Jesaja 19: Gottes Sicht für den Nahen Osten

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Im 19. Kapitel des Propheten Jesaja hat Gott verheissen, den Nahen Osten zu einem Zentrum des Segens zu machen. Welcher Strategie er sich dazu bedient, ist das Thema dieses Lehrteils, der dritten Folge von „Der Islam und seine Beziehung zu Israel und der Gemeinde“.

 

Die Situation im Nahen Osten und die Beziehung zwischen Juden und Arabern ist heute durch den israelisch-palästinensischen Konflikt zum Inbegriff von Unversöhnlichkeit, Hass und Gewalt geworden. Weltweit fliesst in Hunderten von Konflikten und gewalttätigen Auseinandersetzungen oft viel mehr Blut. Aber der Nahost-Konflikt ist für die Welt zu dem Konflikt geworden, der alle Gemüter bewegt; und jeder, gefragt oder ungefragt, fühlt sich zu einer Stellungnahme gemüssigt. Dieser Konflikt hat schon viele israelische, arabische und internationale Friedensbewegte, Regierungschefs, Politiker und sonstige Vermittler an den Rand ihrer Kräfte, Fähigkeiten und Möglichkeiten gebracht; leider ohne bleibende Erfolge. Der einzige, der durch einen unglaublich mutigen Schritt eine Art von Erfolg verbuchen konnte, hat dies mit seinem Leben bezahlt: Der frühere ägyptische Präsident Sadat schloss 1979 mit Israel Frieden und wurde durch seine eigenen Leute umgebracht. Sein Erfolg ist durch die Jahre schleichend wieder rückgängig gemacht worden.

 

Laut einer Umfrage in Frankreich gilt zur Zeit der Irak als die grösste und Israel als die zweitgrösste Bedrohung für den Weltfrieden. Es wird gesagt, der Nahost-Konflikt habe das Potential, die ganze Welt zum Explodieren zu bringen. Das liegt kaum daran, dass Israel und der Irak Atom- bzw. chemische Waffen besitzen, denn das tun Länder wie Indien und Pakistan auch. Und deren Hass aufeinander ist nicht kiemer als der zwischen Juden und Arabern. Der Umgang mit dem Nahost-Konflikt in Bezug auf das persönliche und emotionelle Engagement des Einzelnen wie der Weltgemeinschaft ist einzigartig. West- und Osteuropäer, Amerikaner, Asiaten und Afrikaner tanzen auf den verschiedensten politischen Bühnen um diesen Konflikt herum und versuchen, sich mit Lösungsvorschlägen zu überbieten, ohne dass bisher ein Lösungsvorschlag gegriffen hätte.

 

Stolperstein Jerusalem

Jede Versöhnung, jede Friedensinitiative zerschellt an der Tatsache, dass sowohl das jüdische Volk als auch der Islam ihre Identität, ihr Zuhause und ihr Erbe mit Jerusalem verbinden, konkret mit dem Tempelberg als Ort der Gottesoffenbarung. Für Juden und Moslems ist es unmöglich, diesen Platz an den ändern abzutreten, ohne sich selbst aufzugeben. Jerusalem ist für die Moslems nicht etwa nur, wie viele im Westen denken, die drittheiligste Stadt. Dazu seien im Folgenden nur einige wenige Gründe genannt.

 

Etwa 18 Jahre nach der Etablierung des Islams in Medina wurde Jerusalem unter dem Kalifen Omar, dem Nachfolger Mohammeds, eingenommen. Der damalige Bischof von Jerusalem, Patriarch Sophoronius, übergab Omar den Tempelberg als Ort für den Bau einer moslemischen Gebetsstätte (Moschee). Zu jener Zeit war der Tempelberg von den Christen zu einem Abfallberg gemacht worden, um die weitverbreitete Lehre der Verwerfung des jüdischen Volkes durch eine bewusste Entweihung seiner heiligen Stätten darzustellen. Omar liess den Tempelberg reinigen und baute die AI Aksa Moschee in Anlehnung an Sure 17, die besagt, dass Mohammed in einer Nacht auf seinem geflügelten Pferd (AI Burak) zu der „entfernten Gebetsstätte“ (AI Aksa) ritt und von da in den Himmel entrückt wurde, um von allen Propheten zu ihrem Haupt eingesetzt zu werden. Das konnte nicht in Medina oder Mekka geschehen; denn nur Jerusalem war die Stadt der Propheten. Daher neigten sich die ersten Moslems beim Gebet nach Jerusalem, nicht nach Mekka. Die spätere Ausrichtung nach Mekka musste im Koran durch eine spezielle Offenbarung bewilligt und gerechtfertigt werden; es handelte sich dabei eigentlich um ein politisches Manöver, um Mekka, das schon vorislamisch die Zentrale der Macht in Arabien war, unter die Herrschaft des Islams zu bringen.

 

Die Bedeutung Jerusalems für den Islam und das Judentum

Jerusalem nimmt aber für das islamische Endzeitgeschehen eine zentrale Rolle ein. Jerusalem ist für den Islam die Stadt der Propheten und der Offenbarung Gottes. Sie ist nicht zufällig als einzige Stadt in der islamischen Welt „Al Quds“, die Heilige, genannt. Wer sie besitzt, gehört zu den Nachfolgern des Propheten, zu den Erwählten Gottes, zu den Rechtgläubigen, zu den Menschen, welchen Gott seine Herrschaft über diese Welt anvertraut hat. Für das jüdische Volk bedeutet Jerusalem schlicht die Mitte, den Ursprung und die Erfüllung seiner Identität und seiner Bestimmung als Volk und Nation. Darum wird seit zweitausend Jahren immer wieder am Ende von Pessach von allen Juden ihre Sehnsucht zum Ausdruck gebracht im Wunsch und Gebet: „Nächstes Jahr in Jerusalem.“ Wenn von Jerusalem die Rede ist, spreche ich vom Tempelberg; dem Ort, auf welchem der Tempel Salomos stand, bei dessen Einweihung der Gott Israels in seiner Heiligkeit herniederkam und den Ort für alle Zeiten heiligte, indem er erklärte: „Mein Herz soll für alle Zeiten an diesem Ort wohnen“ (1. Kön. 8, 10-11, und 9, 3). Israel ist berufen, in der Gegenwart seines Gottes zu leben und ihm ein Volk von Priestern und ein Licht für die Nationen zu sein. Es kann nicht anders zur Ruhe, zum Frieden und zur Erfüllung seiner Bestimmung kommen ausser durch die Rückkehr in die Gegenwart Gottes, durch „Aliya“ (=Hinaufziehen; im modernen Hebräisch das Wort für Einwanderung der Juden nach Israel), d.h. das Hinaufziehen zum Tempel, auf den Tempelberg, in die Gegenwart Gottes. Gott hat die Berufung und das Erbe Israels an dieses Land und speziell an diesen Ort gebunden.

 

Die Berufung Israels

Die Berufung Israels ist es, in und durch die Offenbarung Gottes zu leben, um diese der Welt zu bezeugen; aus der Gegenwart dessen, der das Licht der Welt ist, den Völkern das Licht zu bringen: „Mache dich auf, werde licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker; doch über dir strahlt auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir, und Völker strömen zu deinem Lichte, und Könige zu dem Glanz, der über dir aufstrahlt“ (Jes. 60,1-3). Auch wenn ein Grossteil des jüdischen Volkes und des Staates Israel heute noch nicht zu diesem Licht durchgedrungen ist, noch nicht in die ihnen verheissene Gegenwart Gottes eingetreten ist, so ist doch Gott am Werk, Israel als Volk und Nation wiederherzustellen, um es in sein Erbe einzuführen, damit an ihm und durch es seine Herrlichkeit offenbart und sein Name unter den Völkern geheiligt werde.

 

Es geht aber nicht um Israel an sich, sondern um Israel in Bezug auf die Ehre Gottes und das Heil für die Völker (Ez. 36,31-38). Doch Israel kann nur in seine Berufung hineinkommen an dem Ort und in dem Land, das Gott dafür bestimmt hat. Land und Volk gehören nach dem Wort Gottes so sehr zusammen, dass der Zustand der Zerstreuung, des Lebens ausserhalb des Landes Israel für das Volk Israel einen Zustand des Gerichts und der Gottesferne darstellt. Wenn das jüdische Volk seine Identität und Bestimmung als Volk nicht verlieren und aufgeben will, – und Volk ist es nur als Volk Gottes muss es zurückkehren nach Israel, nach Zion, nach Jerusalem. Denn nur da wird Gott seinem Volk als Volk begegnen: „… .und sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ (Sach.12,10).

 

Die Wurzeln des Nahost-Konflikts

Hier liegen die unlösbaren Wurzeln des Nahost-Konflikts. Die Nationen und oft ein Teil der israelischen Führung selbst betrachten den Konflikt als ein politisches, ethnisches, menschliches und kulturelles Problem, das mit vernünftigen Lösungen und Kompromissen zu lösen wäre. Dabei erfahren sie aber den Sisiphus-Charakter ihrer Bemühungen, ohne zu erkennen, dass es um mehr geht als um das Ringen zweier Völker um den gleichen Lebensraum, um historische Rechte und Unabhängigkeit. Es ist der Kampf um Identität und Bestimmung, der Kampf um die Erwählung und das Erbe. So zentral Jerusalem für das jüdische Volk und die Erfüllung der biblischen Verheissung ist, so zentral ist es für den Islam, der unmissverständlich bekennt und festhält, dass Gott die islamische Gemeinschaft mit der letzten und endgültigen Offenbarung der Wahrheit gewürdigt und berufen hat, die Welt unter die Herrschaft des Islams zu bringen. Jerusalem, die Stadt der Propheten, ist ein unaufgebbares Symbol der islamischen Herrschaft. Für den Islam gibt es keine grössere Infragestellung seiner Identität und seiner Herrschaft, als diese Stadt in den Händen von Juden zu wissen, die doch nach dem Koran und islamischer Überlieferung als ein verworfenes Volk | gelten, welches unter dem Fluch Gottes steht. Die Herrschaft über den Tempelberg ist Symbol und Legitimation, sich als Gottes Volk erwählt zu wissen und seine von ihm berufenen Zeugen zu sein. Nach dem Koran gibt es keine Zweifel, dass diese Erwählung durch Abraham und Ismael den Moslems, allen voran dem arabischen Volk allein gilt. Versöhnung mit Nicht- , Moslems gibt es nicht.

 

Die Sicht der Bibel

Die Sicht der Bibel ist anders. Nach Jes. ‚ 19, 24-25 verheisst Gott durch seine Propheten, dass der Tag kommen wird, an dem er Ägypten, Assur (Assur umfasste damals die heutige arabische Welt des Nahen Ostens) und Israel durch sein Gericht reinigt, ihren Stolz bricht, sie miteinander versöhnt und zusammen verbindet, um sie gemeinsam zu einem Segen auf Erden zu machen. Gott hat das Unvorstellbare in Aussicht gestellt, nämlich dass Länder wie Syrien, Irak, Saudi-Arabien und Ägypten dereinst mit Israel einen Bund schliessen werden, der nicht nur für sie selbst, sondern für die ganze Welt zum gen wird. Und Gott macht keine leeren Worte! In 4. Mose 23,19 heisst es: „Gott ist nicht ein Mensch, dass erlüge, nicht Menschenkind, dass es ihn reue. Sollte er wohl reden und es nicht tun, sollte er etwas künden und nicht erfüllen?“ Die Verheissung Gottes, den Nahen Osten zum Segenszentrum zu machen, hat mit der Treue Gottes gegenüber Abraham zu tun. Den arabischen Völkern als Nachkommen Ismaels, des Sohnes Abrahams nach dem Fleisch, ist um Abrahams willen Segen verheisseb (1.Mose 21,13-20). Segen heisst immer Lebensfülle, Fruchtbarkeit in allen Lebensbereichen, Friede, Freiheit, Heil. Ägypten war nicht nur das Sklavenhaus Israels, wofür sie Gericht erfahren haben, sondern auch ein Ort der Zuflucht für Abraham, Joseph, Jakob und nicht zuletzt für den Messias selbst. Nicht zu vergessen, dass sich der Pharao zur Zeit Josephs von Jakob segnen liess; eine Demutshaltung, um derentwillen Gott trotz aller Gerichte Ägypten mit hineinnimmt in die besondere Berufung der Nachkommen Abrahams. Nicht zuletzt ist das ein Grund, warum neben Israel Ägypten als Volk und Nation eines der ganz wenigen Völker ist, das aus alter Zeit existiert: eben weil Gott in seiner Heilsgeschichte noch Verwendung für Ägypten hat. Ist es nicht erstaunlich und im wahrsten Sinne des Wortes merkwürdig, dass genau diese Völker, die bestimmt sind, zusammen ein Zentrum des Segens zu sein, heute nicht nur allen bekannt, sondern – wenn auch im Moment in negativer Weise “ in aller Leute Mund sind“!

 

Auflehnung gegen Gott

Gott trifft Vorbereitungen, um seine Verheissungen und Pläne umzusetzen. Eine Folge der Auflehnung gegen den Gott der Bibel ist der Hass, die Gewalt und Finsternis, die die Beziehung dieser Völker heute prägen und die aus Jerusalem, der Stadt des Friedens und des Heils (der Stadt des grossen Königs, d.h. des Messias, wie sie Jesus nennt), eine Stadt des Grauens, des Terrors, der unversöhnlichen Gegensätze und des Hasses machen. Die Auflehnung gründet in einem tiefen Misstrauen Gott gegenüber, weil man ihn nicht versteht und ihm nicht glaubt, dass er sich die Erlösung und das Heil aller Völker zum Ziel gesetzt hat. Jes. 2, 2-5: „Auf, lasst uns hinaufziehen zum Berge des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs! Er lehre uns seine Wege, und wir wollen in seinen Pfaden wandeln, denn von Zion wird ausgehen das Gesetz und das Wort des Herrn von Jerusalem, und er wird richten zwischen den Völkern und vielen Nationen Schiedsrichter sein. Sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Pflugscharen … nimmermehr wird Volk gegen Volk zum Schwerte greifen…“

 

Gottes Strategie

Gott hat eine Strategie gewählt, welche allein Heil und Erlösung zu schaffen vermag; eine Strategie, an der jeder Stolz zerbrechen muss, weil sie für Gott selber eine unglaubliche Erniedrigung und Demütigung bedeutet. Er hat sich ein halsstarriges, stolzes, undankbares Volk erwählt und seinen Namen für alle Zeiten mit ihm verbunden als der „Gott Israels“. Er hat sich und seinen Namen in ihre Hände gegeben, sich ihnen offenbart, seine Herrlichkeit gezeigt und sein Wohnzelt unter ihnen aufgeschlagen. Er hat ertragen, dass sie in unzähliger Weise seinen Namen missbraucht und in den Dreck gezogen haben. Wohl hat er sie mit harten Gerichten gezüchtigt und unter alle Völker zerstreut; doch hat er sich nie von ihnen gelöst, sie nie verworfen, seine Pläne, sie zum Licht der Nationen, zu seinen Zeugen zu machen, nie zurückgenommen (Jes. 43,10; 44,8). Er wurde in der Fleischwerdung des Messias, des einzigen Sohnes des Vaters, sogar ein Teil dieses Volkes. Jes. 9,6: „Denn ein Sohn ist uns gegeben, ein Kind ist uns geschenkt, und er wird heissen Wunderrat, Friedefürst, starker Gott, ewig Vater, und die Herrschaft liegt auf seinen Schultern…“ Joh. 3, 18: „Gott hat niemand jemals gesehen. Der eingeborene Sohn, der an der Brust des Vaters ruht, der hat Kunde gebracht.“ Er wurde zum Fluch, um alle Finsternis der Schöpfung aufsich zu nehmen, um sie am Kreuz zu vernichten, damit durch die Auferstehung, durch die Überwindung des Todes Licht, Gnade und Wahrheit durchbrechen und von diesem berufenen Volk hinausgetragen werden konnten zu den Völkern. So erfüllt sich die Verheissung durch den Propheten Jeremia: „Zu dir werden die Heiden kommen und sprechen: Das Erbe unserer Väter war lauter Lüge…“ (16, 19). Auch das Wort des Propheten Jesaja wird so in Erfüllung gehen: „Gott, der Herr, Jahwe Zebaoth, wird allen Völkern ein fettes Mahl bereiten auf diesem Berg… Auf diesem Berg nimmt er die Hülle weg, die auf allen Völkern liegt, und die Decke, die über allen Heiden ausgebreitet ist. Er vernichtet den Tod auf immer. Und der Herr wischt ab die Tränen von jedem Angesicht und nimmt seines Volkes (Israel) Schmach hinweg vor der ganzen Welt“ (25,6-9). Es wird sich erfüllen, was der Prophet Sacharia sagt: „In jenen Tagen wird es geschehen, dass zehn Männer aus allen Sprachen und Völkern einen Judäer bei seinem Rockzipfel ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, weil wir gehört haben, dass Gott mit euch ist“ (8,23).

 

Zerbruch des Islams

Gottes Strategie wird den Stolz des Islams und der arabischen Völker brechen, welche auf Macht und die Gewalt des Schwertes bauen, um sich Herrschaft, Ansehen und den ersten Platz anzueignen. Das Wort Gottes des Alten und Neuen Testaments bezeichnen sie als Fälschung und Lüge und setzen an seine Stelle ihr eigenes, ihrem Stolz und ihrer Ehre dienendes religiöses Bekenntnis. Der Stolz und die Macht des Islams und der arabischen Nationen müssen gebrochen werden, damit die arabischen Völker die Verheissung von Jeremia 16 erfahren können: „Das Erbe unserer Väter ist lauter Lüge.“ Befreit von der Lüge des Islams werden sie freigesetzt, an der Seite Israels in den versprochenen Segen hineinzukommen und dadurch zum Segen für die Welt zu werden. Das Hineinkommen in den verheissenen Segen ist für die arabischen Völker und Ägypten nur möglich an der Seite Israels. Sie müssen sich unter die gewaltige Hand des Gottes Israels beugen und demütig anerkennen, dass Gott das jüdische Volk nie verworfen hat. Im Gegenteil: Er hat ihnen Hunderte von Malen durch seine Propheten verheissen, sie nach einer Zeit des Gerichts und der Zerstreuung aus allen Völkern wieder zu sammeln in dem Land, das ihnen seit Abraham als Eigentum versprochen wurde. Um in ihre Berufung hineinzukommen, müssen das arabische und das ägyptische Volk akzeptieren, dass Gott die Juden als Nation nach zweitausend Jahren im Land Israel wiederherstellt, um sie in seiner Endzeit-Heilsgeschichte als ein Gefäss und als Botschafter zu brauchen.

 

Die Nachkommen Ismaels werden in Jes. 60,1-7 als erste unter den Völkern aufgezählt, die nach Jerusalem hinaufziehen, um dem Messias zu huldigen: Kedar, Nebaioth, Midian… Der Messias, dem sie huldigen werden, ist ein jüdischer Messias und König. Er wurde geboren als jüdischer Messias und König, starb als jüdischer Messias und König und wird wieder kommen als jüdischer Messias und König, um über ein Jerusalem zu herrschen, das die Hauptstadt des jüdischen Volkes ist; denn er ist das Licht, das das jüdische Volk erleuchten wird und das sie hinaustragen werden „zu den Enden der Erde“.

 

Israel muss sich demütigen

Gott widersteht dem Stolzen, dem Demütigen aber gibt er Gnade. Jede Form von Stolz wird an der Demut des Gottes Israels zerschellen müssen. Aber auch der Stolz des jüdischen Volkes muss an der Strategie Gottes zerschellen. Es wird erkennen müssen, dass es sich das verheissene Land, das Land der Väter, nicht kraft seiner eigenen Fähigkeiten, seiner Stärke oder seiner religiösen Errungenschaften aneignen kann. Israel hat weder das Recht, das Land an sich zu reissen, noch das Recht, das Land wegzugeben, denn es ist Gottes Land, ein Land, auf dem das Auge Gottes ruht (5. Mose 11,10-14). Es wird Israel von Gott gegeben als Geschenk, als Brautgabe, als Ort der Begegnung mit ihm. Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch den Geist Gottes werden Land und Volk wiederhergestellt (Sach. 5, 6). Der jüdische Humanismus, die jüdische Religiosität, die Jüdische Vernunft, die israelische Armee müssen sich beugen und bekennen: „Wenn der Herr nicht die Stadt baut, so arbeiten die Arbeiter umsonst“ (ps. 127). Israel wird erkennen, dass weder sie noch ihre mächtigen Verbündeten in diesem Land Friede und Sicherheit schaffen und garantieren können, sondern nur die Hinwendung und der Hilferuf zu dem Einzigen, der imstande ist, diesem Land Frieden zu bringen, weil es SEIN Land ist. Wenn er eingreift, wird er weder Partei ergreifen noch sich um historische Rechte und um Nationalstolz kümmern. Er wird für alle Lebensraum, Frieden und Freiheit schaffen, aber eben zu seinen Bedingungen.

 

Der Stolz der Nationen

An der Strategie Gottes wird aber auch der Stolz der Nationen gebrochen werden. In Psalm 2 heisst es, dass die Mächtigen der Welt sich gegen den Gott Israels und seinen Gesalbten auflehnen. Diesen Mächtigen streckt Gott seine Hand entgegen, gerade durch das Volk, das sie durch die Jahrtausende hindurch gehasst, verachtet, verstossen, verfolgt und umgebracht haben. Das Volk Israel, das zum Inbegriff der Verfluchten geworden war und als Aussatz und Kehricht der Welt bezeichnet wurde, wird zum Bringer der frohen Botschaft, des Lebens, als Diener des Allmächtigen. Dieses Volk zu empfangen und zu ehren als jene, die den Weg zu dem hin zeigen, der das Licht der Welt ist, wird den Stolz der Nationen brechen. Die Nationen werden bekennen müssen: „Lasst uns mit euch gehen, denn Gott ist mit euch“ ‚(Sach. 8, 23). So wie Israel Jesus, den es gehasst, verachtet und verfolgt hat, lieben und ehren lernt, wenn es ihn als den Durchbohrten erkennt, so werden die Nationen Israel lieben und ehren ernen.

 

Die Kirche

Aber auch der Stolz der Kirche wird an der Strategie Gottes zerschellen müssen. Wie oft hat die Kirche das Wesen Gottes verkannt und das jüdische Volk als von Gott fallengelassen, enterbt und zur Bedeutungslosigkeit, wenn nicht gar zum Gericht bestimmt geglaubt! Wie wenn Gott wankelmütig und unberechenbar wäre in seinen Verheissungen   und   Berufungen! „Denn die Berufungen Gottes können ihn nicht gereuen!“ (Rom 11,29) Ohne die Berufung Israels gäbe es die Kirche nicht, und ohne die Wiederherstellung Israels und seine Freisetzung in seine Berufung wird die grosse Ernte für das Reich Gottes nicht eingebracht (Sach. 8, 23; Jes. 25). Die Kirche ist berufen, an der Berufung des jüdischen Volkes teilzuhaben; aber sie kann das Volk Israel nicht ersetzen. Sie ist nach Eph. 2,19 Mitgenossin und Teilhaberin und nicht alleinige Besitzerin des Heils und der Berufung. Die Fruchtbarkeit der Kirche hängt von ihrer Einheit und ihrer Verbundenheit und Gemeinsamkeit mit dem älteren, zuerst berufenen und erstgeborenen Bruder ab. Vor der Welt muss die Kirche neu bekennen: „Mein Herr und Messias Jesus ist der König der Juden, und die Juden sind mein Volk. Wir gehören als Kirche zu ihnen, und ihr Leben und ihre Geschichte betrifft uns ganz direkt.“ Wie die Ruth der Bibel wird die Kirche bekennen müssen: „Dein Gott ist mein Gott, und dein Volk ist mein Volk. Wo du hingehst, will ich auch hingehen; wo du bleibst, will ich auch bleiben“ (Ruth 1,16). Wenn die Kirche nicht bereit ist, die Schmähungen, die Verfolgungen und den Hass, die immer noch das jüdische Volk treffen, zu teilen und sich zu ihm zu stellen, wird sie auch Fruchtbarkeit, Vollmacht und Autorität, die Gott Israel verheissen hat, nicht teilen können. Mit Paulus könnte man sagen: „Was die Kirche bisher erlebt hat an Vollmacht und Autorität, ist kaum der Rede wert, verglichen mit dem, was sein wird, wenn Gott Israel in seiner Berufung freisetzen wird“ (Röm. 11, 15). Die Kirche muss sich unter die gewaltige Hand Gottes beugen, damit er sie zu seiner Zeit und zu seinen Bedingungen erhöhen kann. Die Kirche wird zur Aussenseiterin werden, selber verachtetet, verfolgt und gehasst, wenn sie bekennt, dass ihr Messias Jesus der Judenkönig und das jüdische Volk sein Volk ist. Aber das ist der Weg, in die Fülle ihres Erbes hineinzukommen.

 

Die ganze Welt ist betroffen

Der Nahost-Konflikt betrifft nicht nur Araber und Juden, sondern die ganze Welt, weil die Wiederherstellung Israels nicht das Resultat menschlichen, sondern göttlichen Handelns ist – dies auch, wenn Gott sich Menschen und Institutionen bedient, wie zum Beispiel im Jahr 1948 der UNO. Die Tatsache, dass seinem Handeln, welches das Heil der Welt im Blick hat, sowohl vom jüdischen Volkes wie von der nichtjüdischen Welt und der Kirche so viel Widerstand entgegengebracht wird, ist der Grund für viel Leid und Not. An seinem Handeln mit und an Israel macht Gott die Herzenshaltung sowohl des jüdischen Volkes wie der nicht-jüdischen Welt ihm und seinem Wort gegenüber offenbar. Jeder wird früher oder später gezwungen, Stellung zu beziehen, was für ihn normativ und damit Autorität ist: das biblische Wort oder die eigene, menschliche oder religiöse Sichtweise. Der Gott des alten und des neuen Bundes bietet dem jüdischen Volk und der ganzen Welt Leben, Frieden und Heil in Jesus an. Dieses Angebot auszuschlagen oder gar zu bekämpfen hat seine Konsequenzen. Wenn der Gott der Bibel allein das Leben und die Liebe ist – und das ist er! – kann ein Leben ohne ihn nur in der Not, im Elend und im Tod enden.

 

Marcel Rebiai

© 2002 COR-GDV, Gossau ZH.

 


Photo by nour tayeh on Unsplash

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