sie ja sowieso nichts kann);
sondern genau, weil die KI so viel kann (und dabei nicht mal so viel Energie braucht).

Und ein Fazit, das über die KI hinausgeht

Man könnte es als glücklichen Zufall ansehen, dass die direkten Umweltauswirkungen der KI oft überschätzt werden. Denn schliesslich befeuert diese Überschätzung die KI-Skepsis – und genau diese Skepsis ist ja angebracht! Richtiger Schluss, falsche Begründung.

Doch ich glaube nicht, dass man diese Überschätzung begrüssen sollte. Letztlich zahlt es sich aus, wenn wir uns um ein genaues Erfassen der Wirklichkeit bemühen. Die Auswirkungen unseres Handelns sind in den letzten Jahrzehnten viel komplexer geworden. Wer heutzutage den Nächsten dienen will, sollte die eine Hälfte der Zeit dafür einsetzen, abzuschätzen, wie den Nächsten denn tatsächlich gedient ist – und nur die andere Hälfte der Zeit, um diese Einsichten auch in die Tat umzusetzen. Damit praktizieren wir wirksamere Nächstenliebe, als wenn wir blind draufloshandeln – zum Beispiel, indem wir blind auf KI-Anfragen verzichten, obwohl diese KI-Anfragen uns dabei helfen könnten, den Nächsten zu dienen.

Die Welt ist nicht derart verwirrend geworden, dass sich unsere Bemühungen um ein besseres Verständnis nicht mehr lohnen würden. Wir können weiterhin abschätzen, was unseren Nächsten viel hilft und was wenig. Dazu ist es aber nötig, dass wir:

  • weniger auf unsere Intuition hören, welche direkte, sichtbare Effekte überschätzt – und mehr auf (sorgfältig ausgewählte) Fachpersonen hören;
  • weniger darauf achten, ob etwas einen guten oder schlechten Effekt hat – und mehr auf die Grössenordnungen dieser Effekte achten;
  • weniger an umfassende und unveränderliche Schwarz-Weiss-Narrative glauben – und uns flexibler auf neue Daten und Argumente einlassen, die nicht in unser bisheriges Weltbild passen.

Quellen

1. https://www.fuw.ch/ai-boom-laesst-strombedarf-explodieren-855216581552

2. https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/espresso/kuenstliche-intelligenz-hoeflich-zur-ki-eine-reine-energieverschwendung

3. https://www.unifr.ch/durabilite/assets/public/assets/uploads/L_impact_nerg_tique_de_l_utilisation_de_l_IA_1.pdf

4. https://andymasley.substack.com/p/a-cheat-sheet-for-conversations-about?open=false#%C2%A7ais-effect-on-climate-will-mostly-depend-on-how-its-used-not-on-what-happens-in-data-centers:~:text=Using%20a%20laptop%20for%201%20minute

5. https://andymasley.substack.com/p/a-cheat-sheet-for-conversations-about?open=false#%C2%A7ais-effect-on-climate-will-mostly-depend-on-how-its-used-not-on-what-happens-in-data-centers:~:text=to%20use%20more%20energy%20per%20minute%20than%20ChatGPT

6. https://andymasley.substack.com/p/a-cheat-sheet-for-conversations-about?open=false#%C2%A7ais-effect-on-climate-will-mostly-depend-on-how-its-used-not-on-what-happens-in-data-centers:~:text=going%20to%20use%20more%20energy

7. https://andymasley.substack.com/p/the-ai-water-issue-is-fake?open=false#%C2%A7how-big-of-a-deal-is-it-that-data-centers-use-potable-water:~:text=%2D%202550%20prompts-,A%20400%20page%20book%20%2D%201%2C000%2C000%20prompts,-If%20you%20want

8. https://andymasley.substack.com/p/a-cheat-sheet-for-conversations-about?open=false#%C2%A7ais-effect-on-climate-will-mostly-depend-on-how-its-used-not-on-what-happens-in-data-centers:~:text=But%20all%20AI,as%20cement%20production.

9. https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/energy-demand-from-ai#:~:text=Our%20Base%20Case%20%C2%A0finds%20that%20global%20electricity%20consumption%20for%20data%20centres%20is%20projected%20to%20double%20to%20reach%20around%20945%C2%A0TWh%20by%202030%20in%20the%20Base%20Case%2C%20representing%20just%20under%203%25%20of%20total%20global%20electricity%20consumption%20in%202030

10. Die Zahlen in diesem Abschnitt stützen sich primär auf die Übersichten von Andy Masley. Er legt seine Zahlen transparent dar, begründet nüchtern, legt Unsicherheiten offen, und setzt sich mit den divergierenden Zahlen – bzw. Narrativen – auseinander. Meines Wissens gibt es keine signifikanten Einwände gegen sein Fazit. Wenn es um umstrittene Fakten im Umweltbereich geht, so höre ich jeweils auf die Daten- und Umweltwissenschaftlerin Hannah Ritchie und sie hat Andy Masleys Recherchen explizit empfohlen. Auch andere unabhängige Quellen blasen ins gleiche Horn. Eine prominente Buchautorin hat ihre Zahlen zum KI-Wasserverbrauch aufgrund von Masleys Recherchen massiv angepasst. An dieser Stelle will ich mit Dank anerkennen, dass sich dieser Artikel nicht nur für die Zahlen auf Andy Masleys Arbeit stützt, sondern auch breiter von seinem Framing und seiner Argumentation profitiert.

11. https://tecunningham.github.io/posts/2025-10-19-forecasts-of-AI-growth-extended.html

12. https://www.theguardian.com/technology/2024/dec/27/godfather-of-ai-raises-odds-of-the-technology-wiping-out-humanity-over-next-30-years

13. https://arxiv.org/abs/2401.02843


Dieser Artikel erschien zuerst auf Insist.

1. März 2026/0 Kommentare/von Dominic Roser
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2026/03/QmZPFrxRKYuHU7Gxv942r1Vo5jLiQ3QuMMdnoLetexqy5k.jpg 1000 1500 Dominic Roser https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg Dominic Roser2026-03-01 11:49:122026-06-01 15:55:35Umweltethik: Der Energiehunger der KI ist noch ihr kleinstes Problem

Energie: Uneingeschränkt brauchen oder weniger nötig haben?

Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft
Lesezeit / Temps de lecture ~ 3 min

Ein erfolgreiches Gelingen der angestrebten Energiewende beruht gemäss der Schweizerischen Energie Stiftung (SES) auf drei Säulen: Erneuerbare Energien, Energie-Effizienz und Energie-Suffizienz.

Während erneuerbare Energien seit 40 Jahren im Gespräch und seit 20 Jahren als Teil der Lösung breit anerkannt sind und eingesetzt werden, gewinnt eine Verbesserung der Energie-Effizienz primär im Zusammenhang mit den neuerlichen Energiepreissteigerungen an Bedeutung, ist also kostengetrieben. Demgegenüber hat die Energie-Suffizienz in der öffentlichen Diskussion immer noch einen schweren Stand.

Offenbar wirkt das Wort «Suffizienz» abstossend. Gemäss Duden heisst es «ausreichend, genügend», es riecht aber nach Einschränkung oder Verlust. Und dies ist anscheinend mit der immer noch verbreiteten wirtschaftlichen Forderung eines notwendigen steten Wachstums unvereinbar. Auch in der Bevölkerung löst dieses Wort Ängste aus: Man befürchtet Einschränkungen beim Konsumieren oder fürchtet sich vor einer ungewissen Zukunft.

Das ist für den Bundesrat Grund genug, eine Politik zu verfolgen, die Energie zu jeder Zeit und in jeder Menge uneingeschränkt verfügbar halten will. Deshalb will er auch das bestehende Bauverbot für neue Kernkraftwerke aufheben. Und dies unter Beifall weiter Kreise der Bevölkerung!

Warum wir nicht mit weniger auskommen

Der unbedingte Wille, Energie uneingeschränkt verfügbar zu haben, zeichnet meines Erachtens ein bedenkliches Bild vom Zustand unserer Gesellschaft. Es scheint verbreitet akzeptiert zu sein, dass wir in der Schweiz weit über unsere Verhältnisse leben und bedenkenlos von Energie-Importen aller Art abhängen.

Dank unserer Kaufkraft beschaffen wir uns rund um den Erdball, was wir zu benötigen glauben. Das kommt uns billiger, als unsere eigenen natürlichen Ressourcen zu nutzen und entsprechende Infrastrukturen zu errichten. Wir betreiben damit aber modernen Kolonialismus und entziehen den wirtschaftlich schwächeren Ländern ihre Ressourcen – und das zu Spottpreisen. Das Ergebnis ist klar: Die Reichen werden reicher – die Armen werden ärmer! Solches Wirtschaften widerspricht zutiefst dem christlichen Verständnis von der Teilhabe aller am Wohlstand! Ein aktuelles Beispiel dafür sind die Diskussionen um den Lithium-Abbau in Serbien.

Der Energieverbrauch einer Gesellschaft hängt direkt mit der allgemeinen und persönlichen Lebens- und Wirtschaftsgestaltung ab. In diesem Bereich sind wir permanent einer intensiven Werbe-Berieselung ausgesetzt. Dank unserem verbreiteten Wohlstand vermögen wir es, den mannigfaltigen Verlockungen genüsslich zu erliegen. Sich diesen Versuchungen zu widersetzen, erfordert Kraft und ein Mindestmass an Bewusstsein für die Problematik, was nicht sehr verbreitet zu sein scheint.

Suffizienz-orientiertes Verhalten ist sowohl im privaten wie auch im geschäftlichen Bereich bislang weitgehend freiwillig. Es wird durch die derzeitigen ökonomischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht gefördert. Im Gegenteil, es gibt viele Anreize, die in eine andere Richtung führen. Diese entspringen dem dominierenden Gedanken der Wirtschaftsfreiheit und versprechen kurzfristigen Gewinn – und Genuss.

Was ist zu tun, um das zu ändern?

Eine nachhaltige Energiewirtschaft kann aber nicht ohne Energie-Suffizienz erlangt werden. Und diese wiederum ist ohne Verhaltensänderung im privaten wie im geschäftlichen Bereich nicht zu erreichen. Da Freiwilligkeit offensichtlich nicht ausreicht, wird die Politik für griffige Massnahmen sorgen müssen. Dies verbunden mit dem Ziel, den Energieverbrauch bei gegebenem Komfortstandard zu begrenzen.

Eine SES-Studie von 20231 skizziert einen Katalog von Vorschlägen für mögliche Massnahmen und beschreibt diese im Detail mit ihrer Wirksamkeit bzw. dem erwarteten Einsparpotenzial. Sie umfassen die Politikbereiche Energieversorgung, Mobilität, Konsum, Gebäude sowie Information/Sensibilisierung und betreffen die Energieformen Strom, Wärme, Treibstoffe und Graue Energie2 . Angesprochen sind Bund, Kantone, Städte, Gemeinden, Unternehmen und Private.

Zusammengefasst schlägt die SES-Studie folgende Massnahmen vor: Im Bereich Energieversorgung geht es um die Entkoppelung der Energieabsatzmenge vom Gewinn, progressive Energiepreise (das Gegenteil von Mengenrabatt), Verzichtsauktionen (Minderverbrauch gegenüber eines im Voraus vereinbarten Verbrauchsziels kann an andere Unternehmer, welche Mehrverbrauch hatten, weiterverkauft werden), Lenkungsabgaben, Stromsparbonus bzw. -malus sowie Effizienzvorgaben an Energieversorgungsunternehmen.

Bei der Mobilität ist Mobility-Pricing beim öffentlichen und beim Individualverkehr nötig, eine Raum- und Stadtplanung der kurzen Wege – die berühmte 15-Minuten-Stadt, in der man alle wichtigen Ziele in 15 Minuten erreicht –, vermehrte Telearbeit (Home Office) und Coworking Spaces – gemeinsam nutzbare Büros; beim Flugverkehr müssen Fehlanreize wie Befreiung von Mehrwert- und Kerosinsteuer beseitigt und Alternativen, z.B. Nachtzüge, vergünstigt werden. Schliesslich ist der Pendlerabzug in der Steuererklärung zu hinterfragen.

Beim Konsum müsste die Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten verlängertwerden, sie sollten repariert statt ersetzt werden. Energieaufwendige Werbemittel sind einzuschränken.

In Sachen Gebäudepark geht es darum, den Verbrauch grauer Energie zu minimieren, ganz nach dem Motto: mehr sanieren als abreissen, Bauteile wiederverwenden und den Wohnflächenbedarf pro Person reduzieren.

Im Bereich Information/Sensibilisierung sind Sensibilisierungskampagnen gefragt und für die Verbraucher nachvollziehbare Feedbacks zu ihrem Energieverbrauch.

Weniger kann mehr sein

Die hier aufgeführte Studie beruht auf europäischen Datenbanken, die seit 2021 aktualisiert werden. Sie wurden für die Schweiz analysiert, es wurde eine Selektion nach ihrer potenziellen Wirkung sowie der politischen und gesellschaftlichen Umsetzbarkeit vorgenommen.

Seither laufen in verschiedenen Fachkreisen fruchtbare Diskussionen, die zeigen, dass es noch viele andere einfache Möglichkeiten zum Einsparen von Energie gibt, die teilweise sogar gleichzeitig zu einer erhöhten Lebensqualität führen können.

Es bleibt zu hoffen, dass von der Politik bald zielgerichtete Rahmenbedingungen vorgegeben werden. So kann eine gesellschaftliche Verhaltensänderung und eine allmähliche Anpassung der Lebensgestaltung erreicht werden, bei der wir mit weniger Energie besser auskommen.

1. https://energiestiftung.ch/studie/studie-zu-wirksamen-energiesuffizienzmassnahmen

2. Graue Energie ist die Summe jener Energien, die in Produkten und Gütern stecken – von der Herstellung und dem Transport bis hin zur Entsorgung; sie steht für eine ganzheitliche Betrachtung des Energieaufwandes über den ganzen Lebenszyklus hinweg.


Dieser Artikel erschien erstmals am 1. November 2024 auf Forum Integriertes Christsein

Foto von John Cameron auf Unsplash

14. Januar 2025/0 Kommentare/von René Müller
https://christnet.ch/wp-content/uploads/2025/01/john-cameron-QukrVl1F9Q0-unsplash-scaled.jpg 1920 2560 René Müller https://christnet.ch/wp-content/uploads/2023/06/Logo-Christnet-2023-3240.svg René Müller2025-01-14 11:17:402025-01-14 11:24:07Energie: Uneingeschränkt brauchen oder weniger nötig haben?

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