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Jacques Ellul gilt heute als einer der wichtigsten Vordenker der französischen Décroissance-Bewegung, die sich seit etwa der Jahrtausendwende formiert und mit der ich mich in meinem Buch „Der Schritt zur Seite“ beschäftige. Man kann Ellul nicht in eine Schublade stecken. So war er Widerstandskämpfer, Marx-Kenner und zugleich Antikommunist, was ihn von so vielen heute (noch) hochverehrten französischen Denkern unterschied, die trotz aller offensichtlichen menschlichen und Umweltverbrechen unter Stalin und darüber hinaus den UdSSR-Kommunismus als alleinige Alternative zum Kapitalismus sahen.

Er war libertär, dem Geiste nach den Situationisten nahestehend und Guy Debord freundschaftlich verbunden, zugleich aber auch gläubiger Christ, was eine Aufnahme in Debords engen Zirkel in dessen Augen unmöglich machte. Aktiv und „lokal“ hat sich Ellul gegen die Verschandelung der französischen Regionen durch Industrie, Infrastruktur, Tourismus und generell den „Fortschritt“ zur Wehr gesetzt. Theoretischer und „global“ hat er als Autor von Dutzenden größeren Veröffentlichungen schon früh Phänomene und Zusammenhänge beschrieben, die erst später, zum Teil erst heute, ihre katastrophalen Folgen zeigen – moderne Propaganda, Globalisierung, Atom-, Nano- und Gentechnik, „Fortschritt“ als Religionsersatz, die Gleichformung des Menschen, die Rolle des Staates, kurz: den „technologischen Totalitarismus“, mit all seinen psychologischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen.

Vor allem blieb er sein Leben lang seinen Überzeugungen treu und war niemals auf akademische oder mediale Ehren aus. Leidlich bekannt geworden ist er zunächst in den USA, nachdem dort sein erstes Buch La Technique durch Vermittlung von Aldous Huxley übersetzt und veröffentlicht worden war. Entsprechend bedeutsam ist auch heute noch die Beschäftigung mit seinen Schriften im englischsprachigen Raum. In seiner Heimat Frankreich wird er gerade erst (wieder)entdeckt, nicht zuletzt als Autor des fast schon zur Marke gewordenen Spruchs „global denken, lokal handeln“.

13 Thesen zur „Technologie“

Es ist schwer, Elluls sehr umfangreiches Werk im Rahmen eines kleinen Artikels auf wenige greifbare Sätze herunterzubrechen. Der Ellul-Kenner Jean-Luc Porquet rechnet folgende zu Elluls wichtigsten und aktuellsten Analysen – der Begriff „Technologie“ (bei Ellul technique) ist hier als die Gesamtheit der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnis zu verstehen, ähnlich Lewis Mumfords „Megamaschine“:

1. Die Technologie macht die Zukunft unvorhersehbar.
Niemand weiß, wie die Welt in zwanzig Jahren aussehen wird. Ein Beispiel: 1965 hat Gordon Moore korrekt vorhergesagt, dass sich Rechnerleistungen und Chipkapazitäten alle anderthalb Jahre verdoppeln würden, aber niemand konnte sich noch vor wenigen Jahren die Folgen dieser Entwicklung ausmalen.

2. Die Technologie ist weder gut noch schlecht.
Das bedeutet nicht etwa, sie sei neutral und alles hänge von ihrer Anwendung ab. Ihre Entwicklung vollzieht sich jenseits aller Moral, die negative, militärische, unmenschliche Nutzung läuft parallel zur positiven.

3. Die Technologie wächst aufgrund ihrer inneren Logik unaufhörlich.
Zunächst voneinander unabhängige Entdeckungen und Entwicklungen verbinden und verstärken sich, führen zu neuen Entdeckungen und Anwendungen, man denke an die immer weiter um sich greifende Gen- oder Nanotechnologie. Was gemacht werden kann, wird gemacht.

4. Die Technologie schafft Probleme, die sie durch neue Technik zu lösen verspricht.
Egal ob Umweltverschmutzung, Klimawandel, Artensterben, Atommüll – alle großen und viele nur im Vergleich „kleine“ Probleme wie z.B. die Zivilisationskrankheiten sind Folgen der technologischen Entwicklung, und das vermeintlich einzige Heilmittel ist „mehr davon“.

5. Die Probleme der Technologie werden erst bewusst, wenn sie unentwirrbar und massiv sind.
Die von uns Industrienationen herbeigeführten Veränderungen (Klima, Gifte, Artensterben etc.) betreffen den ganzen Erdball; wir spüren die Auswirkungen unseres Handelns allerdings erst mit jahrelanger Verzögerung.

6. Die Technologie ist undemokratisch.
Niemand wählt den „Fortschritt“, im besten Falle werden wir informiert oder als Laien an einen runden Tisch voller Expert/innen und Entscheider/innen gebeten.

7. Die Technologie ist zur Religion geworden.
„Fortschritt“ und Wachstum sind Dogmen, wer sie kritisiert, ist Ketzer und wird medial geächtet.

8. Die Technologie stärkt den Staat, der wiederum die Technologie antreibt.
Ellul warnte die Umweltbewegung vor einer Politisierung im bestehenden System und generell vor wachsender Überwachung und Unterdrückung unter ökologischem Vorwand.

9. Die transnationalen Unternehmen sind Abkömmlinge der Technologie.
Zu Elluls Zeiten galt für die Chemie- und Pharmaindustrie das Gleiche wie heute für Google, Facebook oder Amazon: Der „Fortschritt“ bestimmt die Wirtschaft und umgekehrt, Staat, Gesellschaft und der Mensch in ihnen sind nachgeordnet.

10. Eine technologisierte Gesellschaft braucht Propaganda.
Der Staat „bildet“ die Meinung der Wähler, damit sie zu wollen meinen, was für sie entschieden wurde.

11. Werbung und technologische Irreführung („Bluff“) sind der Antrieb der technologischen Gesellschaft.
Werbung ist die Propaganda der Technologie- und Konsumgesellschaft. Ihre Milliarden finanzieren Rundfunkmedien und „freie“ Presse, ihre Inhalte formen Ansichten, Geschmäcker und Lebensstile.

12. Die Technologie macht alle Kulturen gleich; sie ist die eigentliche Globalisierung.
Egal ob im Nachbarland, in China oder bei „indigenen Völkern“, die vermeintlichen Segnungen der westlichen Industrie nivellieren über kurz oder lang alle kulturellen Unterschiede.

13. Die Technologie erschöpft die Naturvorkommen.
Was heute banal erscheint, wusste Ellul schon 1954: Der „Fortschritt“ stößt an natürliche Grenzen.

Damit sind, wie gesagt, Elluls Ideen gerade einmal angerissen. Man sieht, er gehört zweifellos zu den im positiven Sinne „radikalen“ Denker/innen, denen es nicht darum geht, techn(olog)ische Lösungen für ebensolche Probleme zu finden, sondern die Übel der modernen Welt von ihrer Wurzel (lat. radix) her zu verstehen. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens seine wichtigsten Werke bald der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich gemacht werden.

 

Illustration © Stéphane Torossian, aus dem Buch: Cédric Biagini, David Murray, Pierre Thiesset (Hg.): Aux origines de la décroissance. Cinquante penseurs. Paris: L’Echappée 2017.

Eine Langfassung des Artikels ist in der Nr. 59 der philosophischen Zeitschrift Lichtwolf erschienen (September 2017).

 

Französisch- und englischsprachige Auswahlbibliographie (nach Original-Erscheinungsdatum sortiert):

Money and Power. Trans. LaVonne Neff. Downers Grove, IL: InterVarsity, 1984. Basingstoke, England: Marshall Pickering, 1986. Eugene, OR: Wipf & Stock, 2009.
L’homme et l’argent (Nova et Vetera). Neuchâtel: Delachaux & Niestlé, 1954. Lausanne: Presses Bibliques Universitaires, 1979.
Reprinted in Le défi et le nouveau: œuvres théologiques, 1948–1991. Paris: Table ronde, 2006, 2007.

The Technological Society. Trans. John Wilkinson. New York: Knopf, 1964. London: Jonathan Cape, 1965. Rev. ed. New York: Knopf, 1967.
La technique, ou, l’enjeu du siècle. Paris: Colin, 1954. Paris: Économica, 1990, 2008.

Propaganda: The Formation of Men’s Attitudes. Trans. Konrad Kellen and Jean Lerner. New York: Knopf, 1965. New York: Random, 1973.
Propagandes. Paris: Colin, 1962. Paris: Économica, 1990, 2008.

The Political Illusion. Trans. Konrad Kellen. New York: Knopf, 1967. New York: Random House, 1972.
L’illusion politique. Paris: Robert Laffont, 1965. Paris: Livre de poche, 1977. Paris: Librairie Générale Française, 1977. Paris: Table ronde, 2004, 2012.

A Critique of the New Commonplaces. Trans. Helen Weaver. New York: Knopf, 1968. Eugene, OR: Wipf & Stock, 2012.
Exégèse des nouveaux lieux communs. Paris: Calmann-Lévy, 1966. Paris: Table ronde, 1994, 2004.

Métamorphose du bourgeois. Paris: Calmann-Lévy, 1967. Paris: Table ronde, 1998, 2012.

Les Chrétiens et l’État. With Jacques Jullien and Pierre L’Huillier. Tours: Mame, 1967.

Autopsy of Revolution. Trans. Patricia Wolf. New York: Knopf, 1971. Eugene, OR: Wipf & Stock, 2012.
Autopsie de la révolution. Paris: Calmann-Lévy, 1969. Paris: Table ronde, 2008.

De la révolution aux révoltes. Paris: Calmann-Lévy, 1972. Paris: Table ronde, 2011.

Hope in Time of Abandonment. Trans. C. Edward Hopkin. New York: Seabury, 1973. Eugene, OR: Wipf & Stock, 2012.
L’espérance oubliée. Paris: Gallimard, 1972. Paris: Table ronde, 2004.

The Ethics of Freedom. Trans. Geoffrey Bromiley. Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1976. London: Mowbrays, 1976.
Éthique de la liberté. V. 1, Paris: Librairie Protestante, 1973. Geneva: Labor et Fides, 1973. V. 2, 1974. V. 3, Paris: Centurion, 1984.

The New Demons. Trans. C. Edward Hopkin. New York: Seabury, 1975. London: Mowbrays, 1975.
Les nouveaux possédés. Paris: Fayard, 1973. Paris: Mille et une nuits, 2003.

The Betrayal of the West. Trans. Matthew O’Connell. New York: Seabury, 1978.
Trahison de l’Occident. Paris: Calmann-Lévy, 1975. Paris: Princi Negue, 2003.

The Technological System. Trans. Joachim Neugroschel. New York: Continuum, 1980.
Le système technicien. Paris: Calmann-Lévy, 1977. Paris: Cherche-midi, 2004, 2012.

The Empire of Non-Sense: Art in the Technological Society. Trans. Michael Johnson and David Lovekin. Winterbourne, UK: Papadakis, 2014.
L’empire du non-sens: l’art et la société technicienne. Paris: Presse Universitaires de France, 1980.

The Humiliation of the Word. Trans. Joyce Main Hanks. Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1985.
La Parole humiliée. Paris: Seuil, 1981. Paris: Table ronde, 2014.

Changer de révolution: l’inéluctable prolétariat. Paris: Seuil, 1982. Paris: Table ronde, 2015.

Anarchy and Christianity. Trans. Geoffrey Bromiley. Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1991. Eugene, OR: Wipf & Stock, 2011.
Anarchie et Christianisme. Lyon: Atelier de Création Libertaire, 1988. Paris: Table ronde, 1998, 2001.

The Technological Bluff. Trans. Geoffrey Bromiley. Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1990.
Le bluff technologique. Paris: Hachette, 1988, 1990, 2004. Paris: Pluriel, 2012.

What I Believe. Trans. Geoffrey Bromiley. Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1989.
Ce que je crois. Paris: Grasset, 1987, 1989.

https://www.jacques-ellul.org/

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Das SDG 16 (Sustainable Development Goal 16) will die Entstehung friedlicherer Gesellschaften fördern. Es ist erwiesen, dass Entwicklung nur in friedlichem Rahmen nachhaltig sein kann. Aber wie kann man konkret nach Frieden auf kollektiver und persönlicher Ebene streben? Interview mit Salome Haldemann, mennonitische Pfarrerin.

Wir dachten, Krieg in Europa gehöre der Vergangenheit an. Doch die Nachrichten am 24. Februar belehrten uns eines Besseren … Warum ist der Krieg, obwohl wir seine gravierenden Folgen kennen, immer noch europäische Aktualität?

Es stimmt, dass uns das Fragen aufwirft! Die Europäer glaubten bereits 1914, dass der 1. Weltkrieg der Krieg sein würde, der allen Kriegen ein Ende setzt, der „der der“. Doch trotz seiner Sinnlosigkeit und seines Leids tobt er immer noch. Es gibt zwei Denkschulen über den Ursprung des Krieges. Die eine sieht den Krieg als in der menschlichen Natur verankert: Menschen werden aggressiv, wenn sie sich verteidigen oder wenn sie etwas erreichen wollen. Er ist daher unvermeidlich. Der zweite Ansatz geht davon aus, dass ungerechte Systeme zu Krieg führen. Weder die Natur noch die Strukturen lassen sich leicht ändern, was erklärt, warum es immer noch Krieg gibt. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass es ein ganzes Spektrum von gewalttätigen Konflikten gibt, das von der interindividuellen Ebene (häusliche Gewalt, „Schlägerei“ zwischen zwei Personen), über bewaffnete Konflikte zwischen Gruppen (Bandenkrieg, Aufstände) bis hin zum Krieg zwischen Nationen reicht. Der einzige Unterschied zwischen diesen Konflikten ist die Anzahl der der involvierten Personen. Vom eigentlichen Krieg spricht man erst ab 50’000 Beteiligten. In all diesen Konflikten wird Gewalt eingesetzt, um den anderen dazu zu zwingen, das zu tun, was wir von ihm wollen. Und leider ist es ein sehr menschlicher Wunsch, kontrollieren zu wollen, was andere tun.

Wie sollen wir reagieren, wenn wir selbst Opfer eines bewaffneten oder politischen Konflikts werden, der die eigenen Rechte bzw. den persönlichen Lebensstandard beeinträchtigt?

Wir müssen aufpassen, dass wir Konflikte nicht nur danach bewerten, wie sie sich auf unsere Rechte oder unser Lebensumfeld auswirken. Wenn wir Teil einer privilegierten Gruppe sind, kann sich eine Bewegung für mehr Gerechtigkeit wie eine Beschneidung unseres Lebensstandards anfühlen. Dennoch hat diese Bewegung ihre Berechtigung. In diesem Fall ist der Auslöser des Konflikts eher die Ungerechtigkeit und Unterdrückung einer Gruppe. In solchen Fällen sind wir meiner Meinung nach dazu aufgerufen, dem Bösen Grenzen zu setzen, indem wir nach kreativen Wegen suchen, die Feindesliebe mit dem Schutz von Menschen zu verbinden. Bewegungen des gewaltfreien zivilen Widerstands gehen in diese Richtung.

Wie können die Kirchen daran arbeiten, die Gesellschaft friedlicher zu machen?

Auf struktureller und kultureller Ebene können die Kirchen mehr Frieden in die Gesellschaft bringen, indem sie sich für Gerechtigkeit einsetzen und an der Seite der unterdrückten Menschen und Bevölkerungsgruppen stehen. Paradoxerweise müssen Kirchen daher manchmal bereit sein, das Feuer eines Konflikts zu schüren – ohne Gewalt anzuwenden -, um Ungerechtigkeiten ans Licht zu bringen und einen Wandel auszulösen. Dies kann in Form von Demonstrationen, Einflussnahme auf die Politik oder eines Engagements im Stadtleben oder in anderen Organisationen geschehen. Auf der zwischenmenschlichen Ebene sind Kirchen ein echtes Konfliktlabor. Es ist nicht zu verhindern, dass sie zwischen all den unterschiedlichen Menschen stehen, die davon überzeugt sind, im Recht zu sein. Sie sind der ideale Ort, um zu lernen, wie man mit anderen zusammenlebt, und um im Gebet und mit Gottes Hilfe an unseren Einstellungen zu arbeiten.

Was ist der erste Schritt auf der Suche nach Frieden mit einer Person, die sich wie ein Feind verhält?

Konflikte lösen oft sehr starke Emotionen aus, die uns nicht immer dazu bringen, die besten Entscheidungen zu treffen. Der erste Schritt ist daher, sich eine Verschnaufpause zu gönnen und dann die Situation zu analysieren. Was geht hier vor? Warum löst diese Situation eine Reaktion bei mir aus? Welche wunden Punkte berührt dieser Konflikt bei mir? Kann ich den/die andere/n fragen, wie er oder sie die Situation erlebt? Und noch schwieriger: Bin ich bereit, dem anderen zuzuhören, zu hören, inwiefern mein Verhalten für ihn schwierig ist? Es hat etwas Heiliges, diesen Raum für den Austausch zu schaffen. In einem zweiten Schritt kann man versuchen, einen Blick über den Tellerrand zu werfen: Welche Beziehung möchte ich in einem Jahr oder in fünf Jahren zu dieser Person haben? Was kann ich heute tun, um ihr näher zu kommen?

Welche Haltung sollte man einnehmen, wenn man Zeuge eines Streits zwischen Einzelpersonen oder zwei Gruppen wird?

Manchmal hilft es zwei Menschen am meisten, wenn sie ihre Streitigkeiten untereinander lösen können. Man möchte sich einmischen, entscheiden oder Partei ergreifen, aber keine dieser Haltungen hilft wirklich. Wir können den Streitenden zuhören, sie aneinander verweisen und sie ermutigen, ihre Konflikte zu lösen. Ebenso kann es im Falle eines Konflikts zwischen zwei Gruppen weise sein, sich keiner der beiden Gruppen gegen die andere anzuschliessen. Die beste Haltung ist es, Verbindungen zwischen den beiden Gruppen herzustellen, indem wir sie sowohl an die Gemeinsamkeiten der beiden Parteien als auch an die Unterschiede innerhalb der jeweiligen Parteien erinnern. Wenn nötig, können wir inakzeptablem Verhalten auf beiden Seiten Grenzen setzen. Natürlich ist die Wirkung dieser Vermittlungstätigkeit begrenzt, wenn ein grosses Machtgefälle, eine ausgeprägte Ungerechtigkeit oder eine Situation des Missbrauchs vorhanden sind. In solchen Fällen sind wir dazu aufgerufen, die unterdrückten Personen zu unterstützen.

Gott ruft dazu auf, seine Feinde zu lieben und Böses nicht zu vergelten. Betreffen diese Gebote vor allem unsere persönlichen Beziehungen oder sind sie auch eine Antwort im Falle von grösseren Konflikten?

Wie wir gesehen haben, gibt es gewalttätige Konflikte in unterschiedlicher Intensität. Aber die Dynamiken sind durchaus vergleichbar. Die Entscheidung, die biblischen Prinzipien auf bestimmte Konfliktebenen zu beschränken, würde eine komplizierte Kasuistik mit sich bringen. Ab wie vielen am Konflikt beteiligten Personen können wir aufhören, die andere Wange hinzuhalten? Fünf? 20? 110? Ich bin überzeugt, dass diese Prinzipien stattdessen auf die gesamte Konfliktskala anwendbar sind.

Das Gespräch wurde von Sandrine Roulet geführt und in der Zeitschrift «S’engager pour un monde plus juste» erstmals veröffentlicht. Übersetzung von Barbara Streit-Stettler.
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Es ist unerträglich, die Reden des FIFA-Chefs Gianni Infantino anhören zu müssen. Noch immer gilt das offizielle FIFA-Narrativ1 , dass auf den Baustellen der Stadien in Katar nur 3 und nicht 65002 Menschen ums Leben gekommen seien. Mit an den Haaren herbeigezogenen Vergleichen mit seiner eigenen Herkunft verniedlicht der FIFA-Präsident die Leiden der Arbeiter, die unter Sklaverei-ähnlichen Bedingungen schuften mussten und – die meisten unter ihnen – es immer noch müssen: Auch seine Eltern hätten ihre Pässe abgeben müssen und auch er sei wegen seiner Haarfarbe gehänselt worden. Und schliesslich gebe man den Menschen ja Würde und Stolz, wenn man ihnen Arbeit gebe. Statt die Verantwortung für die Auswirkungen der WM zu übernehmen, was auch in den FIFA-Statuten vorgeschrieben ist, bekommen die Arbeiter von Infantino noch einen Schlag ins Gesicht.

Spaltung statt Problemlösung

Bereits die Vergabe der WM an Katar war nachweislich durch Korruption3 erfolgt. Kritik wurde danach durch die FIFA meist abgeblockt. Als ab 2021 verschiedene Fussballverbände planten, während der WM auf Missstände aufmerksam zu machen, wurde die FIFA nervös, denn Kritik schadet dem Geschäft: Infantino meinte, man solle «nicht jedes Problem in den Fussball hineintragen». Quasi-Sklaverei und 6500 Tote waren allerdings bisher noch nie der Preis für eine WM und sind nicht ein x-beliebiges Problem.

Doch die Kritik an der WM und der FIFA liess sich nicht ersticken, auch nicht durch Drohungen gegen einzelne Verbände wie Dänemark und Deutschland. Sieben Verbände solidarisierten sich mit ihnen in einem Brief und kündigten Protestaktionen an. Als weitere Eskalationsstufe versuchte Infantino dann in einer einstündigen Rede4 die Kritiker mit dem Aufbau von Feindbildern in die Ecke zu drängen und zu minorisieren. «Diese einseitige Moralpredigt ist reine Heuchelei. Für das, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren getan haben, sollten wir uns für die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, den Menschen moralische Lektionen zu erteilen.» Damit wird versucht, von den Inhalten und Problemen abzulenken und stattessen das Ganze auf die Ebene einer Konfrontation zu bringen. Eine solche Strategie ist aus politischen Diskussionen altbekannt: Man unterstellt dem Kritiker, nur darauf aus zu sein, sich als der Gute und den Anderen als den Bösen hinzustellen. Dies heisst also, dass ich zu den Zuständen in der Welt schweigen soll, weil meine Vorfahren ähnlich gehandelt haben – und die Unterdrückung unserer Nächsten zuerst 3000 Jahre lang hinnehmen muss.

Infantino wusste, dass er für seine Spalterei auch viel Zuspruch5 aus ehemals durch europäische Mächte kolonialisierten Staaten erhalten würde. Also aus der Mehrheit der Staaten der Welt. Denn dort ist Europa noch immer ein Feindbild. Die Forderung nach Menschenrechten gilt dort bei den heutigen Eliten und Diktatoren oft als erneute Einmischung und als Imperialismus. Indem Infantino diese aber um sich schart, um die Verteidiger der Menschenrechte zu entwerten, macht er sich zum Sprachrohr und Verteidiger dieser Herrscher und derjenigen, die Menschenwürde ablehnen. Er sieht auch kein Problem darin, eine WM in Nordkorea oder Iran durchzuführen und behauptet, dass gerade durch solche Grossveranstaltungen Veränderungen in Gang kommen könnten. Damit verschliesst er die Augen davor, dass diese Sportfestspiele in der Regel die Macht von autoritären Herrschern stärken, so wie z.B. die Olympischen Spiele in Deutschland 1936 oder die Fussball-WM in Russland vor vier Jahren.

Mit der Fussballweltmeisterschaft hat die FIFA also einen Einfluss auf das Weltgeschehen. Und mit der Verteidigung der Interessen Katars und der Minorisierung der Verbände, die Menschenrechte einfordern, schlägt die FIFA sich auf die Seite der Diktatoren und Schlächter. In einem Kontext, wo die Demokratie weltweit am Erodieren ist (siehe Demokratieindex6 ) und sowohl Menschenrechte wie auch die freie Presse unter Druck sind, ist solches Verhalten gefährlich. Mit der Drohung gegen kritische Verbände, der Unterdrückung von Meinungsäusserungen und der Verteufelung von Kritikern spielt die FIFA das Spiel der Diktaturen und bringt die Schweigenden dazu, auch weiterhin zu schweigen.

Geld und Macht sind wichtiger als Menschenrechte

Es gibt Stimmen, die sagen, der ehemalige FIFA-Generalsekretär Blatter hätte ein Monster geschaffen. Man dachte, mit Infantino werde es besser. Das war ein Trugschluss. Der neue FIFA-Chef sägte schon bald die interne Ethik-Kommission wieder ab, hofierte Putin und verteidigt nun mit allen Mitteln Katar, das so viel Geld in den Fussball pumpt.

Tatsächlich hat Blatter die FIFA in eine Geldmaschine verwandelt. Der Gewinn, der Reichtum und damit die Macht scheinen im Zentrum zu stehen. Die FIFA behauptet, sie tue alles «für den Fussball», aber in der Realität geht es mehr um die Gewinnmaximierung: Fernseh-Übertragungsrechte werden blindlings an die meistbietenden Pay-TVs verkauft. Fussball gibt es also gar nicht mehr für alle am TV, sondern in vielen Ländern nur noch für Zahlende. Den FIFA-Mitgliedsverbänden winken so immer fettere Ausschüttungen, womit sie an die FIFA gebunden und so Teil des Systems werden. Auch sie (und ihre Funktionäre) haben also Interesse, dass nichts das Geschäft stört.

Der Mammon ist damit wichtiger als die Menschen. Es wird alles für noch mehr Gewinn getan, auch wenn damit unheilvolle Systeme gefördert werden. Die Fussball-WM in Katar soll einen Rekordgewinn von einer Milliarde Franken für die FIFA abwerfen. Dieses Geld werde sofort wieder «in die Entwicklung des Fussballs» in den Mitgliedsländern investiert. Allerdings kontrolliert die FIFA kaum, ob das Geld wirklich für den Fussball verwendet wird. So mussten die Spielerinnen der Frauenfussball-Nationalteams von Kongo Kinshasa längere Zeit auf der Strasse übernachten, obwohl sie von der FIFA offiziell grosszügig unterstützt worden sind …

Und die Schweiz da drin?

Mit den Mammon-Dossiers7 hat ChristNet schon vor einiger Zeit gezeigt, dass die Schweiz auf Grund einer Geldgier mit Bankgeheimnis, Steuerdumping und als Hafen für zahlreiche Konzerne mit ausbeuterischen Praktiken auch für Leid in der Welt und für Untergrabung von demokratischen Strukturen mitverantwortlich ist. Fast schon symptomatisch hat auch die FIFA ihren Sitz in der Schweiz, und auch ihre Chefs Blatter und Infantino sind Schweizer. Es stellt sich also die Frage, wie lange wir diese Praktiken in der Schweiz noch dulden sollen.

Als Argument für den Verbleib der FIFA in der Schweiz wird manchmal vorgebracht, unser Rechtsstaat sei ein Garant, damit Unrecht auch bei der FIFA geahndet werden könne. Doch offenbar ist das Gegenteil der Fall: In keinem einzigen der Fälle, die in der Schweiz vor Gericht gebracht wurden, kam es zu einer Verurteilung der Korruption. Einige Fälle sind gar wegen der Unfähigkeit (oder des Unwillens) der Strafverfolgungsbehörden so lange verschleppt worden, bis die Fälle verjährten. Andere Fälle wurden wegen Befangenheit der Richter verzögert. Müsste man also nicht eher sagen, dass die Schweizer Liebe zu Herrschenden und zu Geldflüssen Garant für die Nichtverfolgung ist?

Menschenrechte sind das Mindeste an Nächstenliebe!

Wenn wir für Menschenrechte eintreten, dann deshalb, weil sie ein Mindestmass an Menschenwürde darstellen. Damit sind die Menschenrechte auch das Mindestmass an Nächstenliebe und Gerechtigkeit, die wir unseren Nächsten zugestehen wollen. Damit sind Menschenrechte nicht einfach ein kulturelles Produkt des Westens, das anderen Ländern und Kulturen aufgedrängt werden soll. Die Gegner von Menschenrechten sind in der Regel nicht die unterdrückten Menschen in ärmeren Ländern, sondern die dortigen herrschenden Eliten, die sich um ihre Macht und ihre Pfründe sorgen. Auch hierzulande bezeichnen Regierende die Vertreter der Menschenrechte als «Moralisierer», wenn sie die Menschenwürde in ärmeren Ländern den Gewinnen von Schweizer Rohstoffkonzernen vorziehen. So auch Bundesrat Maurer, der anlässlich der Abstimmung zur Konzernverantwortung den Ruf nach Verantwortung von Schweizer Konzernen im Süden als «Einmischung in dessen Kultur» verwedelte. Wie wenn die Opfer von Glencore und Holcim lieber keine Menschenrechte hätten …

Menschenrechte sind für Mächtige (und ihre Bewunderer) oft ein Ärgernis, da sie die Ausübung der Macht und Stärke sowie grössere Gewinne behindern. Dies gilt für die Schweizer Regierung, Schweizer Konzerne, die FIFA und auch für Bewunderer von Macht und Stärke wie die Weltwoche, die die Rede Infantinos in voller Länge abdruckte und als eindrücklich, hochinteressant und intelligent bezeichnete. Dies zeigt erneut, welche Werte dieser Zeitung wichtig sind.

Wir werden also von neuem vor die Wahl zwischen Gott und dem Mammon gestellt. Mat. 6.24: «Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.» Gott wählen heisst auch die Liebe zum Nächsten zu wählen. Denn in Matthäus 22.34-40 wird das höchste Gebot wie folgt zusammengefasst: «Jesus aber sprach zu ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt». Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst». In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.»

Unsere Nächsten sind Ebenbild Gottes. Setzen wir uns auf allen Ebenen für sie ein!

1. https://www.bernerzeitung.ch/man-gibt-ihnen-wuerde-und-stolz-infantino-fuer-aussagen-zu-arbeitern-in-katar-heftig-kritisiert-645639816801

2. https://www.theguardian.com/global-development/2021/feb/23/revealed-migrant-worker-deaths-qatar-fifa-world-cup-2022

3. https://de.wikipedia.org/wiki/Vergabe_der_Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaften_2018_und_2022

4. https://www.n-tv.de/sport/fussball-wm/Die-wirren-Aussagen-des-Gianni-Infantino-im-Wortlaut-article23729519.html

5. https://www.watson.ch/sport/analyse/869294204-wm-2022-in-katar-hinter-infantinos-rede-steckt-kalkuel

6. https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex

7. https://christnet.ch/de/ressourcen/

 


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Die Ungleichheit in der Vermögens- und Einkommensverteilung hat in den letzten Jahren zugenommen, weltweit, aber auch in der Schweiz. Diese Ungleichheit führt zu sozialen Spannungen und Ungerechtigkeiten. Innerhalb eines Landes treibt sie die Benachteiligten im Extremfall auf die Strasse, weltweit ist sie eine der Ursachen für die Migration. Jetzt fordern sogar einzelne Millionäre, dass die Ungleichheit bekämpft werden solle. Aber: Ist Gleichheit überhaupt ein biblisch-christlicher Wert?

Eine Person, die in der Schweiz rund 2200 Franken pro Monat verdient, gilt als arm, ebenso eine vierköpfige Familie mit weniger als 3900 Franken. Die stetig steigende Armutsquote liegt unterdessen bei 8,7 Prozent1 . Die eigentliche Armut ist aber nur der Extremfall des Problems. Ungleichheit und damit Ungerechtigkeit ist über die ganze Gesellschaft hinweg verbreitet.

Die Schere der Ungleichheit öffnet sich

Im internationalen Vergleich stehe die Schweiz in Sachen Ungleichheit im Mittelfeld, sagt die Berner Ökonomin Isabel Martinez2 , die an der ETH Zürich zum Thema Ungleichheit forscht. Sie ist daran, mit andern zusammen eine Weltungleichheitsdatenbank aufzubauen.

Die Schere habe sich auch in der Schweiz seit den 90er-Jahren weiter geöffnet. «Das oberste 0,01 % der Bevölkerung hat in den 90er-Jahren zwischen 4,5 und 6 Prozent aller Vermögen gehalten, jetzt sind es zwischen 8 und 12 Prozent. Das Kuchenstück der ganz Reichen hat sich also in den letzten Jahren verdoppelt.» Starke Treiber für die zunehmende Ungleichheit seien die Globalisierung und Digitalisierung. Grosse Firmen wie Apple hätten überproportional von den Märkten profitieren können. In der Schweiz haben laut Martinez vor allem die Banken, Rohstoffhändler und die Pharmaindustrie profitiert. Zudem habe die anreizbasierte Entlöhnung aus den USA auch die Schweizer Topkader erreicht.

Die Ungleichheit wird laut Martinez spätestens dann zum Problem, «wenn die Leute das Gefühl haben, dass sie vergessen gehen und immer die Verlierer sind». In der Ökonomie wird aber Ungleichheit oft als Anreiz für besondere Anstrengungen der weniger Erfolgreichen gesehen. Allerdings braucht es dafür gute Aufstiegsmöglichkeiten. Und die sind auch in der Schweiz trotz Bildungsoffensiven nicht garantiert. «Die reichsten zehn Prozent bewahren ihre Spitzenposition mit einer sehr viel höheren Wahrscheinlichkeit, als dass jemand aus der Mitte dahin aufsteigt», sagt die Ökonomin. Man hat weiter vermutet, dass Umverteilung das Wachstum abwürgen könnte. Deshalb habe man die Steuern reduziert. Allerdings zeigen die Resultate, dass dadurch die Ungleichheit sogar gefördert wurde.

 

Die Gleichheit fördern – aber wie?

Wie also kann in dieser zunehmend brisanten gesellschaftlichen Lage die Gleichheit gefördert werden? In den USA ist der Gedanke häufig verbreitet, dies sei nicht die Aufgabe des Staates, sondern der Reichen selbst. Sicher, die Reichen sollen ihr Geld sinnvoll einsetzen. Aber wenn dies der einzige Weg ist, Ungleichheit zu beseitigen, landen wir in einer Sackgasse. Seit der Aufhebung der Obergrenze für Wahlkampfspenden sind laut dem US-Millionär Morris Pearl3 enorme Summen ins Parteien-System geflossen. Laut dem Center for Responsive Politics war eine Elite von 0,47 Prozent während den Zwischenwahlen 2018 für 71 % aller politischen Spenden verantwortlich. In der Schweiz ist diese Art der Einflussnahme durch Reiche auf die Parteien und die Medien bekanntlich immer noch geheim. Dass in autoritären Staaten die reichen Oligarchen eine dominierende Rolle spielen, ist allerdings kein Geheimnis. Für Demokratien kann dies aber nicht der richtige Weg sein.

Damit kommen demokratisch abgestützte Steuern ins Spiel. Für Martinez ist das beste Mittel für die Umverteilung eine Erbschaftssteuer. So könne mit geringen Verzerrungen die Vermögensungleichheit reduziert werden. Und Erbschaften seien definitionsgemäss nicht das Ergebnis eigener Leistung. Der US-Millionär Pearl will sein Geld dem Staat geben. Er fordert zusammen mit seinen «Patriotic Millionairs» einen Spitzensteuersatz von 70% auf Einkommen über 10 Mio Dollar und eine Steuer von 2 Prozent auf Vermögen über 50 Dollar. Und der Philosophieprofessor Christian Neuhäuser4 setzt sich sogar für eine Steuer von 100% für «Superreiche» ein. Er versteht darunter Leute mit 30 Mio Euro Vermögen und 1 Mio Euro Einkommen. Die Millionenerbin mit dem Decknamen Stefanie Bremer5 zieht das bedingungslose Grundeinkommen vor, damit alle gleiche oder «zumindest ähnliche Möglichkeiten» bekommen. Bremer hat die «Bewegungsstiftung» gegründet. «Dort sind wir mittlerweile etwa 200 Vermögende, die ihr Geld geben für progressive Bewegungen, für Projekte, die sich für diese Gesellschaft einsetzen.»

 

Biblische Gleichheit

So weit, so gut. Aber ist «Gleichheit» überhaupt ein biblisch-christlicher Wert? Beim Zusammenstellen der wichtigsten Werte für die werteorientierte Dorf-, Regional- und Stadtentwicklung (WDRS) tat ich mich mit diesem Wert lange schwer. Zu sehr erinnerte er mich an die Werte einer säkularen Aufklärung oder – noch schlimmer – an die Gleichheitsvorstellung der Marxisten, die sich in der Realität tendenziell dann als Armut für alle entpuppte.

Nun: Die Gleichheit ist heute ein wichtiger Teil der Grundwerte im WDRS-Konzept, eng verbunden mit der Gerechtigkeit. Als weitere Werte kommen Wahrheit und Liebe, Leben und Freiheit und – als zentraler Wert – die Gemeinschaft hinzu.

Alle diese sieben Werte lassen sich direkt aus dem Charakter des dreieinen Gottes ableiten. So auch die Gleichheit. Die drei Erscheinungsformen Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist sind gleichwertig, obwohl sie sich unterscheiden. Jesus Christus macht es in seiner Beziehung zu uns ebenso. Er sieht uns, trotz aller Unterschiede, als gleichwertig an: «Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.» Dasselbe lässt sich über die gleichwertige Einschätzung von Mann und Frau in Gottes Augen sagen, ohne dass die Unterschiede verleugnet werden.

Wie dieser Gleichheitsgedanke auf eine real existierende (landwirtschaftlich geprägte) Volkswirtschaft übertragen werden kann, zeigt sich in der göttlichen Anweisung des Sabbatjahres. Jeweils nach sieben mal sieben Jahren sollte ein Erlassjahr ausgerufen werden. Im fünfzigsten Jahr sollten alle Sklaven freigelassen werden und zu ihrer Familie zurückkehren können. Dazu gehörte auch eine Landreform mit dem Ziel, dass jeder Familienclan genügend Land hatte, um alle seine Mitglieder zu versorgen. Das ist eine weise Kombination aus Unternehmergeist, der Ungleichheiten schaffen kann und dem göttlichen Gerechtigkeitssinn, der immer wieder eine menschenfreundliche Gleichheit schafft.

Jesus überträgt diese Haltung der Grosszügigkeit, Wiederherstellung und Gerechtigkeit direkt auf sich und seine Botschaft und verallgemeinert sie in alle Lebensbereiche. Die christliche Gemeinde hat – inspiriert vom Vorbild ihres Meisters – im Verlaufe der Kirchengeschichte viel beigetragen zu mehr Gleichheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Wir sollten nicht aufhören, diesen Ausdruck des Evangeliums in einer zunehmend ungleichen Gesellschaft einzufordern und mit dem eigenen Beispiel zu demonstrieren.

 

Was heisst das für uns?

Die meisten von uns gehören – zumindest unter Schweizer Verhältnissen gedacht – weder zu den Reichen noch zu den Superreichen. Trotzdem können viele von uns gut bis sehr gut mit dem eigenen Einkommen leben, nicht zuletzt auch dank einer klugen sozialen Absicherung. Das verstärkte Ernstnehmen des Gleichheitsgedankens könnte uns dazu führen, dass wir aufhören, nur 10% unseres Einkommens, des Betriebsgewinnes aus dem Unternehmen oder gar unseres Vermögens für Gott und seine Ziele einzusetzen. Wenn wir gemäss dem Anliegen des integrierten Christseins merken, dass 100% unseres Geldes für Gott und seine Ziele arbeiten sollten, ergeben sich daraus ganz neue Möglichkeiten, wie wir unser Geld einsetzen und für die Förderung der Gleichheit fruchtbar machen können. Dies nicht nur in der Schweiz, sondern anhand von ausgewählten und kontrollierbaren Beispielen auch weltweit. Dazu gehört auch das Überprüfen der Effekte unseres Konsums, der Umgang mit unserm (geschenkten) Besitz, unser politisches Handeln und der Einsatz unserer Zeit für andere Menschen. So können wir die Gleichheit fördern. Und auch in diesem Bereich wieder in die Spur unseres Meisters Jesus Christus zurückfinden. Lasst es uns gemeinsam tun!

 

1. wenn das Vermögen mit berücksichtigt wird, beträgt die Armutsquote 3 %

2. Der Bund, 14.8.21

3. Der Bund, 5.4.19

4. Der Bund, 12.12.20

5. https://www.mein-grundeinkommen.de/magazin/millionenerbin-pro-grundeinkommen (verfasst am 28.4.21) und https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/hoehere-steuern-fuer-reiche-ich-sehe-mich-in-der-pflicht?partId=12129365

6.  Ich werde dies im derzeit entstehenden Buch «Wenn die Kirche das Dorf entdeckt. Die werteorientierte Dorf-, Regional- und Stadtentwicklung zum Ausprobieren» näher ausführen.

7. Kolosser 3,11

8. 1. Korinther 11,11

9. 3. Mose 25,10

10. Lukas 4,18 ff


Der Artikel ist ursprünglich erschienen am 01. Februar 2022 auf https://www.insist-consulting.ch/forum-integriertes-christsein/22-2-1-wie-ungleich-darf-unsere-gesellschaft-sein.html

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Die Verrechnungssteuer von 35 % hat zum Zweck, die Steuerpflichtigen Privaten und Unternehmen dazu zu bringen, ihre steuerpflichtigen Gewinne und Wertzuwächse auch ehrlich anzugeben und damit zu versteuern. Erst nach vorschriftsmässiger Angabe werden die 35% wieder zurückerstattet. Doch die Bankenlobby hat das Parlament dazu gebracht, die Verrechnungssteuer bei der Ausgabe von Obligationen abzuschaffen. Dies mit dem Argument, dass auf Grund des administrativen Aufwands und des vorübergehenden Liquiditätsentzugs die Obligationen heute im günstigeren Ausland ausgegeben würden und der Schweiz damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung entgingen. Gleichzeitig wurde auch grad noch die Umsatzabgabe, die auf dem Handel mit bestimmten Wertpapieren erhoben wird, abgeschafft, da sie sich ebenfalls hemmend auf den schweizerischen Fremdkapitalmarkt auswirke. Gegen dieses Paket wurde das Referendum ergriffen.

Das Loch riskiert grösser zu werden – auf Kosten der Bevölkerung

Die treibenden Kräfte hinter dieser Steuersenkung behaupten, durch den Zuzug von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung aus dem Ausland würden die Kantone und Gemeinden einen Gewinn von mindestens 400 Millionen Franken pro Jahr erwirtschaften. Gleichzeitig allerdings gehen dem Bund nach neusten Zahlen 215 bis 275 Millionen Franken an Einnahmen verloren. Dies sind sehr konservative Schätzungen und wohl viel zu tief gegriffen. Denn erstens basieren diese Berechnungen auf dem aktuell sehr tiefen Zinsniveau, das aber in naher Zukunft ansteigen wird. Und zweitens hat die Finanzindustrie die Angewohnheit, alles zu verheimlichen, was nur möglich ist, um den Gewinn zu maximieren. Ohne Kontrolle fehlt die Motivation, diese Gelder zu versteuern. Schon die Unternehmenssteuerreform II hat gezeigt, dass die Finanzindustrie jegliche Möglichkeiten zur Steuerumgehung ausnutzt. Aus den bei der Abstimmung im Jahr 2008 im Abstimmungsbüchlein angegebenen maximal 933 Millionen Franken Verlusten für Bund und Kantone sind es ab der Inkraftsetzung im 2011 pro Jahr rund 2 bis 2,5 Milliarden Franken geworden (und sind es immer noch), weswegen ein Kanton nach dem anderen drastische Sparprogramme bei Schulen, Spitälern etc. durchgezogen hat. Dafür konnten die Aktionäre Dividenden und Firmenchefs (die sich nun oft Lohn auf andere Weise auszahlen lassen) Einnahmen von den Steuern befreien. Total wurden von 1.1.2011 bis 31.11.2016 CHF 1 Billion 692 Milliarden von 7‘365 Aktiengesellschaften angemeldet und durch die Eidgenössische Steuerverwaltung zur steuerfreien Ausschüttung an die Aktionäre genehmigt.

Steuersenkungen – nachweislich schlecht für die Schwächsten

Auch die Mär, dass es bei Steuersenkungen automatisch allen besser geht wurde schon längst widerlegt. Das zeigt eindrücklich die Oxfam-Studie aus dem Jahr 2014: Die Steuersenkungen im Zuge des Neoliberalismus haben weltweit vor allem die Reichsten noch reicher (und damit auch mächtiger) gemacht, den Ärmsten (also denjenigen, die es am meisten nötig hätten) aber kaum geholfen. In den USA ist so beispielsweise der mittlere Lohn zwischen 1984 und 2016 gleichgeblieben, das mittlere Haushaltseinkommen nahm nur wegen dem zunehmenden Einstieg der Frauen in die Lohnarbeit um insgesamt 20 % zu. Und gerade die Entstehungsgeschichte der USR II zeigte eindrücklich auf, dass es bei dieser gar nicht um die KMU und erst recht nicht um die Gesamtbevölkerung ging, sondern rein um die Interessen der Aktionäre.

Die lebenswichtigen Dienstleistungen brauchen mehr Mittel: Jetzt die Spirale umdrehen

Die Abschaffung der Verrechnungssteuer ist für die Schweizer Bevölkerung also höchstwahrscheinlich wieder einmal ein Verlustgeschäft. Und nicht nur für die Schweizer Bevölkerung, sondern schlussendlich auch für die Länder, aus denen die Arbeitsplätze abgesogen werden sollen. Die Steuerkonkurrenz hat insgesamt die Folge, dass die lebenswichtigen Dienstleistungen wie Schulen, Spitäler, Umweltmassnahmen etc. Schaden nehmen. Die Schulklassen werden immer grösser, Spitäler werden reihenweise geschlossen, das Pflegepersonal wird zu knapp gehalten und schlecht entlöhnt, und Subventionen für Sonnenenergie «sind zu teuer». In diesem System kommen die Schwächsten und die Schöpfung unter die Räder. Dieser Entwicklung gilt es Einhalt zu gebieten. Umso mehr, wenn diejenigen, die es sich am besten leisten könnten, dazu eingeladen werden, keine Steuern mehr zu zahlen.

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Putin führt seinen Krieg mit Unterstützung der russisch-orthodoxen Kirche. Rechtsevangelikale Christen in den USA sehen ihr Land als das neue gelobte Land. Und in der Schweiz wehren wir uns gegen alles, das unsere Souveränität in Frage stellt. Das Reich Gottes aber hat einen ganz anderen Horizont. Höchste Zeit also, umzudenken.

Jesus Christus ist nach biblischem Zeugnis der Sohn des dreieinen Gottes. Er ist Initiator und Zielpunkt von dem, was wir heute das Christentum nennen. Die inhaltliche Grundlage dazu hat er mit seinem Evangelium vom angebrochenen Reich Gottes 1 formuliert. Das ist eine gute Botschaft für die ganze Welt – und dies seit 2000 Jahren. Wenn wir deshalb unsere Hand auf die Bibel legen: Wieviel Nationalismus hat in diesem Evangelium Platz?

Putin: frommer Christ oder machtbewusster Despot?

Anlässlich des kürzlichen orthodoxen Osterfestes wagte sich der russische Präsident Putin wieder einmal nach draussen, zumindest unter das Dach der Kirche. Er nahm am orthodoxen Gottesdienst unter der Leitung des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill teil. Wie es sich gehört, schlug er ein Kreuz über seiner Brust. Er bekannte sich damit zum Sohn Gottes, der an Karfreitag an einem Kreuz für alle menschlichen Sünden gestorben ist. Auch für die Sünden des frommen Christen Wladimir Wladimirowitsch Putin. So weit so gut – und nötig.

Theodorus II., Oberhirte der Orthodoxen in Afrika, versichert: «Putin war ein gläubiger Christ, das weiss ich aus engster Erfahrung.» Die Verwandlung zum frömmelnden Gewaltherrscher schreibt er seinem ausufernden Machtrausch zu: «Zunächst glaubte er, ein neuer Zar zu sein.» Seine Alleinherrschaft habe ihn unterdessen vollends verblendet. Der Orientalist Heinz Gstrein erklärt diese Verwandlung2 unter anderem mit einer unheilvollen Veränderung der Geisteshaltung, die auch schon beim bekannten Schriftsteller Alexander Solschenizyn aufgetreten sei. In kommunistischen Straflagern vom Atheisten zum orthodoxen Christen geläutert, sei Solschenizyn in der Zeit Putins zum «pseudoreligiösen russischen Nationalisten» geworden, der, wie heute Putin, Russland vom «angeblich verderblichen westlichen Einfluss» erlösen wollte. Solscheniyzin wurde laut Gstrein zum Propheten jener Entwicklung in Osteuropa, «nach der die Befreiung von der kommunistischen Diktatur nicht in der liberalen Demokratie, sondern im Nationalismus … endet».

 

Ethnischer Nationalismus – ein Irrweg

Den Auslöser dieses Denkens sieht der Russlandexperte Martti J Kari in der Belagerung von Konstantinopel durch das Volk der Rus im Jahr 8603 . In der Folge seien in Osteuropa die Traditionen des byzantinischen Reiches übernommen und als Missionsauftrag der Russen an allen slawischen Völkern verstanden worden: die orthodoxe Religionslehre, der Konservativismus und das ungebrochene Verhältnis zu einer Autorität, die niemals in Frage gestellt werden darf, weil sie gottgegeben ist. In den folgenden Wirren der russischen Geschichte, in denen das Zarentum immer wieder vor dem Zusammenbruch stand, hat sich laut Martti J Kari die Gewissheit verdichtet, «dass ein starker Zar besser ist als ein schwacher Führer». Das habe sich auch nach dem Ende der Sowjetunion gezeigt, als der schwache Führer Boris Jelzin durch den starken «Zaren» Putin ersetzt wurde.

Was im Blick auf das biblische Evangelium zu denken gibt, ist die Tatsache, dass dieser autoritäre Nationalismus genährt wird von einer Kirche, die sich als russisch-orthodox bezeichnet. Sie verbindet ihren Auftrag damit mit einem ethnisch definierten Nationalismus und fühlt sich überall zuständig, wo Russen leben. Es war deshalb nicht erstaunlich, dass sich die orthodoxe Kirche in der Ukraine nach der russischen Annexion der Krim vom Moskauer Zentrum absetzte. 2019 erhielt sie vom ökumenischen (weltweiten) Patriarchen Bartholomaios von Konstantinopel die nationale Unabhängigkeit. Was vom Moskauer Patriarchen Kyrill postwendend als Spaltung kritisiert wurde. Offensichtlich führt der ethnische Nationalismus in eine Sackgasse.

 

Die Reformation führt zurück zu den Wurzeln

Nun, es sei nicht verschwiegen, dass sich autoritäre Züge schon nach der konstantinischen Wende im Jahr 313 in der Kirche ausgebreitet hatten. Das Denken in den Kategorien eines Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation) des Mittelalters und der frühen Neuzeit wurde aber dank der Reformationsbewegung von Martin Luther und seinen Nachfolgern nachhaltig in Frage gestellt. Die Proklamation eines biblischen Verständnisses des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen führte, verbunden mit dem Zugang zur Lektüre der Bibel für alle, zu einer Bildungsoffensive und zu einem Denken, das die spätere Aufklärung begünstigte. Die radikale Umsetzung dieses mehr individualistischen Ansatzes des Glaubens durch die Täufer wurde zwar als staatsgefährdend zurückgewiesen. Auch die politische Anwendung des Gleichheitsgedankens durch die Bauern, die ihre Unterjochung durch die Oberschicht abschütteln wollten, fand bei den Reformatoren wenig Gnade. Die Gegenbewegung zum autoritären Staat war aber nicht mehr aufzuhalten.

 

Die politische Fortsetzung in der Aufklärung

Die Aufklärung war ein nächster Schritt dazu. Sie gipfelte in einer ersten Erklärung der Menschenrechte im Vorfeld der französischen Revolution. Auch hier reagierten die Kirchen vorerst mit grosser Zurückhaltung. Neben bibel- und kirchenkritischen Vertretern waren bei der Aufklärung aber von Anfang an auch christliche Denker mit dabei. Während die kirchenfernen Aufklärer die Menschenrechte mit dem Naturrecht nur unscharf begründen konnten, hatten die christlichen Aufklärer starke Argumente. Der Autor Kurt Beutler bringt dies so auf den Punkt: «Wenn es denn wirklich so ist, dass Gott alle Menschen in seinem Bild erschuf und Jesus am Kreuz nicht nur die oberen Zehntausend, sondern sogar den Mörder erlöste, der am anderen Kreuz hing, dann sind alle Menschen gleichwertig4

Der englische Arzt und Christ John Locke (1632 bis 1704) gehörte zu den ersten Denkern, welche die Aufklärung und die Menschenrechte mit einem biblischen Weltbild verbanden. Die ersten drei Menschenrechte sprechen das Recht auf Leben, Besitz und die Meinungsfreiheit an. Sie wurden laut Kurt Beutler5  bereits im 11. Jahrhundert von der katholischen Kirche anlässlich der gregorianischen Reform in Anlehnung an das römische Recht für alle Menschen proklamiert. Daran habe John Locke im 17. Jahrhundert angeknüpft. «Allerdings zog er viel radikalere Konsequenzen als seine katholischen Vorgänger. Er erklärte alle Regierungen für illegal, welche die allgemeinen Menschenrechte nicht durchsetzten. Ja, er ging noch weiter: Die Regierungen aller Länder hätten keine andere Aufgabe, als dafür zu sorgen, dass alle Bürger zu ihrem Recht kämen. Ansonsten sei es Pflicht der Bürger, diese Regierungen zu stürzen und durch andere zu ersetzen.» John Locke und seine Anhänger wiesen angesichts der Sündhaftigkeit aller Menschen darauf hin, dass man letztlich keinem Menschen bedingungslos trauen könne. Jeder müsse deshalb kontrolliert und seine Macht zeitlich beschränkt werden. Sie plädierten deshalb für die Demokratie und die Gewaltentrennung zum Schutz der Menschenrechte.

 

Die USA gehen voran

Zu den ersten Weltregionen, in denen diese Gedanken im Rahmen einer Nation Frucht trugen, gehörten die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Unter den frühen Einwanderern bildeten laut Kurt Beutler die Anhänger von John Locke in einigen Staaten eine Mehrheit, etwa die Baptisten in Rhode Island und die Quäker in Pennsylvania, «so dass dort von jenen Freikirchenleuten die weltweit ersten wirklichen Demokratien gegründet wurden»6.

Die US-Christen übten aufgrund ihres biblisch fundierten Glaubens in diesem freien politischen Umfeld einen starken Einfluss aus. Manche sahen in den USA das neue Volk Israel, das der Welt das Heil bringen sollte. Dieses Selbstverständnis ist theologisch zwar nicht haltbar: Das Volk Israel und die mit ihm verknüpfte Verheissung gibt es nur einmal. Trotzdem wirkt dieses Denken unter rechtsevangelikalen Christen bis heute nach. Dass sich diese Kreise dann dazu hinreissen liessen, ihren Heilsbringer in Donald Trump zu sehen, zeigt, wie gefährlich Erwartungen sind, die nicht am Wirken des einen Messias – Jesus Christus – gemessen werden.

Zum Glück trat der übertriebene Nationalismus nach der Devise «America First» gegen Ende des zweiten Weltkrieges in den Hintergrund. Der damalige Internationalismus führte dazu, dass sich die USA mit andern Staaten zusammen nicht zu schade waren, ihre demokratischen Grundwerte militärisch gegen diktatorische Ansprüche durchzusetzen. Eine mittelfristige Frucht dieses Einsatzes waren nach dem gewonnenen zweiten Weltkrieg die NATO und die Europäische Union.

 

Verfassungsrechtlicher Nationalismus

Neben England und Frankreich entwickelten sich auch die übrigen westlichen europäischen Staaten im Laufe des 19. Jahrhunderts zu verfassungsrechtlich begründeten Nationalstaaten. Die Staatsgewalt ging nun nicht mehr von einer Elite aus. Sie war an eine Verfassung gebunden und durch die Gewaltentrennung begrenzt. In der Verfassung waren der organisatorische Staatsaufbau, die territoriale Gliederung des Staates und das Verhältnis zu anderen Staaten geregelt. Sie konnte nur in einem besonders geregelten demokratischen Verfahren, verbunden mit hohen politischen Hürden, geändert werden.

Diese Nationalstaaten waren nicht mehr ethnisch, sondern rechtlich und territorial begründet. Das gilt nicht zuletzt auch für die Schweiz. Unser Bundesstaat entstand bekanntlich im Zusammenhang mit der Neuordnung Europas am Wienerkongress von 1815 und fand nach einigem Hin und Her mit der Verfassung von 1848 die heutige Form. Die ehemaligen eidgenössischen Untertanengebiete und die deutschsprachigen Kernlande wurden nicht etwa unter die angrenzenden Länder verteilt, es entstand vielmehr eine neue multiethnische Nation mit gleichberechtigten Kantonen, die vorsichtshalber mit dem europäischen Neutralitätssiegel ruhiggestellt wurde.

Mit verschiedenen Verfassungsreformen holte der Bundesstaat immer mehr Gesellschaftsgruppen an Bord des Nationalstaates: 1874 mit der Einführung des fakultativen Referendums zumindest einen Teil der katholischen Bevölkerung, nach dem 1. Weltkrieg mit den Nationalratswahlen im Proporzsystem die Bauern und die (späteren) Sozialdemokraten. So entstand eine direkte Demokratie mit einem ausgebauten Föderalismus, kombiniert mit dem Subsidiaritätsprinzip bis hinunter in die einzelnen Gemeinden7 . Unter den Bedingungen einer weltweiten Pandemie wurde das Schweizer System kürzlich einer harten Bewährungsprobe ausgesetzt, der wir mit einem blauen Auge – zumindest vorläufig – entkommen sind.

Weniger nachahmungswürdig sind unsere krummen wirtschaftlichen Geschäfte unter dem Deckmantel der «Neutralität» und der Verschwiegenheit. Ebenso schräg ist das hartnäckige Leugnen unserer internationalen Verflechtung in einer globalisierten Welt. Heute gibt es nach aussen keine souveränen Nationen mehr, sondern nur noch Staaten, die mehr oder weniger voneinander abhängig sind.

 

Das Reich Gottes ist international

Jesus hat mit seiner Botschaft die Grenzen des jüdischen Staates zumindest im Ansatz überwunden. Seine Jünger verbreiteten diese Botschaft und ihre Werte in der ganzen antiken Welt. Im Laufe der Kirchengeschichte wurden – trotz Fehlentwicklungen wie dem Kolonialismus – immer mehr ethnische und nationale Grenzen überwunden, so dass man heute sagen darf und muss: Christen denken und handeln international. Sie passen damit hervorragend in unsere globalisierte Welt.

Trotzdem macht es Sinn, dass sie sich auch um ihre Nation, ihre Region und ihren Wohnort kümmern. Sie haben auf allen politischen Ebenen Werte und Strategien einzubringen, die den Zielen des Reiches Gottes und seines Gründers entsprechen. Verfassungsrechtlich organisierte Demokratien mit einer konsequenten Gewaltentrennung sind heute auf dem Rückzug. Getrieben von Macht und Geld kommen auch mitten im «christlichen» Europa immer mehr autoritäre (meist) Männer ans Ruder; kollektivistische Regierungsformen à la China und Russland bzw. am Stammesdenken orientierte afrikanische Staaten, die das Individuum verachten, sind im Aufwind.

Höchste Zeit also, dass wir, erfrischt vom Lebenshauch des Heiligen Geistes, wieder ganz neu unser Umfeld, unser Land und die globalisierte Welt mit den Werten und der Botschaft des Evangeliums prägen. Und das ganz ohne nationalistische Scheuklappen. Unsere Väter und Mütter im Glauben haben uns vorgemacht, was das heissen könnte.

 

1. Markus 1,15

2. Internetportal Livenet, Newsletter vom 12.4.22

3. Das Magazin Nr. 14 vom 9.4.22, Autor: Mikael Krogerus

4. Internetportal Livenet, Newsletter vom 25.4.22

5. Internetportal Livenet, Newsletter vom 1.4.22

6. Internetportal Livenet, Newsletter vom 1.4.22

7. Es besagt, dass die Ebene der Regulierungskompetenz immer so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig angesiedelt werden soll.


Artikel ursprünglich erschienen am 02. Mai 2022 auf https://www.insist-consulting.ch/forum-integriertes-christsein/22-5-1-wieviel-nationalismus-ertraegt-das-evangelium.html

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Vor kurzem habe ich in Jesaja 3,14b.15 Folgendes gelesen: «Eure Häuser habt ihr vollgestopft mit dem, was ihr den Armen weggenommen habt. Mit welchem Recht unterdrückt ihr mein Volk und nutzt die Wehrlosen aus?» Diese Worte haben mich tief getroffen. Was haben sie uns heute zu sagen?

Seit Jahren beschäftige ich mich mit der Frage, wie ich nachhaltiger konsumieren kann. Ich versuche, meinen Konsum so zu gestalten, dass er die Umwelt und andere Menschen möglichst wenig ausbeutet. In jüngster Zeit habe ich zusätzlich versucht, meinen Konsum grundsätzlich einzudämmen und minimalistischer zu leben. Das entspricht nicht einfach meinem Naturell, weil ich eigentlich lange Zeit sehr gerne eine grosse Auswahl an Dingen besessen habe.

Die Sache mit den Kleidern

Im Streben nach einem nachhaltigen Konsum habe ich auf den Konsum von Kleidung einen besonderen Fokus gelegt. Ich kaufe praktisch nur noch Second Hand oder sonst fair produzierte Kleider ein. Auch für unsere Kinder sind Second Hand Kleider der Standard. Vor einiger Zeit kam der Gedanke hinzu, dass wir eigentlich gar nicht alles besitzen, sondern vielmehr auch Kleider leihen könnten. Und so habe ich vor rund einem Jahr, zusammen mit einem Team, die Firma TEIL gegründet. Das ist ein Laden, in dem man Kleider nicht in erster Linie kauft, sondern leiht (Bild). Er funktioniert im Grunde wie eine Bibliothek. Wir wollen damit einen bewussteren und sorgfältigeren Konsum von Kleidern fördern.

Von allem zu viel

Wenn ich mich in unserer Wohnung umschaue, dann muss ich sagen: Sie ist «vollgestopft». Was davon habe ich ärmeren Menschen weggenommen? Sogar mit meinem bewussten Konsum gibt es in unserer Wohnung Dinge, die Kosten für die Umwelt und für andere Menschen verursacht haben. Vielleicht, weil ich unachtsam konsumiert habe, weil es keine Alternativen zu geben schien oder auch, weil ich als Schweizerin automatisch Teil eines ungerechten Wirtschaftssystems bin.

Mir ist bewusst, dass Jesaja diese Worte in einem völlig anderen Umfeld geschrieben hat. Und ich finde grundsätzlich, dass der grössere Zusammenhang beim Bibellesen eine sehr wichtige Rolle spielt. Aber diese Worte von Jesaja scheinen mir so zeitgemäss und vor allem für meinen und unser Umfeld bedeutsamer als je zuvor. Unser globaler Konsum zerstört nicht nur unseren Planeten, er geschieht meistens auch zu Lasten und auf Kosten von Menschen, die nichts oder nur ganz wenig haben.

Ausgenützte Textilarbeiterinnen

Die Textilindustrie ist dafür ein gutes Beispiel. Diese Industrie verursacht mehr CO2 als das Fliegen und die Schifffahrt zusammen. Die meiste Kleidung wird von Menschen hergestellt, die in ausbeuterischen Umständen arbeiten müssen. Menschenrechtsverletzungen sind in der Textilindustrie an der Tagesordnung. Der gesetzliche Mindestlohn reicht in den meisten Produktionsländern nicht aus, um den Textilarbeiterinnen und -arbeitern das Überleben zu sichern.

Erschreckend ist zusätzlich, dass nicht nur die Produktion, sondern auch das Wegwerfen von Kleidung in den letzten Jahren massiv zugenommen hat. Wir kaufen heute 400% mehr Kleidung als noch vor 20 Jahren und gleichzeitig werden in der Schweiz jährlich 6,3 kg Kleidung pro Person weggeworfen.

Vor unseren Augen passiert im wahrsten Sinne des Wortes Unterdrückung und Ausnützung von Wehrlosen – genau wie das auch Jesaja beschrieben hat. Wir haben auf der einen Seite die vollgestopften Häuser und Menschen, die mit Konsumieren nicht aufhören können. Auf der anderen Seite sind da Mütter, die ihre Kinder in ihrem Heimatdorf zurücklassen müssen, um in der Fabrik in der Stadt wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Oder wir sehen, wie die Modeindustrie Gewässer verschmutzt, was zu Missbildungen und Krebs bei den Menschen an diesen Orten führen kann.

Eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit

Wie gesagt, nachhaltiges Konsumieren ist für mich ein zentrales Thema. Trotzdem war mir dieser Vers aus Jesaja ein neuer Ansporn hinzuschauen, dran zu bleiben und dafür einzustehen, dass wir beim Konsumieren ein neues System und ein Umdenken brauchen. Unser Konsum darf nicht länger auf Kosten von anderen Menschen und der Umwelt geschehen.

Gott spricht durch Jesaja jeden von uns ganz persönlich an. Aber ich entscheide, ob ich ihn zu mir sprechen lassen will. Ja, es geht darum, dass sich Systeme ändern. Aber es geht genauso darum, dass ich meinen Konsum immer wieder hinterfrage, reflektiere und wo nötig anpasse. Was würde Jesaja mir sagen, wenn er in mein Haus eintreten würde? Und was würde er wohl Ihnen sagen?

Quellen:

https://www.fashionrevolution.ch/fakten

https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/das-weltklima-hat-ein-textil-problem-recycling-hilft-kaum-16565225.html

Film «The True Cost»

Dieser Beitrag ist erstmals im «Forum Integriertes Christsein» erschienen: https://www.insist-consulting.ch/forum-integriertes-christsein/21-9-3-konsum-vollgestopfte-haeuser.html

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Gott sorgt sich um unser Wohlergehen. Und um das unserer Nächsten. Dies gilt insbesondere für Menschen, die wirtschaftlich gesehen eine schwache Position haben. So steht in Jakobus 5,4:  «Siehe, der von euch vorenthaltene Lohn der Arbeiter, die eure Felder geschnitten haben, schreit, und das Geschrei der Schnitter ist vor die Ohren des Herrn Zebaoth gekommen.» In 1. Timotheus 5,18 wird nachgedoppelt: «Denn die Schrift sagt: ‚Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden‘, und: ‚Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.’» Was hat das mit der Forderung nach einem Mindestlohn zu tun?


Um die wirtschaftlich Schwächsten zu schützen, wurden in vielen Ländern Mindestlöhne fixiert. Auch in der Schweiz versuchte eine Initiative im Jahr 2014, einen Mindestlohn von 4000 Franken einzuführen. Nach teilweiser Zustimmung in ersten Umfragen wurde die Initiative dann aber klar abgelehnt.

Wie gewichten wir die Armut?

Der Staat solle in Sachen Lohn nichts vorschreiben, war eines der Gegenargumente. Und mit einem definierten Mindestlohn würden Anreize geschaffen, welche die Schweiz für ausländische Arbeitnehmende attraktiver machen würde. Es ist bedenklich, wenn solche Argumente wichtiger sind als die Armut, in der viele Familien leben müssen. Nach dem Bundesamt für Statistik1 war im Jahr 2014 nämlich jedes 20. Kind in der Schweiz von Einkommensarmut betroffen und jedes sechste Kind armutsgefährdet.

Arbeitsplätze verlieren oder gewinnen?

Ein weiterer Grund für die Ablehnung der Initiative war auch die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Dies ist einerseits verständlich und wurde von der Gegenseite im Abstimmungskampf auch intensiv bewirtschaftet. Vermutlich war das einer der Hauptgründe, dass schliesslich eine klare Ablehnung zustande kam.

Doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Arbeitsplatz-Argument als falsch: In Grossbritannien wurde 1999 ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt, der auch jährlich erhöht wurde. Wissenschaftliche Untersuchungen2 zeigten, dass dadurch insgesamt keine Arbeitsplätze vernichtet, sondern tendenziell eher mehr geschaffen wurden. Dies deshalb, weil wenig Verdienende das zusätzliche Geld nicht horten können, sondern meist grad wieder vor Ort ausgeben. Auch in den USA3 wurden ähnliche Erfahrungen gemacht.

Die Wirtschaft für alle fördern

Inzwischen haben in der Schweiz bereits fünf Kantone Mindestlöhne eingeführt: Jura, Neuenburg, Tessin, Genf und Basel-Stadt. Die Erfahrungen zeigen, dass dies positive Auswirkungen hatte. Arbeitsplatzverluste sind bisher nicht bekannt geworden.

Fazit: Es ist auch in der Schweiz möglich, würdige und zum Leben ausreichende Löhne zu bezahlen, wie es der biblischen Gesinnung entspricht.Das Thema muss deshalb auch politisch wieder auf den Tisch kommen. Eine Wirtschaftsförderung ohne Umverteilungsmassnahmen hat noch nirgends in den Industrieländern dazu geführt, dass es den Armen besser geht. Deshalb: Lasst uns das tun, was wirtschaftlich möglich ist und auch für die Schwächsten Sinn macht.


1 https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home.assetdetail.1320142.html

2 https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-grossbritannien-loehne-und-jobs-stabilisiert-10342.htm

3 https://www.letemps.ch/economie/six-enseignements-salaire-minimum

Dieser Beitrag ist erstmals im «Forum Integriertes Christsein» erschienen: https://www.insist-consulting.ch/forum-integriertes-christsein/22-3-5-arbeit-mindestloehne-sind-christlich-und-moeglich.html

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In den Philippinen lebt jeder fünfte Mensch unter der Armutsgrenze. Die Hauptstadt Manila hat über 20 Millionen Einwohner. Viele Menschen leben in Armenvierteln und Slumgebieten. Über 100 000 Kinder leben auf der Strasse. Viele finden in ihren auch durch die Armut und Arbeitslosigkeit zerrütteten Familien weniger Zuwendung und Akzeptanz als in Strassenbanden, wo Überlebenskampf, Missbrauch, Gewalt und Flucht in suchtgenerierende Substanzen zum Alltag gehören. Die Regierung der Philippinen hat bisher nur Unterdrückung und Tod für diese Kinder parat gehabt. Onesimo zeigt modellhaft, wie konkrete Nächstenliebe der fruchtbarere Ausweg ist. Weiterlesen

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Nikotin hat ein ähnlich grosses Suchtpotential wie Heroin. Rund 14 % der Schweizer Bevölkerung sind schwer abhängig von diesem Stoff. Die Hälfte der stark Rauchenden stirbt vorzeitig. Das macht 9500 Tote pro Jahr, so viele Tote wie die Covid-Pandemie im ersten Jahr gefordert hat – nur fordert der Zigerettenkonsum jedes Jahr diesen Tribut. Es ist damit das mit Abstand grösste vermeidbare Gesundheitsproblem der Schweiz.

Auch wegen dem Wegsterben der Kunden muss die Tabakindustrie ständig neue Kunden gewinnen. Weil die Jugendlichen die Risiken ihrer Handlungen noch nicht genau abschätzen können und weil nach 21 Jahren kaum mehr jemand mit dem Rauchen anfängt konzentriert die Tabakindustrie heute ihre Werbeanstrengungen zu einem grossen Teil auf die Jugendlichen, dort wo sie unterwegs sind: An den Festivals, im Internet, in den sozialen Netzwerken, an den Kiosken und im Ausgang. Sie werden zwar nicht direkt angesprochen, sind aber immer mitgemeint. Das neue Tabakproduktegesetz hat die Werbung für Nikotinprodukte zwar leicht eingeschränkt, erlaubt aber die Werbung weiterhin genau an denjenigen Orten, wo besonders viele Jugendliche erreicht werden. Und die Forschung zeigt klar, dass die Werbung einen erheblichen Einfluss auf den Raucheinstieg hat.

Die meisten Menschen haben wohl Gewissensbisse, Jugendliche in eine Sucht zu locken. Aus christlicher Sicht ist umso klarer, dass wir unseren Nächsten Gutes und nicht Schlechtes tun sollen. Es sollte also klar sein, dass wir es nicht zulassen sollten, dass Menschen zu einer Sucht verführt werden, um sie dann finanziell auszusaugen und viele von Ihnen dem Tod zu überlassen. Dies umso mehr, als dass die meisten dieser Menschen zum Zeitpunkt der Verführung gar noch minderjährig sind! Genau wenn es um Minderjährige geht können sich Produzenten nicht damit herausreden, dass jeder Konsument ja eigenverantwortlich ist. Deshalb ist es höchste Zeit, die Werbung für Tabak und andere Nikotinprodukte zu verbieten, die Jugendliche erreicht!

www.kinderohnetabak.ch