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Am 16. August 2011 wurde von einem überparteilichen Komitee die «AHV-Erbschaftssteuer-Initiative» lanciert. ChristNet unterstützt sie aktiv, weil sie einen konkreten Beitrag zum biblischen Auftrag leistet, soziale Gerechtigkeit herzustellen und das Arm-Reich-Gefälle zu überwinden.

Umverteilung: ein biblisches Prinzip

Eines der Grundanliegen der Bibel ist die Überwindung des Arm-Reich-Gefälles, wobei sie besonders die Reichen in die Pflicht nimmt. So lesen wir, dass wir «dem Armen die Hand grosszügig öffnen» sollen (5. Mose 15,7-11). Die Sprüche warnen gar: «Wer Ohren verstopft vor dem Hilfeschrei der Geringen, der wird einst rufen und keine Antwort erhalten.» (21,13)

Im Neuen Testament identifiziert sich Jesus im Gleichnis des Weltgerichts ganz mit den Armen: «Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.» (Matthäus 25,31-46) Und Paulus doppelt noch nach: «Den Reichen in dieser Welt gebiete,… dass sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, gerne geben…» (1. Timotheus 6,17-18).

Zur Überwindung des Arm-Reich-Gefälles wird in der Bibel grundsätzlich individuelle Solidarität und Almosengeben gefördert, gerade das Alte Testament sieht aber auch gesetzlich geregelte Umverteilung vor.

Das Halljahr

Ein Beispiel dafür ist das Halljahr: Gemäss jüdischem Gesetz wurde Land, das aus Not verkauft worden war, alle 50 Jahre an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben (3. Mose 25,8-31). Bei der Eroberung Kanaans hatte ursprünglich jede Familie ein Stück Land erhalten. Diese gleichmässige Landverteilung sollte dank der periodischen «Landreform» des Halljahres aufrecht er-halten bleiben.

Somit war das Halljahr eine Grundlage, um der strukturellen Ungerechtigkeit vorzubeugen und allen ein Auskommen zu ermöglichen. Landverlust bedeutete nämlich in der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft Israels den Verlust der wirtschaftlichen Lebensgrundlage.

Soziale Ungerechtigkeit

Die biblische Forderung, Vermögen nicht anzuhäufen und Reichtum umzuverteilen, wird in unserer Gesellschaft heute nur sehr beschränkt befolgt: Grosse Vermögen, die von Generation zu Generation gehen, sind auch in der Schweiz einer der Hauptfaktoren für die Konzentration des Wohlstands in immer weniger Händen.

Daraus ergeben sich bleibende Armut 1 und soziale Probleme, sowie ein immer grösseres Gefälle zwischen Arm und Reich. So ist denn die Vermögensverteilung in der Schweiz so ungleich wie in kaum einem anderen Land. 2

AHV und Erbschaftssteuer

Es hat sich gezeigt, dass die AHV mit ihrem «Umlageverfahren», bei dem kein Kapital angehäuft, sondern die Einnahmen sofort für Renten ausgegeben werden, stark zur Bekämpfung der sozialen Ungerechtigkeit beiträgt. Sie setzt auch den Solidaritätsgedanken um, indem die jüngeren Erwerbstätigen direkt mit den Rentnern solidarisch sind. 3 Es scheint also dem biblischen Gedanken zu entsprechen, wenn die AHV gestärkt wird.

Zugleich kann die Besteuerung sehr grosser Erbschaften (ab 2 Millionen Franken) einen Beitrag zur Umsetzung des Halljahr-Gedankens darstellen. Sie ermöglicht es, dass familiengebundene Vermögen wieder der Allgemeinheit zufliessen, und trägt so zu einer gerechteren Verteilung des Reichtums bei.

Somit bietet die AHV-Erbschafts-Initiative eine Gelegenheit, dem biblischen Ruf zu folgen, den Armen die Hand zu öffnen und den Reichen zu gebieten, dass sie grosszügig sind. Packen wir sie!


1. Gemäss Caritas sind fast 1 Million Menschen in der Schweiz arm.

2. Nur in Singapur und Namibia sind die Vermögen ungleicher verteilt als in der Schweiz (Global Wealth Databook. Credit Suisse, Zürich, 2010).

3. Im Gegensatz zur 2. und 3. Säule, bei der jeder für sich ein Alterskapital anhäuft.

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Gedanken zu einem christlichen Umgang mit Geld

Was ist besser: Reich sein oder arm sein? Viel haben oder wenig haben?

Die einen werden sich bei dieser Frage vor allem an sich selbst orientieren und zum Beispiel sagen, dass mehr Geld ja trivialerweise mehr Freiheit bedeute – wenn sie zuviel davon hätten, könnten sie das Geld ja notfalls immer noch verbrennen. Oder sie sagen, dass sie nicht reich sein wollen, weil sie ja dadurch gar nicht glücklich würden.

Andere orientieren sich bei dieser Frage nicht an sich selbst, sondern an den Mitmenschen und argumentieren: Wenn ich reich bin, dann kann man daraus ja einfach schliessen, dass ich noch nicht soviel geteilt habe wie ich gekonnt hätte. Also ist reich sein schlecht. Oder wie mal einer gesagt hat: Reich werden ist keine Sünde, reich sterben schon.

Die Ausgangsfrage stellt uns jedoch vor eine falsche Zweiteilung. Weder gilt: je reicher desto besser, noch gilt: je ärmer desto besser. Auf die Frage „wie reich soll ich sein?“ gibt es nämlich als Antwort einen Orientierungspunkt – ein Geländer, an dem wir uns festhalten können. Wir sollen weder reich noch arm sein, sondern wir sollen mit genug leben.

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Vortrag von Hanspeter Nüesch an der ChristNetKonferenz 2007 «Die Schweiz – Bekannt für ihre Barmherzigkeit?»

Ich lebe in einem Dorf mit 100 Einwohnern. Über 70 davon sind arm. Etwa 30 von uns geht es mit verschiedenen Abstufungen gut. Die sieben Reichsten geben zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Geldes aus. Sie verbrauchen die Hälfte der zur Verfügung stehenden  Energieressourcen. Sie nehmen die Hilfe des Dorfarztes an gut 330 Tagen in Anspruch, sodass der Arzt für die restlichen 93 Einwohner nur noch 30 Tage zur Verfügung hat. Und in Zukunft werden die sieben Reichsten noch reicher und die 93 Ärmsten noch ärmer.

„Mein Dorf“ ist die Welt. Die meisten, wenn nicht alle Anwesenden hier gehören zu den 7% Reichsten. Und die Diskrepanz zwischen uns reichen Schweizern und dem Gros der Weltbevölkerung nimmt von Jahr zu Jahr zu. Ein Pastor in der Schweiz verdient durchschnittlich pro Monat mindestens 4’500 Franken; ein Pastor in Russland etwa 450 Franken, das ist ein Zehntel; ein Pastor in China etwa 150 Franken, das ist ein Dreissigstel; ein Pastor in Kuba etwa 45 Franken; das ist ein Hunderstel von dem, was ein Schweizer Pastor verdient. Das sind realistische Zahlen, weil wir in den vergangenen Jahren mit mehreren hundert Pastoren in diesen Ländern zusammengearbeitet haben.

Wenn das beschriebene Dorf Ihr Dorf wäre, dann würden Sie doch etwas gegen diese Reichtumsdisparität tun, nicht wahr? Aber weil es die Menschen in Ruanda oder im fernen Kuba betrifft, kümmert es uns weniger. Das muss sich ändern.

Kein Thema ausser der Warnung vor dem Götzendienst hat im Alten Testament einen prominenteren Platz und wird häufiger behandelt als die Not der Armut und Gottes Einstellung zur Ungerechtigkeit. Einer von sieben Versen im Lukasevangelium handelt vom richtigen, verantwortungsvollen Umgang mit den uns anvertrauten Gütern. In den Seligpreisungen findet eine Umkehrung der vorherrschenden Werte statt (Matthäus 5, 3-12): Die Reichen aller Art, die Selbstgerechten, Selbstzufriedenen, Durchsetzungsfähigen, Coolen sehen plötzlich in Gottes Augen nicht mehr so cool aus. Jesus lobt im Gegenzug Personengruppen selig, die auf unserem Schweizer Arbeitsmarkt kaum eine Stelle fänden; nämlich diejenigen, die sich arm, schwach und von Gott abhängig empfinden; die Zurückhaltenden, die Bescheidenen, die Sanften, die anderen den Vortritt lassen und die lieber die andere Wange hinhalten, als zurückzuschlagen. Jesus setzt noch eins drauf, indem er klar macht, dass er es ist, der uns in den Schwachen und Entrechteten begegnet. „Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“, oder eben nicht getan (Matthäus 25, 40.43).

Jesus hat das doppelte Liebesgebot, Gott von ganzem Herzen zu lieben und den Nächsten wie sich selbst, als höchstes Gebot für seine Nachfolger bezeichnet: (Matthäus 22, 37-40). Man kann nicht Gott lieben ohne unsere Mitmenschen zu lieben. Und man kann nicht unsere Mitmenschen lieben, ohne die Liebe praktisch zu zeigen. Paulus betont, dass Gottes Liebe in unsere Herzen gegossen ist durch den Heiligen Geist (vgl. Römer 5,5). Geisterfüllte Christen zeigen ihre Liebe, indem sie den Menschen ganzheitlich helfen. Dazu gehört, dass sie diese zu Jesus führen; das ist die wichtigste Liebestat. Aber es ist nicht die einzige. Gottes Liebe muss auch Hände und Füsse bekommen. Wenn die Bedürftigen praktische Liebe durch uns erfahren, dann lernen sie Gott und seine Liebe kennen. Unsere Taten predigen lauter als unsere Worte; aber sie müssen durch erklärende Worte begleitet werden, damit die Menschen die Quelle der Liebe erfahren und sich direkt an diese göttliche Quelle wenden können.

Die erste Frucht der Gegenwart des Heiligen Geistes ist Liebe (Galater 5,22). Was haben die ersten Christen gemacht, nachdem sie an Pfingsten vom Heiligen Geist erfüllt und transformiert wurden? Sie haben alles miteinander geteilt. Die Reicheren verkauften ihre Besitztümer, um mit dem Ertrag den Ärmeren unter ihnen zu helfen (Apostelgeschichte 2,44f). Jim Wallis betont in „Wer, wenn nicht wir“, dass unsere spirituelle Armut direkt mit unserer mangelnden Bereitschaft zu teilen zu tun hat, und dass der Einsatz für die Armen und für soziale Gerechtigkeit der Schlüssel zur Überwindung unserer spirituellen Armut ist. Jim Wallis: „Es geht nicht darum, dass ein paar Leute etwas für andere tun; sondern auch darum, dass wir alle geheilt werden.“

Umfassende Heilung, so hat Jesus seinen Auftrag in Lukas 4,18 beschrieben: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen frohe Botschaft zu bringen, den Gefangenen Befreiung zu verkündigen und den Blinden das Augenlicht, die Zerschlagenen zu heilen und ein Gnadenjahr des Herrn zu verkündigen.“ Und Jesus hat uns, seinen Jüngern, denselben Auftrag gegeben: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Johannes 20,21). Natürlich mit dem wesentlichen Unterschied, dass nur er für unsere Sünden mit seinem Tod bezahlen konnte. Nur Jesus konnte Lazarus neues Leben schenken. Wir haben jedoch den Auftrag, Lazarus von den Tüchern zu befreien. Diesen Auftrag nimmt uns Jesus nicht ab.

Wir haben uns zu fragen: Wo sind diejenigen, die in mannigfaltigen Tüchern gefangen sind und deshalb die Freiheit, die Christus allen Menschen verheissen hat, nicht erleben? Vielleicht ist es materielle Armut, vielleicht sind es ungerechte Strukturen, vielleicht Formen der Unterdrückung, vielleicht Missbrauch durch die Mächtigen, vielleicht Katastrophen. Wer weiss, gehören wir vielleicht auch einmal zu diesen Armen und mannigfaltig Gefangenen und Unterdrückten, die auf die Hilfe der Geschwister angewiesen sind?

Und die Schweiz

Die Schweiz ist reich, sehr reich; zumindest materiell. Sie hat den Auftrag, ihren Reichtum mit der Welt zu teilen. Sie hat es mindestens so nötig zu geben, wie die Ärmeren es nötig haben zu empfangen. Der Gebende wird selber gesegnet. Unsere geistliche Armut hat auch damit zu tun, dass wir unsere Gaben immer noch grösstenteils für uns behalten. Was für ein Segen könnten wir für die Welt sein, wenn wir die uns anvertrauten Talente grosszügig zur Linderung der weltweiten Not einsetzen würden (vgl. Matthäus 25)! Ein Schweizer Franken ist im Ausland das x-fache wert. Ich stimme mit Scott MacLeod („Der Löwe des Lichts“) überein, dass Gott uns Schweizern die Gabe der Barmherzigkeitsdienste gegeben hat. Nur setzen wir diese Gabe noch viel zu wenig ein. Bei Campus für Christus haben wir wiederholt die Erfahrung gemacht, dass wenn wir in materiellen Engpässen die Gaben an die Bedürftigen in Kuba, Nordkorea, Russland, Ruanda… nicht reduziert haben, Gott uns selber wieder aus der Misere herausgeholfen hat. Wir empfanden, oft mehr erhalten zu haben, als dass wir gegeben haben; nicht primär materielle, sondern geistliche Güter. Wenn wir den Armen geben, geben wir Gott. Und: „We can never outgive God.“ Er gibt uns auf irgendwelche Weise immer mehr zurück, als dass wir den Armen und damit ihm geben. Wir sind wirklich sehr dumm, wenn wir nicht beginnen, grosszügig zu geben, falls wir das bisher noch nicht getan haben.

„Gebt, dann wird euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuften, überfliessenden Mass wird man euch beschenken; denn nach dem Mass, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“ Lukas 6,38

Vor 25 Jahren sahen Geschwister im Geiste, wie von der Schweiz aus geistliche Ströme in alle vier Windrichtungen in die Welt hinaus flossen. Diese Glaubensvision hat meine Tätigkeit als Missionsleiter wesentlich geprägt. Mehr als je zuvor ist es meine Überzeugung, dass unser Land in den kommenden Jahren Wesentliches zur Erfüllung des Missionsauftrages Jesu Christi in aller Welt leisten kann, wir Schweizer müssen jedoch in Zukunft unseren Reichtum viel grosszügiger als bisher mit den Bedürftigen der Welt teilen. Ich vermute, dass dann eine geistliche Erneuerung in unserem Land nicht mehr fern ist.

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Besonders in der Schweiz ist die Finanzkrise auch eine Glaubenskrise: Wer ist an erster Stelle, Gott oder Mammon?

 

Bild: Der reiche Narr (Rembrandt)

Noch kurz vor der grossen Krise glaubten der Bundesrat und die den Banken nahestehenden Kreise, dass die Krise an der Schweiz vorbeiziehen werde. Und nach dem Sorgenbarometer der Credit Suisse vom September 2008 hatten die Banken (nach Polizei und Bundesgericht) von allen Institutionen das dritthöchste Vertrauen der Bevölkerung. In wohl keinem anderen Land der Welt haben die Banken eine derartige Macht wie in der Schweiz. So ist es auch zu erklären, dass wie sonst kaum in der westlichen Welt die UBS in einer Nacht-und Nebelaktion ohne parlamentarische Diskussion und ohne jegliche Bedingungen mit über 60 Milliarden Franken gestützt wurde. Unsere Regierung hat sich nicht einmal am Kapital der Bank beteiligt, um Einfluss auf die Geschäftsweise nehmen zu können, sondern einfach „den Abfall entsorgt“.

Dies ist ein verheerendes Signal an die Banken: Spekuliert nur weiter, wir helfen euch, wenn’s nicht klappt. Die bisherige Geschäftsweise wird damit bestätigt. Volkswirtschaftlich und moralisch ist dies allerdings zerstörerisch. Hinzu kommt, dass der Sitz der für die Rettung gegründete Gesellschaft in das Steuerparadies der Cayman-Inseln gelegt wurde. Auch dies ein moralisches Signal.

Dabei war die UBS mit 60 Milliarden Franken Abschreibern eine der meistbetroffenen Banken der Welt und einer der grössten Spekulanten im hochriskanten Subprime-Markt. Bereits seit 2005 wusste man, dass die Immobilienblase in den USA platzen würde. Doch in der Jagd nach noch mehr Rendite haben alle Investoren und Banken die Augen zugekniffen und gehofft, sie kämen ungeschoren davon oder könnten rechtzeitig aussteigen. Es war wie beim Roulette, wo bei jeder Runde von Neuem alles aufs Spiel gesetzt wird. Der Glaube an Mammon war grösser als die Wahrheit. Mit dem Aufkauf von Ramschpapieren hat der Bundesrat diesen Glauben fortgesetzt: Der Glaube, dass der Kurs dieser heute wertlosen Aktien schon irgendwann wieder steigen werde, und wir damit nichts verlieren würden.

Die UBS selber wehrt sich heute trotz allem gegen ein Gesetz zur Verstärkung der Eigenkapitaldecke, obwohl dies ihr Problem war. Sie hat nichts gelernt und will weiterhin einen Hochrisikokurs fahren. Noch im Dezember meinte der heutige neue UBS-CEO Oswald Grübel, die Krise habe nichts mit zu hohem Risiko oder falschen Anreizen durch Boni zu tun.

Die Finanzkrise ist also auch eine Glaubenskrise: Wollen wir weiter an die Vermehrung des Reichtums glauben oder wollen wir andere Ziele verfolgen? Ein grosser Teil der geschaffenen Werte war ja auch nur virtuell. Urplötzlich waren weltweit Billionen von Franken verschwunden. Dies erinnert mich stark an Matthäus 6.19: „Ihr sollt Euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.“ Und es soll uns auch nicht gehen wie dem reichen Kornbauern, der immer grössere Scheunen baute, und dem über Nacht die Seele gefordert wurde (Lukas 12.16-21).

Markus Meury, Kolumne in Magazin insist, Nr. 3, April 2009. www.insist.ch.


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Bern/Basel, 23.9.07 „Knapp 100 TeilnehmerInnen nahmen am Samstag in Bern an der ChristNetKonferenz „Die Schweiz “ bekannt für ihre Barmherzigkeit?“ teil. Im aktuellen konfrontativen und hasserfüllten Wahlkampf ist ChristNet überzeugt, dass die Schweizer Politik nicht nur inhaltlich, sondern auch im Stil mehr Barmherzigkeit braucht.

Der Auftrag der Schweiz: Grosszügig teilen

Am Morgen sprach Hanspeter Nüesch, Hauptleiter Campus für Christus, über den Segen des Teilens. Die Schweiz sei materiell sehr reich. Der Lohn eines kubanischen Pastors sei z.B. etwa hundertmal kleiner als in der Schweiz. So könnten Beträge, die bei uns bescheiden aussehen, anderswo riesigen Segen bedeuten. Wenn wir Schweizer unseren Reichtum in Zukunft viel grosszügiger mit den Bedürftigen der Welt teilen, dann, so vermute er, sei eine geistliche Erneuerung in unserem Land nicht mehr fern.

Berufen zur Barmherzigkeit

Scott MacLeod, Musiker und Leiter der Innenstadtarbeit ProVision in Tennessee (USA), erzählte, wie das Gleichnis von den Schafen und Böcken in Matthäus 25 seinen Dienst revolutioniert hat. Praktische Nächstenliebe („Ich war hungrig, und ihr habt mir zu Essen gegeben?“) werde da als die Heilsbedingung dargestellt, was ihn und sein Team dazu gebracht habe, den Ärmsten in ihrer Stadt konkret zu helfen.

Anschliessend berichtete er von seiner Vision für die Schweiz, die in „Der Löwe des Lichts“  veröffentlicht wurde. Er macht darin zwei Strömungen in der Schweizer Geschichte aus: Einerseits die Tradition der Söldner, die bereit waren, für Geld Ideologien unbesehen zu verteidigen, was bis heute zu einer Überbewertung von Dingen geführt hat (Materialismus). Andererseits die Tradition der Barmherzigkeit, die mit der Aufnahme der Hugenotten im 16. Jahrhundert begann und die Schaffung der Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung, sowie die Gründung des Roten Kreuzes umfasst. „Ihr werdet weltweit für eure Barmherzigkeit bekannt sein“, lautet seine ermutigende Schlussfolgerung.

Barmherzigkeit: Wo steht die Schweiz? Und was können wir tun?

In politischen Mini-Referaten und Workshops wurden verschiedene Bereiche der Schweizer Politik nach Barmherzigkeit untersucht und konkrete Schritte zu mehr Barmherzigkeit gesucht.

1. Die 7 Thesen von ChristNet zum Geld in der Schweiz

Eine Lageanalyse fördert eine Angstkultur, Desolidarisierung, geringe Bereitschaft zum Teilen, das Klammern an unrechte Güter und die Dominanz von Mammon zu Tage. Als Alternativen bieten sich an: Gottvertrauen, eine Politik der Barmherzigkeit und eine neue biblische Barmherzigkeit. Die sieben Thesen mit Erläuterungen können bei ChristNet bestellt werden.

2. Werteopfern auf dem Altar der Wirtschaft

Françoise Hänggi, Geografin, zeigte anhand der neuen Bildungsstrategie des Kantons Bern auf, wie auch in der Schweiz das Wirtschaftsdenken Überhand bekommt. So heisse es in deren Vision, das wichtigste Ziel sei die Förderung der Wirtschaftskompetenz. Damit werde die soziale Kompetenz und Werte wie Konfliktfähigkeit, Versöhnungsbereitschaft und Gewaltfreiheit wirtschaftlichem Leistungsdenken geopfert.

3. Das Bankgeheimnis bremst die Barmherzigkeit

Markus Meury, Soziologe, wies darauf hin, dass auf Schweizer Konten Steuerfluchtgelder von 2,5 Billionen Franken liegen. Da Steuerhinterziehung in der Schweiz nicht strafbar sei, werde den leidtragenden Staaten hierfür keine Rechtshilfe geboten. Seit zwei Jahren arbeitet ChristNet in einer Gruppe von Christen mit, die geistliche und politische Schritte zur Abschaffung dieser Ungerechtigkeit suchen.

4. Barmherzigkeit und Entwicklungshilfe

Béatrice Steiner, Entwicklungsfachfrau, wies darauf hin, dass der Anteil der schweizerischen Entwicklungshilfe am Volkseinkommen mit 0,39% immer noch weit unter den von der UNO empfohlenen 0,7% liegt. Ausserdem steht der Entwicklungshilfe ein Auftragsvolumen für Schweizer Unternehmen gegenüber, dank dem mehr als derselbe Betrag zurück in die Schweiz fliesst.

5. Steuerkonkurrenz

Thomas Tichy, Politologe, räumte ein, dass die Steuerkonkurrenz zwischen Ländern und Kantonen sich positiv auf eine effiziente Finanzpolitik auswirken kann. Doch dient sie in erster Linie Grossunternehmen und Grossvermögen, die mit Pauschalsteuerpaketen bevorzugt behandelt werden. Gleichzeitig führt sie oft zu einem extremen Sparkurs des Staates, bei dem Hilfsangebote für die Schwächsten, sowie die Bildung zuerst leiden.

6. Petition „Genug zum Teilen“

Samuel Ninck, Koordinator von ChristNet, stellte die Petition von ChristNet und ihre Beweggründe vor: Der Bundesrat definiert als erstes Legislaturziel 2003-2007 das Wirtschaftswachstum und die Wohlstandsmehrung. Doch nimmt das Reichtumsgefälle in der Schweiz und weltweit stetig zu. Darum ruft ChristNet den Bundesrat auf, das Teilen ins Zentrum seiner Politik zu stellen. (http://www.christnet.ch/Home.aspx?docid=521&lang=de)

7. Einfacher Lebensstil und Genügsamkeit

Tom Wieland lebt am Stadtrand von Bern in einer mongolischen Jurte. In seinem Workshop ermutigte er die Teilnehmer, wie Jesus die Einfachheit zu suchen. Dies sei ein starkes Zeichen für nicht-materielle Werte in einer konsumorientierten Gesellschaft und stelle in unserer Wegwerfkultur erst noch ein Plus für unsere Umwelt dar.

8. Konsumismus, Fair Trade und Chouf-nüt-Tag

Matthias Stürmer, Betriebswirt und Informatiker, und Samuel Ninck, Koordinator ChristNet, zeigten im Workshop, wie sich unser Konsumverhalten auf unsere Nächsten (z.B. Näherin in der 3. Welt) und auf die Schöpfung auswirken kann. Barmherzigkeit bedeutet hier, sich über diese Zusammenhänge zu informieren und anzufangen, Fair-Trade- und Öko-Label-Produkte zu kaufen. Der Chouf-nüt-Tag am letzten Samstag des Novembers bietet die Gelegenheit, genau darüber nachzudenken.

„Eine Zusammenfassung der ChristNet-Arbeit“

Die Stimmung an der Konferenz war äusserst positiv. Eine Teilnehmerin strich den praxisnahen Bezug der Referate und Workshops heraus: „Der Glaube wurde so wirklich konkret.“

Für ChristNet stellt diese Konferenz eine Zusammenfassung der seit der Gründung vor sieben Jahre erbrachten Arbeiten dar. Von Anfang an liess sich ChristNet von der Förderung der Nächstenliebe in Gesellschaft und Politik leiten: „Nächstenliebe: fundiert, engagiert“, lautet denn auch der Slogan.

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Bern/Basel, 23.9.07, Knapp 100 TeilnehmerInnen nahmen am Samstag in Bern an der ChristNetKonferenz „Die Schweiz ? bekannt für ihre Barmherzigkeit?“ teil. Im aktuellen konfrontativen und hasserfüllten Wahlkampf ist ChristNet überzeugt, dass die Schweizer Politik nicht nur inhaltlich, sondern auch im Stil mehr Barmherzigkeit braucht.

Hanspeter Nüesch (Campus für Christus) rief die Schweizer Christen zu grosszügigerem Teilen auf. „Dann“, so vermutet er, „ist eine geistliche Erneuerung in unserem Land nicht mehr fern.“

Scott MacLeod, Leiter einer sozialen Innenstadtarbeit (USA) und Autor von „Der Löwe des Lichts“, einer Vision für die Schweiz, wies darauf hin, dass praktische Barmherzigkeit in der Bibel als der Jesusdienst beschrieben werde (Matthäus 25). Die Schweizer müssten zwischen Materialismus und Barmherzigkeit wählen. „Ihr Schweizer werdet durch Barmherzigkeit weltweit ein Segen sein“, ermutigte er die Anwesenden.

In politischen Mini-Referaten und Workshops wurde die Schweizer Politik auf Barmherzigkeit und Materialismus untersucht: Christliche Werte, die auf dem Wirtschaftsaltar geopfert werden. Das Bankgeheimnis als Barmherzigkeitsbremse. Die schweizerische Entwicklungshilfe, Barmherzigkeit oder Geschäft? Die Steuerkonkurrenz dient den Reichen auf Kosten der Bedürftigen. Ein einfacher Lebensstil als Gegenkultur zur Wegwerfgesellschaft. Mit Fair Trade und Chouf-nüt-Tag unser Konsumverhalten barmherziger gestalten.

Die sieben Thesen von ChristNet zum Geld in der Schweiz fassen diese Lageanalyse zusammen und schlagen als Alternative Gottvertrauen, eine Politik der Barmherzigkeit und persönliche Hinwendung zur Barmherzigkeit vor.

Eine Teilnehmerin strich die Praxisnähe und den Zeugnisgehalt der Referate und Workshops heraus: „Der Glaube wurde so wirklich konkret.“ Auch die inhaltliche Kompetenz der Beiträge wurde gerühmt. „Mit dieser Arbeit erfüllt ihr eine prophetische Aufgabe“, meinte ein anderer.

Im Wahljahr 2007 fordert ChristNet den Bundesrat mit einer Petition auf, das Teilen ins Zentrum der schweizerischen Politik zu rücken. ChristNet ist ein Forum von ChristInnen, das sich mit Sozialem, Wirtschaft, Umwelt, Kultur und Entwicklung auseinandersetzt.

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Nationalismus – eine ernste Gefahr für die Schweizer (Christen)

  • Terminologische Verwirrung: Einige Bibelübersetzungen verwenden den Begriff „Nationen“ (Völker). Allerdings spricht die Bibel nicht von Territorialstaaten, da diese erst im 19. und 20. Jahrhundert auftauchten.
  • Wenn sich eine Nation „Gottes auserwähltes Volk“ nennt, kann dies zu Fehlentwicklungen führen, die alles andere als christlich sind (Legitimation von Rückzug, restriktive Asylpolitik etc.). Diese „Wahl“ wird mit einer mythologisierten Darstellung der Vergangenheit kombiniert.
  • Calvinismus und das Wohlstandsevangelium: Unser nationaler Reichtum wurde als ein Segen Gottes verstanden. Diese Argumentation verwendet jedoch fälschlicherweise den Namen Gottes und die Bibel. Außerdem führt sie zu einer narzisstischen und asozialen Theologie und auch zu einer Politik, die sich „christlich“ nennt.
  • Nationalismus und Reue gehen nicht Hand in Hand; der Bergier-Bericht wird von Nationalisten als Angriff abgelehnt. Doch die Bibel sagt uns:
    „Wenn wir sagen, dass wir ohne Sünde sind, betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns.“ I Johannes 1:8
  • Bei dem Versuch, unser „christliches“ Land zu schützen, verfallen Christen manchmal in Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit (zum Beispiel gegenüber Muslimen).

Konsequenzen: unsere Identität in Jesus Christus

  • Es ist unbestreitbar, dass wir alle wissen müssen, wer wir sind. Denn eine Identität zu haben, gibt uns Wert, gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Würde. Es ist meine Identität, die mich zu einer eigenständigen Person macht.
  • Als Christen sollten wir unsere Identität jedoch nicht auf Dinge wie Beruf, Rasse oder Nationalität gründen.
    „Es gibt also nicht Nicht-Juden und Juden, Beschnittene und Unbeschnittene, Unzivilisierte, Primitive, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles und er ist in allen.“
  • Meine primäre Identität liegt in Jesus Christus, was bedeutet, dass ich ein von Gott geliebtes und angenommenes Kind bin (Galater 2,20). Meine wahre „Heimat“ ist also nicht hier in der Schweiz, sondern bei meinem himmlischen Vater (Vater unser im Himmel!). Das Gleiche gilt für unser Bürgerrecht (vgl. Philipper 3,20).
  • Es ist in Jesus, dass wir wahres Leben finden. Er ist der Mensch gewordene Sohn Gottes. Er lebte aus seiner Beziehung zum himmlischen Vater, trotz der Ablehnung und Anfechtung, die er von Menschen ertragen musste.

In Jesus Christus gibt uns Gott unsere wahre Identität.
„Geschaffen nach dem Bilde Gottes“ – „Ich bin ein geliebtes Kind Gottes“

  • Wahre Identität und Selbstvertrauen durch Jesus Christus: „ICH BIN“.
  • Ein Mensch hat seine Identität gefunden, wenn er die Verantwortung für seine Fehler übernehmen kann (seine Schuld anerkennen).
  • Eine aufrichtige Nächstenliebe überwindet alle Ängste.
  • Wer das Leben als ein Geschenk Gottes betrachtet, lebt in Dankbarkeit, Demut und damit in Großzügigkeit.
  • Wir dürfen den sogenannten „christlichen“ Nationalismus nicht verharmlosen. Die Schweiz darf sich nicht um sich selbst drehen, sie muss zum Segen für andere werden.
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Armut – für die Bibel zentral

Wenn wir in der Bibel lesen, stellen wir fest, dass die Armut einen äusserst wichtigen Platz einnimmt. Sie stellt ein zentrales Thema, eine eigentliche biblische Realität dar. Die Gesetze Israels betonen ganz besonders die Unterstützung der Armen und Schwachen; die Kranken und die Menschen, die unter schwierigen Lebensumständen und politischen Verhältnissen zu leiden haben. Auch die Propheten beschäftigen sich mit diesen Fragen. Sie verurteilen die Missachtung der Armen und die sozialen Ungerechtigkeiten. Dabei steht die Armenhilfe in direktem Zusammenhang mit dem Glauben:

Bist du dadurch König, dass du in Zedernholzbauten wetteiferst? Hat dein Vater nicht auch gegessen und getrunken und trotzdem Recht und Gerechtigkeit geübt? Ging es ihm damals nicht gut? Er hat dem Elenden und dem Armen zum Recht verholfen. Darum ging es ihm gut. Heisst das nicht mich erkennen? spricht der HERR. Doch deine Augen und dein Herz sind auf nichts gerichtet als auf deinen ungerechten Gewinn und auf das Blut des Unschuldigen, es zu vergiessen, und auf Unterdrückung und Erpressung, sie zu verüben. (Jeremia 22,15-17)

Auch die poetischen Bücher thematisieren die Armut, z.B. bei Hiob, aber auch in den Sprüchen und in den Psalmen, deren Autoren Gott ständig in den Ohren liegen. Während seiner ganzen Geschichte war Israel mit Notlagen konfrontiert: von Abraham bis zum babylonischen Exil und darüber hinaus: Hungersnöte, Sklaverei, Mangel in der Wüste, Plünderungen, Kriege usw. Das Volk wurde unentwegt unterdrückt und erlebte doch gleichzeitig den Segen des Herrn.

Armut – ein umfassendes Konzept

Im Alten Testament gibt es 10 verschiedene Worte für Armut. Sie umschreiben alle Aspekte der Armut. Wirtschaftliche Armut: Hungersnot, Krieg, soziale Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Schutzlosigkeit desjenigen, der sich nicht gegen die Stärkeren wehren kann. Psychische Armut: Angst, Einsamkeit. Und besonders wichtig: Geistliche Armut: die Angst, von Gott verlassen zu sein, Todesangst, Orientierungslosigkeit.

In gewissen Lagen kann die Armut eine Folge von unangemessenem Verhalten sein. Die Bibel erwähnt Armut als Folge der Faulheit oder als Strafe Gottes. Doch daraus darf nicht geschlossen werden, Armut sei immer ein Fluch. Die Bibel erwähnt Menschen, die von Gott geliebt sind und den Glauben haben, und die doch in Armut leben. Denken wir an Hiob und den Psalmisten, die ja genau wegen ihrem Glauben leiden (z.B. Psalm 73).

Doch Reichtum kann auch ein Segen sein. Die Bibel verachtet materiellen Besitz nicht, im Gegenteil: oft stellt er ein Zeichen der Liebe Gottes dar. Doch muss uns dabei bewusst bleiben, dass das Urteil gegenüber ungerechtem Reichtum extrem hart ist und dass die Gefahr, wegen dem Wohlstand korrupt zu werden, durchaus real ist (s. z.B. Salomo).

Auch das Neue Testament spricht von Armut. Wir denken an die erste Seligpreisung Jesu: „Glückselig ihr Armen“ (Lukas 6,20) und Matthäus fügt an: „Glückselig die Armen im Geist“ (Mat. 5,3). Diese zwei Versionen zeigen uns deutlich, dass es keine künstliche Trennung zwischen wirtschaftlicher und geistlicher Armut gibt. Aber „Glücklich ihr Armen“, das steht so diametral im Widerspruch zu unserer Denkweise! Dabei sollen hier nicht die Armen idealisiert werden. Der Arme ist glückselig, weil er unfähig ist, sich selber zu retten. Die Lage, in der er sich befindet, ist förderlich dafür, zu entdecken, auf welche Weise und wie sehr Gott auf seine Bedürfnisse eingehen wird.

Gott kämpft für die Schwachen

Die Armut ist ein Leiden, und der Gott der Bibel will nicht, dass Seine Schöpfung leidet. Er bleibt nicht unbeteiligt und distanziert in seinem fernen Himmel. Nein, Gott ist ein Gott, der sich hingibt und die Bedürftigkeit nicht will. Er beteiligt sich am Kampf und bezieht für uns Stellung. Den Gründertext für diese Realität finden wir in der Geschichte vom brennenden Busch (2. Mose 3). Der Herr sagt: „Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten… ja, ich kenne seine Schmerzen. Darum bin ich herabgekommen…“ (V.7+8).

Ein anderes Beispiel ist Abraham, der reich, ruhig und zufrieden in seinem Land lebte und der in die Wüste aufbrechen und seine falsche Sicherheit verlassen musste, um den wahren Reichtum zu kennen, der sich in Gott findet.

Oder auch das Passahfest, das Jesus mit seinen Jüngern feiert. Er, Gott, der auf die Erde gekommen ist, der sich hingegeben hat, der gedemütigt wurde, er ist in Knechtsgestalt gekommen und wurde gehorsam bis zum Tod (Phil. 2,8). Während Gott sich auf die Seite der Schwächsten stellt, kämpft er doch nicht alleine. Er führt den Kampf mit seinem Volk, sei es Israel oder die Gemeinde. Er lehnt die Schicksalsgläubigkeit ab. Jesus sagt dazu, dass wir ja allezeit Arme bei uns haben und dass wir, wenn wir wollen, ihnen Gutes tun können! (Markus 14,7)

Die Armut bekämpfen

Der Kampf gegen die Armut muss gleichzeitig auf zwei Ebenen geführt werden:

Karitative Ebene: Nächstenliebe und Barmherzigkeit widerspiegeln die Person Gottes. Sie geben sich selbst hin und erwarten nichts zurück. Diese Haltung kann in zahlreichen biblischen Geboten gefunden werden. Damit wird die Gewinnmaximierung abgelehnt.

Die soziale und politische Ebene: Hier geht es darum, der Verarmung des Volkes vorzubeugen. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen: die Korruption bekämpfen, gerechte Gesetze erlassen, die Besitzanhäufung verhindern und dazu z.B. das Sabbatjahr einführen (s. 2. Mose 21,2).

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, besonders auf eine biblische Begebenheit hinzuweisen, die oft unbeachtet bleibt. (1. Könige 21) Der König Ahab begehrt den Weinberg des Bürgers Nabot. Dieser will ihn aber nicht abtreten. Auf Anraten seiner Frau Isebel lässt Ahab Nabot aufgrund falscher Zeugenaussagen zum Tode verurteilen und eignet sich den Weinberg an. Diese Ausübung des Rechts des Stärkeren wird von Gott extrem hart verdammt. Das ist wegweisend und wird denn auch von Jesus aufgenommen, wenn er zu seinen Jüngern sagt: „Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch gross werden will, wird er euer Diener sein.“ (Matt. 20,26)

Unsere Motivation

Gott gibt uns zwei Motive, um unser Verhalten zu ändern:

Die Erinnerung: Während seiner gesamten Geschichte mit den Menschen hat Gott Feste eingeführt, damit sich die Menschen erinnern können, wie z.B. das Passahfest, das an die Leiden in Ägypten erinnert, oder die Sabbatruhe, die an die Sklaverei erinnert. Die Botschaft lautet: „Erinnere dich, dass auch wenn du heute nicht in Armut lebst, du doch zu tiefst arm bist.“ Wir sind berufen, Gott ähnlich zu werden: „Seid heilig, denn ich bin heilig.“ (1. Petrus 1,16) Gott ist barmherzig, darum wollen auch wir barmherzig sein. Jesus hat sich selbst bis zur Armut entäussert, darum wollen auch wir arm sein.

Die Hoffnung: Nach Jahrhunderten der Gesetze und Propheten, muss Israel sein Versagen eingestehen. Dieses Versagen lässt die Erwartung von etwas anderem aufkeimen und schafft Raum für die Hoffnung. In diese Situation hinein erscheint Jesus, der lange erhoffte Messias. Seine ersten Worte in der Synagoge von Nazareth bestätigen diese Hoffnung: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen.“ (Lukas 4,18) Von da an wird die Gemeinde zum sichtbaren Zeichen für diese künftige Welt. In der Apostelgeschichte lesen wir, wie sehr sich die Gemeinde um die Armen kümmerte, sodass es schliesslich keine Armen unter ihnen gab. (Apg. 4,34)

Christus, der sich für uns arm gemacht hat, ist die Quelle. Von ihm fliesst der Strom aus der Gemeinde heraus hin zu einer bedürftigen Welt. In den Briefen, und besonders bei Paulus, fällt dem Zehnten und den Gaben zur Unterstützung der Armen besonderes Gewicht zu. Paulus erinnert uns daran, dass es sich dabei um eine Partnerschaft handelt, die sich auf beide Seiten auswirkt.

Die Bibel hat zwei Begriffe, um die Gerechtigkeit zu bezeichnen: einerseits die Gerechtigkeit, die wir vor Gott haben und die uns letztlich von Gott verleiht wird; andererseits das Recht, bei dem zwischen den Menschen eine „rechte“ Beziehung besteht. Die christliche Ethik entspringt letztlich unserem Glauben, und auf dieser Grundlage führt uns unser Gewissen zu Recht und Gerechtigkeit.

 

Literatur

Jacques Blandenier, Les pauvres avec nous – La lutte contre la pauvreté selon la Bible et dans l’histoire de l’Eglise. Dossier Vivre n°26. Je sème. Genève 2006.

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Der Grundsatz

Viele Christen fragen sich, ob es besser ist, reich zu sein oder arm zu sein. Auf diese Frage gibt es eine Antwort, die uns einen klaren Orientierungspunkt in die Hand gibt: Wir sollen weder arm noch reich sein; wir sollen genug haben. Dazu sagt Sprüche 30,7-9:

Mein Gott, ich bitte dich nur um zwei Dinge; gib sie mir, solange ich lebe: Bewahre mich davor, zu lügen, und lass mich weder arm noch reich sein! Gib mir nur, was ich zum Leben brauche! Habe ich zu viel, so sage ich vielleicht: »Wozu brauche ich den Herrn?« Habe ich zu wenig, so fange ich vielleicht an zu stehlen und bringe deinen Namen in Verruf.

Das Motto des „Genug“ kommt auch in der Geschichte über das Manna in der Wüste zum Ausdruck: Wenn die Israeliten mehr Manna als genug für einen Tag sammeln wollten, so verdarb das Überflüssige. Auch heisst es:

Die Leute gingen und sammelten, die einen mehr, die andern weniger. Als sie es aber abmassen, hatten die, die viel gesammelt hatten, nicht zu viel, und die, die wenig gesammelt hatten, nicht zu wenig. Jeder hatte gerade so viel gesammelt, wie er brauchte.(2. Mose 16,17+18).

Dieser Manna-Lebensstil spiegelt sich auch in der materiellen Bitte des Unservaters wider: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“

Genug zum Teilen

Wieviel ist genug? Genug ist für alle Menschen ungefähr gleichviel, und zwar soviel, dass sie ein anständiges, rechtes Leben führen können. Wenn wir von der Idee des Genug überzeugt sind, bringt uns das sehr schnell zu einer zweiten wichtigen Idee: zur Idee des Teilens. Als Leitvers für diese simple Tatsache kann z.B. 2. Korinther 8,14 dienen: „Euer Überfluss soll ihrem Mangel abhelfen.“ Darin taucht zwar das Wort „genug“ nicht auf, aber indem nicht von Armut/Reichtum, sondern von Mangel/Überfluss gesprochen wird, wird klar, dass hier eine Messlatte im Spiel ist. Diese Messlatte ist „Genug“.

Teilen ist aus zwei völlig unabhängigen Gründen wunderbar. Erstens dient Teilen denjenigen, die mehr als genug haben. Wenn wir nämlich mehr als genug haben, so warnt uns die Bibel, dass wir unser Herz an den Wohlstand hängen werden. Geldliebe aber bringt Unfreiheit. Das Fazit ist: Wenn wir frei von Überfluss sind, so haben wir mehr Kapazität, um Jesus nachzufolgen, uns auf das Glücklichsein zu konzentrieren und uns von Gott abhängig zu machen1 . Seit einigen Jahren haben die Ökonomen endlich begonnen, empirisch und vorurteilslos zu untersuchen, ob Geld wirklich glücklich macht. Das klare Fazit ist: Wirtschaftswachstum, die Anhäufung von Geld, macht nicht glücklicher.2

Teilen ist aber auch aus einem zweiten Grund gut; nicht nur, weil es dem Wohl derjenigen dient, die Besitz abgeben. Es dient natürlich auch denjenigen, die weniger als genug haben und somit zur empfangenden Seite gehören. (Nicht zuletzt verbindet das Teilen und der Ausgleich die zwei Gruppen.) Ein englischer Satz drückt die Aufforderung an diejenigen, die mehr als genug haben, schön aus: „Living simply so that others may simply live“. („Einfach leben, damit andere zumindest leben können.“)

Man kann fast nicht überbetonen, welches Gewicht die Bibel den Armen gibt. Es gleicht einem immer wiederkehrenden Refrain vom mosaischen Gesetz, über Hiob, Psalmen, Sprüche und die Propheten bis hin zu Jesus, der ersten Gemeinde, Paulus und den anderen Briefeschreibern: Gott hat ein Herz für die Armen, und auch wir sollen das haben. Jim Wallis hat einmal sämtliche Stellen über Armut aus einer Bibel herausgeschnitten; die Bibel war danach durch und durch verlöchert.

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit

Teilen wollen wir also aus zwei Gründen: sowohl weil es den Gebenden als auch weil es den Empfangenden gut tut. Der zweite Grund kann wiederum auf zwei verschiedenen Fundamenten stehen: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Wenn wir aus Gerechtigkeit teilen, dann tun wir es, weil wir das Geteilte richtiggehend schulden. Zum Beispiel ist die Macht in den internationalen Wirtschaftsinstitutionen wie WTO oder IWF auf unfaire Weise zu Gunsten der reichen Länder verteilt. Dadurch können diese Länder die Spielregeln so ausgestalten, dass sie ihnen am meisten Vorteile bringen. Wir können nun mit den südlichen Ländern teilen, um damit dieses Unrecht wieder gut zu machen.

Beim Teilen aus Barmherzigkeit hingegen wird davon abgesehen, wer an der Armut schuld ist; es mag der Reiche sein, der Arme selbst oder keiner von beiden. Beim Teilen aus Barmherzigkeit wird einfach festgestellt: Mein Nächster leidet Mangel, also teile ich. Beide Arten von Motiven sind wichtig, und beide sind in der Bibel vielfältig vorhanden. In konzentrierter Form zum Beispiel bei Zachäus, der sagte:

Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemand zu viel abgenommen habe, will ich es ihm vierfach zurückgeben.(Lukas 19,8)

Er gibt von seinem Vermögen weg, weil er einerseits ungerecht handelte, aber auch weil er die Mittel hat, um mit den Armen zu teilen.

Umsetzung: persönlich und politisch

Wie können wir die Idee des Genug im Persönlichen und Politischen umsetzen? Im Persönlichen können wir beginnen, mit einem geschlossenen Genug-Kreis zu leben:3

Bei einem geschlossenen Genug-Kreis haben wir mit uns selbst und mit Gott abgemacht, wieviel für uns genug ist. Dadurch kann das Einkommen in zwei Töpfe aufgeteilt werden: in den Genug-Topf und in den Überfluss-Topf. Wenn man mit einem offenen Genug-Kreis lebt, in dem nicht definiert ist, wie viel genug ist, passen sich die Wünsche und Bedürfnisse elastisch dem wachsenden Einkommen an.

CUKUP – Genug zum Leben, genug zum Teilen

Für die persönliche Umsetzung ist auch wichtig, dass wir uns zum Teilen mit allen Sinnen auf die Armen einlassen, durch Begegnung, Bibelstudium, Filme etc. Ein paar dieser Aspekte haben wir in einer Gruppe namens „cukup“ aufgegriffen, die wir in Bern gegründet haben (cukup ist Indonesisch und bedeutet „genug“). Während des Zeitraums von einem Jahr versuchen wir als 8-köpfige Gruppe bewusst nach dem Grundsatz des „Genug“ zu leben und das Überflüssige wegzugeben. Miteinander ist das einfacher. Dazu treffen wir uns einmal pro Monat, um gemeinsam Znacht zu essen und auszutauschen. Besonders wichtig ist uns, dass wir uns in Stille, Singen und Input auf das Thema Armut und Wohlstand einlassen. Als Leitmotto haben wir Verse aus Jesaja 58 genommen:

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte.

An unseren monatlichen Treffen haben wir auch schon das Jubeljahr und die Seligpreisungen angeschaut oder uns mit biblischen Finanzprinzipien beschäftigt. Höhepunkt war ein „Cukup-Benefiz-Fest“, wo bei Essen, Boule, Flohmarkt und Tanzkurs eingenommenes Geld einem Slum-Projekt in den Philippinen zu Gute kam.

Genug – die politische Umsetzung

Genauso wichtig ist aber auch die politische Umsetzung. Leider hat der Bundesrat Wohlstandsmehrung in seiner Legislaturplanung als erstes Ziel genannt. Demgegenüber setzt die Idee des „Genug“ die Bekämpfung von Armut, und insbesondere der absoluten Armut, an allererste Stelle und sieht eine weitere Wohlstandsmehrung für Menschen, die sowieso schon mit mehr als genug leben, eher als gefährlich und nicht als hilfreich an.

Eine wichtige Art, wie wir Armut bekämpfen können, besteht darin, dass wir das Problem an der Wurzel packen und den südlichen Ländern bei der Bestimmung der Weltwirtschaftsordnung mehr Macht geben. Eine weitere politische Utopie, die mit der Idee des Genug in Verbindung gebracht werden kann, ist die Idee des Grundeinkommens4. Diese Idee, nämlich dass jeder unabhängig von der Lebensführung eine Grundausstattung an Ressourcen haben sollte, kann auch mit dem grossartigen Gebot des Jubeljahres aus 3. Mose 25 in Verbindung gebracht werden.

 

 

1.  Zum Gedankengang dieses Abschnitts: Matthäus 6,24; 1. Timotheus 6,6-10; Markus 10,21; Hebräer 13,5

2. siehe Easterlin, R. (Hrsg.): Happiness in Economics, Cheltenham 2002

3.  Dieses Konzept geht zurück auf Earl Pitts und Craig Hill. Ihr Buch „Mäuse, Motten und Mercedes“ ist bei Campus für Christus (www.cfc.ch) erhältlich.

 

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ChristNet stellt sieben sich logisch folgende Thesen zur Problematik des Geldes in der Schweiz auf. Analyse der heutigen gesellschaftlichen Strömungen, Folgen daraus und Alternativen zu einer nicht mehr vom Geld beherrschten Schweiz!

 

These 1: Sowohl Christen wie Nichtchristen lassen sich mehr und mehr von der Angstkultur anstecken

Wir stellen vor allem in der westlichen Welt einen Wandel hin zu einer Angst- und Misstrauenskultur fest: Angst vor dem Verlust der eigenen Güter und der materiellen Sicherheit, sowie Angst vor dem unbekannten Nächsten. Wachsender Wohlstand hat die Angst vor dem Verlust unserer Güter verstärkt. Das wirtschaftliche Wettbewerbsdenken nimmt Überhand in den privaten Bereichen und sorgt dafür, dass der Nächste mehr und mehr als Konkurrent gesehen wird. Und der zunehmende Individualismus hat uns aus sozialen Zusammenhängen herausgerissen, wo wir früher Geborgenheit erfahren konnten. Die Angst um das eigene Wohl haben die Sorge um das Wohl des Nächsten gedämpft. Wir bringen dies mit der Aussage Jesu zusammen, die Liebe werde bei vielen erkalten (Mat. 24,12). Gerade in der Schweiz sind wir stark von der Angstkultur geprägt, wie wir an der besonders hohen Anzahl Versicherungsabschlüsse pro Einwohner sehen.

These 2: Desolidarisierung: Wir haben ein Problem mit dem Teilen, weil wir Angst um das eigene Wohl haben und weil wir mit immer höhere Folgekosten aus unserer Art des Wirtschaftens konfrontiert sind.

Aus Angst um das eigene Wohl und aus dem Misstrauen gegenüber dem Nächsten erwächst eine Desolidarisierung. „Freiheit“ steht als Konzept hoch im Kurs, da wir nach Freiheit vor aller Art Verpflichtung gegenüber dem Nächsten suchen.

Wir sind nicht bereit, die wachsenden Schäden aus unserer Art des Wirtschaftens zu bezahlen: Obwohl für schwächere Menschen keine Arbeitsplätze mehr angeboten werden, und sie zu Sozialfällen werden, haben wir die Tendenz, ihnen die alleinige Schuld für ihre Situation zuzuschreiben oder wir nennen sie „Profiteure des Sozialsystems“. Wir schenken deshalb den Theorien, die besagen, dass „jeder selber alles erreichen kann, wenn er sich nur anstrengt“, gerne Glauben. Christen sind gegen diese kulturellen Strömungen nicht immun, weshalb das Wohlstandsevangelium und der Compassionate Conservativism uns attraktiv erscheinen.

These 3: Weil wir nicht teilen können, sind wir zum Wachstum verdammt

Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt, es ist eigentlich genug für alle da, wir haben alles, was wir brauchen. Trotzdem streben wir hartnäckig stärkeres Wachstum des BIP, also des Reichtums an (und opfern zahlreiche christliche Werte dafür), obwohl die Bibel sagt, wir sollen uns keine Reichtümer anhäufen (Jakobus 5). Dies gilt nicht nur für das persönliche Leben, sondern auch für ganze Nationen, denn wir sehen in der Folge, wohin das führt.

Wofür also Wachstum? Wir sagen, es brauche es Wachstum, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen. Haben wir uns ein System geschaffen, wo nur dann jeder Arbeit hat, wenn das BIP wächst? Sind wir ansonsten unfähig, jedem Menschen eine sinnvolle Arbeit zu verschaffen? Wir sagen auch, es brauche Wachstum, um unsere Altersvorsorge zu finanzieren. Aber könnten wir dies mit einem verbesserten Teilen nicht auch anders organisieren? Drittens, sagt der Bundesrat, brauche es Wachstum, damit es weniger Verteilkämpfe gäbe. Sind wir nur fähig, vom Überfluss zu verteilen? Bringen wir es nicht fertig, dass jeder vom Erschaffenen genug für seine Anstrengungen erhält? Diese Probleme wären unseres Erachtens mit Gemeinsinn und einen Sinn fürs Teilen anders lösbar. Da wir hierzu noch nicht bereit sind, ist auch die Schweiz „zum Wachstum verdammt“. Zudem glauben wir auch im persönlichen Leben immer noch daran, dass mehr Reichtum glücklicher macht.

Immer-mehr-Konsum ist wirtschaftspolitisch deshalb sehr willkommen und wird gefördert. Der Konsumismus wird zum ideologischen Zwang für die Gesellschaft, obwohl wir eigentlich schon alles haben. Wie kann die Volkswirtschaft trotz gesellschaftlichem Überfluss noch wachsen? Der Suche nach Wachstumsmöglichkeiten werden zwangsläufig auch Werte und Ideale geopfert.

These 4: Wir klammern uns selbst an unrechte Güter

Die Schweiz war nur unter massivem Druck des Auslandes dazu bereit, die nachrichtenlosen Vermögen von Juden zurückzugeben. Heute klammern wir uns an das Bankgeheimnis, auch wenn wir wissen, dass der grösste Teil der ca. 2,5 Billionen Franken Vermögen aus dem Ausland auf Schweizer Konten den Steuern hinterzogen wurden. Wir behelfen uns immer noch mit Rechtfertigungen und Ablehung unserer Verantwortung, obwohl das Bankgeheimnis 1934 gerade zum Anziehen von Steuerfluchtgeldern gesetzlich verankert wurde.

Hierzu fällt uns Micha 6.9-11 auf: „Höret Ihr Stämme und ihr Ratsleute! Noch immer bleibt unrecht Gut in des gottlosen Haus und das verfluchte falsche Mass. Oder sollte ich unrechte Waage und falsche Gewichte im Beutel billigen?“

These 5: „Mammon“ hat Macht in der Schweiz und beherrscht unser Denken und unsere Politik

 

„Niemand kann gleichzeitig zwei Herren dienen. Wer dem einen richtig dienen will, wird sich um die Wünsche des andern nicht kümmern können. Genauso wenig könnt ihr zur selben Zeit für Gott und das Geld leben.“ (Matth.6,24) Uns scheint, dass das Wirtschaftlichkeitsdenken und die Sorge um unsere Güter zu stark gewichtet werden gegenüber Gott und der Nächstentenliebe. Unsere Werte werden deshalb mehr und mehr vom „Mammon“ bestimmt. Hierfür scheint die Schweiz auch zahlreiche christliche Werte wie Familien, Sonntag, Barmherzigkeit gegenüber den Schwachen, Gerechtigkeit und Moral zu opfern. Wir müssen uns tatsächlich entscheiden. Kehren wir als ganzes Land um, reinigen wir unsere Leben, unsere Politik, unsere Wirtschaft und unsere Banken. „Denn eine Wurzel allen Übels ist die Geldliebe“, (1. Timotheus 6.10), und es scheint, als ob wir die Folgen davon heute zu spüren bekommen. Hingegen verspricht uns Gott, für uns zu sorgen, wenn wir in Gerechtigkeit wandeln und ihn anbeten (und nicht den Mammon). Wir brauchen also keine Angst vor Verlust von Reichtum oder Arbeitsplätzen zu haben, wenn wir die nötigen Schritte gehen und uns vor ungerechtem Mammon trennen. Gottes Vorsorge und Friede wird uns tragen.

These 6: De Alternative: Vertrauen in Gott und eine Politik der Barmherzigkeit mit den Schwächsten

Jesus hat uns neben der Errettung durch den Glauben radikale Nächstenliebe gepredigt und uns angewiesen, in unserem ganzen Handeln das Wohl des Nächsten (und damit das Allgemeinwohl) ins Zentrum zu stellen. Wir wollen diese Nächstenliebe, diese Agape, wieder neu erwecken, d.h. dazu aufrufen und beitragen, dass die Welt von der Liebe Jesu geprägt wird. Dadurch soll Gott in unserer Gesellschaft sichtbar werden. Dies beginnt mit der Christenheit, die neu für das Wohl des Nächsten sensibilisiert wird und dadurch ein kraftvoller Multiplikator von Gottes Liebe wird. Oft wird vergessen, dass die Nächstenliebe nicht nur den persönlichen Bereich prägen soll, sondern dass wir genauso auf der gesellschaftlichen und politischen Ebene Nächstenliebe üben müssen. Insbesondere die schwächsten Glieder der Gesellschaft scheinen uns heute gefährdet, da sie keine Macht und kaum eine Lobby haben. Doch schon Jesus predigt uns den Schutz der Schwächsten, indem er sich ganz mit ihnen identifiziert: „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; […] ich war fremd, und ihr habt mich beherbergt; […] ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“ (Matt. 25,35-36)

Hierzu brauchen wir aber die Pflege eines Gottvertrauens, das in unserem eigenen Leben anfängt, dass Er uns versorgen wird, wenn wir gerecht handeln.

These 7: Wir brauchen eine neue biblische Barmherzigkeit

Das Thema Solidarität nimmt in der Bibel einen breiten Raum ein. Zentral ist der Begriff der Armen, der einerseits für die materielle Armut und Unterdrückung (auch „Elende, Geringe“, etc.) gebraucht wird, aber auch für geistlich Arme, das heisst Demütige. Die Stellen, wo Armut mit Selbstverschulden in Verbindung gebracht wird, sind rar. Sie finden sich nur im Buch der Sprüche und in der Aussage im Neuen Testament, wer nicht arbeiten WOLLE, auch nicht essen solle. Ansonsten wird Armut als gesellschaftliches Übel, oft in Verbindung mit sozialer Benachteiligung beschrieben. Natürlich kann man deshalb noch nicht behaupten, die Armen seien heute generell unschuldig an ihrer Situation, aber wir müssen bereit sein, genauer hinzuschauen. Deshalb ist das Alte wie das Neue Testament voll von Aufrufen, die Armen zu schützen (physisch und rechtlich), mit ihnen zu teilen und Gerechtigkeit herzustellen. Wir sollten auch nicht im Glauben hängen bleiben, dass wir unseren Wohlstand ja selber erschaffen hätten und wir deshalb nichts zu teilen bräuchten. Denn erstens ist unsere Leistungsfähigkeit auch Gottes Gnade, und alles was wir haben, kommt von Gott. So sind wir gehalten, nach seinem Willen mit dem Erhaltenen umzugehen. Zweitens hat jeder Mensch unterschiedliche Gaben, die auch unterschiedlich in Lohn umsetzbar sind. Deshalb sollten wir allen Menschen ein würdiges Leben ermöglichen. Gewisse Umverteilung ist deshalb bereits im alten Testament vorgesehen. Der Nächste, das ist spätestens heute auch der Arme in anderen Teilen der Welt. Wir sind gehalten, uns auch ihnen zu widmen.

Wir sind überzeugt, dass die Schweiz geistlich gesehen Gott und seinem Segen den Rücken kehrt, wenn sie ihren Wohlstand nicht mit den Armen teilt.