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Die heutigen Umweltprobleme haben nichts mit dem Evangelium zu tun ?

Der Erhalt der Schöpfung erscheint vielen Christen eher unwichtig. Anders ist es nicht erklärbar, wie unbekümmert mit dem Auto herumgefahren wird, Flugreisen unternommen werden und energieintensive Vergnügungen konsumiert werden. In den USA hat mit der Wahl von Präsident Bush, welcher bekanntlich stark von Christen unterstützt wurde, dieser Raubzug auf Gottes Schöpfung einen neuen Höhepunkt erfahren. Warum verhalten sich viele Christen so wenig schöpfungsorientiert?

Eine entscheidende Antwort liegt wohl in der Bibel selbst begründet. Es gibt nur minimale Aufforderungen zum Schutz und Bewahren der Schöpfung (1.Mo. 1,28). Wir Menschen sollen die Erde untertan machen und über die Tiere herrschen. In Röm. 8,19.22 schreibt Paulus wohl auch davon, dass die Schöpfung unter der Sünde leidet und auf die völlige Wiederherstellung durch Jesus Christus wartet. Ein Aufruf an die Jünger Jesu zu einem schöpfungsgerechten Lebensstil fehlt aber weitgehend. (Wäre zu jenem Zeitpunkt ja auch völlig unnötig und unverständlich gewesen).

Solange wir uns nur direkt mit den Aussagen der Bibel zur Schöpfung befassen, werden wir uns persönlich und in unseren Gemeinden weiterhin den weltweiten schweren Umweltproblemen entziehen. Sobald wir allerdings erkennen, dass Umweltprobleme letztlich soziale Probleme sind, erhält das Thema brennende biblische Aktualität. Und die Gemeinde Jesu lässt sich hoffentlich aus ihrem Dornröschenschlaf aufrütteln. Darum soll es in den folgenden Abschnitten gehen.

Ankunft in einer Millionenstadt eines Entwicklungslandes

Geht es uns nicht allen so, wenn wir in einem Entwicklungs- oder Schwellenland eintreffen: Schockierendes Verkehrschaos raubt uns in mehrfacher Hinsicht den Atem. Zum einen ist es das grosse Gedränge der vielen, meist schlecht geschützten Verkehrsteilnehmer, welche in uns Angst vor Unfällen und Verletzungen wecken. Zu Recht, denn es ist eine Tatsache, dass der Verkehr grossen Blutzoll fordert (in den indischen Millionenstädten je 3 ? 6 Todesopfer pro Tag!). Hinzu kommen Lärm und Luftverschmutzung in einem Masse, dass schwere Gesundheitsschäden bei Mensch und Tier unvermeidlich sind.

Neben dem Verkehr wird uns die allgegenwärtige Armut auffallen. Sobald wir an der ersten Rotlicht-Ampel warten, erscheinen in Lumpen gehüllte, verkrüppelte Menschen und schleichen mit flehenden Blicken – um eine Gabe bettelnd um die stehenden Autos. Viele haben auch kein Bett oder Haus in welches sie sich zurückziehen könnten. Die meisten rackern sich mühsam den ganzen Tag ab, um gerade soviel zu verdienen um einigermassen satt zu werden. Manchmal reicht es auch dazu nicht. Das kleine Einkommen (gemäss UNO gilt ein Einkommen von weniger als 1 US$ pro Tag als Armutsgrenze) bewirkt ein Ausgesetzt sein all diesen sehr unangenehmen Erscheinungen in modernen Grossstädten. Kein Schutz vor dem gefährlichen Verkehr, kein Rückzug in eine stillere Umgebung, keine Ruhe für die Augen durch Anblick einer schönen Landschaft, keine Entspannung in einem bequemen Sessel, in einer Gartenwirtschaft oder sportlichen Betätigung.

Wer der stinkenden Grossstadt eines Entwicklungslandes nicht schon früher entflohen ist, wird noch etwas anderes feststellen. Wasser ist eine riesige Mangelware. Und falls Wasser gesichtet wird, ist es oft unansehnlich, stinkig und generell nicht trinkbar. Da ist man nun in einem heissen Land und würde besonders gerne sich mit Wasser abkühlen, waschen und viel trinken, aber nein: Wassermangel, d.h. Wasser sparen und auf vieles verzichten! Als westliche Besucher mit viel Geld kann man sich bestimmt genügend Wasser in gewünschter Qualität kaufen, aber was macht die lokale, ärmere Bevölkerung? Es ist keine Kunst sich vorzustellen, wie die schlechte Wasserverfügbarkeit auch zu vielen gesundheitlichen Problemen führt.

Die Reichen verseuchen, die Armen leiden

In Anbetracht dieser widrigen Umstände machte ich eine nachdenkliche Feststellung. Arme Menschen in Grossstädten sind vor allem wegen Umweltproblemen drangsaliert. Lärm, giftige Luft, Gestank, Staub und Rauch, minimale Flora und Fauna, fehlende Landschaft, mangelndes Wasser, alles Umweltprobleme, die von Menschen verursacht sind. Eine grosse Ungerechtigkeit ist dabei, dass diejenigen, welche die grösste Umweltverschmutzung verursachen, am wenigsten davon betroffen sind. Wohlhabende Menschen konsumieren viele industrielle Güter, welche in teilweise sehr schmutzigen Industrien produziert werden, während die Armen in den Abwassern derselben ihre Wäsche und sich selber waschen müssen! Und diese Industrien produzieren auch für uns in der reichen Schweiz. Also immer dann, wenn wir Güter mit Hinweisen wie beispielsweise made in China, made in India usw. kaufen, machen wir uns an diesen Verschmutzungen mitverantwortlich! Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Eine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit von welcher die Bibel so oft („Gerechtigkeit“ wird allein im Neuen Testament 98 Mal erwähnt) spricht, wird im Zusammenhang mit den Umweltproblemen von Christen in keiner Weise weder gefordert noch gelebt! Christen in aller Welt müssten sich vehement für einen Stop dieser todbringenden Gewässerverschmutzungen einsetzen. Stellen wir uns das einmal realistisch vor: praktisch alle Gewässer sind stark gesundheitsschädlich vergiftet und dies in Ländern, wo Wasser ohnehin sehr knapp ist und die wirtschaftliche Not vielen Menschen gar keine Alternative ermöglicht als dieses ungesunde Wasser zu nutzen. Da wird überdeutlich um was es geht. Nicht nur um den Erhalt einiger Tier- und Pflanzenarten. Nein, es geht um Leben und Tod von Menschen. Wir viel konsumierenden Menschen machen uns via Boden und Gewässerverschmutzung am Tod unzähliger Menschen schuldig. Arme Menschen haben genügend mit mangelndem Einkommen zu kämpfen. Wieso bürden wir ihnen auch noch den Schmutz der für uns produzierenden Industrien auf?

Armut auf dem Land

Auf dem Land, in abgelegenen Gebieten, handelt es sich primär um eine Armut an Möglichkeiten. Man lebt unter grossem Aufwand von dem was das Land (die Landwirtschaft) gerade hergibt. Ein Einkommen, welches weitere Bedürfnisse (z.B. Schulbildung, Arbeitsgeräte) erfüllen liesse, ist nicht erzielbar. Vielen Krankheiten sind die Menschen weitgehend hilflos ausgesetzt. Diese Armut ist am ehesten mit unserer vorindustrialisierten Zeit vergleichbar. Oder man spricht richtigerweise von Unterentwicklung. Umweltverschmutzungen sind hier glücklicherweise meistens noch keine Ursache von Problemen. Aber, das Leben ist derart beschwerlich und aussichtslos verglichen mit dem was man in der Stadt vielleicht haben könnte, dass viele Menschen in die Städte ziehen.

Entwicklungen dürfen nicht einseitig und nicht zu schnell erfolgen

Kann eine zweckmässige Entwicklung diese Probleme lösen? Der Kurs „Technologie und nachhaltige Entwicklung“, welchen ich anfangs dieses Jahres während 4 Monaten in Südindien besuchte, versuchte unter anderem auch dieser Frage nachzugehen. Dabei war eine erste Erkenntnis sehr ernüchternd. Eine Entwicklung führt tendenziell zu weniger Nachhaltigkeit. Dies ist einfach beispielsweise am Ersatz der Jutetasche durch Plastiktaschen zu erkennen. Oder dem Ersatz des Bananenblattes als Teller durch Metall- und Plastikteller. Eine zweite Feststellung: Niemand möchte letztlich wirklich auf Entwicklung verzichten (konsequente Aussteiger gibt es nicht). Folglich ist entscheidend: Entwicklungen dürfen nicht einseitig (unvernetzt) und nicht zu schnell erfolgen. Was heisst einseitig? Leider ist das die heute übliche Form wie Entwicklungen in liberalen Marktwirtschaften erfolgen. Ein entstehendes Bedürfnis wird durch findige Unternehmer möglichst rasch und günstig mit einem Produkt abgedeckt. Also schnell und falls nur minimale oder schwache Gesetze und Regulierungen vorhanden sind, ohne Rücksicht auf soziale und ökologische Ansprüche. In den westlichen Industrieländer ist man bezüglich Regulierungen glücklicherweise weiter.

In einem Entwicklungsland wie Indien denkt eigentlich noch niemand ernsthaft an Umweltschutz. Im Gegenteil, zur Zeit wird der Bau von 3000 km Autobahn geplant! Wer kann es ihnen verübeln, wir haben das ja auch. Zudem gilt bis hinauf zu Professoren: Was der Westen hat, wollen wir auch. Das heisst nichts anderes als schnelle und einseitige Entwicklung. Die Folge wird sein: noch mehr Ungerechtigkeit, noch mehr soziale Not, noch mehr Belästigung durch Umweltverschmutzungen. Aus meiner Sicht gibt es nur einen Ausweg aus der Sackgasse und diesen könnten gerade wir Christen konsequent beschreiten.

Es braucht einen Wertewandel. Und dieser muss in den reichen Ländern, bzw. bei den wohlhabenden Menschen beginnen.

Die unerkannten Sünden der Wohlstandsgesellschaft

Wir Westler sind von einem Drang nach immer mehr besessen und wir sollten davon Abstand nehmen. Diese Sucht nach immer mehr Genuss und Befriedigung, lässt sich wie folgt kennzeichnen:

  1. Konsum: Ich bin glücklicher, je mehr ich kaufe/konsumiere
  2. Mobilität: Ich bin glücklicher, je mehr Orte ich besuche
  3. Individualismus: Ich bin glücklicher, je mehr ich meine Zeit alleine gestalten kann

Diese Botschaften von mehr Konsum, mehr Wissen und mehr Individualität sind tief in uns verankert und werden täglich bei uns genährt. Nicht nur durch die böse Werbung ? nein durch unsere eigenen Freunde und Familienmitglieder sowie unsere eigenen Gedanken! Diese Botschaften sind aber sicher nicht biblische Botschaften. Die Bibel sagt, die Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott macht glücklich. Die Liebe zu Gott Vater, zu Jesus Christus und zum heiligen Geist machen glücklich. Und liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Wir verkürzen dieses zentrale erste Gebot immer auf den letzten Punkt: … liebe Dich selbst.

Wir müssen diese ?Lügen? erkennen, vor Jesus bekennen, um Vergebung bitten und uns durch IHN verändern lassen. Also beispielsweise lernen:

  1. Weniger Konsum macht uns freier (mehr Zeit wird verfügbar) und kreativer. Sprechen wir mit unseren Freunden doch mehr darüber was wir in Gemeinschaft, beim Spielen und Werken sowie beim Sport und in der Natur erleben anstelle von unseren neusten Anschaffungen und extravaganten Bedürfnisbefriedigungen.
  2. Es gibt so vieles in der Nähe, das spannend ist und noch entdeckt werden kann. Woher nehmen Christen nur die Idee, dass nur Ferien im Ausland wirklich Ferien sind ..?
  3. Der Mensch ist für die Gemeinschaft geschaffen. Warum leben auch sehr viele Christen ausserordentlich individualistisch und egozentrisch?
  4. Mit meiner überschüssigen Kaufkraft kann ich sehr wirkungsvoll Menschen in Entwicklungsländern helfen (mit dem Geld das für 1 Kind in der Schweiz aufgewendet wird, können mindestens 25-30 Kinder in Indien unterhalten/aufgezogen werden)
  5. Qualität kaufen. Darauf achten, dass soziale und ökologische Kriterien bei der Herstellung erfüllt wurden und dass das Produkt langlebig ist (von der indischen Industrie weiss ich, dass diese sich nun um Umweltverschmutzung vermehrt kümmert, seit die Kunden (wir!) das vermehrt verlangen, beispielsweise via Umweltzertifikaten).

Und wir finden uns sogar wieder im Einklang mit der Bibel (z.B. „Werdet wie die Kinder?). So oft stelle ich bei unseren Kindern fest, dass sie keinen Konsum suchen. Das Nahe, Ruhende und Gemeinschaft mit Menschen und Tieren ist das Schönste für sie. Als einfacher Massstab für mehr Umweltverträglichkeit lassen sich folgende Regeln anwenden:

– Transporte: wenige und vor allem nur über kurze Distanzen sowie energiesparende Transporte

– Material: minimaler Aufwand bei Herstellung und Transport sowie gut biologisch abbaubare Materialien

– Raum/Anlagen: wenig Heizenergie für Räume und Warmwasser sowie wenig Betriebsenergie für Anlagen

Evangelisch ausgedrückt müsste Wertewandel heissen: Ein neues Leben mit Jesus Christus beginnen.

Zuerst aber müssen wir uns ganz klar von Mammon lossagen (Mt. 6.24: Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon). Oder wollen wir Gottes Erwartung an unsere Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit weiterhin ignorieren und uns „Bequemerem“ zuwenden? Sich vor der Verantwortung verstecken hat sich bei Gott noch nie gelohnt (Mt 23,23). Mit unserem wilden Mit-Konsumieren, mit dem in aller Welt herumreisen und Ego frönen, tun wir aber genau das.

Einen attraktiven, evangeliumsgemässen Lebensstil entwickeln

Um wirklich weiter zu kommen, müssen wir vor allem eine Attraktivität und die richtige Sprache für diese anderen Werte zu finden. Denn heute wird das Attraktive gesucht, nicht Verzicht. Wie wäre es, wenn wir in kleinen Gruppen unserer Gemeinden wie beispielsweise Hauskreisen und Leitungsteam der Sonntagsschule damit beginnen würden? Spannende Familiennachmittage im Wald anbieten, Tiere in einem Naturschutzgebiet beobachten, Baden im Moorsee, Mountain-Bike-Touren mit Freunden oder Nachbarn, gemeinsam etwas werken, Gastfreundschaft üben usw.

Es gäbe noch viele weitere attraktive Möglichkeiten das Evangelium nicht nur zu kennen, sondern es auch ganzheitlich zu leben. Allerdings gilt auch hier: wir können es nicht machen. Der heilige Geist muss unser Herz verändern, damit wir voll Freude und tiefer Überzeugung uns auf den neuen Weg begeben. In der Familie oder dem Hauskreis können wir damit beginnen, unseren Lebensstil vor Gott zu bringen, auf Seine Stimme zu hören und verändert in unsere Gesellschaft hinein zu wirken.

Erschienen in der Zeitschrift „Bausteine“ Nr. 7/2002

Werner Hässig


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Atten. Getter: Ihr macht jemandem ein Geschenk und diese Person nimmt das Geschenk und in kürzester Zeit ist es kaputt, weil sie Dinge damit gemacht hat, für die das Geschenk nicht gedacht war. Wie fühlt ihr? So oder ähnlich wird sich Gott fühlen, wenn er daran denkt, wozu er uns seine Schöpfung anvertraut hat.

Einleitung:

Gott hat aus dem Nichts, aus dem Chaos eine herrliche Schöpfung bereitet und uns Menschen dadurch einen Lebensraum gegeben, indem wir uns entfalten können. Gleichzeitig hat er uns als Abbild seiner Herrlichkeit in diese Schöpfung gestellt und sie unserer Fürsorge anvertraut. Doch was haben wir daraus gemacht? Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass wir am Rande des ökologischen Zusammenbruchs sind. Der Lebensraum, den Gott uns anvertraut hat wird uns zum Todesbereich, und wir Christen können uns davor nicht verschliessen, wenn uns wirklich ernst damit ist, dass diese Schöpfung Gottes Werk ist.

In einem ersten Schritt wollen wir einmal ganz offen der Krise unserer Umwelt in die Augen schauen und dann sehen, worin unser Auftrag als Christen besteht.

1. Die Krise

Wir wollen zuerst zusammentragen, wodurch Gottes Schöpfung gegenwärtig bedroht wird:

· Abgase (Brenn- und Treibstoffe) – Ozonloch

· Raubbau der Rohstoffe

· Atom und Atommüll

· Müllberge

· Giftstoffe in Wasser, Land und Luft

· Chemie und ihre Abfälle

· Abholzung des Regenwaldes

· Aussterben vieler Tierarten täglich

· Überfischung der Meere

· Gemästete Tiere mit Antibiotika machen Bakterien resistent

· Zunehmende Erkrankungen der Atemwege; Krebs und andere Zivilisationskrankheiten

Der Lebensraum, den Gott uns geschaffen hat, ist weltweit aus dem Gleichgewicht gefallen und die grösste Gefahr dieser Krise ist, dass wir immun davor werden und gar nicht mehr auf die Probleme reagieren.

Wenn wir uns einmal überlegen, woher all diese Probleme kommen, dann sind wir ganz schnell bei einem der Hauptprobleme: die Menschen wollten mit begrenzten Möglichkeiten unbegrenzte Ansprüche stillen: immer schneller, immer mehr, immer besser. Zudem haben die Menschen die Erde nach den Wertvorstellungen menschlicher Machtentfaltung verwaltet und nicht nach den Massstäben göttlicher Gerechtigkeit. Da sind wir uns selber ins offene Messer gelaufen; oder anders ausgedrückt: mit unserem Wunsch nach unbegrenzten Möglichkeiten sägen wir den Ast ab, auf dem wir selber sitzen. Anstatt in fürsorglicher Art und Weise dieser Schöpfung zu dienen, haben wir uns die Schöpfung dienlich gemacht, und dadurch ist sie aus dem Gleichgewicht gefallen. Wir wollen nur noch Grenzen sprengen und überwinden anstatt in Grenzen zu leben. Fortschritt ist halt nicht alles ? es gibt auch noch das Gleichgewicht.

Die Aussage des Paulus in Röm. 8,19-23 stimmen heute mehr denn je: die ganze Schöpfung ist in Mitleidenschaft gezogen worden und wartet unter Seufzen auf ihre Erlösung.

Als Christen müssen wir lernen, dass wenn wir von der Sünde der Menschen sprechen, wir nicht nur von Scheidung, Abtreibung, Alkohol oder was weiss ich was reden, sondern von der Ausbeutung der Schöpfung Gottes, von Umweltsünden und vom Glauben, dass es für den Fortschritt keine Grenzen gäbe. Umweltsünden sind auch Sünden an Gott und an unseren Mitmenschen, genau wie Abtreibung, Rassissmus, Pornographie und jede Form von Gottlosigkeit. Im Bereiche der Umweltsünden wird das Werk Gottes täglich mit Füssen getreten, und wir können es uns als Gemeinde nicht leisten, uns auf einige Spezialthemen zu begrenzen und diesen Bereich einfach den anderen zu überlassen. Schliesslich ist die Fürsorge der Schöpfung der erste Auftrag des Menschen gewesen und entspricht sozusagen seinem Urauftrag. Natürlich wissen wir, woher diese Probleme kommen, und gerade deshalb haben wir einen wesentlichen Beitrag zu leisten. Wenn für die Gemeinde der Umgang mit der Schöpfung Gottes kein Thema ist, nur weil es von den Grünen besetzt ist, ist das eher ein Armutszeichen als ein Zeichen von Geistlichkeit.

Das führt uns nun zu unserem Auftrag in der Schöpfung

2. Unser Auftrag

Unser Auftrag ist kurz umrissen die Erhaltung und Entfaltung der Schöpfung Gottes, also des Raumes, den er uns gegeben hat. Nun können wir weder Busch noch irgend eine Regierung dazu bewegen, den CO2 Ausstoss zu reduzieren, wir können die Chemiekonzerne nicht dazu anhalten, ihr Umwelt belastendes Material in Wasser, Luft und Erde abzustossen und wir werden Schlachtgrossbetriebe kaum davor abhalten, ihre Tiere mit Antibiotika zu füttern, damit sie in noch kürzerer Zeit noch mehr Fleisch hergeben. Ich weiss auch nicht, ob ich bereit bin auf das Auto zu verzichten, nur noch beim Bauern einzukaufen und den Müllberg zu verringern. Obwohl das alles sehr erstrebenswert wäre und eventuell der einzige Weg ist, uns vor der Katastrophe zu bewahren.

Ich glaube, einer unserer ersten Beiträge den Auftrag an der Schöpfung Gottes wahrzunehmen ist neu zu lernen mit Grenzen zu leben und diese als Schutz und als Hilfe und nicht als Einengung zu sehen. Die Masslosigkeit und die Grenzenlosigkeit unserer Zeit führt buchstäblich zu einer masslosen und grenzenlosen Katastrophe und unsere Bereitschaft Mass zu halten, Grenzen zu akzeptieren rührt an das Grundproblem. In Bezug auf die Schöpfung heisst es in der Bibel immer wieder, dass Gott Grenzen gesetzt hat; dem Wasser, dem Land und allem auf dieser Erde. Grenzen sind nicht einfach eine Herausforderung, um einen Weg zu suchen, um diese zu sprengen, sondern eine Linie, die Gott uns gegeben hat, damit sie nicht übertreten wird.

Weiter glaube ich, dass wir als Gemeinde unsere Stimme in Sachen Umwelt genauso erheben müssen wie gegen die Abtreibung oder gegen Rassissmus. Gott hat uns die Natur, die seine Schöpfung ist, nicht einfach dazu gegeben, dass einige daraus möglichst viel Gewinn und Kapital schlagen, sondern dass sie in einem Gleichgewicht bestehen kann, so dass alle sich darin entfalten können. Wenn wir zu diesen Themen schweigen haben wir praktisch Gott als dem Schöpfer dieser Welt abgesagt, auch wenn wir noch so vehement dafür eintreten mögen, dass Gott diese Welt in buchstäblichen sieben Tagen geschaffen hat. Wenn wir uns nicht zum Umgang mit der Schöpfung äussern, spielt es auch keine Rolle mehr, wer und in welcher Zeit sie geschaffen wurde.

Und letztlich wird es auch immer eine Frage des Lebensstils sein. Wir werden nicht umhin kommen, uns immer wieder kritisch zu hinterfragen. Vielleicht ist der Preis für teurere, umweltverträglichere Produkte langfristig der kleinere Preis, denn der Preis für umweltschädliche Billigprodukte könnte der Zusammenbruch und der Tod sein. Auch hier sollten wir nicht schlauer als Gott sein wollen.

Schluss
Wie wir das im einzelnen ausleben können, welche Möglichkeiten und Aufgaben wir hier im Konkreten haben, darüber müssen wir weiter diskutieren. Eines aber ist sicher: Gott hat seine Schöpfung unserer Fürsorge anvertraut; sie gehört auch zu jenen uns anvertrauten Pfunden, mit denen wir schaffen sollen. Dies einfach einigen Spezialisten zu überlassen, ist eine sträfliche Vernachlässigung unseres Auftrags.


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Anregungen für eine biblische Auseinandersetzung

Gottes Auftrag
Der Schöpfungsbericht beschreibt die Schöpfung der Welt und des Menschen. Oft wird die besondere Stellung des Menschen in der Schöpfung betont. Ich möchte dem keineswegs widersprechen, überträgt ihm Gott doch die Verantwortung über die gesamte Schöpfung und befähigt ihn, diese auch auszuüben; er soll über die Tiere herrschen1. D.h. Gott macht das Schicksal der Schöpfung abhängig vom Willen des Menschen. Es ist aber doch beachtenswert, dass die Erschaffung der ?Natur? im Schöpfungsbericht über 25 Verse2 und ganze fünf Tage beansprucht, die Erschaffung des Menschen aber nur einen Tag und sechs Verse dauert. Gott setzt also fünfmal mehr Zeit (demnach auch Energie, Kreativität…) für die Erschaffung unserer Um-Welt ein als für die des Menschen.

?Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.?3 Gott stellt den Menschen in die Mitte seiner Schöpfung mit einem Doppelauftrag, den man in der heutigen Zeit mit ?Nachhaltigkeit? umschreiben könnte: Der Mensch soll die Schöpfung nutzen, um die Frucht der Erde zu seiner Existenzsicherung zu gewinnen4; dies ist der progressive Aspekt des göttlichen Auftrags. Der konservative Aspekt liegt darin, dass der Mensch die Schöpfung schützen soll. Gott überträgt dem Menschen die Autorität, zu nutzen und zu schützen. Diese Autorität soll er nicht zur Ausbeutung, sondern zur eigenen Existenzsicherung und als Auftragnehmer und Verwalter Gottes nutzen. Der Mensch soll also Gott dienen, indem er die Schöpfung bewahrt.

Teil des Heilsgeschehens
Auch nach dem Sündenfall bleibt Gottes Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, bestehen. Gemäss Paulus ist die Schöpfung ein für alle zugänglicher Gottesbeweis5. Da sie aber der Autorität des Menschen unterworfen ist, trägt sie die Folgen dessen Handeln und ist somit der Zerstörung unterworfen, die durch die menschliche Sünde in die Welt gekommen ist. Genauso wie die Menschen hofft darum die ganze Schöpfung darauf, aus dieser Zerstörung befreit zu werden6. Als Kinder Gottes müssen wir uns der Frage stellen, wie wir die Befreiung der Schöpfung schon jetzt einleiten können; in der gleichen Weise wie wir uns ja auch bemühen, heilig zu leben, obschon wir wissen, dass die wahre Heiligkeit erst im Himmel möglich sein wird.

Teil von Christi Versöhnungswerk
Die ganze Schöpfung ist Gott aber so wichtig, dass er sie in sein Versöhnungswerk einbezieht: In der ursprünglichen Schöpfung waren Umwelt und Mensch in einem harmonischen System verein. Der Mensch als eingesetzter Vertreter Gottes nutzte und bewahrte die Schöpfung in demütiger Haltung als Diener, und das galt auch ihm selber. Durch den Sündenfall wurde diese Einheit zerbrochen. Der Mensch sieht sich nicht mehr als Teil der Schöpfung, die Natur wird zu einer Grösse ausserhalb seiner selbst, die ihm feindlich entgegentritt. Das lateinische Wort natura heisst: die gebären wird. Das verdeutlicht die selbsterhaltende, auf sich selbst konzentrierte Kraft, die der Mensch als feindlich, aber durch ihre Andersartigkeit auch als faszinierend erlebt (Fruchtbarkeitskulte).

Nun wird aber Christus ?der Erstgeborene der Schöpfung? genannt7, mehr noch ? er ist der Ursprung aller Schöpfung: ?In ihm ist alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, erschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare …: Alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Und er ist vor allem, und alles hat in ihm seinen Bestand.?8 Durch den Tod am Kreuz soll der Bruch zwischen Gott und seiner Schöpfung rückgängig gemacht werden: ?Denn [Gott] beschloss, durch [Christus] alles mit sich selbst zu versöhnen, indem er durch sein Kreuzesblut Frieden stiftete ? durch ihn zu versöhnen, sei es, was auf Erden, sei es, was in den Himmeln ist.?9 Gottes Versöhnungswerk geht also über seine Versöhnung mit dem Menschen hinaus und bezweckt auch die Versöhnung der gesamten Schöpfung mit Gott, die Versöhnung des Menschen mit dem Menschen und auch die Versöhnung des Menschen mit seiner Umwelt.

Der Mensch hat also Autorität über seine Umwelt; er missbraucht diese seit dem Sündenfall; Gott aber möchte den Menschen wieder mit seiner Umwelt versöhnen. Daraus ist zu folgern, dass der Mensch, der diese Versöhnung mit Gott und Mitmenschen erlebt hat und immer neu erlebt, auch die Versöhnung mit seiner Umwelt suchen muss. Er kann nicht Jünger des dienenden Gottessohnes sein und gleichzeitig seine Mitgeschöpfe ausbeuten. Wir brauchen eine Bekehrung unserer Beziehung zur Schöpfung, für eine nachhaltige, d.h. schonende Nutzung unserer Umwelt.

Wen beten wir an?
Oft werden Bedenken geäussert, im Umweltschutz würde der Schöpfung eine göttliche Stellung eingeräumt, man verehre die Schöpfung statt den Schöpfer.10 Es muss gesagt sein, dass diese Haltung, die in grünen und alternativen Kreisen gewiss verbreitet ist, nur soviel Raum gewinnen konnte, weil die Christen die Umweltproblematik erst sehr spät erkannt haben und so esoterischem Gedankengut in diesem Bereich während langer Zeit freies Feld gelassen haben. Gerade deshalb ist es so wichtig, zu wissen warum wir Christen berufen sind, zur Umwelt Sorge zu tragen. Dazu einige Gedanken:

In der Bibel kommt sehr klar zum Ausdruck, dass Gott die Schöpfung in einem souveränen Akt erschaffen hat.11 Gott ist Subjekt, die Schöpfung ist Objekt. In keinem Kontext wird diese Abgrenzung in Frage gestellt. Es ist also Gott, dem Anbetung gebührt. Die Bewahrung der Schöpfung kann deshalb nur im Rahmen der Anbetung Gottes erfolgen. Das ist ja auch logisch: Wenn wir die Schöpfung, die eine Leihgabe Gottes ist, kaputtmachen, drückt das keine grosse Wertschätzung für den Schöpfer aus. Es ist ein Akt der Liebe zu Gott, wenn wir versuchen, seine Schöpfung zu bewahren.

In Hiob und zahlreichen Psalmen wird die Schöpfung als Ausdruck von Gottes Allmacht und Kreativität beschrieben.12 Die Ausbeutung der Schöpfung erscheint demnach als Ausdruck des menschlichen Allmachtswahns. Wie können wir Gott mit Psalmen oder Anbetungsliedern für die Schöpfung loben und gleichzeitig sorglos mit den natürlichen Ressourcen umgehen?

Gott ist unvergänglich, während die Schöpfung vergänglich ist. Das bewahrt uns auch vor dem Trugschluss, wir könnten die Schöpfung retten. Wenn einer retten kann, dann ist es Christus. Wir wissen, dass die Schöpfung gut gemacht ist, aber durch die Sünde des Menschen verdorben wurde und tatsächlich eine zerstörerische Seite hat. Aber vergessen wir nicht: Gott verurteilt uns Menschen nicht, weil wir sündhaft und sterblich sind. Er beruft uns vielmehr, ihm schon hier zu dienen und ihn mit unserem vergänglichen Leben zu ehren, obschon das Vergängliche eines Tages zu Ende gehen wird. Ebenso sind wir berufen, die vergängliche Schöpfung zu bewahren, weil sie Gott gehört. Hier heisst es, die Autorität, die uns Gott gegeben hat, auf gesunde Art auszuüben.

Jakobus bezeichnet den Menschen in seinem Brief als Erstling der Schöpfung13 und stellt damit die Chronologie des Schöpfungsberichts auf den Kopf. Wenn das heisst, dass die Schöpfung für den Menschen erschaffen wurde, dann ist aber auch klar, dass Gott die Schöpfung aus Liebe geschaffen hat; er ist ja Liebe, d.h. der Mensch soll die Schöpfung in erster Linie dazu nutzen, seinem Schöpfer Liebe entgegenzubringen, das ist der ?logische? Gottesdienst.

Bewahrung der Schöpfung:
Die Schöpfung dient dem Menschen:

· Sie bietet ihm körperliche, seelische und geistige Erholung.

· Sie bietet ihm eine Lebensgrundlage.

· Sie erinnert ihn an die Allmacht Gottes.

So verfolgt der Mensch zwei Ziele, wenn er seine Umwelt bewahrt:

· Er ehrt Gott.

· Er erhält seine eigene Lebensgrundlage und die seiner Kinder. Sogar dieses Ziel führt im Endeffekt wieder zur Gottesanbetung zurück, weil nur lebendige Menschen Gott auch ehren können.14

Die Schöpfung bewahren ist Zeichen und Zeugnis für unsere Liebe zum Schöpfer.

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1. ?Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan, und herrschet über die Fische im Meer und die Vögel des Himmels, über das Vieh und alle Tiere, die auf der Erde sich regen!? 1. Mose 1,27-28

2. 1. Mose 1,1-25

3. 1. Mose 2, 15

4. 1. Mose 1,29: ?Siehe, ich gebe euch alles Kraut, das Samen trägt, auf der ganzen Erde, und alle Bäume, an denen samenhaltige Früchte sind; das soll eure Speise sein.?

5. ?[Gottes] unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, ist ja seit Erschaffung der Welt, wenn man es in den Werken betrachtet, deutlich zu ersehen…? Römer 1,20

6. ?Denn die Sehnsucht des Geschaffenen wartet auf das Offenbarwerden der Herrlichkeit der Söhne Gottes. Denn der Nichtigkeit wurde das Geschaffene unterworfen, nicht freiwillig, sondern um dessen willen, der es ihr unterwarf; auf die Hoffnung hin, dass auch das Geschaffene selbst befreit werden wird von der Knechtschaft des Verderbens zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.? Römer 8,19-22

7. ?Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne der ganzen Schöpfung.? Kolosser 1,15

8. Kolosser 1,16-17. S.a. Offenbarung 3,14: ?…der Anfang der Schöpfung…?

9. Kolosser 1,19-20

10. Damit wird der Umweltschutz mit der Gottlosigkeit des sündigen Menschen in Römer 1,25 in Verbindung gebracht: ?[Sie brachten] den Geschöpfen Anbetung und Verehrung dar … statt dem Schöpfer…?

11. 1. Mose 1+2

12. Hiob 38-41; Psalm 8; 19; 29; 65; 104; 136 u.a.

13. Jakobus 1,18

14. Psalm 115,17