Am 27. September 2026 stimmt die Schweiz über die Ernährungsinitiative ab. Sie verlangt, dass die Schweiz ihre Lebensmittelversorgung stärker aus eigener Produktion deckt: ein Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent, Förderung pflanzlicher Lebensmittel, Schutz von Trinkwasser und Böden sowie eine Reduktion von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Obwohl sich viele Politiker_innen für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzen, wird die Initiative von allen grossen Parteien abgelehnt.
Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» erhält auf politischer Ebene kaum Unterstützung. SP, FDP, Mitte, GLP, EVP und SVP empfehlen ein Nein. Die Grünen haben Stimmfreigabe beschlossen. Die Junge Grüne ist die einzige Partei, die die Vorlage befürwortet. Im Parlament war die Ablehnung sogar einstimmig: 194 zu 0 im Nationalrat und 44 zu 0 im Ständerat. Im Angesicht ganzjährig steigender Temperaturen und sinkender Niederschlagsmengen stellt sich die Frage, weshalb die Politik die Vorlage so deutlich ablehnt.
Unrealistische Zielsetzung?
Grundsätzlich befürworten viele Politiker_innen eine nachhaltige Landwirtschaft, weniger Abhängigkeit vom Ausland und einen besseren Schutz des Trinkwassers. Die Initiative beinhaltet eine weitere Stärke: Sie verbindet Anliegen von links – Klimaschutz, nachhaltige Bodennutzung und pflanzliche Ernährung, mit Anliegen von rechts – einem stark auf Unabhängigkeit und Krisenvorsorge ausgerichteten Ansatz. Woher kommt nun die generelle Ablehnung? Die Parteien halten das Ziel, innerhalb von zehn Jahren 70 Prozent der Lebensmittelversorgung aus eigener Produktion zu decken für unrealistisch und befürchten, dass es zu zusätzlicher Intensivierung der Landwirtschaft führen könnte. Hinzu kommt die Struktur der Schweizer Landwirtschaft: Rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche bestehen aus Wiesen und Weiden. Diese Flächen liessen sich nicht einfach in Gemüse- oder Getreidefelder umwandeln, so die Gegner der Vorlage. Zudem befürchten sie, dass die Initiative die Konsumfreiheit einschränkt. Diesem Argument halten die Initianten aber entgegen, dass es mit dem Fokus auf inländische Produktion pflanzlicher Lebensmittel vielmehr um Ernährungssicherheit und nicht um eine Abkehr von tierischen Produkten geht. Der Initiativtext spricht nicht von einem Konsumzwang pflanzlicher Nahrungsmittel, sondern der Möglichkeit, Subventionen neu zu organisieren und somit den Gemüse- und Ackerbau zu stärken. Es kann auch deshalb nicht von einem Konsumzwang die Rede sein, weil der Mensch als Omnivore* sowieso hauptsächlich pflanzliche Nahrung verspeist. Fleisch und Milchprodukte sollten auf dem Teller die Beilage sein – nicht aus ideologischen, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Auf die intensivere Produktion pflanzlicher Lebensmittel zu setzen ist demnach sinnvoller, wenn es um die Ernährung der Schweizer Bevölkerung geht.
Ernährungssicherheit ist biblisch
Ungeachtet dessen, was an der Urne entschieden wird, rückt die Initiative die Themen Ernährungssicherheit und Trinkwasserschutz ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der diesjährige Hitzesommer hat gezeigt, dass das Wasserschloss Europas in Zukunft weise mit seinen Wasserreserven haushalten muss. Notschlachtungen von Nutztieren wegen Futter- und Wasserknappheit sind bereits seit einigen Jahren eine Realität. Nutzpflanzen können je nach Sorte besser oder schlechter mit Hitze und Wasserknappheit umgehen. Somit ist das Anliegen der Initiative, vermehrt auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel zu setzen, gar nicht so abwegig. Auch die Bibel gibt uns wertvolle Tipps, wie sich ein Land auf sich verändernde klimatische Bedingungen einstellen kann. In keiner Geschichte wird das Prinzip einer vorsorglichen, nachhaltigen Landwirtschaft so deutlich, wie bei Josef.
Nachdem der Pharao im 1. Mose 41 Josef seinen Traum der sieben fetten und sieben mageren Kühe geschildert hatte, stand fest: Gott gab dem Pharao die Möglichkeit, sein Land auf eine siebenjährige Dürre vorzubereiten, indem er in den ertragreichen Jahren Getreide einlagerte. Die Verantwortung dafür übertrug der Pharao Josef, denn er erachtete ihn als weise und erkannte den Geist Gottes in ihm. Die Versorgung des Landes mit genügend Nahrung und der gerechten Verteilung lag also nicht nur in den Händen Gottes, sondern auch in der Verantwortung der politischen Oberhäupter. Sie entschieden sich aufgrund der Warnungen Gottes für eine nachhaltige und vorsorgliche Landwirtschaft, was ihnen und sogar den Nachbarvölkern das Überleben sicherte.
Weisheit und politische Führung
Dank moderner Klimamodelle und Wetterprognosen sind wir heute nicht mehr auf die warnenden Träume von Gottesmännern und -frauen angewiesen, um uns auf mögliche Umweltveränderungen einzustellen. Was jedoch bleibt, ist der weise, vorsorgliche und wertschätzende Umgang mit unseren Nutzpflanzen- und tieren, dem Boden und dem Trinkwasser. Die Geschichte von Josef zeigt, dass die Bevölkerung nicht von selbst eine nachhaltige Landwirtschaft anstreben kann. Es braucht politische Führung. Die Ernährungsinitiative kann als wichtiger Aufruf aus der Bevölkerung betrachtet werden, dass die Politik sich den Themen nachhaltige Landwirtschaft, Trinkwasserschutz und Ernährungssicherheit stärker widmen soll. Sie fordert Lösungen ein, damit das Wasserschloss Europas auch in Zukunft weiter fliesst und unsere Böden genügend Nahrung für die Bevölkerung hervorbringen. Auch wenn die Zielsetzung der Initiative zu idealistisch erscheint und sie deshalb politisch keine Unterstützung gefunden hat: Sie kann der Politik, ähnlich wie der Traum des Pharaos, die nötige Motivation mitgeben, in absehbarer Zeit die Weichen für eine nachhaltigere Landwirtschaft zu stellen. Und der Rest liegt in Gottes Händen.
* Der Mensch kann sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung aufnehmen und verwerten.
Quellen
Barth, S. (2026): Kein Futter, keine Wahl: Warum die Landwirtschaft gerade an die Substanz geht. BauernZeitung. Link: https://www.bauernzeitung.ch/artikel/politik-maerkte/kein-futter-keine-wahl-warum-die-branche-gerade-an-die-substanz-geht (Stand: 11. August 2026).
Der Bundesrat. Das Portal der Schweizer Regierung (2026): Ernährungsinitiative. Link: https://www.admin.ch/de/ernaehrungsinitiative (Stand: 31. August 2026).
ERF Bibelserver (2016): Lutherbibel 2017. 1. Mose 41. Link: https://www.bibleserver.com/LUT/1.Mose41 (Stand: 31. August 2026).
Fedlex. Die Publikationsplattform des Bundesrechts (2026): Bundesbeschluss über die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)». Link: https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2026/800/de (Stand: 31. August 2026).
Lanz, S. (2026): Ja-Lager: Kein «Vegi-Zwang», aber mehr Unabhängigkeit vom Ausland. 20 Minuten. Link: https://www.20min.ch/story/ernaehrungsinitiative-ja-lager-kein-vegi-zwang-aber-mehr-unabhaengigkeit-vom-ausland-103595018 (Stand: 2. Juli 2026)
SRF (2026): Nein-Komitee präsentiert Gegenargumente zur Ernährungsinitiative. Link: https://www.srf.ch/news/schweiz/ernaehrungsinitiative-nein-komitee-praesentiert-gegenargumente-zur-ernaehrungsinitiative (Stand: 18. Juni 2026).
Verein Sauberes Wasser für alle (2026): Initiative für eine sichere Ernährung. Link: https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/ (Stand: 31. August 2026).