Mammon, die Schweizer Banken und mein Sohn

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Kürzlich habe ich einen Christen getroffen, der mit mir offen über seine Erfahrungen mit dem Geld und der Schweiz gesprochen hat. Seine geistliche Vision hat mich beeindruckt. Früher arbeitete er in der Bankenwelt, aber er fühlte sich dort nicht wohl. Auf meine Anfrage hin, erklärte er sich einverstanden für ChristNet zwei Texte zu schreiben: Cali oder Medellin…. beschreibt eine Situation, die er vor etwas mehr als zehn Jahren erlebt hat. In Papa, ich will… richtet er sich mit einigen kritischen Überlegungen über die Anhäufung von Vermögen an seinen Sohn.

Aus Sicherheitsgründen muss sein Name anonym bleiben.

Cali oder Medellin weisser als Schnee

Wir befinden uns irgendwo im Westen. Stellen Sie sich ein Büro vor, in dem 15 Bankangestellte Geschäfte abwickeln. Ihr Alter ist unterschiedlich, vor allem aber sind es Junge mit einem Temporärarbeitsvertrag. Die Stimmung ist gut und entspannt. Es ist angenehm, dort zu arbeiten. Die Getränke gehen auf Kosten des Hauses, was sehr geschätzt wird.

Plötzlich ruft einer der Buchhalter: ? Hey Jungs, wenn ihr wüsstet was ich sehe, ich habe ein Konto über drei Millionen Dollar vor meinen Augen, dessen Inhaberin eine 20-jährige Hausfrau aus Medellin ist. Das ist doch verrückt, was man in Kolumbien als Putzfrau verdient.?

Ein anderer fügt hinzu: ?Das ist komisch, bei mir hat es einen Polizeiinspektor aus Cali, der Besitzer von 4,5 Millionen Dollar ist. Ich dachte, das Einkommen eines Polizisten in diesem Teil der Welt wäre eher bescheiden.? Daraufhin vertieft sich jeder wieder in seine eigenen Konten.

Es folgt eine langes Schweigen, bis der Älteste der Gruppe Folgendes bemerkt: ?Na so was! Stellt euch vor, ich habe mehrere 18-20-jährige Studenten beobachtet, die Inhaber von Konten mit ähnlichen Geldbeträgen sind. Nun geht aber nicht nach Kolumbien, um ein Einwanderungsgesuch zu stellen, denn ihr sitzt hier vor Scheinkonten, die als Deckmäntelchen für die Herren der Kartelle aus Cali und Medellin dienen. Die Institution, von der wir angestellt sind, dient als Geldwäscherei. Unsere Vorgesetzten hätten sich über die Herkunft dieser wirklich zweifelhaften Vermögen vergewissern müssen.?

Papa, ich will vor meinem 40.Geburtstag Millionär sein

Das ist das Projekt meines ältesten Sohnes Kevin. Er ist 33-jährig, belgischer Geschäftsmann mit Wohnsitz in Kamerun. Sein Wunsch kommt nicht von ungefähr, gemäss den Prinzipien unserer nachchristlichen Gesellschaft, tönt dies gut, weil alles auf die Optimierung des Gewinns abzielt. Was sollte daran schlecht sein?

Die Bibel warnt uns: ?Kein Knecht kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.? (Lukas 16,13) Und weiter: ?Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch all das zufallen.? (Matthäus 6,33)

Jesus selbst hat während seines Dienstes auf Erden mit dem Existenzminimum gelebt. Ebenso seine Jünger; durch ihren Dienst haben sie sich nicht bereichert. Nie liessen sie sich für ihre Heilstaten entlöhnen. Reich sein an sich ist nichts Verwerfliches, aber es um jeden Preis werden wollen, könnte eine Falle sein. Es ist nicht das Geld, das problematisch ist. Geld an sich ist neutral, aber es ist die Liebe zum Geld, die einen zu Fall bringen kann.

Der Wunsch, reich zu werden (zu unterscheiden von der Tatsache reich zu sein) ist schlicht gesagt schlecht: ?Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und verstricken sich in viele törichte und schändliche Begierden, die die Menschen in Verderben und Verdammnis stürzen. Denn Habsucht ist eine Wurzel aller Übel; der sind einige verfallen und sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viele Schmerzen. Aber du Gottesmensch, flieh davor! Jage der Gerechtigkeit nach, der Frömmigkeit, der Geduld, der Sanftmut!? (1.Tim. 6,9-11)

Statistisch betrachtet haben 80% der Leute, die im Lotto ein Vermögen gewonnen haben nach drei Jahren nichts mehr davon übrig. Warum? Von einem Tag auf den anderen Millionär zu werden, bedarf der Vermögensverwaltung, die gelernt sein will. Wir sind dem Gesetz der Übereinstimmung unterworfen, das besagt, dass unser Äusseres unser Inneres wiederspiegelt. Das Auftauchen eines Vermögens verändert die äussere Welt der glücklichen Gewinner auf einen Schlag, während die notwendige Korrektur der inneren Welt fehlt. In ihrem Geist sind sie ?arm? geblieben, darum können sie sich nicht an die neue Situation anpassen.

Mein Sohn, wenn durch glückliche Umstände eine oder mehrere Millionen Dein Eigen werden, beabsichtige Millionär zu bleiben, um die Fehler der oben genannten glücklichen Gewinner zu vermeiden. Millionär werden ist etwas ganz anderes als Millionen besitzen, denn letzteres bedarf eines treuen Verwalters, der Reichtum generiert. Das Problem nur unter dem quantitativen Aspekt zu betrachten, wir dich ruinieren, wie dies 1.Tim 6,10 beschrieben ist. Wir aber sind Kinder eines unermesslich reichen Gottes. Wenn wir also grosse finanzielle Mittel zur Verfügung haben, dann sollen wir nicht geizig werden, sondern diese Reichtümer mit Freude unter unsere bedürftigen Brüder verteilen, wie wir in Jakobus 2, 15-16 lesen: ?Wenn ein Bruder oder eine Schwester nichts anzuziehen und nicht genug zu essen hat und jemand unter euch sagt zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ohne dass ihr ihnen etwas gebt, was sie nötig haben ? was hilft ihnen das??

Der Weg zum Geld beruht auf ethischen Kompromissen, wenig empfehlenswerten Praktiken, Bündnissen mit der Hölle, Umgang mit zweifelhaften Gestalten. Wenn Du ein Raubtier werden willst, musst Du die Sitten eines Raubtiers annehmen, um Dich in der Finanzwelt zu behaupten. Du wirst Deine Ellbogen brauchen, denn es ist eine Welt von Raubtieren, in der Du zum Überleben eher auf die Gesetze des Wilden Westens vertraust als auf die Weisungen des Evangeliums. Mammon ist eine Geldpumpe, die schwierig anzuzapfen ist.

Mein Sohn, Du wirst vor Deinem 40. Geburtstag Millionär werden können, aber nur unter der Aufsicht des HERRN, der dich auf dem richtigen und geraden Weg leitet.

September 2005

Aus dem Französischen übersetzt

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